TaiChianer

Forum der Tai Chi Gung – Mitglieder

Archiv für die 'Aufgeschnappt' Kategorie

Irrtum 16: Schwitzen sei ungesund und unappetitlich

Freitag 4. Juni 2010 von Gottfried

(aus der Serie: Irrtümer über Tai Chi, erstmals erschienen auf mein.salzburg.com am 30. Apr 2010 um 11:36 in Fitness)

Die Chinesen benutzen auch heute noch eine Grußformel, welche deutlich macht, wie wichtig und gesundheitsfördernd eine regelmäßige körperliche Anstrengung angesehen wird. Jener Gruß lautet: “Heute schon geschwitzt?”.

warnhinweis_c

Hingegen lässt uns die Kosmetikbranche – oder sollte besser gesagt werden: die chemische Industrie? – nahezu stündlich via Werbebotschaften darauf hinweisen, wie “ekelerregend” Schweiß wäre und dieser tunlichst vermieden werden soll. Natürlich sollte dies zum Kauf aller möglichen “schweißhemmenden” Produkte anregen, leider(!) wird dabei aber zugleich “die Botschaft” transportiert, Schweiß und alles Schweißtreibende völlig zu vermeiden! (…wodurch wiederum – leider – gerade die Jugend “falsch” motiviert wird: “Sport? Igitt, da schwitzt man ja!”).

Der sogenannte aktuelle “Mainstream” lautet also: jeder Schweißfleck auf Kleidung – und vor allem in der Achselhöhle – wäre eklig, unappetitlich und “unchic”. Bewusst wird die Jugend beeinflusst, zu glauben, dass jede Schweißabsonderung ein Grund für Schamgefühle wäre. Und: Je “extremer” die Darstellung, desto “schauderlicher” und emotionaler kann ein junger Mensch “motiviert” werden, jenes “grauslige Zeug” möglichst zu vermeiden, unterbinden und zu verstecken (! “verdrängen” !).

Aber: “Wer laut schreit, hat Unrecht”, sagt der Volksmund. (Ich persönlich empfinde Werbepenetration – Betonung liegt auf dem zweiten Wortteil! – als “Schreien” – Stichwort: “Psychohygiene”).

Denn: Es ist völliger Blödsinn! – Wiederum genau(!) das Gegenteil ist der Fall: Schwitzen ist ein völlig natürlicher Vorgang des menschlichen Körpers, welcher weit mehr Vorteile in sich birgt, als vermeintliche Nachteile (Es soll hierin nicht von krankhaften oder krankheitsbedingten Erscheinungen in jenem Zusammenhang gesprochen werden, sondern es wird von “natürlichem” Schweiß und einem “natürlichen”, alltäglichen Vorgang des Menschen gesprochen).

Fakt ist: Frischer Schweiß ist völlig geruchlos!

Neben ca. 99% Wasser als Hauptbestandteil, transportiert der Schweiß des Menschen verschiedene Inhaltsstoffe (wie z.B. Eiweißbestandteile, Fette, Mineralstoffe, …, Pheromone, usw.; Volumensanteil: ca. 1%) – manche “Anwendungen”, wie z.B. Sauna, Fastenkuren, sprechen dabei von “Schlacken” des Körpers. Daher kommt auch der Begriff “Entschlackung”

(Wie im Bergbau: Der Körper “holt” und “verarbeitet” die für ihn nützlichen und aktuell “brauchbaren” Produkte, der Rest ist “Schlacke”, welche er wieder los werden muss, also “ausscheiden”, damit jene “Schlacke” sich nicht anhäuft und über kurz oder lang zu Problemen – sprich: “Krankheiten” – führt. Schwitzen trägt zur Ausscheidung bei! Man beachte auch: Was für den einen “Schlacke” sein kann – ein “Zuviel” an bestimmten Stoffen im Körper, ist keineswegs dasselbe für jemanden anderen – es ist könnte überspitzt gesagt, manchmal sogar “Mineralwasser” sein).

