TaiChianer

Forum der Tai Chi Gung – Mitglieder

Eine Wende in Tai Chi

Freitag 13. November 2015 von Gottfried

Glossareintrag: Wende

Als Wende wird eine Körperdrehung um (meistens) 180° bezeichnet, womit die folgende Bewegungsrichtung und der weitere Ablauf einer →Form in entgegengesetzte →Richtung des bisherigen Ablaufes fortgesetzt wird.

Beispiel: Verläuft die Form zuerst in einer Bahn (Blick-)Richtung Osten, läutet eine Wende den Beginn des weiteren Verlaufs in Richtung Westen ein.

Eine Wende in Tai Chi kann auf verschiedene Art und weise ausgeführt werden:

  • Als Kombination von Überleitungsbewegungen zur Einleitung eines (Bogen-)Schritts,
    zB.: “Drehen nach rechts” gefolgt von “Ball halten rechts” (5-Bilder-Form);
  • Im Stand (ohne Schritt), zum Beispiel in der Peking-Form (→24er-Form): “Wende vom →Bogenschritt rechts zum Bogenschritt links” (ca. 170°);
  • Mit Hilfe eines “Diagonalschrittes”: Ein Bogenschritt, welcher durch einen →Halbschritt “um 180° zur gleichen Körperseite” eingeleitet wird (zB.: →37er-Form);
  • Oder als “Drehung” (= Sonderform der Wende, ebenfalls: 37er-Form);

Das Kennzeichen

jeder Wende ist, dass diese immer(!) mit einer Drehung des Fußes des am Kurvenradius außen befindlichen Beines begonnen wird. D.h.: Eine Wende nach rechts beginnt mit der Drehung des linken Fußes (Drehpunkt ist die Ferse), wobei das ganze Bein und eine Gewichtsverlagerung beteiligt ist. Eine Wende nach links startet somit am rechten Bein (Bewegung des rechten Fußes).

Anmerkung:

Hierin zeigt sich wiederum die Genialität und Effektivität des Trainings und der Bewegungen von Tai Chi: Jede Bewegung erfolgt von der Taille (dem →Dan Tien, “der Hüfte”) aus. Eine Wende beginnt mit der Veränderung der Fußstellung, welche folgerichtig mit einer Bewegung des gesamten(!) Beines einhergeht. Wenn man dabei also die Fußspitze um beispielsweise 90° auf der Ferse dreht, erfolgt dies durch Drehung des gesamten Beines.

Die jahrelange Trainingspraxis und damit Erfahrung mit vielen Trainierenden in unserem Verein lässt mich folgende Schlüsse ziehen: Knieprobleme und “Belastungserscheinungen” im Kniebereich entstehen in den allermeisten Fällen durch falsche Bewegungsabläufe (sofern nicht eine Verletzung durch äußere Einwirkung vorliegt). “Drehungen” und “Wenden” werden dabei im Alltag, beim Gehen und Laufen, meistens durch “Verdrehen des Kniegelenkes”, anstelle durch “Drehen des Fußes, gemeinsam mit dem betreffenden Bein” durchgeführt. Dies führt auf Dauer zu Abnützungserscheinungen und stetiger “Überbelastung” des Kniegelenkes. Richtig durchgeführte “Wenden” in Tai Chi, belasten kein Knie!

Wird dieser (neue) Bewegungsablauf ständig geübt und geht damit schließlich “in Fleisch und Blut” über, wird dieser selbstverständlich auch (meist unbewusst) im Alltag verwendet.
Die Belastung der Knie “lässt nach” und die Beschwerden ebenfalls.

Wichtig: Dies ist keine Therapieempfehlung und ersetzt keinesfalls ärztliche Betreuung, falls ein physiologisches Problem vorliegt – aber es soll damit eindeutig gesagt sein, dass mit der “richtigen Bewegung” erneute und zusätzliche Kniebelastungen vermieden werden!

Als Ergänzung sei mir erlaubt, Folgendes zu sagen:
Nachdem wir im Verein in den vergangenen Jahren und bis heute, auch etliche ehemalige Fußballspieler, Handballer, Volleyballer oder sonstige ehemalige(!) Ballsportspieler betreuten, welche mit Tai Chi eine neue sportliche Betätigung suchten, nachdem sie “ihre alte Sportart” wegen Knie-, Hüft- oder Rückenproblemen nicht mehr ausüben können, stellt sich mir schon die Frage: Warum lehrt man dort nicht endlich auch einmal, wie man richtig steht, geht, läuft und sich wendet, um mögliche Schädigungen und (Über-)Belastungen der (Knie-)Gelenke zu vermeiden?

