Autor-Archiv:Gottfried Rinner

Eine aktuelle Tai Chi Publikation?

Zufällig gesehen: Sinn- und Unsinn am Buchmarkt

Vergangenen Freitag begab ich mich im Einkaufszentrum in das Geschäft einer Buchhandelskette.
Da ein wenig Zeit übrig war, schlenderte ich zum Regal, wo in einer Reihe, wie ich wusste, nebst „Esoterik“ – wo würde man sonst suchen? – „Yoga“, neu darüber: Ein ganzes Fach gefüllt mit Büchern über „Achtsamkeit“ (wow – da toben sich die Leute aus, oder?), „Meditation“, „Qi Gong“ und manchmal „→Tai Chi“ (ohne eigene Rubrik) zu finden war.
Ich wollte einfach mal schauen, was es Neues über →Tai Chi zu lesen gab. Nach näherem Betrachten der Buchrücken fand sich schließlich ein einziges Paperpack-Exemplar mit Titel „Tai Chi“.

Das Titelbild zeigte eine westliche Frau mit steif gestreckten Armen und irgendwie „undefinierbarer“, „offener“ Schritthaltung, womit nach eingehender Betrachtung das →Bild „einfache Peitsche“ dargestellt sein sollte. Auf der Rückseite waren zwei →Yoga(!!!)-Dehnungsübungen abgebildet – „Hä? – Wieso?“

Na ja, man solle ein Buch ja nicht nach seinem Einband bewerten, rasch blätterte ich: „Aha – →24er-Form – interessant“. Die Grafiken entsprechen 1:1 dem Original aus dem China heute-Verlag von 1992, „schattenboxen leichtgemacht“ [Ablaufdarstellungen der Einzelzeichnungen ein wenig anders geteilt/gegliedert].

Die Einleitung überflogen: „Ein wenig seicht, die Darstellung der →Stile – Stilübersicht – könnte von mir ‚abgekupfert‘ sein (natürlich leicht modifiziert).“

Dann blieb ich bei den Darstellungen zweier Handhaltungen stecken: Eine Tai Chi – Faust und daneben die Abbildung einer „Blütenhand“ (nochmal: Hä?) – Ach so: Das soll die (Alternativ-)Bezeichnung einer „→Hakenhand“ sein? – Na klar, man verdrängt/verschweigt die Kampfkunst! – Was sagt man dann bei der Anwendung: „Die Blüte wächst nach oben?“ – „…öffnet sich und dann ’staubts‘?“ – Was wäre dann bei einem „→Schlag„, „→Block“ oder „→Stoß„? – ein „Tätscheln“ oder „Streicheln“ der Luft?

Nun gut, jetzt wollte ich nur noch wissen, wer wieder mal „weichgespültes“ Tai Chi verbreitet und suchte nach dem Impressum. Dies fand sich auf den vorletzten Seiten – nicht vorn und auch nicht am Schluss, sondern vor der mehrseitigen Verlagswerbung für andere Bücher (aus Esoterik, Yoga und Gesundheit).
Das Copyright stammt aus dem Jahr 2017, ein Porträt zeigt den Verfasser, lt. Angabe ein deutscher Heilpraktiker und Qi Gong-Lehrer, welcher – außer mit dieser dieser Abbildung – nirgends(!) im Buch auch nur bei einer einzigen „Tai Chi-Übung“ oder -Bild zu sehen war (soweit ich beim Blättern sehen konnte).
Weiterer Kommentar überflüssig!

Ich habe jedenfalls beschlossen, beim nächsten Besuch beim Buchhändler einmal in den Themengruppen Sport (Kampfsport), Bewegung oder Fitness nachzusehen, ob sich vielleicht dort „vernünftige“ Tai Chi – Bücher finden lassen.

Und:

Liebe Verlage, falls Ihr einmal „richtiges Tai Chi (Gung)“ herausbringen wollt, wendet Euch vertrauensvoll an mich! – Schaut Euch einfach mal hier im Taichianer-Forum ein wenig um!
Euer Gottfried

Eine Wende in Tai Chi

Glossareintrag: Wende

Als Wende wird eine Körperdrehung um (meistens) 180° bezeichnet, womit die folgende Bewegungsrichtung und der weitere Ablauf einer →Form in entgegengesetzte →Richtung des bisherigen Ablaufes fortgesetzt wird.