Schweiß ist also weder ungesund, unappetitlich, noch “stinkt” dieser!

Erst nach einer gewissen Zeit – abhängig von verschiedenen, persönlichen Faktoren! – sorgen chemische und bakterielle Prozesse dafür, dass “Schweißgeruch” entsteht. Dafür sind z.B. auch verschiedene zur natürlichen Hautflora zählende Bakterien verantwortlich.

Entscheidend dafür, wie rasch der Geruch entsteht – ob “sofort” nach wenigen Minuten, oder erst nach Stunden(!) – sind einerseits also die Zusammensetzung der “Schlacken” (abhängig von Ernährung, körperlicher Konstitution, Krankheit oder z.B. hormonelle Faktoren in der Pubertät, bis hin zu Abbau körpereigener “Giftmülldepots”, welche sich “angesammelt” hatten und nun bei der Fastenkur, in der Sauna oder bei erstmaliger sportlicher Betätigung nach “Jahrzehnten” mit dem Schweiß “zutage treten”) und andererseits die eigene körperliche Hygiene.

Kurz gesagt: Wer sich kaum wäscht, braucht sich nicht zu wundern, dass der kleinste “Schweißtropfen” schon binnen weniger Sekunden dafür sorgt, als “wandelnde Stinkbombe” für seine Umgebung zu wirken. Meist merken jene Personen es selbst gar nicht mehr, da sie selbst den eigenen Geruch nicht wahrnehmen.

Das ist unappetitlich – nicht das Schwitzen!

Die ekligste Geruchs-Melange erzeugt dann aber noch die Anwendung des Irrglaubens, dass das Auftragen von Deodorant das Waschen und Reinigen des Körpers ersetzt!!!

Liebe Miterdenbewohner – Bitte(!) – Das ist absoluter Schwachsinn: Es “riecht” keineswegs besser – ihr glaubt das nur, weil ihr euren Eigengeruch selbst nicht wahrnehmt, sondern nur das Parfüm.

Alle(!) anderen riechen aber beides!!!

Es gibt also eine ganz einfache – und kostengünstige – Möglichkeit den (entstehenden) Schweißgeruch zu vermeiden: Sich waschen!!! (…und natürlich auch die Kleidung!)

Fazit: Nicht den natürlichen Schweiß gilt es zu vermeiden, sondern den erst entstehenden UND durch körperliche Hygiene vermeidbaren Geruch, sowie das “Stehenlassen” der “liegengebliebenen Ausscheidungen” des Körpers!

(Gerichtet an all jene, welche ein Deo der Dusche vorziehen: “Lasst ihr andere Ausscheidungen eures Körpers auch liegen und sprüht laufend Parfüm drüber?” – DAS ist eklig!).

Nichts gegen Deodorant oder Parfüms: Aber bitte NACH dem Waschen, einverstanden?

Exkurs:
Zu beachten gilt auch, dass mit dem Schweiß auch Pheromone (”Sexualduftstoffe”) ausgeschieden werden. In früheren Zeiten versuchte die männliche Landbevölkerung dies bewußt auszunutzen, indem Taschentücher tagsüber während der Arbeit in den Achselhöhlen getragen wurden, welche bei passender Gelegenheit der weiblichen Angebetenen “unter die Nase” gehalten wurden, um jene zu “überreden” (Auch daran sollte das andere “Extrem” von Menschen denken, welche nahezu “nur” mehr klinisch rein und auschließlich “chemiaufbereitet” unter die Leute geht und sich vielleicht wundert, dass mann/frau – trotz perfekter “Vorbereitung” kaum oder wenig Anklang bei anderen Menschen findet).
Das jener “Brauch” sich nicht allgemein durchgesetzt hat liegt vielleicht daran – ich lehne mich bewusst hinaus – dass eben der Einsatz von Pheromonen, kein Garant für den Erfolg bei einer bestimmten(!) Person erzielt. Nicht jeder Mensch reagiert auf jeden! Es gibt eben nicht “das Pheromon”, sondern eine Mischung (einen Cocktail). Was den einen unwiderstehlich anzieht, kann einen anderen unwiderstehlich abstossen! Eines ist aber klar: Zumindest wussten jene Bauern, Knechte oder Holzarbeiter dann GANZ GENAU und SEHR RASCH bescheid, ob jene Frau für sie “zu haben” war, oder eben nicht!

