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Archiv für die 'Geschichte & Hintergrund' Kategorie

Ambiguität

Sonntag 23. Dezember 2012 von websifu

Glossareintrag: Ambiguität

Ambiguität ist das Fremdwort für “Mehrdeutigkeit”.

Es gibt hierzu einen sehr schönen Artikel in der “freien Enzyklopädie” Wikipedia
(Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Ambiguit%C3%A4t ).

Leider wird dort nur in einem Nebensatz erwähnt, dass Mehrdeutigkeit vor allem ein Charakteristikum von sprachlichen Zeichen sei und somit beispielsweise in Folge völlig ignoriert, dass auch chinesische Schriftsymbole – per se – mehrdeutig verwendet werden und daher nicht nur ambivalent, sondern meist eben mehrdeutig interpretiert werden können.
Sehr schade!

Da wir uns mit dem Tai Chi Gung – Landessportverein in Salzburg es auch zur Aufgabe gemacht haben, Aufklärungsarbeit in und rund um das Thema Tai Chi, sowie dessen Herkunft und Bedeutung durchzuführen, haben wir schon des öfteren darauf hingewiesen, dass alle ursprünglich aus dem Chinesischen stammenden Begriffe, Bezeichnungen und Übertragungen, eben NICHT immer so einfach – eindeutig(!) – interpretierbar und übersetzbar sind.

Siehe dazu auch: →Übertragungsprobleme

Es ist daher zum Verständnis der chinesischen Kampf- und Bewegungskunst mit – übertragenem(!) – Namen Tai Chi Chuan, einfach wichtig zu wissen, dass dies eben so ist und alle chinesischen (Schrift-)Symbole mehrdeutig sind und Kombinationen davon (Wörter, Sätze) noch weitere Ambiguität erzeugen, anstelle diese zu vermindern.

Daher hilft es auch nichts, sich bloß darüber zu streiten, ob eine Übertragung in Lateinische Buchstaben besser mit Pinyin- oder nach Wade-Giles-System erfolgen soll, wenn dabei die ursprüngliche Ambiguität der Schriftsymbole völlig vernachlässigt wird.

Erst die Beschäftigung mit dem Vergleich jener Interpretationen – welche diese nun mal sind – ermöglicht weitere Erkenntnisse und ein tieferes Verständnis.

Dann zeigt sich auch, dass mit “TAI CHI”, “Tai Chi”, “Taiji”, “T’ai Ch’i”, … usw. usf. manchmal das gleiche, häufig das selbe und manchesmal aber etwas völlig anderes von den jeweiligen Autoren gemeint ist.

Exkurs:

Ebenso empfehlen wir jedem Genießer und Studierenden der chinesischen Philosophien, egal ob “I Ging”, “Taoismus”, “djang-Buddhismus” (sprich: “Zen-Buddhismus”) oder (deutsche!) Literatur des Konfuzius, jene als eine(!) Interpretation des jeweiligen Verfassers zu betrachten und nicht gleich in die Kategorie “DAS Werk” zu schubladieren, solange man nicht selbst dazu in der Lage (oder Willens) ist, die Urtexte in chinesischen Schriftsymbolen zu lesen und die darin (automatisch – s.o. Ambigiutät) enthaltene Mehrdeutigkeit nach und nach selbst zu ergründen.

Beispiele:

Chinesisches Schriftzeichen Übertragung in lateinische Buchstaben mögliche Übersetzung, Bedeutung, Interpretation
csz_tai_klein Tai
T’ai
groß, bedeutend, hochstehend,
markant, mächtig, hervorstehend,
aufrecht stehend
“der aufrechte Mensch”
csz_chi_klein Chi
Ch’i (Wade-Giles)
Qi (nach Pinyin)
(Lebens-)Hauch, Atem, Odem;
Kraft, Energie,

