TaiChianer

Forum der Tai Chi Gung – Mitglieder

Die Lange Yang-Form

Sonntag 3. Juli 2011 von websifu

Glossareintrag: Lange Yang-Form

Der (”authentische”) →Yang-Stil kennt →37 Stellungen/Figuren (nach →Yang Cheng-Fu). Jene Stellungen/Figuren bezeichen aber keineswegs Stellungen im Sinne von: festgelegten starren Positionen, sondern vielmehr “Bewegungsabschnitte”, welche fließend ineinander übergehend innerhalb einer →Form nacheinander abfolgen.

Anmerkung:
Wir bezeichnen diese “Abschnitte” und “Formenteile” als →Bild (siehe dort).

In den öffentlichen Formen jenes Tai Chi – Stils finden sich also jene 37 Stellungen , wobei einige öfters wiederholt werden und somit der gesamte Ablauf häufig etwa drei- bis viermal so lang ist, gegenüber der Dauer oder “Länge der Form”, würden jene Bewegungsabschnitte ausschließlich einzeln und einmalig nacheinander geübt werden.

Manche Schulen zählen daher 80, manche 106 – es gibt die 108er-Form im Yang-Stil – manche zählen sogar 128 Stellungen der eigentlich immer gleichverwendeten Abfolge jener benannten 37 Stellungen/Figuren.

Die dabei vorhandenen Problematiken wurden bereits in dem Beitrag: →Die 37 Stellungen des Yang Cheng Fu erläutert.

Leider setzen sich jene Definitionsprobleme und der Begriffswirrwarr auch in der Formenbezeichnung fort, weil heutige
Vertreter des Yang-Stiles also jede(!) der oben angeführten Yang-Stil-Formen als “Lange Yang-Form” bezeichnen, wenn jene Form mehr als jene 37 Figuren enthält (bzw. beschreibt), ungeachtet dessen, ob darin tatsächlich mehr und andere Bewegungsabschnitte vorkommen oder jene einfach mehrfach wiederholt werden, oder auch die Bewegungsabschnitte einfach “anders unterteilt” worden sind.

Hinweis:
Heute öffentlich zugängliche Beschreibungen einer 108er-Form, welche meist als “Lange Yang-Form” bezeichnet werden, beinhalten laut Definition des Tai Chi Gung insgesamt 40 unterscheidbare Bilder (”Figuren”, dem dortigen Namen nach).

Es stellt sich also immer die Frage, ob tatsächlich weitere Stellungen/Figuren aus dem Yang-Stil beinhaltet sind, oder ob es sich dabei ebenfalls wieder (nur) um die Frage der “Art des Zählens” handelt, nämlich: was, wo hinzugerechnet wird.

Beispielsweise:
Ist “Knie streifen rechts” tatsächlich eine andere Figur als “Knie streifen links”? -
D.h.: Ist eine Figur/Stellung auch dann separat zu betrachten, wenn diese sich nur durch Ausführung auf der anderen Körperseite (also exakt “köperseitengespiegelt”) unterscheidet – aber ansonsten keine “neue Technik” beinhaltet?

Oder ist hierbei oft einfach der Wunsch “nach mehr” (Geheimnissen, Kenntnissen, Fertigkeiten) der Vater des Gedankens?

Zum selber nachvollziehen:
Eliminiert man z.B. in einer (irgendwo publizierten) Beschreibung einer 108er-Form alle Wiederholungen von Figuren und zählt eine gleichartige Stellung (eine “gleiche Technik”), die darin sowohl “rechts” als auch “links” ausgeführt vorkommt, ebenfalls nur einmal, dann besteht jene Form eigentlich “nur” aus 35 unterscheidbaren Stellungen/Figuren.

[Anm.: Was dann wiederum heissen würde, dass sogar zwei Stellungen der ursprünglichen Überlieferung "verloren" gegangen sind. ;-) ]

Betrachten wir deshalb auch die “Kurze Yang-Form”.

Glossareintrag: Kurze Yang-Form

Ursprünglich – so heisst es jedenfalls – habe Yang Cheng-Fu die 37 Stellungen/Figuren als “Kurze Yang-Form” zusammengefasst und somit “öffentlich” gemacht.

Womit gleichzeitig aber ausgesagt ist, dass alles, was an Kenntnissen der →Familie Yang geheimgehalten und nur der Familie, sowie deren anerkannten Nachfolgern vorbehalten ist/blieb, in jener Form eben NICHT enthalten ist.