Manche Menschen kann man halt “nicht riechen”, auch das ist “normal” und keineswegs unappetitlich.

Warum betrachten also Chinesen (”Heute schon geschwitzt?” – sowie natürlich auch andere Völker, wie z.B. Finnen: finnische Sauna; Indianer, etc.) es für notwendig und “gesund” mindestens einmal am Tag “richtig zu schwitzen”?

Genau aus dem Grund, dass hierdurch dem Körper eine (weitere) Möglichkeit gegeben wird, “auszuscheiden” und “Schlacken” abzubauen.

Darüber hinaus gibt dies den Hinweis darauf, dass der Körper – zumindest einmal am Tag(!) – soweit beansprucht wurde, dass der Kreislauf “über” dem Normalzustand lag (einmal abgesehen von “Angstschweiß”).

Motto: Wer nicht schwitzt, hat für/mit seinem Körper nichts gemacht.

Um unseren Körper gesund, beweglich und fitt zu halten, ist es also notwendig sich regelmäßig so zu bewegen und den Kreislauf so in Schwung zu bekommen, dass wir dabei auch Schwitzen.

Daher: Schwitzen durch Bewegung ist gesund!

Mehr über Tai Chi Gung – eine Bewegungsform, wobei man ins Schwitzen kommen kann – OHNE jemals außer Atem zu gelangen – auch auf der Vereinsseite unter: www.tai-chi-gung.at

Kategorie: Ask a Sifu, Aufgeschnappt | Keine Kommentare »

Irrtum 14: Tai Chi ist für alte Leute

Samstag 29. Mai 2010 von Gottfried

(aus der Serie: Irrtümer über Tai Chi, erstmals erschienen auf mein.salzburg.com am 21. Apr 2010 um 11:01 in Fitness )

Würde man dem Mainstream der TV-Generation folgen, dann könnte man durchaus zu dieser Überzeugung gelangen.

“Toben ist das Vorrecht der Jugend” soll irgendjemand einmal gesagt haben, ich ergänze: “…aber keine Verpflichtung!”.

wuchi_breit_baumumarmen

Wie bereits in vorangegangenen Artikeln festgestellt wurde, ist in Tai Chi Chuan (nach Pinyin-Umschreibung: Taijiquan – unabhängig von der Schreibweise in Lateinischen Buchstaben, alles wie “tai tschi tschuan” oder “tai tschi tschüan” ausgesprochen) keineswegs alles – zwangsweise – langsam und bedächtig. Meist bezieht sich dies eben auf die sogenannte Solo-Form, nicht jedoch auf den Kampfkunstaspekt, bzw. die Waffenformen.

Ungeachtet dessen: Muss für Kinder, Jugendliche oder auch junge Erwachsene immer “alles Action-Stress” sein?

Anmerkung: Auch der Golfsport würde “aussterben”, wäre dieser – zwangsläufig – nur für “alte Leute” geeignet.

…und meines Wissens ist hierbei ebenfalls “eine mentale Komponente” von immanenter Bedeutung.

Hinzu kommt, dass gerade heutzutage die westliche Gesellschaft ein gewaltiges Problem zu bewältigen hat, welches noch immer nicht in das Bewusstsein der Bevölkerung vorgedrungen ist: Viele Kinder und Jugendliche – sogar schon im Vorschulalter beginnend – haben enorme Schwierigkeiten mit der körperlichen Koordinationsfähigkeit und gewaltige(!) Fitness-Defizite (Exkurs: Es liegen genügend Studien und Artikel in den entsprechenden Gremien und Sportverbänden vor, welche jederzeit leicht nachvollzogen werden können, womit hier auf dieses Faktum nicht näher eingegangen werden muss).

