Kampfkunstbegriff: Der Block – blocken
Montag 29. November 2010 von websifu
Glossareintrag: Block
In den (äußeren) Kampfkünsten: Blocktechnik
Synonym verwendete Begriffe: Abwehr, bzw. blocken oder abwehren;
Manchmal auch zu finden: kontern, obwohl hierbei immer gleichzeitig ein “Gegenangriff” verstanden wird.
Vorwort
Tai Chi (Chuan) beinhaltet neben der Schulung, dem Training und der Entwicklung von Körper, Geist und Seele eines Menschen, auch den unserer Meinung nach ebenfalls wesentlichen Bestandteil, den Kampfkunstaspekt.
Dies zeigt sich allein schon dadurch, dass viele Bewegungen, Haltungen (Positionen) und auch Bilder eindeutig Kampftechniken beinhalten oder auch mit Begriffen aus den (äußeren) Kampfkünsten beschrieben werden.
Hinweis: Ebenso natürlich auch dadurch, dass erste westliche Besucher in China, die dort gesehenen Übungen, mangels fehlender westlicher Begriffe, mit der leider unglücklichen Bezeichnung “→Schattenboxen” (siehe dort) zu uns nach Europa überlieferten.
Das Verständnis für den Kampfkunstaspekt in Tai Chi (Chuan) vergrößert sich selbstverständlich auch durch besseres Verständnis und bessere Kenntnis jener Begriffe, welche aus dem Bereich der (äußeren) Kampfkünste stammen.
Auch hier helfen wiederum Definitionen zu klären, was beispielsweise unter “schlagen” (→Schlagtechnik), “stoßen” (→Stoßtechnik) oder “blocken” (Blocktechnik) zu verstehen ist. Damit werden auch Mißverständnisse minimiert und die Kommunikation (Dokumentation und Trainingsanleitung) erheblich verbessert.
Definition und Anwendung
Ein “Block” bzw. eine “ Abwehr” dient prinzipiell dazu, einen mittels Schlag oder Stoß erfolgenden Angriff zu vereiteln, wobei sich beide Kontrahenten dennoch berühren. Die vom Angreifer eingesetzte Angriffstechnik soll ihr Ziel verfehlen und im simpelsten Fall: Einfach “danebengehen”, also ihr Ziel – genauer gesagt: ihren Zielpunkt – “nicht treffen”.
Nicht mehr!
Wichtig:
Da die “Abwehr” in Tai Chi Gung (Tai Chi Chuan) als gesonderter Begriff als deutsche Übersetzung für die “Grundtechnik” mit chinesischen Namen “peng”, sowie zur Bezeichnung von zwei repräsentierenden →Grundpositionen (”Abwehr links” und “Abwehr rechts”) verwendet wird, nutzen wir in allen anderen Fällen “Block” oder “blocken”, um jene zuvor beschriebenen Vorgänge (Situationen, Haltungen, Bewegungen) zu beschreiben.
Exkurs:
Folgt dem “blocken” eine weitere Bewegung (”Technik”), die dem Angreifer entgegengesetzt wird, so wird von einem “ Konter” oder “kontern” gesprochen: Es erfolgt unmittelbar danach also ein Gegenangriff.
Eine “ Kontertechnik” besteht in den äußeren Kampfkünsten also immer aus zwei Komponenten: Einer Abwehr (einem Block) unmittelbar gefolgt von einem Gegenangriff.
Ausführung
Je nach ausgeübter Kampfkunstmethode, ob äußere Kampfkünste (Karate, Tae Kwon Do, etc.) oder innere Kampfkunst (Tai Chi Chuan), unterscheidet sich auch die Ausführung von “Blöcken”.
Werden in den äußeren Kampfkünsten die Blöcke ausschließlich “hart” ausgeführt
(Prämisse: Gleiches wird mit Gleichem entgegnet – “Schlägt der Gegner hart, so musst Du eben noch härter sein”),
so werden hingegen die Blöcke in Tai Chi (Chuan),
wie jede andere “Technik” auch, diese ebenfalls je nach “eintreffender” Kraftwirkung (Angriffswirkung) variiert
(Prämisse: Jeder Kraftwirkung wird mit dem Komplementär entgegnet – “→yin – →yang” – Auf “hart” wird z.B. mit “weich” pariert – Details der 8 so identifizierten und definierten Kraftwirkungen finden sich in den Beschreibungen der “→Ba Gua” ).