Kraft in (jeglicher)Bewegung (des Lebens);
indisch: “Prana”
keltisch: “Od”

csz_ji_klein ji
(gi)
Werkzeug, Anwendung, Methode (im Sinne einer Ausführungsart),
auch: sanft, passend, anpassend, geeignet
und: “wie Wasser”
csz_chuan_klein Chuan
Quan (nach Pinyin)
gesprochen: “tschu-an”;
unter anderem:
Weg oder Handlung, Kunst(-form), “Lebensinhalt”; ebenfalls: “Methode” im Sinne einer bestimmten “Ausführungsart”
sowie: “Quelle des”
bzw. “Inspiration für”
csz_gung_klein Gung
Gong (nach Pinyin)
ebenso: Kung, Kong, etc.
“die Pflege von (etwas)”
“das Bemühen um (etwas)”
“die Arbeit an (etwas)”
“das Streben nach (etwas)”

Bei Beschäftigung damit, erkennt man:

  1. Die Übertragung der (Bild-)Symbole in lateinische Buchstaben schränkt den Inhalt schon ein. (Es heisst doch auch: “Ein Bild sagt mehr als tausend Worte”)
  2. Unterschiedliche Übertragungen können(!) von Fall zu Fall den ursprünglichen Sinngehalt völlig verfälschen. Beispiel: “Chi” oder “Qi” im Gegensatz zu “ji” (bzw. manchmal auch: “gi”) – alles gesprochen: “tschi”.
  3. Eine Übersetzung schließlich, schränkt die ursprüngliche Bedeutung noch mehr ein.
    Vor allem dann, wenn es im verwendeten Sprachraum den zu übersetzenden Begriff in ähnlicher Bedeutung gar nicht gibt!
    Eben auch: “Tai”, “Chi”, “Gong”(”Kung”) …oder “Prana”, etc.
    [Anmerkung: Oder manchmal eben auch: nicht mehr(!) gibt, wie z.B. "Od"]
  4. Je mehr Übertragungsvorgänge dazwischen liegen, desto mehr Fehler können sich anhäufen. Zum Beispiel: Eine chinesische Vorlage wird in das Englische (Amerikanische) übersetzt und diese dient wiederum als Grundlage für eine deutsche Ausgabe. Ist in letzterer tatsächlich das gemeint, was der Ursprung zu übermitteln versuchte?

Exkurs:
Eine “Rückübertragung” von Pinyin-Buchstabenfolgen oder Wade-Giles-Wörtern in chinesische Schriftsymbole (”Buchstaben”) erklärt dann nicht automatisch die ursprüngliche Verwendung und deren Zusammenhänge!

Das heißt:

Jede Übersetzung symbolbasierender Schriftstücke bedeutet automatisch eine Verminderung der Ambiguität und des hiermit verbundenen ursprünglichen (Symbol-)Gehaltes und führt damit auch – wortwörtlich – zum Verlust an Bedeutung.

Eine Übersetzung chinesischer Schriftzeichen erscheint (nur) daher “eindeutig”, weil sie durch die Bearbeitung der daran Beteiligten in deren Sinne und Verständnis eben so, wie von jenen ausgeführt, interpretiert wurde!

Manchesmal ergibt sich allein schon aus der Kenntnis dieser Ambiguität, sowie der Anerkennung des Vorhandenseins von Übertragungsproblemen, die Möglichkeit der Sicht neuer Zusammenhänge.

Es entstehen hieraus eigene, neue Gedankengänge, welche es erlauben, fortgesetzte Texte gleicher Thematik anhand des Vergleichs verschiedener Quellen, für sich selbst zu verifizieren oder auch zu falsifizieren.

Sprich: Man merkt plötzlich selbst, ob ein Schreiber (besser: “Übersetzer”) “sinngemäß richtig” vorgegangen ist oder eben Verwechslungen unterliegt, oder sogar Zusammenhänge herbeiführt, welche nicht existieren (können), oder einfach nur versucht,  jemanden ein “X” für ein “U” vorzumachen, da er selbst nicht “fitt” in der Materie ist.