Der Tai Chi Gung – Landessportverein in Salzburg ist der Auffassung, dass mit “extremen Maßnahmen” nur “extreme Widerstände” erzeugt werden, jedoch kein Fortschritt oder Besserung der Situation. Bildhaft gesprochen: Warum sollte ein Vogel gleich fliegen, wenn er nicht einmal weiß, dass er Flügel hat, geschweige denn wie er jene einsetzen sollte?

(Um bei diesem Bild zu bleiben: “Nein, aus dem Nest stoßen ist keine Alternative – weil wir als Menschen eben nicht risikieren dürfen, dass ein bestimmter Prozentsatz jener ‘Vögel’ einfach auf den Asphalt klatscht!”)

Nur die Einbeziehung einer “sanften” sportlichen Betätigung kann zum gewünschten Erfolg führen – Dann, wenn ansonsten “unsportliche Typen” von Menschen (hier: Kinder und Jugendliche) sich gerne und ohne Leistungsdruck bewegen.

Tai Chi “leistet” diesen Ansatz, z.B. durch: “Anstrengung, ohne jemals außer Atem zu gelangen”!

Genau dies ist ein(!) Argument, Kinder und Jugendliche in die Sportart Tai Chi Gung einzuführen.

Den ganzen Beitrag lesen »

Kategorie: Ask a Sifu, Aufgeschnappt | Keine Kommentare »

Irrtum 13: Meditation bedeutet immer hinsetzen oder liegen

Montag 17. Mai 2010 von Gottfried

(aus der Serie: Irrtümer über Tai Chi , erstmals erschienen auf mein.salzburg.com am 17. Apr 2010 um 15:07 in Fitness)

Viele Menschen kennen den Begriff “Meditation” und setzen diesen mit “Verharren”, “Bewegungslosigkeit” …und manchmal auch mit “dahindösen”, wenn nicht sogar: “Schlafen” gleich!

Aber genau darin liegt oft schon das erste Missverständnis: “Meditation” ist das Gegenteil von “Schlaf” oder “Teilnahmslosigkeit”, denn in einer Meditation sollte der Geist “hellwach”, “aufnahmebereit” und “voll bewusst” sein!

Landläufig bekannte Meditationstechniken dienen dazu “äußere” Einflüsse möglichst “auszublenden” oder “abzuschalten”, damit man sich dem “Inneren” – voll konzentriert, besser: Kontemplativ – zuwenden kann. Hierzu ist es selbstverständlich einfacher, sich hinzusetzen oder hinzulegen. Dies bedeutet aber keineswegs gleichzeitig, dass Meditation ausschließlich im Sitzen oder Liegen durchgeführt werden könne.

Für viele erscheint es schon befremdlich, dass “Meditiation im Stehen” geübt werden kann. Wen verwundert es da, dass “Meditation in Bewegung” dann völlig “abstrus” erscheint?

vogelschwanz_re_2

Dies liegt aber darin, dass immer noch viele Menschen den Begriff “Meditation” falsch interpretieren (s.o.), bzw. bisher selbst wenig bis keine Erfahrung mit Meditation gemacht haben …oder jenen Menschen niemand erklärt oder gesagt hat, dass sie öfter in ihrem Leben bereits “meditiert” haben als ihnen bewusst ist. Weil dies ein ganz natürlicher Vorgang bei jedem Menschen ist, welcher sehr oft “spontan” in bestimmten Situationen oder Verhaltensweisen “einsetzt”.

Zum Beispiel: Bei einem “überwältigenden”, “die Seele berührenden” Anblick in der Natur, Umwelt, …, auf der Straße, beim Wandern, beim Sport, …, irgendwo und überall möglich.

