Monatliches Archiv:Dezember 2024

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 095

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 95

[Lesezeit: 1-3min (ohne Querverweise) – Querverweise: 6 – Checker-Zeit: 2-3 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]

Meisterspruch 095:

„Das Speichern der Energie gleicht dem Spannen eines Bogens. Das Ausstoßen der Energie ist wie das Losschnellen eines Pfeils. Suche die Gerade in der Kurve. Erst die Energie speichern, dann ausstoßen.“

Eine →Transskription aus den →Tai-Chi-Klassikern.
(Klassische Abhandlung „Zum Verständnis der 13 Bewegungsarten“)


Hintergrundinfo:

Selbsterklärend, oder?
Na gut, etwas zu: „Die Kurve“ führt erst „geradewegs“ zum Ziel.

Sprich: „Nicht einfach nur bewegen“ oder „schlagen“ oder „reagieren“, sondern immer(!) zuerst die Energie(!).
– Also sozusagen „die Energiekurve nehmen/beschreiten“ – Entsprechend der (Ablauf-)Paare:
– a.) „speichern“ – „ausstoßen“ oder
– b.) „aufnehmen“ – „zurückleiten“ oder
– c.) „annehmen“ – „umleiten“ / „ableiten“ usw. usf.

Nochmals anders formuliert: „Energiearbeit vor Körperarbeit“.

Die „hohe“ Kunst des Tai Chi (Chuan) besteht darin, mit den „Energien“ umgehen zu können. Besagte „Kurve“ findet sich „im Denken“ und „Verhalten“ eines Meisters.

Der „gerade Weg“ wäre die bloße Reaktion auf die rein physischen Abläufe und Situation – wie eben in Formen der „äußeren Kampfkünste“:
Der Angreifer macht einen Fauststoß, dieser wird mit der Hand, dem Arm, dem Fuß, usw. – was auch immer an körperlichen Möglichkeiten vorhanden ist – geblockt/abgewehrt/umgelenkt. Fertig!
(Na ja: Zumindest in der Theorie jener Schulen, blaue Flecken/“Hämatome“ inklusive – egal, denn: „Nur die Harten kommen durch“, „Wenn Du’s nicht verträgst, dann musst Du Dich eben mehr abhärten“, usw. usf.).

Hier „die Kurve nehmen“ bedeutet: Die „Energie“ UND den körperlichen →Aspekt des Angriffs zu „hören“, „verstehen“ und „abzuwehren“ – Also: „→Die Dreiheit der Kampffähigkeit“ zu beherrschen und anzuwenden.

Wie sonst wäre es möglich, dass beispielsweise ein 80jähriger Meister mit Ruhe und Gelassenheit, einen 25jährigen „Jungspund“, strotzend an (Körper-)Kraft, Fitness und Agilität, „mit Leichtigkeit“ „auf die Bretter legt“?

…weil er jenem körperlich überlegen wäre?

…weil er mindestens 55 Jahre lang mit der bloßen Hand auf ein Lapacho-Holzbalken geschlagen und täglich mit dem Kopf gegen eine Steinmauer gerannt, sowie mit Schienbeinen gegen Bambusrohre getreten hat, um sich „abzuhärten“?

B u l l s h i t !!!

Als erstes erfordert dies eine Änderung und Ersetzen der Denkmuster:

  • Qualität vs. Quantität
  • Effizienz vs. Schnelligkeit
  • Effektivität vs. (körperliche) Stärke;

Als zweites, die Kenntnis gebildet aus Erfahrung, dass neben dem körperlichen Aspekt weitere Aspekte die Grundlage und das „Verhalten“ allen Lebens darstellen (eben: →TAI CHI sowie →Tai Chi).

Und drittens die Weisheit (= Anwendung/Nutzen dieser Kenntnisse/Erfahrungen): Dass beispielsweise selten „der (scheinbar) gerade Weg“ zum Ziel führt.

Und „plötzlich“ besiegt das Sanfte das Starke, das Weiche das Harte, eine „Kleinigkeit“ das „Große“, „Das Gewicht einer (Vogel-)Feder die Tausend Unzen (an einem Waagbalken)“, usw. usf.

