Glossareintrag: Innere Kampfkunst
Bei der Beschäftigung mit Tai Chi (Chuan) – also bei „Tai Chi Gung“ – Taiji Quan, Qi Gong, Kung Fu (Gong Fu), oder ähnlichem, liest und hört man immer wieder einmal von „Inneren Kampfkünsten“ im Gegensatz zu „Äußeren Kampfkünsten“, ohne dazu wirklich eine Erklärung zu erhalten – außer, dass hier eine Unterscheidung vorgenommen werde.
Was ist damit wirklich gemeint?
Worin unterscheiden sich also innere von äußeren Kampfkünsten?
Vorwort – Aussagen einiger Meister der „inneren Kampfkunst“
- →Yang Chen Fu wird folgendes Zitat zur Bewegung in Tai Chi zugeordnet: „Gebrauche →Yi (Intention, Absicht) , nicht rohe Kraft („→li“, Muskelkraft)“.
- Tung Ying-Chieh (1888-1961) sagte einmal: „Tai Chi →Chuan ist ein inneres System [der Kampfkunst]: Wenn die Bewegungen richtig ausgeführt und die inneren Prinzipien verstanden werden, dann ist dies Tai Chi Chuan. Werden die Bewegungen nicht richtig ausgeführt und die inneren Prinzipien nicht verstanden, dann besteht kein Unterschied zu den äußeren Kampfkünsten, selbst wenn die Bewegungen so aussehen wie Tai Chi Chuan“.
- →Chang San Feng soll geäußert haben: „Es kommt darauf an, ausschließlich den Geist und niemals Muskelkraft zu benutzen.“
- Und schließlich →Sun Lu-Tang (1861-1932): „Das Tai Chi Chuan nutzt die Gegebenheiten des menschlichen Körpers, aber nicht dessen physische Kraft“.
Jene Meister des Tai Chi rechnen sich selbst zu Vertretern der „inneren Kampfkunst“.
Damit ließe sich allein schon schlussfolgern: Tai Chi IST eine innere Kampfkunst und alles was Tai Chi von anderen Kampfkünsten unterscheidet, zeigt auch den Unterschied zu jenen äußeren Kampfkünsten.
Damit haben wir aber (für den Laien) noch keine Erklärung, warum ein Unterschied zwischen „innen“ und „außen“ vorgenommen wird und was mit den Sammelbegriffen „innere bzw. äußere Kampfkunst“ gemeint ist.
Eine Kampfkunst – sprich: Die Kunst(form), im Sinne von: Können, durch Erwerb und Pflege(!) von Kenntnissen und Fähigkeiten, ähnlich einem Handwerk, das erlernt, geübt, praktiziert und damit auch ständig verfeinert wird, um als „kunstvoll“ gelten und angewendet werden zu können – eben mit dem großen Themenbereich des Kampfes (in allen seinen Facetten!), erscheint den meisten noch verständlich.
In China werden alle Kampfkünste mit dem Oberbegriff „→wushu“ zusammengefasst.
**Anmerkung***
Wenngleich sich (immer noch) viele wundern mögen, was Tai Chi (Chuan) / Taiji quan damit zu tun hat.
Kurz: Tai Chi ist (auch) eine Kampfkunst!Selbst wenn vor Jahrzehnten unter dem kommunistischen Regime von Mao Tse Tung in China, das Praktizierenvon Kampfkünsten der Bevölkerung verboten worden ist und schließlich propagiert wurde, das Tai Chi ausschließlich der körperlichen Ertüchtigung und der Gesundheitsvorsorge dienen möge… aber das ist ein anderes Thema.
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In China wird beim Wu-shu (Sammelbegriff der Kampfkünste) zwischen inneren und äußeren Kampfkünsten unterschieden.
So bleiben noch die Begriffe „innen“ bzw. „innere“ und „außen“ bzw. „äußere“.
Wird da etwa „innen“ gekämpft? …und die anderen kämpfen „außen“? (drinnen und draußen?)
Da aber (siehe auch Zitate oben) von körperlich und geistig gesprochen wird, ist etwa mit „innen“ oder „innerlich“ – nur im Geist, nur in der Vorstellung gemeint?
Die einen kämpfen „real“, die anderen „nur in der Vorstellung“, oder so?
Die einen „kämpfen richtig“ und trainieren „g’scheit“ (physisch: auch mit Anfassen, Schlägen, Stoßen, Fäusten,Füßen, Knien, …, Handkanten, …, blauen Flecken, Verletzungen usw.) und die anderen (Tai Chi?) „meditieren nur vor sich hin“? (…und „träumen“ von Kampfsituationen – …oder vermeiden jene grundsätzlich?)
