Monatliches Archiv:Mai 2024

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 064

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 64

[Lesezeit: 1min – Querverweise: 4 – Checker-Zeit: 1-2 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]

Meisterspruch 064:

„„Im Stehen muss der Körper zentriert, aufrecht und entspannt sein, so dass er es mit einem Angriff aus jeder der acht Richtungen aufnehmen kann.“

(Klassischer Text „“Zum Verständnis der 13 Bewegungsarten““ – Transskription aus den →Tai-Chi-Klassikern.).


Hintergrundinfo:

„→Die 13 Bewegungsarten“ (bzw.: „13 ‚Stellungen'“) werden auch in den →klassischen Schriften, den „Salt-Shop-Manuals“ angesprochen und bestätigen ebenso die synonyme Verwendung für „Tai Chi Chuan“.

Wichtig:
Hier liegt im Meisterspruch mit „acht Richtungen“ eine missverständliche Übersetzung der Überlieferung vor – gemeint sind ja →die Ba Gua, oder?

Exkurs:
Die „13 Bewegungsarten“ stehen ja auch als Synonym für: 8 Manifestationen (der „Ba“ [„acht“] „Gua“[„Kräfte/Manifestationen“]) – plus – „ausgeführt nach“ / „kommend von“ 5 Bewegungsvektorenbereichen („Richtungen“)! Eben: 8+5=13 …logisch, oder?

Die hier vorgenommene Überlieferung führt zur Verwirrung. Denn es wird von „acht Richtungen“ gesprochen – Wo sind dann die ursprünglichen „fünf Richtungen“ geblieben?

Gemeint sind im Urtext wahrscheinlich jedoch: „acht gerichtete Kraftwirkungen„.

Meine Übertragung dieses Meisterspruches aus den Tai Chi Klassikern wäre dementsprechend:

„Im Stehen muss der Körper zentriert, aufrecht und entspannt sein, um es mit einem Angriff, egal welcher der acht Kraftwirkungen aufnehmen zu können.“

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 063

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 63
[Lesezeit: 1min – Querverweise: 9 – Checker-Zeit: Nach einigen Trainingseinheiten (Schätzwerte)]

Meisterspruch 063:

„„Dieses Lied aus 140 Schriftzeichen enthält alle wichtigen Geheimnisse. Wenn du es nicht beherzigst, wirst du bedauerlicherweise viel kostbare Zeit vertun.“““

(Transskription aus Yang Cheng-Fu’’s „„Lied über die dreizehn Stellungen“ von →Yang Cheng-Fu [→Yang-Stil] nach →Cheng Man-Ching [1900-1975]).


Hintergrundinfo:

Jene Aussage bestätigt erneut, dass das „Lied der 13 Stellungen“ eine „Sammlung der Prinzipien des Tai Chi (Chuan) für Schüler“ darstellt, – …und keineswegs 13 Stellungen beinhaltet, sondern der Begriff „Die 13 Stellungen“ oder „Die 13 Bewegungsarten“, manchmal auch: „Die 13 Techniken“, welcher als Titel der Textsammlung verwendet wird, aus jener Zeit stammt, in welcher diese Bezeichnung jener Körper- und Bewegungskunst synonym für „Tai Chi (Chuan)“ stand, da dessen heutige Bezeichnung noch nicht öffentlich verwendet wurde.

Der hier aufgeführte Meisterspruch bildet den letzten Teil jenes Textes und beinhaltet die genaue Anzahl der Schriftzeichen.

Dies ist eine interessante Methode, dafür zu sorgen, dass keine Ergänzung oder Streichung des Textes („der Überlieferung“) vorgenommen werden kann, denn dann würde sich ja die Anzahl der Schriftsymbole ändern. Somit soll diese (→Familien-)Tradition bewahrt bleiben.

Nicht nur das weist auf die Wichtigkeit des Befolgens und Verinnerlichens der „→Prinzipien des Tai Chi“ hin, sondern wird erneut von Meister Yang Cheng-Fu betont.

Exkurs:
Je nach (Familien-) →Stil können jene Prinzipien selbstverständlich im Detail ein wenig abweichen oder ergänzt sein. „Grundlegendes“ findet sich in allen „Auslegungen“ wieder.
Damit ist eben „jenes“ Tai Chi →Chuan nicht exakt das gleiche wie ein „anderes“ Tai Chi Chuan. Deshalb existieren viele Stile und unzählige Varianten davon.

Der genaue Wortlaut des Dokumentes „Das Lied der 13 Stellungen“ findet sich als deutsche Übersetzung für Vereinsmitglieder in der Trainingsinfo Nr. 18 im →Downloadbereich, Rubrik: →Trainingsinfo.

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 062

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 62
[Lesezeit: 3min – Querverweise: 3 – Checker-Zeit: Nach einigen Trainingseinheiten (Schätzwerte)]

Meisterspruch 062:

„„Welche Funktion kommt dem Körper bei der korrekten Ausführung zu? Die Antwort ist: Der Geist befiehlt und der Körper gehorcht. Denke daran, das Hauptziel des Übens ist die Verjüngung und die Verlängerung des Lebens.““

(Transskription von →Yang Cheng-Fu [→Yang-Stil] nach →Cheng Man-Ching [1900-1975]).