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 094

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 94

[Lesezeit: 1-3min (ohne Querverweise) – Querverweise: 4 – Checker-Zeit: 1-5 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]

Meisterspruch 094:

„Zurückweichen [Neutralisieren!] heißt Angreifen; Angreifen heißt Zurückweichen.“

Eine →Transskription aus den →Tai-Chi-Klassikern.


Hintergrundinfo:

Dies beschreibt den „Einsatz der Komplementäre“ – s.d.a. Glossareintrag: →Komplementär

Beim Taichi-Chuan wirkt und „erscheint“ (mein) „Neutralisieren“ wie ein Angriff.
Dabei wird auch „zurückweichen um vorzurücken“ genannt – eine „schier unbegreifliche Bewegung“, wie manche schreiben.

Eigentlich: „Eine Logik, welche man erst durch (langes) Üben begreift“.

Die Ursache ist eben „→TAI CHI“ – und damit „Die Vereinigung der Gegensätze“.

Zugleich(!) wird mit jener Aussage die „Grundhaltung“ – also „der Habitus“ – eines „wahren“ Tai Chi Meisters genannt: Jener eröffnet NIE einen Kampf!

Wieso sollte jener „Angreifen“, wenn er „Zurückweichen“ vermag?

Exkurs:
Wir erinnern uns beispielsweise auch an die Überlieferung: „Bewege Dich nicht, solange der Gegner sich nicht bewegt – bewegt sich der Gegner, so komme im zuvor (bzw.: bewege Dich schneller als er)“

In einem Kampf wird sich also ein Tai Chi Meister niemals als erster bewegen – wie könnte er also dann „jemanden angreifen“?

Seine „Angriffshandlung“ (für Aussenstehende) ist also das „Zurückweichen“ – das „Konter“ ist das „Zurückweichen“.

Womit in anderen Worten: Das „Zurückweichen“ ist der „Gegenangriff“ – der „Gegenangriff“ ist das „Zurückweichen“.

Da ja niemals eine Auseinandersetzung aktiv gestartet wird – greift ein (wahrer) Tai Chi Meister auch niemanden an.

Exkurs für Science-Fiction-Epos Liebhaber:

Damit erklärt sich „die große Sünde“, welche die Jedis in der Star-Wars-Trilogie begangen haben und welche schließlich zu deren Untergang führte: Sie übten ihre Kunst und Fähigkeiten nicht mehr zur „reinen Verteidigung“ aus, sondern zogen aktiv in den Kampf und führten Angriffe durch.

btw.:
Jahrelang beschäftigte mich nach dem „ersten Star-Wars-Erlebnis“, welches ich als 11/12jähriger im Kino hatte, immer wieder mal die Frage: „Warum ausgerechnet Laserschwerter, wenn doch alle anderen mit Strahlenpistolen herumlaufen?“.

Klar, es war cool – damals sagten wir noch: „lässig“ – Und natürlich „Ritter“, da „muss“ ja ein Schwert dabei sein, aber…dennoch?

Erst mit dem Studium von Tai Chi klärte sich auch das.
Das „Laserschwert“ ist die „ultimative Verteidigungswaffe“.
Nutzlos für Angriffe auf Distanz, kann aber dennoch – geführt von einem Meister – auch jeglichen Distanzschuss (aus einer Laser-/Strahlen-/Schuss-Waffe) abwehren.

Eine genau für diesen Zweck (der Verteidigung) konstruierte Abwehr-Waffe – nicht für den Angriff!

Eigentlich: „Schöner kann man eine Lebenseinstellung [den Habitus] und den Waffengebrauch eines ‚Ritter-Ordens‘ der das Leben begrüßt, fördert und respektiert, in einer Science-Fiction-Welt voller Strahlenkanonen eigentlich nicht darstellen, oder?“

Gut, ich ergänze:
Ein „reiner (Strahlen-)Schutzschild“ wäre zum einen für die Story viel zu banal und zum anderen, vor allen Dingen: „rein passiv“.