Beispiel: Verläuft die Form zuerst in einer Bahn (Blick-)Richtung Osten, läutet eine Wende den Beginn des weiteren Verlaufs in Richtung Westen ein.

Eine Wende in Tai Chi kann auf verschiedene Art und weise ausgeführt werden:

  • Als Kombination von Überleitungsbewegungen zur Einleitung eines (Bogen-)Schritts,
    zB.: „Drehen nach rechts“ gefolgt von „Ball halten rechts“ (5-Bilder-Form);
  • Im Stand (ohne Schritt), zum Beispiel in der Peking-Form (→24er-Form): „Wende vom →Bogenschritt rechts zum Bogenschritt links“ (ca. 170°);
  • Mit Hilfe eines „Diagonalschrittes“: Ein Bogenschritt, welcher durch einen →Halbschritt „um 180° zur gleichen Körperseite“ eingeleitet wird (zB.: →37er-Form);
  • Oder als „Drehung“ (= Sonderform der Wende, ebenfalls: 37er-Form);

Das Kennzeichen

jeder Wende ist, dass diese immer(!) mit einer Drehung des Fußes des am Kurvenradius außen befindlichen Beines begonnen wird. D.h.: Eine Wende nach rechts beginnt mit der Drehung des linken Fußes (Drehpunkt ist die Ferse), wobei das ganze Bein und eine Gewichtsverlagerung beteiligt ist. Eine Wende nach links startet somit am rechten Bein (Bewegung des rechten Fußes).

Anmerkung:

Hierin zeigt sich wiederum die Genialität und Effektivität des Trainings und der Bewegungen von Tai Chi: Jede Bewegung erfolgt von der Taille (dem →Dan Tien, „der Hüfte“) aus. Eine Wende beginnt mit der Veränderung der Fußstellung, welche folgerichtig mit einer Bewegung des gesamten(!) Beines einhergeht. Wenn man dabei also die Fußspitze um beispielsweise 90° auf der Ferse dreht, erfolgt dies durch Drehung des gesamten Beines.

Die jahrelange Trainingspraxis und damit Erfahrung mit vielen Trainierenden in unserem Verein lässt mich folgende Schlüsse ziehen: Knieprobleme und „Belastungserscheinungen“ im Kniebereich entstehen in den allermeisten Fällen durch falsche Bewegungsabläufe (sofern nicht eine Verletzung durch äußere Einwirkung vorliegt). „Drehungen“ und „Wenden“ werden dabei im Alltag, beim Gehen und Laufen, meistens durch „Verdrehen des Kniegelenkes“, anstelle durch „Drehen des Fußes, gemeinsam mit dem betreffenden Bein“ durchgeführt. Dies führt auf Dauer zu Abnützungserscheinungen und stetiger „Überbelastung“ des Kniegelenkes. Richtig durchgeführte „Wenden“ in Tai Chi, belasten kein Knie!

Wird dieser (neue) Bewegungsablauf ständig geübt und geht damit schließlich „in Fleisch und Blut“ über, wird dieser selbstverständlich auch (meist unbewusst) im Alltag verwendet.
Die Belastung der Knie „lässt nach“ und die Beschwerden ebenfalls.

Wichtig: Dies ist keine Therapieempfehlung und ersetzt keinesfalls ärztliche Betreuung, falls ein physiologisches Problem vorliegt – aber es soll damit eindeutig gesagt sein, dass mit der „richtigen Bewegung“ erneute und zusätzliche Kniebelastungen vermieden werden!

Als Ergänzung sei mir erlaubt, Folgendes zu sagen:
Nachdem wir im Verein in den vergangenen Jahren und bis heute, auch etliche ehemalige Fußballspieler, Handballer, Volleyballer oder sonstige ehemalige(!) Ballsportspieler betreuten, welche mit Tai Chi eine neue sportliche Betätigung suchten, nachdem sie „ihre alte Sportart“ wegen Knie-, Hüft- oder Rückenproblemen nicht mehr ausüben können, stellt sich mir schon die Frage: Warum lehrt man dort nicht endlich auch einmal, wie man richtig steht, geht, läuft und sich wendet, um mögliche Schädigungen und (Über-)Belastungen der (Knie-)Gelenke zu vermeiden?

