Monatliches Archiv:Januar 2011

Der Kampfkunstaspekt bei Tai Chi Gung

Glossareintrag: Kampfkunstaspekt

Vorwort

Auch wenn jemand andere Schwerpunkte für das Training von Tai Chi setzen mag (Gesundheit, Fitness, Spaß an der Bewegung, …, Meditation in Bewegung, etc.), so ist der Kampfkunstaspekt dennoch untrennbar mit Tai Chi Chuan (Taiji Quan) verbunden und ein gleichwertig zu beachtender →Aspekt.

Siehe dazu auch: „→Ursprung des Tai Chi (Chuan)“ bzw. die Beschreibung zum überlieferten „Begründer“ mit Namen →Chang San-Feng.

Wichtig:
Bitte „Kampf“ nicht sofort in die Schublade „körperliche Handgreiflichkeiten“ ablegen! – „kämpfen“ bedeutet auch: Sich auseinandersetzen, sich durchsetzen, sich abgrenzen oder hinwegsetzen (z.B. auch von Meinungen, Haltungen oder Widerständen), sich stellen, sich entscheiden, …, einlassen oder ablehnen, verteidigen, …, konfrontieren, usw.

Tai Chi ist ganzheitlich – und zum Leben eines Menschen gehört nun einmal auch der Kampf, egal wie „zivilisiert“ oder „sublimiert“ dieser an die Oberfläche treten mag. Jeder Mensch stellt sich in seinem Leben vielen Kämpfen – „äußeren“ wie auch „inneren“. Welche beispielsweise mit dieser Bewegungskunst als Allegorie ihren Ausdruck finden können, ohne (äußerlich, körperlich) jemanden zu schaden – oder: Anhand eigener Erfahrungen durch Beschäftigung mit den Erkenntnissen alter chinesischer Meister einmal völlig anders gelöst, bewältigt, überwunden oder erledigt werden könnten.

Der Kampfkunstaspekt

ist weder als eine „Sammlung“ aller, noch als die „Beschreibung“ einzelner körperlicher Techniken zu verstehen, sondern stellt die Betrachtung der Prinzipien des Tai Chi beim Einsatz im Kampf dar.

Wichtig: Jedes →Bild einer →Form, kann also auch unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden.

Die →„Grundtechniken“ (→die „Ba Gua“) entsprechen ebenfalls keinen einzeln aufgelisteten oder detailliert dargestellten körperlichen Techniken, wie diese in vielen anderen „äußeren“ Kampfkünsten gelehrt und beschrieben werden (wie z.B. in Karate: Fausttechnik „Oi-Tsuki“ = „Gleichzeitiger Fauststoß“ oder Fußtechnik „Mawashi-Geri“ = „Halbkreisfußtritt – „Roundhouse-Kick“, usw. usf.).

Dies ist sowohl für einen Laien, als auch einen „materiell orientierten“ Kampfsportler schwer verständlich: Tai Chi (Chuan) verfügt zwar ebenfalls über hunderte, wenn nicht sogar tausende, körperliche Bewegungsabläufe, Positionen oder Haltungen, welche auch in die sogenannten Solo-Formen zum Training von Bildern eingeflossen sind, aber im Grunde dabei nur acht „Grundtechniken“ unterschieden und angewendet werden.

Als Definition könnte gesagt werden: Die „Grundtechniken“ im Tai Chi Gung sind Metabeschreibungen zum Verständnis und Verhalten in Kampfsituationen.

Die Fähigkeit, Tai Chi Chuan (Taiji Quan) als eine Form der Selbstverteidigung im Kampf einsetzen, ist gleichzusetzen mit der Fähigkeit eines Tai Chi – Praktizierenden, das Verständnis der Prinzipien des →TAI CHI („yinyang-Verständnis“), des Tai Chi →Chuan einschließlich der „Grundtechniken“, so einzusetzen, dass die Wahrnehmung der entsprechenden Veränderungen seiner Umgebung (die „Kampfsituation“), es ihm erlauben, auf eine „Kraftwirkung“ (einen Angriff) mittels Komplementär zu entgegnen, anstelle als Reaktion auf äußere Kräfte, diesen ebenfalls mit äußerer Gegenkraft zu begegnen.

Hinweis:
Für Mitglieder und Förderer findet sich im Download unter „Fortgeschrittene“ das e-Book „Die Acht Grundtechniken – Ba Gua Zhang“ mit der detaillierten Beschreibung der Ba Gua und der Komplementäre.