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Die Welt der zehntausend Dinge

Sonntag 16. Dezember 2012 von websifu

Glossareintrag: Welt der zehntausend Dinge

Glossareintrag: Die zehntausend Dinge

Als die “Welt der zehntausend Dinge” oder auch nur “die zehntausend Dinge” wird ein Begriff aus dem chinesischen in lateinische Buchstaben übertragen, welcher sich vielfach in bei uns erhältlicher Literatur über →Taoismus, dem →“I Ging” und manchmal auch in Texten über →TAI CHI als auch →Tai Chi (Taji)[→chuan/quan] finden lässt.

Jener Begriff – selbstverständlich in den Urfassungen als chinesische Schriftsymbole – wird meist dann verwendet, wenn der Autor verdeutlichen will, dass in seinen Ausführungen, die materielle, also “gegenständliche” Welt, sowie alle unzähligen Ausprägungsformen hierin gemeint sind.

Mit “die zehntausend Dinge” wird also jedwede(!) materielle Existenzform und Erscheinung (eben: “Dinge”) – die Sterne, die Erde, die Planeten, …, der Mensch, Tiere, Pflanzen, Steine, …, Mineralien, …Substanzen – angesprochen.

Impliziert wird hierdurch einerseits auch, dass es eben darüberhinaus “andere” nicht genau fassbare oder “bezifferbare” Existenzformen, “Kräfte” und “Geschehnisse” gibt, welche sich eben von der materiellen Welt (dem materiellen Kosmos – den “Dingen”) unterscheiden, als auch, dass jene anderen “Ebenen” oder “Existenzformen” sich der oft der (exakten) Beschreibung entziehen, aber genauso als “real” – also für den Menschen ebenfalls beobachtbar und wahrnehmbar – anerkannt werden.

Wozu müsste sonst eine sprachliche, beziehungsweise schriftliche Unterscheidung zwischen “der Welt/dem Kosmos (insgesamt)” und “den zehntausend Dingen” vorgenommen werden?

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Der chinesische Begriff Bu

Freitag 16. November 2012 von websifu

Glossareintrag: Bu

In den in lateinischen Buchstaben übertragenen chinesischen Bezeichnungen von Bewegungsfolgen des Tai Chi Chuan (Taiji Quan) findet sich auch die Bezeichnung “Bu”.

“Bu” bedeutet “Stand” – also eine gerade eingenommene Körperhaltung inklusive festgelegter Stellung der Beine (Füße).

In manchen Beschreibungen zu Bewegungsfolgen (”→Formen”) liest sich beispielsweise dann:

  • “Gongbu” – der “Bogenstand” – Wir verstehen darunter die →Endstellung, welche mit Abschluss des →Bogenschritts eingenommen wird,
  • “Mabu” – der “Pferdestand”,
  • “Pubu”- der “Halbgehockter Stand”,
  • “Xie Gongbu” – ein “schräger Bogenstand”, der “offene” Bogenschritt, welcher z.B. beim →Bild “Die einfache Peitsche” auch vor der Endstellung eingenommen wird,
  • “Xiebu” – ein “entspannter Stand”,
  • “Xubu” – ein “leerer Stand”,
  • “Zheng Gongbu” – ein “Gerader Bogenstand” oder
  • “Zuobu” – ein “nach hinten gelehnter Sitzstand” – sprich:
    die →T-Stellung (engl.: T-Step);

Verwirrt? – Bitte dabei immer im Hinterkopf behalten: →Übertragungsprobleme, →Stil …und… dass viele Transkriptionen (”Übersetzungen”) von Menschen vorgenommen werden, die entweder (als Lektor) keine Ahnung von Tai Chi haben oder von chinesischen Lehrern stammen, welche sich mit den westlichen Sprachen schwer tun, wodurch viele Begriffe für “ein und dasselbe” geschaffen wurden/werden.