Eigentlich sollte dies ebenfalls in jede „Grundausbildung“ jener Sportarten aufgenommen werden und sich nicht auf Ausdauer, Schnelligkeit oder Training von Spielzügen beschränken.

Zumindest im Schulsport, sollten jene Informationen und zugehöriges „Körpertraining“ verpflichtend sein, oder nicht?

Abschließend wichtig:

Eine Wende gilt ebenfalls als →Überleitungsbewegung und ist kein eigenständiges →Bild, kann aber auch „in“ einem Bild zur Anwendung gelangen.

Tipps:

  • Weitere Fragen und Antworten zu Tai Chi Gung finden sich auf der Seite: →Ask a Sifu
  • Weitere Begriffserklärungen zu Stichwörtern von A bis Z findet man(n)/frau im alphabetisch sortierten →Glossar-Index —
  • Unterstütze die Vereinstätigkeit als Fördermitglied und genieße alle Vorteile, unter anderem den Fernlehrgang:
    Fernlehrgang im eLearning (Inhalte und Vorteile)

Das Gesetz des Ausgleichs – TAI CHI

oder: Ko(s)mische Gedanken

Alles in der Natur strebt nach Gleichgewicht. Ein Luftdruckgefälle wird durch Wind ausgeglichen, ein Temperaturunterschied durch Wärmeaustausch.
Wo immer ein überschüssiges (Energie-)Potenzial existiert, treten Nivellierungskräfte in Erscheinung, die auf die Beseitigung des Ungleichgewichts abzielen.

Wir haben uns so sehr an diese Sachlage gewöhnt, dass wir uns gar nicht fragen: Warum muss das eigentlich so sein? Wieso gibt es dieses Gesetz des Gleichgewichts?

Auch wenn manche behaupten mögen, auf diese Frage gäbe es keine Antwort, da in der Regel Gesetze (der Physik, Naturwissenschaft) nichts erklären, sondern nur Tatsachen feststellen, so führen weitere Überlegungen zu interessanten Dingen.

Alle Naturgesetze erscheinen sekundär und lassen sich vom Gesetz des Ausgleichs ableiten – somit scheint das Gesetz des Ausgleichs primär.

Daher ist es unmöglich zu erklären, aus welchem Grunde in der Natur ein Gleichgewicht existieren soll. Anders formuliert: Woher kommen die Nivellierungskräfte, und warum gibt es sie überhaupt?

Die Tatsache, dass wir uns daran gewöhnt haben, ist ja nicht gleichbedeutend, dass es so sein muss. Aber wir können nur mutmaßen, wie die Welt ohne das Gesetz des Ausgleichs aussehen würde. Wäre sie eine formlose Masse oder eine Gluthölle, oder…, oder…?

Aber egal, wie hierüber spekuliert werden mag und unabhängig ob uns dies gefällt oder nicht, ändert sich nichts an der Tatsache, dass das Gesetz des Ausgleichs – aus welchen Gründen auch immer – existiert und uns deshalb nichts anderes übrig bleibt, als dies zu akzeptieren.

Anders als in der westlichen Kultur – wo tunlichst ja geradezu vermieden wird, auch nur annähernd die Sprache auf diese alltägliche und überall anzutreffende, ja sagen wir ruhig: Weltgesetz, zu bringen – finden sich in den Überlieferungen der chinesischen Kultur jahrtausend(!) alte Aufzeichnungen zu diesem Thema, sowie auch das entsprechende Symbol als bildhafte Darstellung dazu: →TAI CHI (treffend übersetzt mit: „Das Allerhöchste“).

Das Bildsymbol Tai Chi Tu („das Symbol des Tai Chi“) zeigt uns genau das Gesetz des Ausgleichs und „beschreibt“ darüber hinaus seine Wirkungsweise – den stetigen Wechsel von yin und yang.
Die Chinesen wussten also schon vor Jahrhunderten: Ein Bild sagt eben mehr als tausend Worte!

Im „alten China“ – möglicherweise auch schon weit davor(!) – erkannte man also die Natur des Gesetzes des Ausgleichs, „wusste“ das die beiden Ausprägungen von yin und yang untrennbar(!) miteinander verbunden sind, eines das andere bedingte und „alles in allem“ sich in einem ständigen Wechsel und Wandel befindet.

