Dienstag 30. August 2011 von websifu
Im Artikel →Chinesische Arbeitsmodelle im Tai Chi wurden drei Modelle unterschiedlicher Energiearbeit in der Welt des Tai Chi (Taiji) identifiziert.
Diese sind:
- Das Modell der Wandlungsphasen
(aktuell verwendet im →Qi Gong und der →TCM)
- Die “Energien des Taiji” (vermutlich: nach Chen Gong),
sowie
- →Die “Ba Gua”
(mit nachweislich ältestem Ursprung im →I Ging, dem “Buch der Wandlungen”)
Neben diesen drei Grundmodellen, welche das Verständnis und die Anwendung der →Chi-Energie erleichtern sollen, existieren eine unüberschaubare Zahl von Interpretationen und Lehrmeinungen.
Je nach chinesischer Kunstform und Einsatzgebiet, mag das eine oder eher das andere hilfreich sein.
Problematisch wird es dabei, wenn die Grundmodelle (Lehrmeinungen, Symbole und Interpretationen) wahllos vermischt und somit auch “zweckentfremdet” werden. Am schlimmsten ist es, wenn jene völlig aus dem Zusammenhang eines bestimmten Systems gerissen werden, um damit Lücken im Wissen oder bei den Hintergründen der eigenen Lehre zu füllen.
Problematik bei den “Energien des Taiji”
Die Zweckentfremdung, das “aus dem Zusammenhang reissen” und das “Lücken stopfen”, scheint beispielsweise bei Anhängern der “Energien des Taiji” (dem zweiten vorgestellten Modell) der Fall zu sein.
Es fehlt irgendwie der Ursprung, der Hintergrund – besser gesagt: Das Fundament. Darüber hinaus gibt es keine wirklich schlüssigen Zusammenhänge und Verbindungen der einzelnen 41 (oder sind es zwischenzeitlich schon 50 ?) “Energien”.
Anmerkung:
Wobei das Wort “Energie” ja hierbei auch fast falsch scheint, denn vordergründig ist zuerst einmal eine körperliche “Technik” damit gemeint.
Andererseits lassen sich hiermit trefflich hunderte von Seiten nichtssagender Beschreibungen füllen und wunderbar viele Bücher veröffentlichen, worin jeweils eine Technik an die andere gereiht wird.
Die Beschäftigung mit jener Unzahl an “Detailklaubereien” (d.h.: Eine “Einzelanwendungen” einer bestimmten “Energie” zuzuordnen) erscheint uns aus Erfahrung völlig unnötig, um →chin-Kräfte zu realisieren.
Der Schüler verzettelt sich auf “Nebenschauplätzen” -
Besser ist, er konzentriert sich auf die “klassischen Acht Kräfte” (die “Ba Gua”, die →Grundtechniken des Tai Chi) und beherrschte jene, in jeder(!) Situation.
Problematik der Mischung von (modernem!) Qi Gong und Tai Chi.
Viele Lehrer sind der Ansicht, rascher Fortschritte in Tai Chi (Chuan) herbeiführen zu können, indem sie Einzelübungen des Qi Gong als Vorbereitung für das – eigentliche – Tai Chi-Training nutzen. Oder es werden aus dem Qi Gong entlehnte Praktiken in das Training von Tai Chi “eingebaut”, um noch besser dem →Gesundheitsaspekt dienlich zu sein oder die Energieerfahrung in Tai Chi schneller erreichen zu können.
Nicht nur dass dabei (klassische) Ch’i Kung-Übungen mit (moderenen) Qi Gong-Übungen verwechselt werden, sondern eben auch die Betrachtungs- und somit Arbeitsmodelle (der Energiearbeit) vermischt werden.
Dabei wird für viel Verwirrung und Erklärungsnotstände gesorgt und im Gegenteil zur “gut gemeinten” Absicht des rascheren Voranschreitens, in Wahrheit geradezu eine Be-Hinderung des Fortschrittes in Tai Chi (Chuan) erzielt.
Selbst Anfänger erkennen sehr leicht, dass “plötzlich” das in den Qi Gong-Vorübungen praktizierte, einfach “irgendwie” nicht mehr zum Tai Chi-→Formentraining, dem →Danlian oder dem →Tui Shou passt – Können sich aber nicht erklären warum.
Die Antwort ist ganz einfach:
Ein absolut gleichzeitiges(!) Lehren von – Betonung: modernem! – Qi Gong und Tai Chi (Chuan) ist nicht möglich, da beide Systeme völlig verschiedenen Grundlagen und Ansätzen folgen. Es sind unterschiedliche (Arbeits-)Modelle. Zuerst müsste jemand das eine oder das andere meisterhaft beherrschen, um zwischen den Systemen “umschalten” zu können.
