Glossareintrag: Lange Peking-Form
Glossareintrag: Die 48er-Form
Glossareintrag: Langform
Alternative Bezeichnungen / Auch zu finden unter: Peking-Langform, „Lange Fassung“, sowie: 48 Folgen-Form, 48 Formen-Taijiquan, u.ä.
Im Jahre 1956 veröffentlichte unter der damaligen chinesischen Regierung unter Mao Tse-Tung (anders geschrieben: Mao Zedong) die – ebenfalls: damalige – Chinesische Sportkommission (Chinese Sports Commission) eine Tai Chi – →Soloform mit 20 verschiedenen Figuren („Stellungen“, Bewegungsabläufe – Wir bei Tai Chi Gung sagen: →Bilder dazu), welche dem →Yang-Stil entnommen wurden.
Da darin drei der Figuren sowohl links- als auch rechtsseitig ausgeführt, eine Abfolge wiederholt wird, kam man somit zum 24 Formen-Taijiquan (24er-Form). Jene Übungsabfolge erlangte unter dem Namen →Peking-Form weltweite Bekanntheit.
Nachfolger der →Familien-Stile bezeichnen jene Form gerne auch als „Regierungs-Form“.
Zwanzig Jahre später wollte man offiziell in China auch die anderen – mittlerweile ebenfalls in viele Teile der Welt weitergetragenen – und somit ebenfalls weltweit „bekannten“ Familien-Stile, ebenfalls in einer „standardisierten“ Taijiquan-Fassung berücksichtigen und damit die ursprüngliche 24er-Form (Peking-Form) erweitern.
1976 wurde daher von der Chinese National Athletic Association schließlich eine weitere standardisierte Taijiquan-Fassung (Tai Chi Chuan – Fassung) zusammengestellt und veröffentlicht.
Diese neue Fassung nannte man 48 Formen-Taijiquan. Diese erweiterte somit den Umfang jener ursprünglichen Taijiquan-Version, der Peking-Form, welche ab diesem Zeitpunkt auch als „Kurzform“ oder „Kurze Fassung“ bezeichnet wurde.
Achtung:
Die Peking-Form (24er-Form, „Kurzform“) entspricht nicht der →„Kurzen Yang-Form“, da jene eine andere Herkunft hat!
[Anm.: Dies ist leider ein weiterer Grund für „Verwirrungen“ in der Beschreibung und beim Studium von Tai Chi Chuan – s.d.a. beispielsweise: →Übertragungsprobleme – bzw.: Beachte die →Herkunft des Tai Chi sowie die Info in →Tai Chi – Prinzipien].
Diese „48 Formen-Taijiquan“ (48er-Form) wird dementsprechend auch als „Lange Fassung“, „Langform“ oder „Lange Peking-Form“ bezeichnet.
Die „Lange Fassung“ (die „Langform“) von 1976 enthält gegenüber der 1956 aus dem Yang-Stil geschaffenen Fassung auch Elemente des →Chen-, →Wu- und →Sun-Stiles, welche hinzugefügt wurden.
Zu Beachten:
Die „Langform“ entspricht ebenfalls nicht der →„Langen Yang-Form“!
Dennoch wurde eine gewisse – sagen wir einmal: charakteristische „Note“ – des Yang-Stiles in der Ausführung beibehalten, womit ebenfalls gleiche Richtlinien und Grundsätze im Training sowie in der Anwendung beibehalten werden konnten.
Neben kleiner Modifikationen der Abläufe, könnte man sagen, dass die einzige Ausnahme, abgesehen von der größeren Anzahl von Figuren („Stellungen“), darin besteht, dass die „Kurze Fassung“ durchwegs mit gleichbleibendem Tempo ausgeführt wird, hingegen die „Lange Fassung“ nunmehr auch einige schnelle Bewegungen beinhaltet, welche mit →„fa chin“ ausgeführt werden (sollten).
Generell kann bis heute aber festgestellt werden, dass jene 48er-Form weder die Popularität noch Aufmerksamkeit jemals erreicht hat, welchen andere Formen der Familienstile oder auch der 24er-Form, der „Peking-Form“, zuteil wurden.
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Nimen hao!