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Chen Wangtin

Mittwoch 8. Februar 2012 von websifu

Glossareintrag: Chen Wangtin

Trotz aller Animositäten untereinander und der Rivalität der Vertreter der →Familien-Stile des Tai Chi Chuan (Taiji Quan), scheint bei diesen Einigkeit – zumindest Akzeptanz – darüber zu herrschen, dass der erste zuverlässige Bericht über die Entstehung des “heutigen Tai Chi” auf die Familie →Chen zurückgeht und als Begründer hierfür der Ahnherr Chen Wangtin gilt.

Manchmal wird sein Name auch “Chen Wantin” geschrieben. Von Vertretern des →Yang-Stils – wird er meist auch gerne mit Ch’en Chang-Hsing benannt.

Anm.: “Ein Schelm, wer Schlimmes dabei denkt” – Aber zumindest im Westen kommt dabei niemand so schnell auf die Idee, dass es sich hierbei um “Wangtin” der Familie “Chen” handeln könnte, oder? ;-)

Chen Wangtin lebte im 17. Jahrhundert unserer Zeitrechnung (1771 – 1853) und entwarf des erste anerkannte Tai Chi – System (sprich: Anerkannt von aktuellen Vertretern der Familienstile, siehe oben – bzw. der chinesischen Regierung im vergangenen Jahrhundert – s.d. auch: →Pekingform).

Sein Tai Chi System soll entstanden sein, indem er verschiedene Abläufe der Shaolin-Kampfkunst, Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (kurz: →TCM) und (Atem-)Übungen des Ch’i Kung (modern: →Qi Gong) zu einer Disziplin zusammenfasste.

Er lebte in dem heute hierfür berühmten Dorf Chenjiagou (abgeleitet von der Familie “Chen”), welches in der chinesischen Provinz Henan liegt.

Exkurs:

Die Vertreter des →Wudang-Kung-Fu, d.h.: des Wudang – Tai Chi(!), sehen die Begründung und die Entstehung des Tai Chi Chuan in der Legende von →Chang San-Feng (Pinyin: Zhang Sanfeng).

Zum einen sieht man dort in den Vertretern des Shaolin die “äußeren Kampfkünste” verwirklicht, zum anderen finden Wudang und dessen Repräsentanten erst wieder seit ungefähr Mitte der 80iger Jahre “offizielles Gehör” von Seiten der chinesischen Regierung. Womit auch erklärt wäre, dass es “davor” nichts gab (zumindest nicht nach außen hin).

Nachtrag zur Rivalität:
Und wer sagt da noch, dass nicht alle Männer gleich wären? – Bei uns heißt es: “Mein Haus, meine Frau, mein Auto…” – In China gilt: “Meine Familie, mein Meister, mein Kung-Fu/mein Stil…”“…ist besser als…”
*seufz*
Zwei Denkanstöße dazu:
Wie wäre stattdessen mit: “Mein Stil ist anders”? -
Oder: “Mein Stil passt zu mir”?

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Ask a sifu: Was ist mit Tai Chi Tu gemeint?

Samstag 5. November 2011 von websifu

Antwort

Ganz einfach: Tai Chi Tu heißt übersetzt nichts anderes als “Das Symbol des Tai Chi”.

Tu” bedeutet übersetzt: “Symbol des“.

Mit “Tai Chi” ist eben “TAI CHI” gemeint, welches man natürlich auch wieder übersetzen könnte
…aber eben mehrere Bedeutungen umfasst und wir vom Tai Chi Gung – Landessportverein in Salzburg, gerne so “stehen lassen”, damit manch’ einer kapiert, dass die gleichnamige Kampf- und Bewegungskunst – eben in Kurzschreibe “Tai Chi” – sich exakt um selbiges dreht. -> siehe dazu auch:
Was bedeutet das TAI CHI – Zeichen? .

Und das ist das “Symbol des Tai Chi” – Das Tai Chi Tu:

taichisymbol

Alles klar?

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