Anmerkung:
Ausserdem ist dies eigentlich gar nicht notwendig, denn Tai Chi Chuan (Taiji Quan) stellt ja ohnehin schon eine nahezu perfekte “Vereinigung”, eine jahrhundertelang perfektionierte Symbiose, aus der Kunst der Lebensverlängerung (→Yangsheng), der →Meditation und der chinesischen Kriegskunst (der chinesische Kampfkunst, des →Wushu) dar.
Wie sagt der moderne Mensch gerne: “Never change a winning horse!”
Aus guten Gründen wurde deshalb auch →Cheng Man-ching niemals von →Yang Cheng-Fu als Meisterschüler aufgenommen:
- Erstens, er konnte sich aufgrund seiner festen Orientierung zur traditionellen chinesischen Medizin, einfach nicht von deren Lehren (”Einzelenergien”, den fünf Wandlungsphasen, etc.) lösen
und
- Zweitens, versuchte er “verbissen”, nicht nur Meisterschüler zu werden, sondern ebenfalls jenes erstere Dilemma (sprich: “Wie passen die acht Grundtechniken des Tai Chi Chuan, zu den fünf Wandlungsphasen [des Qi Gong]?”) zu umgehen.
Dabei wichtig zu erwähnen:
Chen Man-Ching leistete einen wichtigen und wesentlichen Beitrag Tai Chi (Chuan) in der westlichen Welt zu verbreiten.
Dies ist zweifellos anzuerkennen und ein Schüler kann sehr viel von ihm (sprich: Büchern und Nachfolgern) lernen.
Aber… (beachte vorherige Absätze).
Wir wissen, dass “→Kung Fu” eben die “NICHT OBSESSIVE…” – also: die nicht verbissene, nicht krampfhaft verfolgte – “…regelmäßige ausgeübte Perfektionierung IN einer BESTIMMTEN Kunstform” darstellt.
(Cheng Man-Ching’s Fehler Nr. 1).
Und ebenso, dass dessen Dilemma (ausformuliert: “Wie passen die Ba Gua [Grundtechniken] zu Qi Gong, bzw. zu den Lehren des TCM, bzw. den Wandlungsphasen?”), nur eine Antwort und Lösung erlaubt: “GAR NICHT!”
Denn es sind zwei völlig unterschiedliche Betrachtungssysteme und (Arbeits-)Modelle (Cheng Man-Ching’s Fehler Nr. 2 …und leider vieler, vieler anderer Taiji-Lehrer auch).
Selbstverständlich kann(!) man beide Systeme und damit einhergehende unterschiedliche Lehrmeinungen – separat - verinnerlichen und auch separat(!) lehren!
Aber: Eine Mischung der Arbeitsmodelle kann zwangsläufig nur zu mehr Verwirrung und auch unklaren Standpunkten und unklarer Lehre führen.
Der Volksmund spricht:
Man kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen.
Natürlich kann ein Praktizierender von jedem dieser Modelle und Systeme etwas für sich lernen und Erkenntnisse daraus ziehen -
Doch: Ein Schüler kann eben nur auf einem(!) Weg voranschreiten. Ein Meister kann nach Abschluss eines Weges, jederzeit einen neuen wählen!
Das heisst auch: Beide müssen sich entscheiden!
Tai Chi Chuan – heisst übersetzt eben auch:
“Der Weg des TAI CHI” !
Nur für Mitglieder und Förderer:
Fortgeschrittene in Tai Chi Gung finden im Download unter der Rubrik →“Fortgeschrittene”,
das Handbuch: “Die Acht Grundtechniken – Ba Gua Zhang”.
Auf 56-Seiten-DIN-A4 erfolgt die detaillierte Beschreibung der 8 Grundtechniken, die “Ba Gua Zhang”.
Ein brandaktuelles Handbuch vom Gottfried Rinner, Gründungsmitglied und Trainer des →Tai Chi Gung – Landessportverein in Salzburg.
Die Aufklärung über der Geheimnisse des “Ba Gua Zhang”:
- Ursprünge und Hintergrund;
- Detaillierte Beschreibung der Acht “Grundtechniken” und deren Anwendung;
- inklusive 17 grafische Darstellungen und 12 umfangreiche Übersichtstabellen zum Nachschlagen, Vergleichen und für die →Bild-identifizierung.
→Download des eBooks im PDF-Format
– nur für registrierte Mitglieder (Vereinsmitglieder und Förderer).