TaiChianer

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Der Kampfkunstaspekt bei Tai Chi Gung

Donnerstag 27. Januar 2011 von websifu

Glossareintrag: Kampfkunstaspekt

Vorwort

Auch wenn jemand andere Schwerpunkte für das Training von Tai Chi setzen mag (Gesundheit, Fitness, Spaß an der Bewegung, …, Meditation in Bewegung, etc.), so ist der Kampfkunstaspekt dennoch untrennbar mit Tai Chi Chuan (Taiji Quan) verbunden und ein gleichwertig zu beachtender →Aspekt.

Siehe dazu auch: “→Ursprung des Tai Chi (Chuan)” bzw. die Beschreibung zum überlieferten “Begründer” mit Namen →Chang San-Feng.

Wichtig:
Bitte “Kampf” nicht sofort in die Schublade “körperliche Handgreiflichkeiten” ablegen! – “kämpfen” bedeutet auch: Sich auseinandersetzen, sich durchsetzen, sich abgrenzen oder hinwegsetzen (z.B. auch von Meinungen, Haltungen oder Widerständen), sich stellen, sich entscheiden, …, einlassen oder ablehnen, verteidigen, …, konfrontieren, usw.

Tai Chi ist ganzheitlich – und zum Leben eines Menschen gehört nun einmal auch der Kampf, egal wie “zivilisiert” oder “sublimiert” dieser an die Oberfläche treten mag. Jeder Mensch stellt sich in seinem Leben vielen Kämpfen – “äußeren” wie auch “inneren”. Welche beispielsweise mit dieser Bewegungskunst als Allegorie ihren Ausdruck finden können, ohne (äußerlich, körperlich) jemanden zu schaden – oder: Anhand eigener Erfahrungen durch Beschäftigung mit den Erkenntnissen alter chinesischer Meister einmal völlig anders gelöst, bewältigt, überwunden oder erledigt werden könnten.

Der Kampfkunstaspekt

ist weder als eine “Sammlung” aller, noch als die “Beschreibung” einzelner körperlicher Techniken zu verstehen, sondern stellt die Betrachtung der Prinzipien des Tai Chi beim Einsatz im Kampf dar.

Wichtig: Jedes →Bild einer →Form, kann also auch unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden.

Die →“Grundtechniken” (→die “Ba Gua”) entsprechen ebenfalls keinen einzeln aufgelisteten oder detailliert dargestellten körperlichen Techniken, wie diese in vielen anderen “äußeren” Kampfkünsten gelehrt und beschrieben werden (wie z.B. in Karate: Fausttechnik “Oi-Tsuki” = “Gleichzeitiger Fauststoß” oder Fußtechnik “Mawashi-Geri” = “Halbkreisfußtritt – “Roundhouse-Kick”, usw. usf.).

Dies ist sowohl für einen Laien, als auch einen “materiell orientierten” Kampfsportler schwer verständlich: Tai Chi (Chuan) verfügt zwar ebenfalls über hunderte, wenn nicht sogar tausende, körperliche Bewegungsabläufe, Positionen oder Haltungen, welche auch in die sogenannten Solo-Formen zum Training von Bildern eingeflossen sind, aber im Grunde dabei nur acht “Grundtechniken” unterschieden und angewendet werden.

Als Definition könnte gesagt werden: Die “Grundtechniken” im Tai Chi Gung sind Metabeschreibungen zum Verständnis und Verhalten in Kampfsituationen.

Die Fähigkeit, Tai Chi Chuan (Taiji Quan) als eine Form der Selbstverteidigung im Kampf einsetzen, ist gleichzusetzen mit der Fähigkeit eines Tai Chi – Praktizierenden, das Verständnis der Prinzipien des →TAI CHI (”yin-yang-Verständnis”), des Tai Chi →Chuan einschließlich der “Grundtechniken”, so einzusetzen, dass die Wahrnehmung der entsprechenden Veränderungen seiner Umgebung (die “Kampfsituation”), es ihm erlauben, auf eine “Kraftwirkung” (einen Angriff) mittels Komplementär zu entgegnen, anstelle als Reaktion auf äußere Kräfte, diesen ebenfalls mit äußerer Gegenkraft zu begegnen.