Oder in einer Lebenssituation, welche den “Normalfall” sprengt: Unfall, Krise, Einschnitte, Begräbnis, etc;

Oder auch einfach: Weil man über etwas so intensiv nachdenkt und dabei seine Umgebung “völlig” vergisst! – Jenen Zustand (und auch jenes Verhalten), welcher dieser Mensch exakt in jenem Moment (innerlich und äußerlich) einnimmt, kann als “Meditation” gesehen werden.

Anmerkung: Und man kann davon ausgehen, dass genau jene “Meditations-Zustände” im Grunde alle Menschen “irgendwie” bekannt sind, was auch unter wissenschaftlichen Tests (sprich: “Alpha-Zustand”, “Theta-Zustand” …der messbaren Gehirnströme) bereits hinlänglich nachgewiesen wurde.

Von “Meditation” in gebräuchlicher Definition wird jedoch meist (nur) davon gesprochen, wenn der damit einhergehende – sagen wir ruhig: Zustand des Menschen – willentlich herbeigeführt wird.
Meditationstechniken dienen also in erster Linie dazu, “Regelwerke”, “Anleitungen” und “Hilfestellungen” anzubieten, um den gewünschten “innerlichen” und “äußerlichen” Zustand, welcher bei einer Meditation erreicht werden sollte, jederzeit und bewusst nachvollziehbar zu machen.

Wenn also “Meditation” gar nichts mit einer körperlichen Haltung oder Stellung (Sitzen, Liegen, Stehen) zu tun hat, sondern vielmehr den aktuellen “inneren” Zustand beschreibt (die “Bewusstheit” und die mentale Aktivität, bei gleichzeitigem Erreichen von Alpha-, Theta- von mir aus auch: Delta-Wellen der Gehirnströme), dann kann jener “Zustand” grundsätzlich auch “im Gehen” oder “in Bewegung” ausgeführt werden, nicht wahr?

Und genauso ist es!

Die Ausführung von Tai Chi (Chuan) wird oft mit “Meditation in Bewegung” gleichgesetzt und genau dies sollte auch eines der Ziele der Praktizierenden sein. – Kein leichtes, aber sehr lohnenswertes Ziel der Bemühungen im Training!

(Mit diesem Satz sollte ausgedrückt werden, dass nicht jeder, welcher Tai Chi – vor allem: Körperlich, gymnastisch – ausübt, automatisch den Meditationsaspekt auch beherrscht!)

Der erste Schritt zu diesem Weg ist die körperliche Beherrschung (irgendeiner !!!) klassischen oder überlieferten “Form”. Sobald alle körperlichen Vorgänge und Bewegungen “automatisiert” wurden und sozusagen “im Schlaf” gekonnt werden (interessantes Wortspiel, nicht wahr?) – denn dann erst können die nächsten Schritte zu jenem Ziel gemacht werden.

Bei den meisten Sportarten wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass Bewegungen recht spontan erfolgen – dies ist einer der Gründe, warum man dabei auch möchte, dass alles relativ schnell ausgeführt werden soll. Bei Tai Chi (abgesehen von Chen-Stil, Waffenformen, etc.) sind die Bewegungen langsam. Damit wird dem Geist (der “Bewusstheit”, dem Mentalen) auch mehr Zeit zur Verfügung gestellt. Überließe man dabei den Körper sich selbst, wie bei anderen (Leistungs-)Sportarten auch, so würde jener, so wie er durch unsere Lebensart “konditioniert” ist, die Bewegungsabläufe “immer” schnell ausführen, sobald diese “erlernt” wären. Anders formuliert: Keine der (Tai Chi) Prinzipien würde beachtet werden (…und auch die “innere” Kampfkunst völlig außer acht gelassen).

Wenn jemand Tai Chi (Chuan) beginnt, sollte auch gleichzeit erlernt werden, immer auf die Qualität der Bewegungen zu achten, auf den körperlichen (Momentan-)Zustand: Entspannung/Anspannung – Wo?, Wann?, ist das “richtig”?; auf die “inneren” Komponenten: Konzentriert oder Abgelenkt?, “bewusst” oder “automatisch”?, “Gefühl” und “Fühlen”.