Der Anwendung eines Komplementärs kann sowohl „weich und sanft“ wie ein „Ableiten“ oder „Umleiten“ sein, kann „Verstärken und Vorbeileiten“, kann „Ziehen“, „Heben oder Senken“, „Abprallen“, „Aufnehmen und Zurückwerfen“ bewirken und sogar auch so „hart“ sein, wie bei den äußeren Kampfkünsten, durch „Stoppen wie ein Fels“ („Berg“), womit ein Angreifer auch insgesamt im Vorankommen gehindert wird.

Oft wird in der Literatur der „Tai Chi – Klassiker“, eine Reihe von Schriften, die von traditionellen Meistern verfasst wurden, der Einsatz von Tai Chi im Kampf auch als der Einsatz von „Fremdenergie“ durch Fokussierung auf Koordination und Entspannung basierend, gekennzeichnet, anstatt Muskelspannung oder Körperkraft (genauer gesagt: „→Li“ – die “äussere“ schwerfällige Kraft; die Muskel- oder Schwungkraft eines Körpers) einzusetzen, um Angriffe zu neutralisieren oder Konter durchzuführen. Aber diese Aussagen stellen nur einen Teil des Kampfkunstaspektes dar, welche insbesonders den Unterschied zu „äußeren“ Kampfkünsten hervorheben sollten.

Der bewußte Einsatz von Tai Chi als Kampfkunst (bzw. im Kampfsport) ist sehr anspruchsvoll und erfordert viel Erfahrung, Erkenntnisse und Training.

Nur durch das anhaltende Studium und das laufend vertiefte Verständnis jener Zusammenhänge, gepaart mit der regelmäßigen Anwendung und laufenden Verbesserung im Praktizieren von Tai Chi – (Das heißt also: „Das nicht zwanghaft oder obsessiv betriebene tägliche Streben nach Perfektion in der Kunst des Tai Chi“ = im Chinesischen kurz: „Tai Chi Gung Fu“ bzw. „Tai Chi Kung Fu„) – werden nach und nach dem Praktizierenden „Kraftwirkungen“ und „Fähigkeiten“ möglich, welche dem „Normalbürger“ als „unglaublich“ erscheinen und sich weder mit Physiognomie noch Physiologie allein erklären lassen, sondern vielmehr als Zusammenwirken aller beteiligten Komponenten (Körper, Geist und Seele). Ähnlich der Aspekte in Tai Chi – welche „mehr“ als die Summe der Einzelteile Wirkung zeigen.

Diese „Kräfte“ oder „Fähigkeiten“ werden von den Chinesen sowohl in der Anwendung als auch der Auswirkung als „→chin“ (bzw. „jing“) bezeichnet.

Für Mitglieder (und natürlich Förderer) findet sich hierzu unter der Download-Rubrik „Fortgeschrittene“ auch das e-Book: →„Das Geheimnis von Yi-Chi-chin“.

Der Vorteil für jeden, welcher Tai Chi Gung (Fu) praktiziert ist:

Da der Kampfkunstaspekt – sozusagen: als Grundbestandteil, „von Haus aus“ – ohnehin untrennbar mit Tai Chi (Chuan) verbunden ist, wirkt sich jede Verbesserung und Perfektionierung der Praxis, sowie jede gemachte Erfahrung, automatisch(!) auch auf diesen Aspekt aus.

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Der Meditationsaspekt bei Tai Chi Gung

Glossareintrag: Meditationsaspekt

Die Beherrschung des Meditationsaspektes kann neben der Beherrschung des Atemaspektes als einer der wichtigsten Faktoren zur Vertiefung einer Tai Chi – Übung (einer →Form) angesehen werden. Erst mit Bewältigung beider →Aspekte kann überhaupt erst von Beherrschung einer „inneren“ Kampfkunst gesprochen werden.

Der Meditationsaspekt von Tai Chi (Chuan) ist ebenso direkt im Zusammenhang mit dem Imaginationsaspekt im Zusammenspiel mit der Atmung zu sehen.

Darüber hinaus hängt der Meditationsaspekt selbstverständlich auch direkt mit dem →Gesundheitsaspekt zusammen –
Nur zum Beispiel:

  • Je leichter jemand zu meditieren vermag, desto leichter ist es demjenigen möglich, seine geistigen, seelischen und körperlichen Vorgänge zu beeinflussen und sich zu beruhigen, also Stress auszugleichen, bzw. sogar zu vermeiden;
  • Tiefe Entspannung wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislaufsystem sowie auf das Immunsystem aus;
  • Die erreichte Gelassenheit verhindert die leichte Erregbarkeit durch externe Einflüsse und vermindert daher ebenfalls Angstzustände, Unwohlsein, Nervösität, Magen- und Verdauungsprobleme, Aggressivität und alle damit zusammenhängenden negativen Auswirkungen auf Körper, Geist und Gemüt;
  • Menschen, die regelmäßig meditieren, schlafen tiefer, ruhiger und erholsamer;