In Tai Chi (Gung) kann daher gesagt werden:
Ein Block kann sowohl “weich und sanft” wie ein “Ableiten” oder “Umleiten” sein, kann “Verstärken und Vorbeileiten”, “Ziehen”, “Heben oder Senken”, “Abprallen”, “Aufnehmen und Zurückwerfen” (hier also: “Konter”) und sogar auch “hart” wie bei den äußeren Kampfkünsten, durch “Stoppen wie ein Fels” (”Berg” – “Kao”) sein, womit der Angreifer auch insgesamt im Voranschreiten gehindert werden kann.
Exkurs -
Dies unterscheidet Tai Chi (Chuan) – wesentlich – von anderen Kampfkünsten:
Ein(!) Bewegungsablauf, welcher anderswo als so genannte (Einzel-)Technik erlernt und angewendet wird, kann (und wird) im Tai Chi – Kampf als “Mehrfachtechnik” je nach Situation mit völlig unterschiedlichen (Kraft-)Wirkungen oder auch Absichten und Zwecken eingesetzt.
Beispiel (→Danlian und →Bild): “Wolkenhände”.
Beschreibung: →TI_U04_Einzeluebung_Wolkenhaende.pdf
Videoclip: →TC25_Wolkenhaende_normalbreit.AVIDies ist sowohl für einen Laien, als auch einen “materiell orientierten” Kampfsportler schwer verständlich: Tai Chi (Chuan) verfügt ebenfalls über hunderte, wenn nicht sogar tausende Bewegungsabläufe, welche auch in die sogenannten Solo-Formen zum Training von →Bildern (siehe dort) eingeflossen sind, wobei im Grunde aber nur acht “→Grundtechniken” unterschieden und angewendet werden.
Jene “Grundtechniken” (die “Ba Gua”) beinhalten aber eben “mehr” als bloße Positionen, Stellungen, Haltungen oder Bewegungsabläufe (Schläge, Stöße, Blöcke, …, Schritte, etc.).Als Definition könnte gesagt werden: Die “Grundtechniken” im Tai Chi Gung sind Metabeschreibungen zum Verständnis und Verhalten in Kampfsituationen.
Für einen Block, können in Tai Chi (Chuan) daher alle Körperteile eingesetzt werden, welche auch in den äußeren Kampfkünsten zu jenem Zweck beschrieben sind: Hände, Füße, Unterarm, Unterschenkel, etc.,
daneben insbesondere aber auch: Knie, Ellbogen (”chou” bzw. “zhon”), sowie Schulter oder gesamter Körper (”kao”).
Nachwort:
Unter “ Ausweichen” versteht man im Gegensatz dazu jede Bewegung, welche prinzipiell jede Berührung (durch den Angreifer) vermeidet. Der Gegner und der Angriff “läuft ins Leere”.
Dies ist überhaupt die effektivste und sinnvollste “Technik”, welche unbedingt in jeder Anleitung zur Selbstverteidigung beigebracht und von Schülern erstrebt werden sollte!
Leider – so muss ebenfalls erwähnt werden – setzt dies geradezu perfekte Einschätzung der Situation, vollkommene Wahrnehmung des Gegenübers, sowie exzellente Koordinationsfähigkeit und Körperbeherrschung voraus.
Das Training und die Verbesserung jener vier genannten “Fähigkeiten” hilft aber nicht nur beim “Ausweichen”, sondern dient auch generell der “Entschärfung” von kritischen Situationen (Vermeidung von Eskalation – Deeskalation).
Also: Ein lohnendes Ziel der Übungen.
Anmerkung: Damit ist also nicht “Weglaufen” gemeint – Welches für einen “Laien der Kampfkünste” und “Normalbürger” in Extremsituationen manchmal auch eine sehr gute Empfehlung sein kann!
“Ausweichen” ist vielmehr als “Zusatztechnik” zu bezeichnen, welche dem Gegner keinerlei Auftrittsfläche für seinen Angriff läßt, sowie den Angreifer bei wiederholter fortgesetzter Vehemenz rasch ermüdet und der Kampf unter Umständen nur durch ein einziges Konter rasch beendet werden kann.
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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 29. November 2010 um 07:00 und abgelegt unter Glossareinträge, Training. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


