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Was bedeutet das TAI CHI – Zeichen?

Mittwoch 16. Dezember 2009 von Gottfried

Glossareintrag: TAI CHI – Symbol

Alternative Bezeichnungen: Tai Chi – Symbol, Taiji – Symbol, Taiji – Zeichen)

Wichtige Anmerkung:
zwecks Unterscheidung zwischen dem kosmologischen, philosophischen Begriff “TAI CHI” und der allgemein üblich verwendeten Abkürzung “Tai Chi” bzw. “Taiji” für die eigentlich damit gemeinte “innere” Kampfkunst mit Namen “Tai Chi Chuan” bzw. “Taijiquan”, verwenden wir Großbuchstaben für kosmologischen Begriff und setzen bei der Bewegungskunst die Zusatzbezeichnung für “Methode” bzw. “System” in Klammern dahinter: “Tai Chi (Chuan)” – soweit uns möglich.

Bemerkung:
Das Training von Tai Chi Gung setzt keine Beschäftigung mit dieser Philosophie voraus – Dennoch: wirkliches Verständnis der Bewegungskunst Tai Chi (Chuan) wird erst mit (zumindest ein wenig!) Beschäftigung der Ursprünge und Hintergründe erreicht werden können – Aber zur Erlangung der Meisterschaft erscheint dies unabdingbar!

Das weithin bekannte und auch bei uns von vielen Menschen zumindest schon einmal gesehene Symbol für TAI CHI sieht wie folgt aus:

taichisymbol

Betrachten wir die (ursprüngliche, taoistische) chinesische Sichtweise des Kosmos – sozusagen: die östliche Schöpfungsgeschichte – ein wenig näher.

Philosophischer Hintergrund:

Angelehnt an das “I Ging” (sprich: “i tsching”) – dem “Buch der Wandlungen” ergäbe sich folgendes:

Im Anfang war “WU CHI” (”das Ohne Firstbalken”, die große Leere – das unbegreifliche “Alles und Nichts” -> der geometrische Punkt vor dem Urknall?), dargestellt durch einen leeren Kreis.

Plötzlich entsteht Bewegung “yang” und Scheidung (Verdichtung und Trennung der Stoffe – “yin”).

Es entsteht also die Polarität (”yin” und “yang”) und “der Wandel” (die “Wandlungsenergie”), woraus wiederum “die zehntausend Dinge” – (so bezeichnen die Chinesen in ‘alter’ Literatur – z.B. von Lao Tse, Huai Nan Tzu, u.v.a. den Kosmos: die Materie, den Menschen, Tiere, Pflanzen und allem, was im Universum existiert) – hervorgegangen sind und ständig hervorgehen.

yinyang_genese

Das hierfür existierende Symbol ist TAI CHI, “das Allerhöchste/das Letzte” (gemeint: “welches der Mensch noch zu begreifen oder zu erklären im Stande ist”), mit der allseits bekannten Darstellung von “yin” und “yang”.

Diese Darstellung sollte keineswegs als statisch, sondern in ständiger Drehbewegung (im Uhrzeigersinn!) betrachtet werden.

zyklendarstellung

Zum Verständnis fehlen uns noch die Erläuterungen der Begriffe “yang” und “yin”.

Was ist mit “yin und yang” gemeint?

Vielfach werden darunter die “Urkräfte” oder getrennte Eigenschaften der Polarität verstanden: “hell” und “dunkel”, “leicht” und “schwer”, “plus” und “minus” (Elektrizität), “anziehend” und “abstoßend” (Magnetismus)

Exkurs:
manchmal in der Literatur auch: “gut” und “böse” – welches aber nur eine menschliche (Be-)Wertung darstellt. – Frage: “Ist ein wildes Tier, dass seiner Bestimmung, seinem Instinkt, folgt ‘böse’?” – Sicher nicht! – Es “erscheint” uns nur so, vor allem dann, falls wir selbst gerade auf dem “Speiseplan” eines Haifisches oder einer Raubkatze stehen!

Wir würden die beiden Begriffe eher als allegorische Sammelbegriffe für Eigenschaften (nicht “Elemente”!) bezeichnen.

“yang” ist dementsprechend eine Allegorie für:

hell, licht, leicht, kräftig, männlich [Anm.: bitte keine voreiligen Schlüsse ziehen!], expandierend, ausweitend, voll, geöffnet, nach vorwärts, Außen, positiv geladen, elektrisch, usw. (mehr im Glossar unter yang )

“yin” ist dementsprechend eine Allegorie für:

dunkel, schwarz, schwer, weich, weiblich, implodierend, zusammenziehend, leer, geschlossen, zurück gerichtet, Innen, negativ geladen, magnetisch, usw. (mehr im Glossar unter yin )

Exkurs:
das TAI CHI – Symbol wird sehr häufig “verkehrtherum” dargestellt, wobei der schwarze Teil – yin – nach oben weist und der weisse Teil – yang – nach unten. Dies widerspricht aber der ursprünglichen Auffassung und ist unserer Meinung nach falsch, weil die “Kraft yang” Synonym für “oben”, “nach oben”, “Himmel”, etc. steht und yin für das Gegenteil (”nach unten”, “Schwerkraft”, “Erde”).

Betrachten wir nun das Symbol für “TAI CHI” und stellen uns dies in ständiger Drehung vor, so erkennen wir einen ständigen Wechsel der (scheinbaren) Pole und Eigenschaften (”yin” und “yang”),
sowie darüber hinaus, dass an jenem Zeitpunkt, wo eine “Kraft” am stärksten erscheint,

  • einerseits schon die gegenteilige Kraft beinhaltet ist (der gegenteilige “Punkt”, das “Auge” in jedem Abschnitt) und
  • andererseits, dass die gegenteilige “Eigenschaft” geradezu dann ihren Ausgang nimmt (…und “stärker” wird – der “Ausgangspunkt” – der “Wurmfortsatz des Tropfens” beginnt schon sichtbar zu werden).

Ebenso könnten wir durch diese bildhafte Darstellung der “untrennbaren Gegensätze” begreifen: Eines kann ohne das andere nicht existieren (d.h.: Wir könnten kein Licht wahrnehmen, wenn es keine Dunkelheit gäbe).

Zu abgehoben? -
Betrachten wir die Natur: alles ist in ständigem Wandel und Wechsel der Rhythmen (Tag und Nacht, Sonnenaufgang – Sonnenuntergang, die Jahreszeiten, Entstehen – Wachsen – Reifen – Vergehen).
Betrachten wir uns selbst, unseren Körper und seine Funktionen: z.B. das Atmen (Einatmen – “yin”, Ausatmen – “yang”, keines kann ohne das andere existieren).
Das Leben (des Körpers): es endet, wenn jede Bewegung und Wandlung aufhört – Stillstand = Tod (Aber selbst dann greifen auf unserer Erde noch immer chemische, physikalische und [fremd-]biologische Prozesse, nichts bleibt “stehen” – nicht wahr?).

…Mehr Information, sowie eine Interpretation der chinesischen Schriftzeichen für TAI CHI (die TAI CHI – Zeichen) finden sich in unserer Trainingsinformation 001 im Download Datei: TI_001_Grundsaetzliches_Hintergrundinfos.pdf


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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 16. Dezember 2009 um 11:34 und abgelegt unter Geschichte & Hintergrund, Glossareinträge. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

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