Gleichzeitig lässt sich eben wiederum eine Differenzierung der jeweils vorherrschenden „Energie“ (besser: Eigenschafts-Oberbegriffe) an einem bestimmten Ort und Zeitpunkt vornehmen und sich somit auch eine „Prognose“ der anstehenden weiteren Entwicklung, des nächsten (Natur-)Vorganges, anstellen – sofern die „Analyse“ (Ort, Zeit, Zustand) möglichst genau vorgenommen werden könne.

Dies versteht man auch in der Anwendung des Tai Chi (des Tai Chi Gung,  Tai Chi Chuan, als Bewegungskunst), darunter, wenn gemeint ist:
Das Erkennen der Gegensätze und die (geistige[!!!]) Trennung von yin und yang führen (ermöglichen schließlich) zum (bewussten) Ausgleich!

Kommentar:
Die Wörter, welche ich in diesem Satz in runden Klammern angeführt habe, werden so meist nirgends gesagt oder geschrieben – daher bleibt vieles oft im Unklaren (oder eben: „esoterisch“).

Einfach umgemünzt: Wenn ich weiß, dass ein niedriger Luftdruck im Gebiet vorherrscht und ich erkennen kann, dass viele Wolken am Himmel sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass es früher oder später regnen wird – und daher kann ich mich entsprechend anziehen oder den Regenschirm einpacken. Durch meine Erkenntnisse wird sich aber auch das Wetter nicht nach mir richten, dennoch kann ich mich darauf vorbereiten.

Und – um bei diesem Beispiel zu bleiben:
Falls jemand „alle Anzeichen“ ignoriert, kann es trotzdem Regnen, auch wenn er oder sie vorher „nicht gefragt“ worden sind, weil die Natur eben Gesetzmäßigkeiten folgt, egal ob es jemanden gefällt oder eben nicht.
Die Chinesen meinten dazu auch: „Weise ist, wer der Natur zu folgen vermag – Töricht hingegen, wer [nur] anderen folgt!“

Ich möchte abschließend sagen: Wer glaubt, nicht(!) in der Natur (der Erde, unserem Kosmos, hier und jetzt, in einem Körper) zu leben, der befindet sich (geistig) wahrlich auf einem anderen Planeten und braucht sich nicht zu wundern, wenn… …die Natur (die Realität) eben „anderen“ Gesetzen folgt, als er glaubt zu meinen (oder gesagt bekommt).

Aber: Keine Angst – das Gesetz des Ausgleichs „holt“ jeden früher oder später zurück. (sprich: je [realitäts-]ferner ich bin – also yang, desto…mehr tritt yin in den Vordergrund)

Eben auch: Je „vergeistigter“ jemand zu leben sich müht(!), desto mehr „plagen“ ihn oder sie materielle Probleme – erst wer dies „versteht“ schafft den Ausgleich –

yin und yang – ganz einfach!

In eigener Sache: Die tägliche Turnstunde

Die Österreichische Bundes-Sportorganisation, kurz: die BSO, die Dachorganisation und Interessensvertretung des österreichischen Sports, fordert die tägliche Turnstunde im Kindergarten, in der Volksschule und in allen weiteren Schultypen!

Die BSO schreibt auf ihrer diesbezüglichen Homepage www.turnstunde.at : „Die Österreichische Jugend ist beim Alkohol- und Nikotinkonsum und bei der Fettleibigkeit europaweit in den Medaillenrängen. Nur mehr 28% der Kinder und Jugendlichen in Österreich betreiben Sport und zwar nur mehr 25% der Mädchen und 33% der Burschen. 28% der Buben und 25% der Mädchen zwischen 6 und 18 Jahren sind übergewichtig oder fettleibig. 40% der Kinder mit Symptomen der Fettleibigkeit im Alter von 7 Jahren weisen diese auch als Erwachsene auf. Mangelnde Bewegung ist die Ursache für viele chronische Krankheitsbilder.
Unter „Turnen“ verstehen wir den Spaß an Bewegung und körperlicher Betätigung. Unsere Kinder brauchen Bewegung, damit sie gesund und fit bleiben. Bewegung steigert nicht nur die körperliche sondern auch die geistige Fitness. Den KindergärtnerInnen und VolksschullehrerInnen müssen täglich ExpertInnen aus dem Sport zur Seite gestellt werden.“

und fordert zur Unterstützung mittels „Unterschriftenaktion“ auf.