Die Bezeichnung “Kurze Yang-Form” implizierte jedoch automatisch, dass es eine “Lange Yang-Form” geben müsse.
Worin jene bestand und welche (weiteren) Stellungen/Figuren darin vorkommen blieb also ungenannt (unveröffentlicht).

Als Schüler von Yang Cheng-Fu, ist es eigentlich der Verdienst von →Cheng Man-Ching, dass die 108er-Yang-Form als Zusammenfassung durch einige Kombinationen von Bewegungsfolgen und weniger Wiederholungen (Anm.: Obwohl jene auch vorkommen!), als sogenannte 37er-Form in der westlichen Welt von den USA aus große Verbreitung fand.

Daher wird heutzutage auch öfters die 37er-Form von Cheng Man Ching ebenfalls als “Kurze Yang-Form” bezeichnet, obwohl ursprünglich damit eigentlich die “öffentliche Form” von Yang Chen-Fu, also die 108er-Form und deren Derivate bezeichnet wurden.

Fazit:

Wieder einmal zeigt sich, dass auch eine Bezeichnung “Lange” oder “Kurze Yang-Form” weder etwas über den tatsächlichen Inhalt, als auch deren “Gesamtausführungslänge” aussagt, sondern nur einen Begriff darstellt, welchem heutzutage keine gemeinsam gültige klare Definition zugrunde liegt und in unterschiedlichster Art und Weise verwendet wird.

Daher sollte immer nachgefragt werden, was der jeweilige Lehrer oder die jeweilige Schule hierunter versteht.

Abgesehen davon, dass sich Tai Chi (Chuan) als “innere Kampfkunst”, völlig anderen Prämissen – ich möchte sogar sagen: Paradigmen – gegenüber “äußeren Kampfkünsten” zuordnet bzw. “unterwirft” (s.d.a. →Prinzipien).

Der Tai Chi Gung – Landessportverein hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, eben jene Aufklärungsarbeit und bewusstseinsbildende Maßnahmen durchzuführen, um über Möglichkeiten und Hintergründe, die chinesische Bewegungskunst Tai Chi Chuan (Taiji Quan), die “inneren Kampfkünste”, sowie alles, was damit zusammenhängt, zu informieren.
Siehe dazu auch: →Absichten & Aufgaben des Vereins.

Dies geschieht unter anderem über dieses →Forum durch Beiträge, dem →Glossar, →Downloads, sowie entsprechende Beschreibungen und Dokumentationen für Mitglieder und Förderer (z.B. →Bilddokumentationen und Themenspezifische Handbücher als →e-Books – derzeit umgesetzt im praktischen PDF-Format).

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Tipps:

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Irrtum 20: Tai Chi ist nicht zur Selbstverteidigung geeignet

Dienstag 6. Juli 2010 von Gottfried

(aus der Serie: Irrtümer über Tai Chi, erstmals erschienen auf mein.salzburg.com am 16. Jun 2010 um 10:29 in Fitness)

Obwohl heutzutage viele Menschen die chinesische Körperkunst des Tai Chi (=Kurzform für “Tai Chi Chuan”, bzw. in anderer Schreibweise: “Taiji quan” – beides gesprochen wie “tai-tschi tschu-an”) meist aus gesundheitlichen Gründen erlernen, birgt schon der – ausgeschriebene – Name den Hinweis auf den wichtigen →Aspekt jener Kunst:

“→Chuan” (bzw. “quan”)
bedeutet soviel wie “Faustkampf(methode)”.

Es führt kein Weg daran vorbei:

Die tatsächliche “Kunst” des Tai Chi (Chuan) ist die Beherrschung der sogenannten “inneren” Kampfkunst.

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Wie bereits des öfteren vorgestellt, ist Tai Chi (Chuan) eine synergetische Zusammenfassung uralter chinesischer Meditationstechniken, der “Kunst der Lebensverlängerung” (des “→Yangshen” – später dann: “Chi Kung”, moderne Abwandlung “→Qi Gong“), sowie (regelmäßige) damit einhergehende Übung in “→Wushu” (der “chinesischen Kampfkunst”).

Ungeachtet der verschiedenen überlieferten Entstehungsgeschichten oder -mythen kann überall die Kernintention “entnommen” werden:

Anstelle Meditation, Gesundheits- und Körperertüchtigung, Kampf(kunst)training, …, etc., regelmäßig separat und gesondert – “nebeneinander” oder “nacheinander” – zu praktizieren, kam “jemand” (d.h.: →Chang San-Feng, Huang Li-Zhou, Wang Zong Yue – …oder wer auch immer!) auf die Idee, alle diese “notwendigen Übungen” in einen Ablauf und ein Training zu vereinen, welches (nahezu) täglich einfach und leicht zu absolvieren wäre.