Anmerkung
Es muss an dieser Stelle einfach wiederholt werden:
Das Praktikum von Tai Chi (Chuan) [bzw. Taiji Quan] entspricht der kontinuierlichen Ausübung einer einzigartigen Bewegungskunst, mit einer genialen, gleichzeitig anzuwendenden harmonischen Kombination verschiedenster Aspekte, welche miteinander korrelieren und sich gegenseitig beeinflussen sowie auch verstärken, um insgesamt die körperliche, seelische und geistige Entwicklung eines Menschen auf positive Art und Weise zu gewährleisten.

Die „Meditation in Bewegung“ bedeutet dabei keineswegs, wie dies sehr häufig in vielen öffentlich zugänglichen Tai Chi – Anleitungen beschrieben wird, dass „einfach im Geiste“ – also mental – gerade anstehende Bewegungen im Ablauf einer Form vorweggenommen werden.

Entgegen dieser… Weiterlesen →

Der Gesundheitsaspekt in Tai Chi Gung

Glossareintrag: Gesundheitsaspekt

Vorwort

Eine umfassende Ausbildung in, sowie das Praktikum von, der „inneren“ Kampfkunst Tai Chi (Chuan) beinhaltet immer mehrere →Aspekte zugleich – Selbst wenn von bestimmten Lehrern oder in bestimmten Kursen Schwerpunkte gesetzt werden.

Merke:
Die verschiedenen Aspekte „greifen“ ineinander und stehen in gegenseitiger Wechselwirkung.

Eine „Verbesserung“, also ein Fortschritt in einem bestimmten Aspekt, wirkt sich auch auf andere Aspekte aus. Große Fortschritte lassen sich daher durch Berücksichtigung und Einbeziehung möglichst vieler Aspekte erreichen.

Über den Gesundheitsaspekt

kann in Bezug zu anderen Aspekten daher auch gesagt werden:
Für einen ungesund lebenden oder gesundheitlich beeinträchtigten Menschen kann es schwierig sein, zu einem Zustand der Ruhe zu finden und zu meditieren oder gar Tai Chi als Kampfkunst zu verwenden.
Eine Tai Chi Gesundheits-Ausbildung konzentriert sich deshalb auf die Linderung der körperlichen Auswirkungen von Stress auf den Körper und Geist.
Und: Für jemanden der sich auf eine Tai Chi Martial Arts-Anwendung konzentriert, ist eine gute körperliche Fitness ein wichtiger Schritt zu einer effektiven Selbstverteidigung.

Seit den ersten weit verbreiteten Schulungen der gesundheitlichen Vorteile des Tai Chi durch Yang Shaohou, Yang Cheng Fu, Wu Chien-ch’uan und Sun Lutang im frühen 20. Jahrhundert, hatte sich daraus nach und nach eine weltweite Anhängerschaft unter den Menschen mit wenig oder gar kein Interesse am Kampfkunsttraining entwickelt.

Die langsame, repetitive Arbeit sowie der Prozess des (Wieder-)Lernens körperlicher Motorik findet sich auch bei Moshé Feldenkrais (1904-1984), welcher eine nach ihm benannte körperorientierte Lernmethode begründete, anhand derer der Ausübende mehr über seinen eigenen Körper und seine Bewegungsmuster erfahren soll. Diese Methode hat sich im Westen vor allem im Rehabilitationsbereich unter klinischer Anwendung bewährt (siehe dazu auch Blogartikel: →Irrtum 4: Langsames Training bringt keine Kraft).

Medizinische Studien des Tai Chi (Chuan)

belegen die Wirksamkeit als Alternative Bewegungform und gesundheitsfördernde körperliche Betätigung in jedem Alter.

Schon leichtes Training von Tai Chi (Chuan) mit langsamen fließenden Bewegungen führt zu Stärkung von Muskulatur und Gleichgewicht, welches sich wiederum positiv auf die Gelenke auswirkt und auch Linderung bei chronischen Gelenkbeschwerden zeigen soll (Positive Auswirkungen auf Schmerzen und Beweglichkeit bei: Arthrose, rheumatoide Arthritis oder Fibromyalgie – http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/43406/ ).

Die Übungen des Tai Chi (Chuan), generieren oder beteiligen körperliche Hebelwirkungen, welche sanft und messbar erhöht werden und dadurch wiederum interne Zirkulationen anregen und verbessern (wie z.B.: Atmung, Wärmeaustausch, Blutkreislauf, Lymphe, Peristaltik, etc.)

Darüber hinaus wirkt sich das Üben von Tai Chi auch positiv auf die psychische Gesundheit aus: Stress wird abgebaut, die Stimmung wird gehoben, das Selbstwertgefühl wird gesteigert, Angstgefühle und Schwermut (Depression) können gelindert werden

Eine Metastudie in englisch vom Mai 2010 beschreibt dies im Detail.
Titel: „Tai Chi on psychological well-being: systematic review and meta-analysis“ Quelle: Pdf-Datei – http://www.biomedcentral.com/content/pdf/1472-6882-10-23.pdf;
Artikel – http://www.biomedcentral.com/1472-6882/10/23/abstract

Diese findet sich – allgemein zugänglich – als PDF-Datei auch in unserem Download in der Rubrik →Generelles – Direktaufruf: →Tai Chi – Studie Mai 2010.

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Tai Chi Gung Jugend-Sportstipendium Sommersemester 2011

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Der Tai Chi Gung – Landessportverein, Salzburg, schreibt auch heuer vier Jugendstipendien für das erste Halbjahr 2011 aus.

Jugendliche im Alter von 14 – 17 Jahren aus dem Großraum Salzburg-Stadt können sich hierfür
bis einschließlich
Mittwoch, den 26. Januar 2011

(24:00 Uhr – Einsendeschluss)
via eMail an die →Vereinszentrale bewerben.

Aus allen rechtzeitig eingehenden Bewerbungen werden vier Kanditaten ausgewählt, welche mit Einverständnis ihrer Eltern,
beginnend mit 1. Februar 2011 bis zum 30. Juni 2011
als aktive Mitglieder im Verein am Einsteigertraining (12wöchige Ausbildung, Mittwoch Abend) teilnehmen und in weiterer Folge an allen anderen angebotenen Trainings mitmachen können.
Der Verein übernimmt dabei die Kosten der Beitrittsgebühren, Mitgliedsbeiträge und das Einsteigertraining.

Ein Trainingsbeginn ist für die ausgewählten Bewerber schon ab erster Februarwoche möglich.
Je nach Entwicklung und Engagement im Einsteigertraining kann nach ca. eineinhalb Monaten auch in den anderen Vereinstrainings teilgenommen werden…
…und dabei beispielsweise auch schon der Umgang mit dem Langstock sowie eine →Gun-Solo-Form erlernt werden – falls man möchte!

Den Stipendiaten steht für den bezeichneten Zeitraum als Mitglieder des Vereins selbstverständlich auch die Online-Infrastruktur des Vereins – als registrierte Nutzer lt. den Nutzungsbedingungen – zur Verfügung.
Wie z.B.: Download der Trainingsinfos und e-Books (Handbücher) im PDF-Format, sowie der Video-Trainingsclips.

Die detallierte Ausschreibung findet sich ebenfalls als Dokument im PDF-Format im Downloadbereich des Mitgliederforums unter „Ausschreibung Jugendstipendien SS2011„.

Was hat Taichi (Taiji) mit Taoismus oder Konfuzianismus zu tun?

Kurze Antwort:

Im Grunde eigentlich gar nichts!

Ausführlicher:

Nehme als Beispiel aus unser Kultur die Rettungsorganisation „Das Rote Kreuz“ – selbige Vereinigung hat als Symbol eben ein rotes Kreuz – Ist damit die christliche Religion gemeint?

Nein, sicherlich nicht – aber: Der Ursprungsgedanke liegt in der Philosophie der Nächstenliebe. Deshalb ist das „Rote Kreuz“ aber noch lange keine religiöse Vereinigung.

Ähnlich kann das Symbol und die Bedeutung von →TAI CHI gesehen werden.
Der Ursprung liegt in der Philosophie des „→I Ging„, welches später auch in die Lehren des Taoismus (Daoismus) und des Konfuzianismus (mit) eingeflossen ist.

Überlieferungen und Aussagen der chinesischen „Meister“, welche im Laufe der Geschichte des Tai Chi (Chuan) der einen oder anderen (religiösen) Ansicht zugeordnet werden könnten, entspringen eben deren persönlicher „Lebensweisheit“ (Meinung).

Dies liegt in der Natur der Sache und der Art der – bisherigen – chinesischen Lehrmethoden (Der Weitergabe eigener Lebenserfahrung und Lebensweisheit).

Aber: Die Begründer der unterschiedlichen →Tai Chi – Stile werden trotz „Meinungsverschiedenheit“ ja auch nicht als Religionsbegründer gesehen, oder?

[Hier geht es zu weiteren „Fragen und Antworten in Tai Chi Gung“:
Fragen an den Sifu – Ask a Sifu]