Bei Tai Chi Gung wendet man sich auch jenem Aspekt der chinesischen Bewegungskunst zu: Der “Meditation in Bewegung”. Das Training und die Anleitungen weisen immer auch darauf hin.

Mehr zum Tai Chi Gung – Landessportverein in Salzburg auf: www.tai-chi-gung.at

Kategorie: Ask a Sifu, Aufgeschnappt | Keine Kommentare »

Irrtum 12: Kenntnis des Ablaufes ist gleich Beherrschung einer Form in Tai Chi

Dienstag 11. Mai 2010 von Gottfried

(aus der Serie: Irrtümer über Tai Chi erstmals erschienen in mein.salzburg.com am 14. Apr 2010 um 13:40 in Fitness)

Vorab – Begriffserklärungen:

  • Unter einer “Form” wird in der chinesischen Bewegungskunst Tai Chi Chuan (nach Pinyin: Taijiquan) ein bestimmter, vordefinierter Bewegungsablauf bezeichnet, welcher von einem ebenfalls festgelegten Beginn, bis zu einem genauso definiertem Ende über eine Anzahl von – wiederum festgelegter – Bewegungsfolgen oder Positionen, zu durchlaufen bzw. “zu üben” ist.

Dies könnte im Kampfsport z.B. verglichen werden, mit der sogenannten “Kata” im japanischen Karate oder den “poomse” im koreanischen Tae Kwon Do – im Wintersport z.B. mit einem “Pflichtprogramm” oder einer “Kür” im Eiskunstlauf.

Oft wird dabei auch von einer “Solo-Form” gesprochen, weil – bleiben wir ruhig bei diesem Begriff – diese “Kür” dann eben “allein” zu machen ist.

  • Unter Ablauf können wir hierbei also die “technische”, körperliche (sichtbare) Abfolge aller Bewegungs- und Positionsfolgen verstehen.

Wenn jemand also den Ablauf einer Form kennt – und meinetwegen auch: den vorgeschriebenen Bewegungen selbst zu folgen, sowie dabei die festgelegten Positionen einzunehmen vermag, können wir dann schon sagen, dass derjenige “die Form” beherrscht?

Im Grunde genommen: Nein! – Denn selbst wenn die Bewegungsfolgen nachvollzogen werden können, entspricht dies “nur” der “äußeren Form” (sozusagen: “der körperliche Anteil”) und wäre demzufolge nichts weiter als eine spezielle Art von chinesischer Gymnastik.

(Anmerkung: Natürlich spricht nichts dagegen, dass jemand Gymnastik macht, …)

Das Praktikum von Tai Chi (Chuan) ist aber “mehr”: es geht hierbei auch um “innere” Künste bzw. “Fähigkeiten”, welche sich den meisten erst nach längerem Training offenbaren – sofern in den Anleitungen nicht gänzlich “auf deren Erwähnung” verzichtet wurde, bzw. jemand infolgedessen nicht aufgrund “der Leere” früher oder später das Training (Praktikum) einstellt.

Jene “inneren” – also immateriellen – Anteile des Tai Chi Praktikums lassen sich also weder sehen, messen, wägen oder zählen. Nichts desto Trotz erkennt jemand der Tai Chi jahrelang fleissig geübt hat (bzw. ein “Meister”) sofort, ob jemand eine “Form” bloß “mechanisch” oder tatsächlich mit “inneren Einsatz” vollzieht.

Dies hat weder etwas mit “Magie” oder “Esoterik” zu tun, sondern liegt höchstwahrscheinlich darin begründet, dass jeder Mensch “nonverbal” bis zu 5.000 Signale pro Minute sendet (so konnte ich einmal lesen), welche von “Meistern” und sehr geübten Tai Chi – Praktizierenden aufgrund ihrer Erfahrungen diesbezüglich wahrscheinlich “besser interpretiert” werden können als von anderen Menschen.