Gerne möchte ich mal das tatsächliche Entstehungsjahr der 48er-Form erfahren. 1976, wie überall geschrieben, scheint mir zu einfach. Im Büchlein „Taiji: 48 Forms & Swordplay“, Nr. 3 der China Sports Series, publiziert durch „The foreign language Press“, Beijing, 1988 steht auf S. 8: „The ‚Taijiquan in 48 Forms‘ being published in installments in our Magazine was compiled in the 1950s by the State Commission for Physical Culture and Sports. Mein Lehrer aus Shanghai zeigte mir zudem ein Buch namens „Taijiquan Yundong“ (Taijiquan Sport) aus dem Jahre 1962, in dem die 24er, die 48er und die 32er-Schwertform drin sind. Wer könnte ein Interesse daran haben, dass das Geburtsjahr der 48er-Form jünger gemacht wird, als es effektiv war? Denn: Wenn die Form tatsächlich bereits in den 50er-Jahren kreiert worden war, konnte sie unmöglich von Li Deyin entworfen worden sein. Er wurde 1938 geboren. Was könnte das Ganze mit seinem Onkel, Li Tianji, dem „Erfinder“ der 24er-Form zu tun haben?
Kann jemand weiterhelfen?
Gruss
Jürg
Lieber Jürg,
ich denke, das Problem besteht darin, dass Du – wie viele andere ebenso – der (scheinbaren) Prämisse unterliegst, die da lautet: „die Form„. Es gibt einfach nicht „die Form“, es existieren „Formen“ (Mehrzahl). Unabhängig davon, welche Namen oder Bezeichnungen diese tragen mögen, kannst Du keine Form – auch wenn diese 48er heisst, mit einer anderen Form gleichen Namens vergleichen, sofern diese nicht exakt von der gleichen Quelle (Meister, Schule, …oder Autor) stammt.
(Darüber hinaus, bereiten die Übertragungsprobleme Schwierigkeiten …damit haben wir uns in diesem Forum schon öfter beschäftigt.)
Eine(!) offizielle Fassung wurde mit dem offiziell (übertragenen !) Namen „48 Formen-Taijiquan“ 1976 von der Chinese National Athletic Association kreiert und veröffentlicht, diese sollte die zwanzig Jahre zuvor von Chinesischen Regierung „abgesegneten“ „24 Formen – Fassung“ (die „Peking – Form“, später dann auch „Kurzform“ oder „kurze Peking Form“), welche vornehmlich „nach“ dem Yang-Stil konzipiert wurde, erweitern und nun auch anderen – nunmehr anerkannten – Stilen Rechnung tragen. Hierbei wurden neben Elementen des Yang-Stiles nun auch Elemente des Chen-, Wu– und Sun-Stiles eingebettet.
Es sollte daher immer darauf geachtet werden: Woher stammt die Beschreibung einer Form? (Quelle und Schule)
UND: Wer verbreitet oder lehrt diese (spezielle) Form? (der Autor/Übersetzer?, Welcher Meister, Lehrer und welche Schule „steckt“ dahinter?) bzw.: Kann ein lektoraler Fehler oder ein Übertragungsfehler die Ursache für falsche Angaben sein?
Übrigens: Jeder Lehrer (Meister) kreiert – ich meine: unweigerlich(!) und automatisch(!) – seinen eigenen Stil.
Dies liegt in der Natur der Sache: Vergleichbar mit Musikaufführungen, Ballett oder Tanz – ein „Klassiker“ wird immer vom Vortragenden „interpretiert“ (auch unabsichtlich …eben nach seinen Fähigkeiten, Können und „individueller Note“).
Richtigerweise müsstest Du also immer angeben: Die „48er-Form nach der Chinese National Athletic Association“ oder die „48er Form nach Taijiquan Yundong“, gelehrt von xy. Die 37er-Form nach Cheng-Man Ching, …die 24er-Form nach – was weiss ich: „Rüdiger Schäfer“ etc.
(Irgend-)eine 48er Form von Meister A ist nicht zwangsläufig ident mit (irgend-)einer 48er Form von Meister B.
Anm.: Die Chinesen „lieben“ Kopien – Es war und ist eine Ehre (des Originals), wenn jener durch vielfache Kopien „geehrt“ wird/wurde.
Es wird daher wahrscheinlich auch eine Menge von 48er-Formen VOR 1976 geben, manche bekannt – manche weniger.
Manche wahrscheinlich nur mit gleichem Namen.
Alles klar?
cu, websifu