Eigentlich sollte dies ebenfalls in jede “Grundausbildung” jener Sportarten aufgenommen werden und sich nicht auf Ausdauer, Schnelligkeit oder Training von Spielzügen beschränken.

Zumindest im Schulsport, sollten jene Informationen und zugehöriges “Körpertraining” verpflichtend sein, oder nicht?

Abschließend wichtig:

Eine Wende gilt ebenfalls als →Überleitungsbewegung und ist kein eigenständiges →Bild, kann aber auch “in” einem Bild zur Anwendung gelangen.

Tipps:

  • Weitere Fragen und Antworten zu Tai Chi Gung finden sich auf der Seite: →Ask a Sifu
  • Weitere Begriffserklärungen zu Stichwörtern von A bis Z findet man(n)/frau im alphabetisch sortierten →Glossar-Index —
  • Unterstütze die Vereinstätigkeit als Fördermitglied und genieße alle Vorteile, unter anderem den Fernlehrgang:
    Fernlehrgang im eLearning (Inhalte und Vorteile)

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Die Form als Allegorie

Dienstag 20. Oktober 2015 von websifu

für das Tao des Menschen

Viele Taichianer wissen ja bereits, dass jeder Bewegungsabschnitt – von uns selbst “→Bild” genannt – mehr als den körperlichen →Aspekt beinhaltet.
Ein weiterer Aspekt dabei ist auch die Bedeutung, wenn mann so möchte: Der “Sinn-Aspekt”, also die Allegorie.

Selbiges gilt natürlich auch für die →Form als Gesamtes.

Exkurs:
“Die Form” in Tai Chi (Taiji) kann von der “Funktion” und vom Ablauf her, also körperlich und im Sinne des Kampfkunstaspektes gesehen, durchaus auch mit der Kata, Mehrzahl: den Katas, des Karate (Karateka wissen, was damit gemeint ist) als auch mit den Pumsae (manchmal auch geschrieben: Poomse) des Taekwondo verglichen werden.

Anders jedoch, als in den meisten(!) dort durchgeführten Trainings, ist “die Form” (des Tai Chi) IMMER(!) zugleich ein Meditationsablauf, welcher der hierin beschriebenen Allegorie folgt.

Die Form als Gesamtes steht dabei als Allegorie für das Tao des Menschen:

Jene beginnt mit “→Wu Chi” (Anm.: der “tatsächliche” Anfang, “die Stille”, “das Ruhen aller Kräfte”), führt über die Bewegungen im Wechselspiel von “→yin” und “→yang” (dem “Entstehen” und “Verteilen” von “→Chi“), wird vollendet, wenn die Bewegung (”yin und yang”) endet und findet damit schließlich – nunmehr “erhöht” – wieder zum Ausgleich und Ruhen aller Kräfte in “Wu Chi” , was übrig bleibt ist Stille – “erfahrbar” mit “→Wu Wei”.

yinyang_genese

Daraus ergibt sich auch (insbesondere für das Training und Praktizieren der Form):

Die Aktivität (das Ausführen der Form = das Wechselspiel der Eigenschaften “yin” und “yang”) “muss” also abwechseln mit Stille – und damit mit “Wu Wei” (”innen” sowie “außen”), ansonsten kann die Vollendung mit der “Erhöhung im Geiste” nicht erreicht werden.

Anmerkung:
Na ja, zugegebenermaßen – manche “wollen” das ja auch gar nicht.
Gemäß dem Motto: “Lieber alles so lassen, wie es ist.”

Wir vom Tai Chi Gung – Landessportverein, Salzburg, möchten obig Erläutertes keinesfalls “verschweigen” oder gar “verheimlichen”, denn dies “gehört einfach zu Tai Chi”.