Kurz gesagt: So jemand “merkt” ganz einfach, ob eine “Form” mit entsprechender “innerer Haltung” (Also “geistig”: mental, konzentriert, kontemplativ, Imaginationskomponenten, bzw. “seelisch”: mit “Fühlen” und “Gefühl”, “Stimmung” – an den vorgegebenen “Stellen”!) entsprechend ausgeführt wird – oder bloß “körperlich durchlaufen” wird.

Die “Beherrschung einer Form” setzt also voraus, dass jemand sowohl “äußere” als auch “innere” Bestandteile der Übung meistert.

Abgesehen davon:

Wie bereits im vorangegangen Artikel “Irrtum 11: Jede Tai Chi Form ist gleich” behandelt, gibt es weder “eine Form”, geschweige denn “einen Stil” oder “eine Art”, sondern eine Vielzahl unterschiedlichster Abläufe und Übungssysteme.

Jede dieser “Formen” hat ihre Berechtigung und auch ihren Nutzen, selbst wenn dies ausschließlich unter persönlichen Präferenzen betrachtet wird.

Um erneut den Vergleich mit dem Erlernen des Autofahrens zu bemühen:

Ein Kurs oder das Erlernen einer bestimmten Form kann dabei mit dem Führerscheinkurs und den Übungsfahrten verglichen werden. Der am Ende der Übungsstunden und nach erfolgreicher Prüfung erhaltene Führerschein – somit: “die Kenntnis der jeweiligen Form” – ermöglicht dem “frisch gebackenen Führerscheinbesitzer” nun “in Eigenregie” weitere Erfahrungen zu sammeln und “das Fahren” tatsächlich – irgendwann einmal (früher oder später) – “beherrschen” zu können.

Der Tai Chi Gung – Landessportverein ermöglicht mit seinem Einsteigertraining sowohl den Einstieg in “die Welt des Tai Chi (Chuan)” als auch den “Umstieg” von anderen bereits bekannten Tai Chi-Formen in das regelmäßige Vereinstraining (sozusagen: “nach unserer Art”), egal wie weit die ursprüngliche “Führerscheinprüfung für Tai Chi” bereits in der Vergangenheit liegt.

Mehr auf den Vereinsseiten unter: www.tai-chi-gung.at

Kategorie: Ask a Sifu, Aufgeschnappt | Keine Kommentare »

Irrtum 11: Jede Tai Chi Form ist gleich

Dienstag 4. Mai 2010 von Gottfried

(aus der Serie: Irrtümer über Tai Chi, erstmals erschienen auf mein.salzburg.com am 2. Apr 2010 um 11:03 in Fitness)

Zum besseren Verständnis:

Was ist mit einer “Form” gemeint?
Zum einen der geläufige deutsche Begriff: die Art und Weise, die Anordnung, der Ausdruck, der Charakter und auch die “Bauweise” von Tai Chi – Übungen als auch der Trainingsarten.

Zum anderen auch der Begriff, welcher in Tai Chi selbst verwendet wird – Definition “Form”:
(Alternative Bezeichnungen: die Form, Solo-Form)
Bezeichnet in Tai Chi Gung, Tai Chi Chuan (Taijiquan) einen festgelegten Übungsablauf, welcher bestimmte ebenfalls (meist) festgelegte Positionen, Figuren und Bewegungsfolgen beinhaltet, welche nacheinander, von einem bestimmten Beginn bis zu einen bestimmten Ende, aufeinander abfolgen.
Die “Form” gilt üblicherweise als Einzeltraining (Solo-Übung).
Man kann “die Form” durchaus mit der sogenannten “Kata” beim Training von Karate, als auch mit einem “Kürprogramm” beim Eiskunstlauf vergleichen.

Tai Chi ist nicht gleich Tai Chi!