Auch die eigene Praxis im Training wird dies bestätigen (…bei manchen früher, bei manchen später).

Daher schreibt auch der Tai Chi Gung – Landessportverein in Salzburg auf der Homepage www.tai-chi-gung.at zur Beschreibung seiner Sportart:

“…

Tai Chi Gung ist vielmehr gleichzeitig(!)

- Meditation in Bewegung

- Bewegungskunst und Körperbeherrschung

- die “innere” Kampfkunst

- Stärkung und Arbeiten am Chi

- Mentales und geistiges Training

- Emotionstraining in sanfter Form

- Selbstverteidigung durch Körperbeherrschung ohne Angriff

- Ganzkörpertraining…

u.v.a. mehr “

Bei dieser Gelegenheit:

Ist das nicht toll und geradezu “ideal” für einen westlichen Menschen in einer “schnelllebigen” Zeit?

Ein(!) Training für Geist, Seele und Körper, welches dies alles(!) beinhaltet! – nicht zwei, drei, fünf, …, verschiedene “Übungsarten” und “Trainings”!

Tai Chi (Chuan) beinhaltet also auch den Kampfkunstaspekt und damit einhergehend, natürlich den Aspekt der “Selbstverteidigung”.

Wichtige Anmerkung:

Die Betonung liegt auf “auch” und keinesfalls bei “nur” – sowie ebenfalls auf: “Ein Aspekt(!)”.
Die “Schwerpunkte” des Trainings jedoch, obliegen sowohl der “Trainingsanleitung” als auch persönlichen Präferenzen.

Natürlich kann Tai Chi (nur) wegen der Gesundheit gemacht werden – doch versagt man sich dabei nicht selbst wichtige Blickwinkel und auch Erfahrungen der “umfassenden” Kunst?

Wer den “Kampfkunstaspekt” in Tai Chi (Chuan) negiert oder ignoriert, kann jene Kunst weder vollständig erfassen, noch tiefere Zusammenhänge verstehen, welche sich im Fortschritt der Praxis (automatisch) ergeben (sollen).

Manche Leute stört der Gedanke, dass “Tai Chi” auch etwas mit kämpfen zu tun hat. Jene sind der Überzeugung, dass “Tai Chi” gewaltlos sei und (nur) eine Art Meditation.

Tai Chi (Chuan) wurde jedoch von Anfang an (auch) als Kampfkunst entwickelt.

Von dieser Grundlage sollte sich niemand so einfach vollständig entfernen, denn in der Realität gibt es überall Kampf – und zwar im Leben jedes Menschen.

Beispielsweise kämpfen Menschen gegen Naturkatastrophen, gegen Hunger, Krankheit oder gegen Kriminalität.

Auch innerlich stellt sich der Mensch dem Kampf: Gegen Nervosität, Angst, Einsamkeit, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, …, “den inneren Schweinehund”, um nur einige Beispiele zu nennen.

Leben bedeutet also (auch!) Kampf. Kämpfen ist jedoch nicht mit Zerstörung und Vernichtung gleichzusetzen, sondern kann auch Frieden, Gesundheit und Harmonie bewirken.

Anmerkung ( – weil aktuell wieder öfter vernommen ):
Von einem “Krieger des Lichtes” kann also nur dann gesprochen werden, wenn jener auch die “Kriegskunst” – besser gesagt: Die Kampfkunst – beherrscht. Alles andere wären bestenfalls: “Botschafter”, “Fans” oder “Anhänger des Lichts”. ;-)

Die Philosophie des Tai Chi (Chuan) wird fast nur “beim Kämpfen” umgesetzt, wem das Wissen darum und das Verständnis hierfür fehlt, dem entgeht dabei vieles.

Jeder weiß, daß “zum Kämpfen” Kraft benötigt wird. Wie man diese Kraft einsetzt, bzw. umsetzt, haben die ursprünglichen Tai Chi-Meister grundlegend erforscht und mit dem Prinzip von “→yin” und “→yang” im Aufbau der Übungen und →Formen umgesetzt.

Es geht hierbei sicher nicht um Gewalt oder wie (noch mehr) Muskelkraft oder (körperliche) Techniken aufgebaut oder eingesetzt werden können, sondern wie “innere” Kräfte (Einstellungen, Haltungen, “Techniken”, …, Zusammenhänge) funktionieren und sich auch im “Äußeren” (der Außenwelt, dem Körperlichen) auswirken (”ausdrücken”).