Hinweis:
Für Mitglieder und Förderer findet sich im Download unter “Fortgeschrittene” das e-Book “Die Acht Grundtechniken – Ba Gua Zhang” mit der detaillierten Beschreibung der Ba Gua und der Komplementäre.

Der Anwendung eines Komplementärs kann sowohl “weich und sanft” wie ein “Ableiten” oder “Umleiten” sein, kann “Verstärken und Vorbeileiten”, kann “Ziehen”, “Heben oder Senken”, “Abprallen”, “Aufnehmen und Zurückwerfen” bewirken und sogar auch so “hart” sein, wie bei den äußeren Kampfkünsten, durch “Stoppen wie ein Fels” (”Berg”), womit ein Angreifer auch insgesamt im Vorankommen gehindert wird.

Oft wird in der Literatur der “Tai Chi – Klassiker”, eine Reihe von Schriften, die von traditionellen Meistern verfasst wurden, der Einsatz von Tai Chi im Kampf auch als der Einsatz von “Fremdenergie” durch Fokussierung auf Koordination und Entspannung basierend, gekennzeichnet, anstatt Muskelspannung oder Körperkraft (genauer gesagt: “→Li” – die ”äussere” schwerfällige Kraft; die Muskel- oder Schwungkraft eines Körpers) einzusetzen, um Angriffe zu neutralisieren oder Konter durchzuführen. Aber diese Aussagen stellen nur einen Teil des Kampfkunstaspektes dar, welche insbesonders den Unterschied zu “äußeren” Kampfkünsten hervorheben sollten.

Der bewußte Einsatz von Tai Chi als Kampfkunst (bzw. im Kampfsport) ist sehr anspruchsvoll und erfordert viel Erfahrung, Erkenntnisse und Training.

Nur durch das anhaltende Studium und das laufend vertiefte Verständnis jener Zusammenhänge, gepaart mit der regelmäßigen Anwendung und laufenden Verbesserung im Praktizieren von Tai Chi – (Das heißt also: “Das nicht zwanghaft oder obsessiv betriebene tägliche Streben nach Perfektion in der Kunst des Tai Chi” = im Chinesischen kurz: “Tai Chi Gung Fu” bzw. “Tai Chi Kung Fu“) – werden nach und nach dem Praktizierenden “Kraftwirkungen” und “Fähigkeiten” möglich, welche dem “Normalbürger” als “unglaublich” erscheinen und sich weder mit Physiognomie noch Physiologie allein erklären lassen, sondern vielmehr als Zusammenwirken aller beteiligten Komponenten (Körper, Geist und Seele). Ähnlich der Aspekte in Tai Chi – welche “mehr” als die Summe der Einzelteile Wirkung zeigen.

Diese “Kräfte” oder “Fähigkeiten” werden von den Chinesen sowohl in der Anwendung als auch der Auswirkung als “→chin” (bzw. “jing”) bezeichnet.

Für Mitglieder (und natürlich Förderer) findet sich hierzu unter der Download-Rubrik “Fortgeschrittene” auch das e-Book: →“Das Geheimnis von Yi-Chi-chin”.

Der Vorteil für jeden, welcher Tai Chi Gung (Fu) praktiziert ist:

Da der Kampfkunstaspekt – sozusagen: als Grundbestandteil, “von Haus aus” – ohnehin untrennbar mit Tai Chi (Chuan) verbunden ist, wirkt sich jede Verbesserung und Perfektionierung der Praxis, sowie jede gemachte Erfahrung, automatisch(!) auch auf diesen Aspekt aus.

[Hier geht es zurück zum →Glossar-Index]

Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 27. Januar 2011 um 12:53 und abgelegt unter 2. Tai Chi Gung, Geschichte & Hintergrund, Glossareinträge. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

8 Kommentare über “Der Kampfkunstaspekt bei Tai Chi Gung”

  1. Fabian schrieb:

    Super Post. Würde gern mehr Posts zu der Thematik lesen. Freu mich auf die naechsten Posts.

  2. websifu schrieb:

    Danke! – Inzwischen rufe Dir einfach einmal den Glossar-Index auf, dort findest Du rasch eine Menge weiterer Posts zu den Stichworten verlinkt.

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