Hintergrundinfo:

Yang Cheng Fu habe nach Überlieferungen durch Cheng Man-Ching von einem Gespräch mit seinem Großvater Yang Lu-Chan (dem Begründer des „authentischen Yang-Stiles“) berichtet, welches ihn sehr stark geprägt hatte und mehrmals in Man-Chings Büchern erwähnt wurde.

Es solle damals so gewesen sein, dass Yang Cheng-Fu als Kind bzw. Jugendlicher natürlich mit seiner Verwandtschaft trainiert habe, bzw. auch deren tägliches Training beobachtete, aber einfach irgendwie „genervt“ und „unzufrieden“ darüber war, dass er lernen konnte mit einem Gegner fertig zu werden. Er hegte jedoch die Absicht, etwas zu erlernen, womit er mit zehntausend Gegnern fertig werde.
Dies sagte er schließlich auch seinem Vater, welcher sehr erbost war und ihn der „Verleumdung“ und „Missachtung“ der Familientradion schimpfte.

Der Großvater (Yang Lu-Chan) schritt daraufhin ein und stoppte seinen Vater mit den Worten: „Das kannst Du doch einem Kind nicht vorwerfen“ und nahm Cheng-Fu mit sich.

Im folgenden Gespräch im Zweisein stellte sein Großvater klar, dass es nicht darum gehe tausende Gegner besiegen zu können und das Training der Familie nicht darauf abziele, das (chinesische) Volk, die Familien, den Menschen dadurch zu retten, indem man dazu befähige, möglichst viele Gegner zu überwinden – sondern die Kunst zu vermitteln, wie man sich selbst retten kann!

Sein Großvater schilderte in diesem Gespräch unter anderem auch davon, dass er selbst sich immer verantwortlich fühlte, die Schwachen zu retten und Möglichkeiten suchte, auch in verschiednenen Kampfkünsten, dies noch besser durchzuführen zu können. Dabei war er durchaus von verschiedenen Kampfkünstlern auf Marktplätzen und deren Können und körperlichen Stärke beeindruckt und machte sich viele Gedanken. So lernte er schließlich auch den Chen-Stil kennen. Er stellte nach dem mehr als 10jährigem Studium bei der Familie Chen fest, dass jene Kampfkunst Wunderbares bewirken könne, aber vieles eben nicht der breiten Masse zugänglich gemacht werde und als „geheime Tradition“ bewahrt werde.

Er erzählte ihm auch, dass er schließlich in die Hauptstadt zurück kam und sich darin betätigte, Menschen „völlig offen“ [in Tai Chi (Chuan)] zu unterrichten, weil er davon überzeugt war, dass die Schwäche der Menschen die Ursache für viele Probleme wie Krankheit und Armut sind und eine „Überwindung dieser Schwäche“ die Lösung darstelle. Dies bestätigte sich auch darin, als er bei seinen Studenten beobachten konnte, dass die Abgemagerten und Schwachen wieder robuster und kräftiger wurden und Kranke wieder gesünder.

Dies bekräftigte seinen Großvater darin, nicht die Kunst meistern zu können, soviel Kraft, Techniken und Fähigkeiten zu erlangen, um möglichst viele Gegner besiegen zu können, damit man möglichst viele andere dadurch retten kann, sondern die Kunst zu beherrschen, möglichst viele Menschen darin zu unterrichten und zu bestärken, sich selbst retten zu können. Und genau dies möchte er auch ihm, seinem Enkel, unbedingt weitergeben, damit diese Aufgabe fortgeführt werde.

Fazit:

Mit jenem Kontext – dem „prägenden Gespräch“ zwischen Yang Cheng-Fu und seinem Großvater, Yang Lu-Chan – lässt sich obige Aussage des Meisters noch besser einordnen und verstehen.

Zum einen die Einordnung und für manchen Zeitgenossen durchaus „heftige Aussage“ über „die Funktion des Körpers“ sowie „Machtverhältnisse der körperlichen Existenz“, nämlich, anders formuliert: „Der Geist beherrscht die Materie.“ (…den Körper).

Zum anderen eine Betonung der Zielsetzung der Lehre des Tai Chi der Familie Yang: Sich selbst zu verbessern und diese „Verbesserung“ beizubehalten.

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 061

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 61
[Lesezeit: 1min – Querverweise: 7  – Checker-Zeit: nach einigen Trainingseinheiten (Schätzwerte)]

Meisterspruch 061:

„Durch die Anleitung eines fähigen Lehrers und andauerendes Üben wird sich das Können von selbst einstellen.“

(Transskription von →Yang Cheng-Fu [→Yang-Stil] nach →Cheng Man-Ching [1900-1975]).


Hintergrundinfo:

Diese Aussage stammt aus der Überlieferung des „→Lied über die dreizehn Stellungen“ bzw. „→Die 13 Bewegungsarten„.

O.k. – Inzwischen sollte verständlich sein, das Schriftstück „Lied über die 13 Stellungen“ generell das Praktikum von →Tai Chi (→Chuan) beschreibt, nicht wahr?
(Kontext).

Die Aussage selbst bedarf eigentlich keine Erklärung: „Übung macht den Meister.“
Sowie: „Hilfe erhälst Du von demjenigen, welcher es bereits besser macht. Die besten Erklärungen erhälst Du von denjenigen, welche auch in der Lehrtätigkeit geübt sind.“

Na dann: ‚“Let’s do!“