Daher auch die “innere Kampfkunst”.

Gemäß der “yin-yang-Philosophie” wird in Tai Chi Chuan anders als in fast allen sogenannten “äußeren” Kampfkünsten, wie u.a. Karate, Tae-Kwon-Do oder Kickboxen, zum Beispiel Gleiches auch nicht mit Gleichem vergolten, womit die scheinbare Prämisse: “Der Stärkere, Schnellere, Gewaltvollere besiegt den körperlich Schwächeren, Langsameren, Gewaltlosen” keinesfalls mehr stimmt.

D.h.: Eine Krafteinwirkung (ein Angriff, ein Schlag oder Tritt) wird dann beispielsweise nicht mit einer noch härteren Kraftwirkung (Gegenangriff, “zurückschlagen”, “zurücktreten” oder auch “Abblocken”) entgegnet, sondern “aufgenommen” – ja, manchmal sogar die “eintreffende” Kraftwirkung verstärkt – und dann “benutzt”, um den Gegner zu besiegen.

Exkurs:

Jene angesprochene “Technik(en)” findet sich zum Beispiel auch im japanischen Judo wieder, worin diese auf rein körperlicher Ebene(!) perfektioniert und trainiert werden (Hebel-, Wurf- und Haltetechniken).

Genauso findet sich die “Technik des Ausnützen der Kräfte des Gegners” in der durchaus auch als “innere” Kampfkunst zu bezeichnende japanischen Kampfkunst des Aikido. Diese Kampfkunst wurde zur Zeit des 2. Weltkrieges entwickelt und fußt laut dessen Gründer auf einem angriffslosen (sowie nicht “mortalem”) JiuJitsu der Samurai, worin sich aber eindeutig zwei von acht →”Grundtechniken” des chinesischen Tai Chi Chuan identifizieren lassen.

Selbstverständlich

erlernt man weder die “innere Kampfkunst”, noch die “Acht Grundtechniken” – die →”Ba Gua” – des Tai Chi Chuan innerhalb weniger Wochen oder Monate. Genausowenig “beherrscht” jemand “Selbstverteidigung” nachdem er einen Tai Chi – (Gesundheits-)Kurs absolviert hat.

Dennoch zeigen sich selbst für einen Anfänger bereits nach einigen Monaten körperliche, seelische und mentale Fähigkeiten, welchen es ihm erlauben, sowohl mit “inneren” als auch “äußerlichen” Kämpfen völlig anders umzugehen und diese (wesentlich) leichter “durchzustehen”.

Eine in der Praxis auch einsetzbare Selbstverteidigung mit Tai Chi (Chuan) ergibt sich erst nach längerem Training – sofern der Kampfkunstaspekt nicht vernachlässigt wurde – oder in speziell hierfür ausgerichteten Trainingsangeboten nach sehr intensiver Übung. Doch dann mit weitaus effektiveren Mitteln und Wegen zur Selbstverteidigung, als jene, welche in “äußeren” Kampfkünsten angeboten werden.

Ein paar Infos zum Verein, seinem Training und der Sportart Tai Chi Gung finden sich auf der Homepage des Tai Chi Gung – Landessportvereins (Link: www.tai-chi-gung.at).

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Irrtum 19: Kung Fu wäre eine chinesische Kampfkunst

Montag 28. Juni 2010 von Gottfried

(aus der Serie: Irrtümer über Tai Chi , erstmals erschienen auf mein.salzburg.com am 10. Jun 2010 um 12:28 in Fitness )

Auch bei uns im Westen haben viele Menschen den Begiff “Kung Fu” schon oft gehört und glauben, dass jener die Bezeichnung für eine bestimmte Art, einen bestimmten Stil oder eine spezielle Form einer chinesischen Kampfkunst darstellt.

Gerade auch Film und Fernsehen haben dazu beigetragen, dass sowohl “Kung Fu – Kämpfer” antizipiert, als auch “Kung Fu” als ein Synonym für eine bestimmte chinesische Kampfkunst angesehen wird.

Im aufgeklärten 21. Jahrhundert muss (für manche – leider – ) gesagt werden: Das ist alles falsch!