Es gibt – entgegen der (bisher noch existierenden) öffentlichen Meinung – nicht nur eine einzige Form, sondern eine Vielzahl unterschiedlich gelehrter Formen, welche

  • abhängig von Stil (bekannt geworden: Yang-, Chen-, Sun-, Hao-, Lee-Stil usw., jeweils benannt nach den chinesischen Namen der Familie, welche diesen pflegen und verbreiten)
  • sowie auch der Schule (z.B. Wudang Tai Chi Kung Fu – benannt nach einer Schule/Akademie mit Sitz in den chinesischen Wudang-Bergen)
  • oder auch nach “offizieller” Festlegung (z.B. der – damaligen – chinesischen Regierung: 1956 die Peking-Form, später 1976 auch noch eine “48 Formen-Taijiquan”. Anmerkung: allein schon die Bezeichnung sorgt für noch mehr Verwirrung, weil hier “Form” ja eigentlich “Abläufe” meint und das Ganze eine(!) “Form” darstellt)
    trainiert werden.

Da die Lehrer bis dato meist von “der Form” sprachen oder “wir trainieren die Form” ausgesagt wurde, verbreitete sich bei uns im Westen die Ansicht, dass dieser Begriff einen einzig vorhandenen Übungsablauf beschreiben würde. Aber im Grunde nur daran lag (liegt), dass bei Kursen oder in Schulen gemäß Familientradition nur eine einzige gelehrt wurde (wird).
Anmerkung: Jene Trainingsansicht birgt natürlich nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile (u.a. einfacher zu lernen und noch weniger zu erklären).

Darüber hinaus gilt es ebenfalls zu unterscheiden, ob “die Form” nur als rein körperlicher Bewegungsablauf verstanden wird (= die “leere” Form) oder auch die “inneren” Vorgänge erläutert, erklärt und im Trainingsablauf berücksichtigt werden (= die “volle” Form).

Ein geeigneter Vergleich wäre:
Es gibt eben genausowenig “ein Auto” – und wenn jemand von “Fahrzeugen” spricht, ist es darüber hinaus auch notwendig abzuklären, ob derjenige überhaupt damit “ein Auto” gemeint hat!

Fazit

  • für den Anfänger: Immer informieren, was und wie gelehrt wird und ob dies einem selbst entspricht!
  • für den Interessierten: Bitte “keine Äpfel mit Birnen vergleichen”, Danke!

Im Grunde ist es völlig irrelevant, welche “Form”, “Schule” oder “Stil” jemand für den Anfang wählt – Hauptsache ist: dass man beginnt! …und vielleicht dabei nicht vergisst, das jenes Erlernte, bzw. noch zu Erlernende, weder das Nonplusultra und schon gar nicht “Alles” darstellt.

Wobei die (auch ursprünglichen) chinesischen Lehrmethoden, welche vor allem auf mimetisches Vermögen (”Nachmachen”) eines Schülers ausgelegt sind und daher oft wenig bis gar keine Erklärung(en) liefern, nicht unbedingt dem westlichen Verständnis eines “Lernens” zuträglich sind. Auch darauf sollte man achten – nicht jeder will sich gleich mit taoistischer Philosophie oder (Shaolin-)Buddhismus auseinandersetzen, nur weil er eine neue Bewegungs-Kunst erlernen möchte.

Der Tai Chi Gung – Landessportverein bietet hierzu ebenfalls mit seinem Trainingsverständnis und Lehrmethoden eine Alternative:
Ein Übungs-, Entwicklungs-, Betrachtungs- und Bewertungssystem, welches vom Gründer des Vereins im Laufe von nahezu 10 Jahren entwickelt wurde, um traditionelle chinesische Erkenntnisse der inneren Kampfkunst Tai Chi Chuan (bzw. Taijiquan) dem westlichen Menschen als sportliche Betätigung für nahezu jede Altersstufe zugänglich, sowie persönliche Fortschritte dokumentierbar und vergleichbar zu machen.

Mehr zum Tai Chi Gung – Landessportverein auch auf der Homepage: www.tai-chi-gung.at

Kategorie: Ask a Sifu, Aufgeschnappt | Keine Kommentare »