Auch ich als Trainer und Obmann des Tai Chi Gung – Landessportverein in Salzburg, würde grundsätzlich dieses Ansinnen befürworten, wenn ich nicht zu einem anderen Schluss gekommen wäre.

Es stellen sich mir bei der Forderung des BSO einige Fragen.

Darüber hinaus weise ich darauf hin, dass als Voraussetzung für einen Erfolg jenes Vorschlages zuvor ein Umdenken in den Köpfen der Verantwortlichen stattfinden müsste. Andernfalls schüttet man sprichwörtlich jungen Wein in alte Schläuche.

Solange der Schulsport – bzw. der Sportunterricht an Schulen – ausschließlich von wirtschaftlichen, politischen und strukturellen Interessen geprägt ist, werden vorhandene, in der Realität ja eben nicht funktionierende Systeme (Ergebnisse siehe oben: Bewegungsmangel, Fettleibigkeit, „Volkskrankheiten“) einfach weiter ausgebaut!
Anstelle verändert, ersetzt und ausgetauscht zu werden.

Exkurs:

Genau dies erfuhr ich auch im Rahmen einer Diskussionsrunde bei den Salzburger Nachrichten an der ich ebenfalls teilnehmen durfte.

Mein Beitrag, zu lesen unter
Linkadresse: http://mein.salzburg.com/interessen/salzburg2020/2010/05/user-idee-schulsport-neu—ver.html
wurde ebenfalls „behandelt“.

Im Zuge des darauffolgenden Gesprächs, wurde mir von einer führenden Salzburger Politikerin mitgeteilt, meine Idee sei so nicht realisierbar, weil: „Beim Sportunterricht an den Schulen geht es nicht um Sport“.
Da meine unmittelbar folgende Nachfrage: Worum es dann gehe, nicht beantwortet wurde, versuchte ich diese nach Abschluss des Treffens mit einem ehemaligen Schullehrer, welcher ebenfalls an der Diskussion teilgenommen hatte, zu ergründen.

Jener antwortete mir: „Es geht im Sportunterricht an den Schulen nicht um Sport, es geht um etwas anderes.“
„Was genau?“, lautete erneut meine Rückfrage. Der (ehemalige) Lehrer hatte es plötzlich sehr eilig und meinte noch im Fortgehen: „Tja, man könnte sagen … Integration in die Gesellschaft … Komformität…Meinungsbildung“ (…mehr wollte oder konnte er dazu nicht sagen).

Es stellt sich also daher genau die ähnliche Frage:

Was fordert die BSO genau?

Meiner Ansicht nach, mehr von etwas, was – wie die aktuelle Praxis beweist – eben NICHT funktioniert (funktionieren kann).
Zielsetzung jener Forderung kann es nur sein, mehr Geld auszugeben für Dinge die (momentan) „anerkannt“ sind, aber eben nicht den Mut oder zumindest die Bereitschaft zeigen, neue Wege zu beschreiten, sowie lokale (Sport-)Vereine und deren erfolgreiche(!) Trainings einzubinden und zu unterstützen.

Es fehlt einfach das: WIE?
Nochmals, siehe dazu auch: Artikel im SN-Blog unter Salzburg 2020

Außerdem: Muss es denn unbedingt eine tägliche Stunde sein?
Genügt nicht auch eine tägliche Viertelstunde?

Und: Welches System, welche Methode liegt dem zugrunde?

Worin sollte der Lerneffekt hin zu: Lebenslangen Lernen – sprich: Lebenslanger Bewegung – liegen?

Sorry, aber ich bin der Meinung: Hiebei nirgendwo!

Nur beispielsweise die (Er-)Klärung und der Begriff des „KUNG FU“ erreicht dies.

Das wäre eine Anregung der Kinder und Jugendlichen zu einem selbstgewählten kontinuierlichen Verbesserungsprozess und die Einbeziehung der Selbstbestimmung und Selbstverantwortung von Kindern, Jugendlichen und deren Eltern.

Ein (quasi-)staatliches, aufoktroiertes System wird dies niemals erreichen, selbst wenn es anfänglich „Spass“ machen soll – jene Zeiten sind (hoffentlich) lange schon vorbei!

Natürlich: Es ist immer leicht Kritik zu üben – Doch ich stelle hiermit auch fest: Ich habe ein Konzept für einen neuen Sportunterricht an den Schulen, welches entsprechend „verfeinert“ werden kann !
Nur, geschätzter Leser, verzeihe mir bitte: Jenes werde ich garantiert nicht (mehr) verschenken!