Es gibt keine chinesische Kampfkunst mit dem Namen “Kung Fu”, es gibt keinen Stil und keine Kampftechnik welche “Kung Fu” genannt wird. Daher gibt es (relativiert gesagt: “eigentlich” – dazu später) keine “Kung-Fu-Kämpfer” und daher keine Schule, Lehrer, Meister oder Trainings, wo “Kung Fu” (alleinig! – dazu auch im folgenden noch) angeboten wird und (alleinig!) gelernt werden könnte.

Und: Es gibt überhaupt keine “Kung Fu – Waffen” oder “Kung Fu Ausrüstung” – Das ist völliger Blödsinn!

Warum? – Ganz einfach: Die beiden aus dem chineschen stammenden Wörter entsprechen Verb (”tun”-Wort) und Adjektiv (beschreibend) und sind keine Substantive (Gegenstandswörter).

worterkl_kungfu

Das Wort “Kung”, welches in lateinischen Buchstaben übertragen auch unter “kong”, “gung” oder “gong”zu finden ist, bedeutet übersetzt: “sich bemühen um” bzw. “das Streben nach Perfektion in” – eine Tätigkeit!

Das Wort “Fu”, welches manchmal auch im englischsprachigen Raum mit “foo” (gesprochen: “fu”) zu finden ist, kann zwar alleinstehend als Substantiv verwendet soviel wie: “Wiederkehr”, “Wiederholung”, bzw. auch “Wendezeit” bedeuten – als Adjektiv wird es gebraucht als Beschreibung für eine Tätigkeit des Menschen: “wiederholt”, “wiederkehrend”, …, “ständig”, bzw. “immer wieder”.
Wobei diesem Wort im Chinesischen auch eine “Wertigkeit” beigemessen wird und hierbei ausgedrückt werden soll, dass bei Verwendung als Beschreibung für eine Tätigkeit, jene “natürlich, ohne Zwang, Hast oder Obsession und mit Hingabe” ausgeführt wird.

Womit also “fu” interpretiert werden kann als: “immer wieder mit Hingabe, ohne Zwang oder Obsession” und verwendet wird, um auszudrücken, wie sich ein Mensch einer bestimmten Kunst, Tätigkeit oder einem Handwerk in seinem Leben widmet.

“Kung Fu” (bzw. “gung fu” oder “gong foo”) bedeutet also übersetzt soviel wie:
“sich ständig (immer wieder) mit Hingabe und ohne Besessenheit bemühen um …”

(bzw. “ständiges Streben nach Perfektion mit Hingabe und ohne Besessenheit in der Kunst des/der …”).

Es ist ersichtlich:
a. Es fehlt das Objekt des Satzes! (Worum bemüht sich der beschriebene Mensch? Was macht der Mensch?)
bzw.
b. Es kann keine “Kung Fu” – Dinge, Gegenstände geben!

Der chinesische Satzbau ist anders. Die Chinesen stellen das betreffende Objekt an den Satzanfang und “sagen dann, was man damit macht”.

Der korrekte Gebrauch wäre also: “(…Bezeichnung der Kunstfertigkeit, “Schule”, Philosophie, “Lehre”…) kung fu”.

“Kung Fu” alleinstehend gibt es also nur als “Fantasiewort” im Westen!

Wird gesagt:
“Jemand macht kung fu”. Müsste korrekterweise die Frage lauten: “Ja, worin denn?”.

Beispiele:

“Shaolin Kung Fu”

+++ “Sich ständig mit Hingabe und ohne Besessenheit bemühen um die Kunst der Shaolin” bzw. “Ständiges Streben nach Perfektion mit Hingabe und ohne Besessenheit in der Lehre der Shaolin”.

Anmerkung: “die Kunst der Shaolin” oder “die Lehre der Shaolin” beinhaltet zwar auch Kampfkunsttechniken und Körperübungen, in erster Linie sind es aber Mönche(!) einer bestimmten Glaubensrichtung. Das sollte keinesfalls vergessen werden, falls sich jemand in das Abenteuer “stürzen” möchte und gleich nach China reist – Die “Hauptlehren” bestehen aus Philosophie, Meditation, Art der Lebensweise und Glaube, “Kampfkunst” macht (nur) einen Bruchteil davon aus (…eben “Mönche” und “Kloster”, alles klar?!).

“Wudang Kung Fu” – bzw. “Wudang Tai Chi Kung Fu”

+++ “Sich immer wieder ohne Hast, Zwang oder Bessenheit, mit Hingabe bemühen um die Kunst des Wudang Tai Chi”.

Oder (meist im Amerikanischen)
“xy gong foo” -

“Die Schule/Studio/Lehre xy, worin man sich immer wieder ohne Obsession bemüht, deren Lehre zu folgen”,
also man klarstellen möchte, dass jene angebotene Kunst “xy” mit “kung fu” auszuüben wäre.

Fazit:

“Kung Fu” beschreibt also “wie” ein Mensch eine bestimmte Kunst(fertigkeit) ausübt und in sein Leben integriert

(…und keinen eigenständigen Kampfstil, oder eigenständige Übungsrichtung).

“Kung Fu” ist also die Beschreibung einer Tätigkeit oder einer Einstellung eines Menschen (die Verhaltensweise) zu einer bestimmten (Kampf-)Kunst (bzw. “Lebenskunst”).

Man könnte also auch sagen: “Kung Fu” beschreibt für den einzelnen Menschen den selben Prozess, wie in einem Unternehmen “KVP” (Abkürzung für: “Kontinuierliche Verbesserungs-Prozess” – eingedeutscht aus dem ursprünglichen “Kai Zen” der Japaner), wobei immer(!) genannt werden muss wozu/wohin der Prozess führen soll. z.B.: Eben zu “Tai Chi”, zu “Shaolin”, zu “Malen”, “Schreiben” oder sonst einer “(Lebens-)Kunst”.

Exkurs:

Auch der betriebliche KVP steht niemals für sich allein – Selbstverständlich steht der Unternehmenszweck als “Maßgabe” oder “Zielsetzung” dahinter, auch wenn fast immer(!) ungenannt! – Ist ja logisch: Verbesserung – Wozu?, Wohin?
(Ebenfalls logisch: Falls jene ungenannt bleibt und nicht oder mangelhaft kommuniziert wird, darf es nicht verwundern, dass zwar ständig Verbesserungen der Mitarbeiter und Arbeitsvorgänge erfolgen, aber die damit beabsichtigten Ergebnisse nicht den Erwartungen der Geschäftsleitung oder Inhaber des Unternehmens entsprechen.
*** Scherz: Genauso wie “Kung Fu” ohne Beschreibung “worin” und “wozu” – Man bemüht sich zwar ständig besser zu werden, aber: Worin eigentlich? *** ).

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Irrtum 18: Kampfkraft zeigt sich in Muskelmasse

Montag 21. Juni 2010 von Gottfried

(aus der Serie: Irrtümer über Tai Chi , erstmals erschienen auf mein.salzburg.com am 19. Mai 2010 um 01:07 in Fitness)

In “äußeren” Kampfkünsten, z.B. Judo, Karate, Tae Kwon Do, Jiu Jitsu, …., Kickboxen, etc. – überall wo eine Bewegung durch eine andere “beherrscht” oder “unterdrückt” wird – überall wo “Gleiches mit Gleichem vergolten” wird UND das Prinzip vorherrscht, bei der die jeweils größere Kraft, Ausdauer oder Schnelligkeit die schwächere besiegt, gelten (Grund-)Techniken als definierte körperliche Stellungen, Haltungen, Positionen oder Bewegungen.

Anmerkung: Die manchesmal dabei gefasste Schlußfolgerung, dass je mehr Techniken, also Bewegungsabläufe, Positionen, etc, man (er)kennt und beherrscht, desto mehr Vorteile sich im Kampf erringen ließen, erscheint unter diesen Prämissen durchaus logisch (Also: “mehr” wäre immer besser, egal wovon!).

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Der berühmte chinesische Meister des gleichnamigen Tai Chi (Chuan)-Familien-Stiles, des →Yang-Stiles, Yang Cheng Fu (1883-1936) formulierte als neunten Merksatz für seine Schüler:

“Gebrauche Yi (entspricht: Intention, Absicht), nicht Li (rohe Kraft, Muskelkraft, ‘Schnell-’ oder ‘Schwungkraft’ = Impuls)”.

Die “innere” Kampfkunst Tai Chi (Chuan) [→pinyin: Taijiquan] kommt – zum Erstaunen vieler Menschen – schlicht mit acht Grundtechniken aus!

Aber: Jene “Grundtechniken” repräsentieren primär keine körperlichen Stellungen, Haltungen, Positionen oder Bewegungen – höchstens vielleicht eine Richtung. Die Grundtechniken in Tai Chi (Chuan) repräsentieren Kraftwirkungen! [Anmerkung: Deren Anwendung und "Beherrschung" sich "in Formen" gießen lässt - welche gleichen Prinzipien folgen, daher "→Grundtechnik"].

