Alternative Bezeichnung: Der Meeresgrund
Übersetzung – Worterklärung
Das Wort „Hui“ wird häufig übersetzt als ein „Treffen“ eine „Zusammenkunft“ – hier ist umso mehr der Ort gemeint, „wo“ dies stattfindet – also ist das „Zentrum“, der „(Treff-)Punkt“ gemeint.
Mit „yin“ ist die „Komplementärkraft“ bzw. „Eigenschaft“ zu „yang“ gemeint – Es existieren keine deutschen Entsprechungen jener „Eigenschafts-Sammelbegriffe“ (Mehr dazu findet sich in den entsprechenden Glossareinträgen →yin und →yang).
In Tai Chi Chuan
ist mit „Hui yin“ also der „yin-Punkt“ oder das „yin-Zentrum“ des Menschen bezeichnet, welches sich am Körper zwischen den Beinen, genau am Damm (zwischen Anus und Geschlechtsorgane), lokalisieren lässt.
Dieses „Energiezentrum“ kann durchaus mit dem im Indischen so bezeichneten „Wurzel-Chakra“ bzw. „Kundalini-Zentrum“ gleichgesetzt werden, welches auch im Yoga als 1. Chakra bekannt ist.
Anmerkung:
Wobei es für die Praxis – auch des Yoga – völlig irrelevant ist, ob sich „der Punkt“ millimeter- oder zentimetergenau an jener oder anderer Stelle befindet, denn es wird meist „die Körperregion“ aktiviert und „gedanklich stimuliert“.
Hui yin ist die energetische Verbindung des Menschen zu „kun“, das „Erdprinzip“, also der „Uressenz der Erde“ zum reinen und ursprünglichen yin.
→Trigramm „kun“
Damit ist Hui yin im Tai Chi (Chuan) neben dem für die Übungspraxis wichtigsten Zentrum, dem „→Dan Tien„, eines von insgesamt fünf Energiezentren (Energiepunkten), welchem wir in Tai Chi Gung unsere Aufmerksamkeit schenken sollten.
Für Fortgeschrittene
Mit „Der Meeresgrund“ wird also das Energiezentrum „Hui yin“ alternativ bezeichnet.
Erst mit diesem tieferen Verständnis ergründet sich, welche Kampftechnik – besser: Kampfkunst – sich hinter dem Bild „Die Nadel am Meeresgrund“ verbirgt.
Die Bezeichnung dieses Bildes ist, wie manche andere – wie z.B. „Den Gegner mit beiden Fäusten an den Ohren treffen“ – ebenfalls wortwörtlich und keinesfalls allegorisch zu verstehen. Es dient eindeutig einem Angriff!
Konkret auch: Falls keine Nadel (Akupunkturnadel) mitgeführt wird, werden die zwei Finger der →Schwerthand eingesetzt.
Alle anderswo anderslautenden Aussagen zu diesem Bild, wie z.B.: Die Vorstellung einer Schöpfbewegung, um symbolisch eine Nadel am Boden irgendeines imaginären Meeresbodens zu suchen oder aufzuheben, oder ähnliches, müssen daher leider dem Reich der Märchen oder harmlosen Kindergeschichten zugeordnet werden – bzw. stellen eine Verwechslung mit dem →Bild „Wasser schöpfen und schließen“ (→Chen-Stil) dar.
[Hier geht es zurück zum →Glossar-Index]