Wie jetzt?
Innen und Außen
Grundsätzlich lässt sich schon sagen, daß eine Kampfkunst nur dann selbiger zugeordnet werden kann, wenn sich die Ausführung im Kampf nutzen lässt. Damit fällt „nur meditieren“ wohl doch aus.
Es geht vielmehr darum, welches Verhalten man selbst zeigt (und nutzt), sowie welche Kräfte („Techniken“) man einsetzt, um die gewünschte Wirkung (sowie natürlich: die Zielsetzung – Was will ich erreichen?) zu erhalten.
Dabei erahnt man schon eine große Bandbreite: Von der „hau drauf“-Mentalität (am besten immer gleich mit voller Wucht zuschlagen – Wer besser, schneller und härter zuschlägt, wird siegen […oder doch nicht?]) bis hin zu „Weglaufen“ (Sieger ist, wer „davonkommt“ – […außer derjenige wird dann doch „eingeholt?“]).
Es geht also auch darum:
- Wie verhalte ich mich bei Konflikten? – und:
- Was mache ich wie, falls ein Kampf unvermeidlich ist?
bzw. Welche Mittel setze ich dann ein?
Ersteres betrifft also einmal die grundlegende Einstellung des (potentiellen) Kämpfers, sein Verhalten – also (s)einen Wesenszug.
Wichtig: Eigentlich, logischerweise – möchte man meinen(!) – ist dies schon einmal völlig unabhängig von dessen körperlicher Konstitution und physischen Fertigkeiten, sondern eben eine rein geistige und seelische Angelegenheit.
Wir erkennen hier schon:
Mentale und emotionale Vorgänge sind Dinge, welche sich im „Inneren“ des Menschen abspielen.
Körperliche Ausführungen und „der Einsatz der körperlichen Fertigkeiten“ erfolgen im „Außen“.
Zweiteres beinhaltet dann auch: Wie verhalte ich mich dann in Kampfsituationen?
Sprich: Verlasse ich mich dann ganz auf meine körperlichen Fähigkeiten, oder wäre es nicht auch dann klug, ebenso meine mentalen und emotionalen Möglichkeiten ebenso in die Waagschale zu werfen?
Oder – wie bei Tai Chi: Diese „Anteile der Kraft“ des Menschen, genauso in einem Kampf auch zu nutzen?
Die zweite Fragestellung, das Was, bedeutet also die Umsetzung in einer Kampfsituation (Sowie natürlich auch: Welche Mittel setze ich ein?).
Wird dabei nur – aus Sicht des Tai Chi (Gung) – vorwiegend der körperliche Aspekt berücksichtigt, betrachtet, trainiert und genutzt, dann spricht man von einer Lehre/Methodik/Schule, der „äußeren Kampfkunst“.
Werden dabei vorwiegend „innere Zustände und Vorgänge“ beachtet, trainiert und genutzt, also eingesetzt, dann spricht man von einer „inneren Kampfkunst“.
Wichtige Anmerkung:
Tai Chi Gung (die Pflege des Tai Chi) spricht dabei von →Aspekten und →Bildern – (man be-)nutzt die →Ba Gua und weitaus weniger die (Anzahl) von rein körperlichen Stellungen, Techniken oder die Beherrschung körperlicher Schlag-, Stoß-, Hebel- oder Wurftechniken, bzw. das Training rein physischer Fertigkeiten (Zirkeltraining, Muskelaufbau, Schnellkrafttraining, …, „Abhärtung“).
Ein (Haupt-)Geheimnis des Tai Chi (Chuan):
Die Möglichkeiten der Kampfkunst des Tai Chi (des Tai Chi Chuan) sind NICHT durch die Anzahl der körperlichen Stellungen (bzw. Figuren/Abläufe – oder auch: „Körperwaffen“) begrenzt, sondern ausschließlich durch die Beherrschung der Ba Gua in jeder(!) beliebigen(!) körperlichen Haltung, Bewegung oder Situation!
Dies zu verstehen, ist manchen Menschen „einfach nicht möglich“, manche andere brauchen Jahre dazu.
Dies zu erlernen, ist oftmals ein langer Weg. Aber auch der Weg hierzu ist äußerst lohnenswert, da der Mensch „als Ganzes“ (Körper, Seele und Geist) sich weiterentwickeln und perfektionieren („→kung fu„) kann – und nicht nur seine physische Kraft, Ausdauer, Geschwindigkeit (…oder manchmal woanders auch: Leidensfähigkeit und Gehorsamkeit) beansprucht wird.
Tipps:
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