Die lange Pekingform

Glossareintrag: Lange Peking-Form
Glossareintrag: Die 48er-Form
Glossareintrag: Langform

Alternative Bezeichnungen / Auch zu finden unter: Peking-Langform, „Lange Fassung“, sowie: 48 Folgen-Form, 48 Formen-Taijiquan, u.ä.

Im Jahre 1956 veröffentlichte unter der damaligen chinesischen Regierung unter Mao Tse-Tung (anders geschrieben: Mao Zedong) die – ebenfalls: damalige – Chinesische Sportkommission (Chinese Sports Commission) eine Tai Chi – →Soloform mit 20 verschiedenen Figuren („Stellungen“, Bewegungsabläufe – Wir bei Tai Chi Gung sagen: →Bilder dazu), welche dem →Yang-Stil entnommen wurden.

Da darin drei der Figuren sowohl links- als auch rechtsseitig ausgeführt, eine Abfolge wiederholt wird, kam man somit zum 24 Formen-Taijiquan (24er-Form). Jene Übungsabfolge erlangte unter dem Namen Peking-Form weltweite Bekanntheit.
Nachfolger der →Familien-Stile bezeichnen jene Form gerne auch als „Regierungs-Form“.

Zwanzig Jahre später wollte man offiziell in China auch die anderen – mittlerweile ebenfalls in viele Teile der Welt weitergetragenen – und somit ebenfalls weltweit „bekannten“ Familien-Stile, ebenfalls in einer „standardisierten“ Taijiquan-Fassung berücksichtigen und damit die ursprüngliche 24er-Form (Peking-Form) erweitern.

1976 wurde daher von der Chinese National Athletic Association schließlich eine weitere standardisierte Taijiquan-Fassung (Tai Chi Chuan – Fassung) zusammengestellt und veröffentlicht.

Diese neue Fassung nannte man 48 Formen-Taijiquan. Diese erweiterte somit den Umfang jener ursprünglichen Taijiquan-Version, der Peking-Form, welche ab diesem Zeitpunkt auch als „Kurzform“ oder „Kurze Fassung“ bezeichnet wurde.

Achtung:
Die Peking-Form (24er-Form, „Kurzform“) entspricht nicht der →„Kurzen Yang-Form“, da jene eine andere Herkunft hat!
[Anm.: Dies ist leider ein weiterer Grund für „Verwirrungen“ in der Beschreibung und beim Studium von Tai Chi Chuan – s.d.a. beispielsweise: →Übertragungsprobleme – bzw.: Beachte die →Herkunft des Tai Chi sowie die Info in →Tai Chi – Prinzipien].

Diese „48 Formen-Taijiquan“ (48er-Form) wird dementsprechend auch als „Lange Fassung“, „Langform“ oder „Lange Peking-Form“ bezeichnet.

Die „Lange Fassung“ (die „Langform“) von 1976 enthält gegenüber der 1956 aus dem Yang-Stil geschaffenen Fassung auch Elemente des →Chen-, →Wu- und →Sun-Stiles, welche hinzugefügt wurden.

Zu Beachten:
Die „Langform“ entspricht ebenfalls nicht der →„Langen Yang-Form“!

Dennoch wurde eine gewisse – sagen wir einmal: charakteristische „Note“ – des Yang-Stiles in der Ausführung beibehalten, womit ebenfalls gleiche Richtlinien und Grundsätze im Training sowie in der Anwendung beibehalten werden konnten.

Neben kleiner Modifikationen der Abläufe, könnte man sagen, dass die einzige Ausnahme, abgesehen von der größeren Anzahl von Figuren („Stellungen“), darin besteht, dass die „Kurze Fassung“ durchwegs mit gleichbleibendem Tempo ausgeführt wird, hingegen die „Lange Fassung“ nunmehr auch einige schnelle Bewegungen beinhaltet, welche mit →„fa chin“ ausgeführt werden (sollten).

Generell kann bis heute aber festgestellt werden, dass jene 48er-Form weder die Popularität noch Aufmerksamkeit jemals erreicht hat, welchen andere Formen der Familienstile oder auch der 24er-Form, der „Peking-Form“, zuteil wurden.

Tipps: