Monatliches Archiv:September 2023

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 039

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 39

[Lesezeit: 2min – Querverweise: 8 – Checker-Zeit: 2-3 Jahre (Schätzwerte)]

Meisterspruch 039:

„Beim Tai Chi Chuan soll nicht die geringste Kraft angewandt werden… Oder zweifelt ihr etwa, auf diesem Wege Kraft zu entwickeln?“

(Transkription nach →Yang Cheng-Fu).


Hintergrundinfo:

Meister Cheng-Fu aus der Familie →Yang, trifft diese Aussage wahrscheinlich bewusst ähnlich einem buddhistischen „Koan“, um dem (Ur-)Prinzip von →Tai Chi (→yin und yang) treu zu bleiben.

Im Grunde meint er genau das, was er schon woanders ausgesagt hatte: „Benutze kein li!“ und treibt dies auf die Spitze.

Er sagt: „Setze nicht einmal die geringste MUSKELKRAFT („→li„) ein“„nicht einmal im Kampf“ (deshalb: „Tai Chi →Chuan„) und verweist darauf, dass „der Zweifel“ genau das Hindernis darstellt, um „die wahre Kraft“, welche in der Anwendung von →Tai Chi (Chuan) „erzeugt“ werden kann, nutzen zu können.

Der „Ursprung“ jener „Kraft“ liegt nicht in der „Ausformung“ von noch stärkeren Muskeln oder deren Anwendung, sondern innerhalb „der Methode“, „dem Chi-Fluss“, „der (geistigen) Einstellung“ sowie „der Haltung“, bzw. „dem Verhalten“.

Auch: Je weniger „Bedeutung“ und „Beachtung“ der Muskelkraft gegeben wird, desto stärker wirkt „die Kraft des Systems“. (Könnt ihr es erkennen? – Auch hier wiederum: yin und yang!).

Anders formuliert: „Sobald man bewusst keine (Muskel-)Kraft anwendet, umso stärker ist die Kraft(wirkung) in der Ausführung (eines Bildes/einer Bewegung)!“
Das ist das sichtbare Geheimnis von „→Yi – Chi – chin„.

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 038

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 38


Meisterspruch 038:

Wird der Rücken gerade gehalten, fließt die Kraft auf unvergleichliche Weise.“

(Transkription nach →Yang Cheng-Fu).


Hintergrundinfo:

Jene Aussage gilt es selbstverständlich wieder als „allumfassend“ zu erkennen.

Die Analyse und Interpretation kann dann – ebenso selbstverständlich – von den unterschiedlichen „Gesichtspunkten“ bzw. (Betrachtungs-) „Standpunkten“ aus, also unter verschiedenen →Aspekten vorgenommen werden.

Beispielsweise „der körperliche Aspekt“.

[Auszug aus der Anleitung für Einsteiger]

„Die korrekte Körperhaltung in Tai Chi (Chuan).
Die Körperhaltung des Menschen in Tai Chi wird bildhaft mit einem Baum verglichen.

Diese Metapher vermittelt die Grundidee der Tai Chi – Körperhaltung. Die Wurzeln des Baumes müssen gut in der Erde verankert und ‚fest‘ sein. Nur so kann der Baum ausreichend Nährstoffe und Wasser aufnehmen sowie Witterungseinflüssen standhalten.

Ist der Baum gut verwurzelt, kann sich auch der Stamm kräftig und gesund entwickeln, wodurch die Äste, Zweige und Blätter gut austreiben und dem Licht entgegenwachsen können. Die Krone des Baumes entfaltet sich. So erhält der Baum aus der Erde Nahrung und kann vom Himmel das Licht aufnehmen.
[…]

[Körperregionen]
[…]
Der Rücken (Wirbelsäule)
Die Wirbelsäule sollte vom Steißbein bis zum Hals möglichst gerade gehalten werden, dadurch ‚entfaltet‘ sich der Rücken. Wir achten darauf, dass wir den Oberkörper weder ‚verdrehen‘ noch zu einer Seite hin neigen und versuchen den Körper ‚lotrecht‘ zu halten.“

Exkurs:
„Körper-Drehgelenk“
Jede Körperbewegung, Richtungsänderung oder Drehen des Körpers erfolgt im Tai Chi „aus der Hüfte heraus“. Der Oberkörper folgt dem Unterkörper in Einklang.
Der „Drehimpuls“ erfolgt sozusagen in der Hüfte nicht im Schulterbereich. Ein „Verdrehen“ der Wirbelsäule wird somit möglichst vermieden. Eine Richtungsänderung des Körpers wird von der Hüfte abwärts (Hüfte, Beine, Füße) eingeleitet und der Oberkörper folgt dem nahezu ohne Muskeleinsatz (anstelle, wie häufig bei „Ungeübten“ in umgekehrter Reihenfolge zu beobachten ist).
Als bildhafte Vorstellung wird hierbei im Einsteigertraining oft auch ein Blumentopf mit einer Pflanze herangezogen: Der Topf entspricht der Hüfte und den darunter liegenden Körperbereichen, der Stamm wäre die Wirbelsäule, die Zweige und Blätter entsprächen dem Oberköper mit Schultern, Armen und Händen.
Der Blumentopf mitsamt Pflanze lässt sich keinesfalls optimal drehen, indem man den Stamm verdreht oder die Äste, vielleicht sogar die Blätter, in eine Richtung zieht.

Wird jedoch der Topf gedreht oder bewegt, so folgen der Stamm und alle anderen (oberen) Teile der Pflanze sanft und ohne Beschädigungen davonzutragen.

Bzw. der „Energieaspekt“ („Chi-Aspekt“):

Geht der „Energiefluss“ „von unten nach oben“ – tritt die Energie über die →Yongquan-Punkte an Fußsohlen in den Körper ein und „fließt“ „nach oben“ und tritt über den →Bai-Hui-Punkt wieder aus, oder wird an die →Laogong-Punkte geleitet, so erfolgt dies genau dann(!) mit „größter Kraft“, sobald der Rücken (die Wirbelsäule) gerade gehalten wird.

Wichtige Anmerkung: Dies ist selbstverständlich kein(!) wissenschaftlicher Beweis, sondern eine jahrhundertelange tradierte und immer wieder persönlich gemachte Erfahrung(!) der Meister des Tai Chi! Diese Erfahrung kann jeder Tai Chi Schüler teilen (…oder nicht).

Die Quintessenz daraus bildet eben jener Meisterspruch.

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 037

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 37

   

   

Meisterspruch 037:

In einer chinesischen Abhandlung über Tai Chi:
„Beim Tai Chi Chuan wird Bewegung durch Ruhe (‚Nicht-Handeln‘) überwunden und Starres durch Nachgiebiges besiegt.“

(Wahrscheinlich aus den →Taichi-Klassikern.).


   

Hintergrundinfo:

Die Aussage bezieht sich durch „→chuan“ (für: „Handlungsmethode“ oder „[Faust-, Fuß-, Hand-]Kampfmethode“) auch auf den →Kampfkunstaspekt.

Der Begriff „Ruhe“, im Sinne von: „Nicht-Handeln“, wurde hier wahrscheinlich aus „→Wu Wei“ übertragen.
Ursprung: „Das →Tao [der Weg] des Menschen führt zu/über ‚Wu Wei‘ [wörtlich: ‚Nicht-Handeln‘]“.

Gemeint ist hier jedoch ebenso eine „geistige Haltung“, also auch ein Verhalten, welches sich auch im Körperlichen wiederfindet,

Wie bei jeder dieser chinesischen Aussagen, also eine Mehrfachbedeutung (→Ambiguität).

Zum einen eine Assoziation zur Form:
Diese (jede!) beginnt mit der Ausgangsposition („→Wu Chi“ mit „Wu Wei“ – mentales und körperliches „Anwesend sein“, „Checkliste durchgehen“, „Atmen“ ohne irgendeine „äußere“ Bewegung in der →Grundstellung Wu Chi), dann folgt der „Ablauf“ („→Tai Chi„), welcher schließlich (immer!) wieder in „Wu Wei“ (leider oft nur kurz  mit: „Der Abschluss“ bezeichnet) endet.

Zum anderen der Verweis auf „das generelle Verhalten“ IN Tai Chi:
Jeder „Kraft“ wird mit seinem →Komplementär (aus den „→Ba Gua„) begegnet.
Wobei wie hier, meist als Beispiel das eine „Offensichtlichste“ im Kampfkunstaspekt genannt wird: (körperliche) „Starrheit/Festigkeit“ wird mit „Weichem“/“Sanftem“ besiegt. Gegensätzlicher den Unterschied zu anderen Kampfkünsten darstellen und auf das „Offensichtlichste“ bei der Anwendung von „Tai Chi Chuan“ hinweisen, kann man kürzer kaum!

Darüber hinaus veranschaulicht diese Aussage eine „Essenz der Methode des Tai Chi“:
„Das Erkennen, Wahrnehmen und Anwenden der Gegensätze (→yin und yang), sowie das Verhalten um jene auszugleichen, bzw. ‚in Einklang‘ zu bringen.“

Eben! – Kurz:
„Bei Tai Chi Chuan wird Aktivität durch Wu Wei überwunden und Starres durch Nachgiebiges besiegt“

Einsteigertraining Sep-Dez 2023

Probetraining

Im Probetraining – eine Übungseinheit mit ca. die Hälfte Theorie und die Hälfte Praxis – stellen wir zuvor unsere Sportart und Bewegungsmethode vor.
Wir zeigen Ausblicke auf Zwischenziele und lassen Teilnehmer mittels ein paar „kleiner“ Übungen „erkunden“ und „erfahren“, was es mit Tai Chi tatsächlich auf sich hat.

Dies ist eine gute Gelegenheit das Training und den Verein kennen zu lernen, um danach mit dem Einsteigertraining (jeweils Mittwochs, lt. →Terminplan) bis zum Jahresende fortzusetzen.

Probetraining
(1 Einheit – vor Start →Einsteigerausbildung) –

Termin:

  • Mittwoch, 13. September 23 (20:00 – 21:30 Uhr)

Wo? – In Salzburg-Gnigl, im Dojo des ASKÖ, Parscherstr. 4,
Preis: EUR 5,- / Person für ein Probetraining

Anmeldung erforderlich unter: →Probetraining