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Glossareintrag: Ching

Sonntag 17. Mai 2015 von websifu

Glossareintrag: ching

Alternative Schreibweisen: chin, jing, jin, ging (in “I Ging”);
manchmal auch: Xing (→Pinyin-Schreibweise: “X” für gesprochen: “Tsch”/”dsch”)

Wörtliche Übersetzungen: Verhalten, Benehmen;
oder manchmal leider viel zu simplifizierend auch nur mit dem Wort “Reise” übertragen;

Urtextlich aber in der Bedeutung: “wie es zum Ziel geht”, “was gemacht wird, um anzukommen”, also eigentlich der Reise-Weg, besser gesagt: Das “Reiseverhalten”, bzw. die “Art und Weise der Reiseausführung/der Wegbeschreitung” -

Eigentlich müsste man sagen: Die “Wegbenehmensverhaltenseigenschaft” (Wortneuschöpfung).

Beispiel: “tung chin(g)” -
entspräche: Die “Wegbenehmensverhaltenseigenschaft” (eines Menschen), um die “Energie” (gemeint natürlich: das →Chi) in sich selbst und beim Gegenüber(!) zu “verstehen” – Kampfkunstaspekt: Die “Wegbenehmensverhaltenseigenschaft” um die “Energie des Gegners zu verstehen” (sprich: Das Chi des Gegners “lesen” zu können).

Damit ist ein weiteres Geheimnis des Tai Chi Chuan gelüftet:
Die (Aus-)Wirkung der “inneren Kräfte” (eines Menschen) entspricht keinesfalls dem Einsatz “ominöser phantastischer parapsychischer Kräfte”, über welche nur beispielsweise Mutanten der X-Men in gleichlautenden Comics oder deren Verfilmungen verfügen, sondern dem perfekten Einsatz und Abstimmung aller dem Menschen gegebenen (natürlichen) Fähigkeiten, angepasst an eine bestimmte Situation, in perferkter Harmonie aller beteiligten Komponenten “zugleich”. Die “Kraftwirkung” entspricht dabei “der Summe von allem Beteiligtem” -
d.h.: “Innen”: Fühlen, Denken, “spüren”, “Lenken”(Vorstellen)…, die “Haltung” (Einstellung!), wie “Außen”: die “Art” der Bewegung, “die Kraftwirkung(der Vektor)”, der Impuls, …, das “Muskel(zusammen)spiel”, …, “die Stellung” (die Position), die Schwerpunktverlagerung, usw.usf.

Man sagt ja auch: Die Summe perfekt zusammenwirkender Komponenten entspricht dabei immer mehr, als die Möglichkeit/Fähigkeit/Eigenschaft der Einzelkomponenten, oder?

siehe dazu auch Eintrag: →chin

Tipps:

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Der Bogenstand

Mittwoch 29. April 2015 von websifu

(eine Begriffserklärung zum Verständnis “fremder” Literatur)

Glossareintrag: Bogenstand

= gelegentlich ein in deutsch erhältlichen Dokumentationen zu findender Begriff als Übersetzung von “gongbu”, welcher leider auch synonym als “→Pferdestand” zu finden ist – welcher dann aber wiederum korrekterweise nur mit “→Reiterhaltung” bei Bezeichnung für ein breites →Wu Chi übersetzt werden sollte -
aber ebenso häufig auch als Bezeichnung der Endposition eines Bildes, welches im “breiten Bogenschritt” endet, Verwendung findet.

Mit “Bogenstand” (gongbu) wird also – woanders(!) – die Beinstellung, genauer gesagt: Die Stellung der Beine und Füße in einer →Endposition nach Ausführung eines →Bogenschritts bezeichnet.

Tipps:

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Bilddokumentation: Der Kranich

Montag 13. April 2015 von websifu

Ab sofort ist diese weitere Bild-Dokumentation als PDF-Datei (für registrierte Mitglieder und Förderer) im Download erhältlich.

Bilddokumentation: “Der Kranich”
bd010_kranich.pdf

Bilddokumentation Nr. 10 von Gottfried Rinner. Detailbeschreibung des Bildes “Der weiße Kranich breitet die Flügel aus” – (chin.: “Baihe Liangchi”) lt. Definition des Tai Chi Gung (Namen, Allegorie, Ablauf mit Darstellung, Überleitung, Atemtechnik, Imagination und Kampfkunstaspekt) – nur für registrierte Mitglieder.

Alle aktuell verfügbaren Bilddokumentationen (eBooks im PDF-Format) finden sich gesammelt in der Download-Rubrik: →Bilddokumentationen.

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