Wer mit “äußeren” Kampfkünsten vertraut ist, wird hierin einen weiteren – wesentlichen(!) – Unterschied ausmachen können:

Eine “Grundtechnik in Tai Chi” erlaubt den “Konter eines Angriffs” unabhängig von einer bestimmten körperlichen “Stellung” oder bestimmten körperlichen “Technik der äußeren Kampfkünste”!

…und plötzlich “funktioniert” ein Kampf gemäß den Prämissen der (körperlichen) Kampfkünste nicht mehr: “Gleiches” wird in Tai Chi nicht mit “Gleichem” beantwortet. Daher gilt auch: “Technik” nicht mit “Technik”!

Exkurs:

Bruce Lee (27. November 1940 – 20. Juli 1973) wollte jenes Wissen der breiten (Kampfkunst-)Öffentlichkeit zugänglich machen. So vor allen Dingen auch mit Veröffentlichung seines Buches über die von ihm entwickelte Kampfkunst “Jeet Kune Do”, mit der Prämisse, dass jedes starre Festhalten an erlernten Kampfkunsttechniken oder -abläufen aufgegeben werden solle und der Kampfkünstler sich von seiner Intuition entsprechend der Situation leiten lassen möge.

Leider hat er hierbei meiner Meinung nach etwas wesentliches “übersehen”: Kein Mensch kann sich von Formen oder Kampfkunsttechniken lösen, geschweige denn “intuitiv” einsetzen, wenn er überhaupt keine Kampfkunsttechnik kennt oder beherrscht. Alles “gesagte” gilt für “Könner” der Kampfkünste. Ein “Anfänger” ist daher – auch mit der Anleitung zu Bruce Lees Kunst – völlig überfordert und hat wenig Chance jene tatsächlich im Sinne Bruce Lees zu erlernen. Ein Schüler oder “Neuling” lernt also dabei – bedauerlicherweise: nur – eine weitere (äußere) Kampfkunst, ohne dabei dem tatsächlichen Inhalt und Absichten des Meisters folgen zu können.

[Anmerkung für alle Fans: Ebenfalls bin ich überzeugt, dass Bruce Lee dies selbst früher oder später erkannt hätte, falls er über mehr Zeit auf Erden verfügt hätte. Er hätte erkannt, dass er sich nur auf seine eigenen Wurzeln besinnen müsste und dass genau das "fehlende Glied" die Beschäftigung mit Tai Chi, wie es ihn sein Vater gelernt hatte, sowie die Einbeziehung jener "uralten" Erkenntnisse des Tai Chi Chuan - noch - gefehlt hätten, um tatsächlich den Durchbruch zu bringen].

Stück für Stück jener “Geheimnisse”, um welche es hier geht, offenbaren sich nach und nach den trainierenden Mitgliedern des Tai Chi Gung – Landessportverein in Salzburg.

Wichtig:

Hintergründe und Know-how können auch von Fördernden Mitgliedern (”Förderer”) – als registrierte und freigeschaltete Benutzer – im Downloadbereich des Mitgliederforums als Skripten heruntergeladen werden, z.B. die 17-seitige Beschreibung “Das Geheimnis von Yi-Chi-chin” (im Download unter der Rubrik →Fortgeschrittene )

- Mehr über den Verein und die Vorteile der Mitgliedschaft unter: www.tai-chi-gung.at

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Irrtum 17: Füllige oder dralle Körperform = phlegmatischer und unbeweglicher Mensch

Dienstag 15. Juni 2010 von Gottfried

(aus der Serie: Irrtümer über Tai Chi, erstmals erschienen auf mein.salzburg.com am 7. Mai 2010 um 10:33 in Fitness)

Ist ein knochig, dürrer Mensch automatisch sanguinisch und beweglich? – Sicher nicht!

Der Mensch neigt dazu alle Wahrnehmungen in bestimmte “Schubladen” einzuordnen, welche zu den bisherig aus der Lebenserfahrung gewonnenen “Überzeugungen” – sowohl eigener als auch übernommener – passen.

Ständig wird ein “Urteil” darüber gefällt, wie ein Mensch, dem man gerade begegnet “einzuordnen” ist – die “Schubladen” erleichtern dabei die Sortierung und sind “praktisch”. Nicht umsonst hat die Psychologie herausgefunden, dass die ersten fünf Minuten einer Begegnung für das weitere Verhalten der Beteiligten von entscheidender Bedeutung sind: Der berühmte erste Eindruck.

Aber: Muss dieser “Eindruck” für “die Ewigkeit” bestehen – gleicht die “Einsortierung” und das “Urteil” einer höchstrichterlichen Entscheidung für den gesamten weiteren Lebensweg? (Na ja, manche Menschen betrachten sich vielleicht als “Richter und Henker” und sollten – von Freunden – ab und zu vielleicht auch an die “Lebensratschläge” der christlichen Bibel erinnert werden: “Du sollst nicht richten, auf dass…” oder “Du sollst kein falsches Zeugnis wider deines Nächsten ablegen” etc.)

“Vorurteile” – sprich: Die “Ablage” in bestimmte “Schubladen”, BEVOR überhaupt ein Kontakt mit entsprechendem Thema bzw. Menschen zustande kam. Ebenfalls ein schwieriges und komplexes Thema, nicht war?

Noch schwieriger wird es, wenn “plötzlich” keine einzige “Schublade” mehr passt – die Reaktionen reichen von “Erschütterung”, “Entsetzen”, über “Verleugnen”, “Abwenden”, “Ignorieren” und “Verdrängen” bis hin zu positiven Reaktionen wie “Akzeptieren” und Gewinnen von “Erkenntnis”

Eine kleine Geschichte hilft vielleicht dabei, ab und zu darüber nachzudenken, ob eigene “Muster” noch zeitgemäß und der Situation angepasst sind:

Ein Mann und eine Frau sitzen zu Tisch. Es gibt herrlichen Schmorbraten. Das Essen schmeckt und der Mann lobt die Kochkünste seiner Frau. Dabei fragt er sie spontan, warum sie eigentlich die Enden des Bratens abschneidet und diese antwortet, dass sie dies von ihrer Mutter so gelernt habe.
Der Mann war interessiert und beschloss, beim nächster Gelegenheit die Schwiegermutter danach zu fragen. Als er dann mit dieser ein Gespräch führte und über Essen geplaudert wurde, fragte er selbige auch, warum sie bei der Zubereitung von Schmorbraten immer die Enden wegschneidet. Er erhielt als Antwort: ‘So habe ich mir das von meiner Mutter abgeschaut, das gehört zu unseren Familienrezepten’.
Jetzt war der Mann richtig neugierig geworden und da die Großmutter noch lebte, wollte er unbedingt dieses Geheimnis ergründen. Bei einem folgenden Besuch der alten Dame, stellte er voller Spannung also direkt die Frage: ‘Warum hast du eigentlich beim Schmorbraten immer die Enden abgeschnitten?’. Die alte Frau sah ihm direkt in die Augen und lachte: ‘Na, weil meine Pfanne zu klein war!’”.

Wieviele “Rezepte” (”Schubladen”) wenden wir also tagtäglich an, ohne uns zu fragen, woher diese eigentlich stammen oder ob jene noch zeitgemäß sind?

Ist es wirklich “noch zeitgemäß” andere Menschen materialistisch und oberflächlich nach deren körperlichen Erscheinung “abzuurteilen”, ohne die geringste Erfahrung oder Kenntnis über deren tatsächlichen Fähigkeiten, Werte und Wesen zu haben?

Leider trifft man diese “Vorurteile” auch im Sport und den Sportarten – Natürlich: Wir haben mit Menschen zu tun!

Interessanterweise bietet gerade auch die Beschäftigung mit Tai Chi hierzu aussergewöhnliche Erkenntnismöglichkeiten:

Die körperliche Statur eines Menschen sagt – rein gar nichts(!) – darüber aus, wie gut oder schlecht jemand in der Lage ist, Tai Chi Gung auszuführen!

“Füllige Menschen”? – Von “unbeweglich” oder gar “phlegmatisch” keine Spur!

Die Erfahrung des Tai Chi Gung – Landessportverein, Salzburg, zeigt bisher beinahe schon das Gegenteil: Von anderen (Mit-)”Sportlern” eher als “unsportlich” angesehene – sagen wir ruhig “Dicke” oder “Füllige” Personen, oder auch “Menschen mit ein wenig Bauch” – erzielen oftmals weit bessere Fortschritte, als “Dünne”!
Vielleicht, weil erstere hiermit endlich auch eine körperliche Betätigung und Sportart gefunden haben, welche nicht an “höher, weiter, schneller” geknüpft ist und jene somit erstmals überhaupt die Chance erhalten, “ihre Talente” auch anerkannt und “wertgeschätzt” zu erhalten?

Mehr über den Tai Chi Gung – Landessportverein und seine Sportart auf der Homepage unter: www.tai-chi-gung.at

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