Sprich: Jeder Depp könnte sich hinter einem Schutzschild „verkriechen“ und dies bedarf und zeigt keinerlei Kunst-Fertigkeit.
Das (Laser-) Schwert jedoch muss „gemeistert“ sein.

[…und ja, in den jüngsten Star-Wars-Filmen spielt dies alles keine Rolle mehr, da „jeder“ Protagonist das kann, ohne auch nur einmal im geringsten trainiert oder geübt zu haben – „Vererbung“, „is halt ‚von Geburt‘ an so, usw.“ – „Hauptsache es is Krieg in den Sternen – passt scho!“].

Und ebenso klar: Im Marvel-Universe wäre es ein Stab oder Stock aus Adamantium.
(Anm.: Wobei ich halt die Idee von einem auf Schwertlänge begrenzten Lichtstrahl mit leicht verstaubarem Griffstück schon lässig – verzeihung: cool – finde!)

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 093

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 93

[Lesezeit: 5-10min (ohne Querverweise) – Querverweise: 11 – Checker-Zeit: 3-5 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]

Meisterspruch 093:

„Anhaften ist Aufnehmen; Aufnehmen ist Anhaften.“

Eine →Transskription aus den →Tai-Chi-Klassikern.


Hintergrundinfo:

Dieser Meisterspruch geht wahrlich schon „ins Eingemachte“. Alle Erklärungsversuche münden letztendlich in das Verständnis und die Anwendung der →Grundtechniken, sowie dem Studium der „→Ba Gua“ („die acht Manifestationen“).

Folgendes daher für fortgeschrittene „Studierende“.

Also – Ihr erinnert Euch?
„peng“ – „liü“ – „ji“ – „an“ ? [wie in „Fasse den Vogelschwanz“ (→Yang-Stil)]

„an“ – „Feuer“ – „(An-)haften“ – Hiermit erklärt sich „die zweigeteilte Bewegung“ (zuerst: „aufnehmen“ mit „anhaften“, dann…). Daher ist auch die einfache „Übersetzung“ mit „stoßen“ sehr, sehr mangelhaft. Die körperliche Bewegung am Schluss sieht für einen außenstehenden, unbedarften Zuschauer nur(!) so aus, als ob man „bloß stoßen“ würde!

Beim Studium und Vergleich der zu diesem Thema vorliegenden Texte ist mir aufgefallen, dass fast überall bei den Erklärungsversuchen der zugrundeliegenden „Energien“ (→chin) und „Nutzung der Manifestationen“, zwar die Bezeichnungen der Grundtechniken und die Bezeichnung der „Gua“ übernommen werden, jedoch dann „die Interpretation“ aus gleicher Urquelle (Liedern, Gedichten) zu stammen scheinen, deren Zuordnung bei vier davon jedoch getauscht wurden.

Denn sobald sich jemand mit den „Ba Gua“ wirklich auseinandersetzt und die „Eigenschaften“ („Metabeschreibungen“) beispielsweise von „Feuer“ und „Wasser“ verinnerlicht und „verstanden“ hat, demjenigen müsste eigentlich auffallen, dass „Wasser“ sich nicht wie „Feuer“ verhalten kann und umgekehrt.

Exkurs:
Wahrscheinlich liegt dies auch daran, dass „unbedingt“ ein Bezug und eine Verbindung mit Qi Gong (vor allem dem „modernen“) hergestellt werden möchte. Was dann eben zu „Vermischung“, „Verwirrung“ und „Verkomplizierung“ führt, da ein anderes Modell und Begrifflichkeiten zugrunde liegen. s.d.a.: →Aufklärungsserie: Das ist Tai Chi Gung – Teil 15/15 Unterschied von Tai Chi zu Qi Gong.

Dementsprechend kann(!) das der Grundtechnik „ji“ dort zugeordneten Liedes nur mit der Grundtechnik „an“ und jenes der Grundtechnik „cai“ („tsai“) nur mit der Grundtechnik „lieh“ („lie“) vertauscht worden sein.

Nehmen wir beipielsweise „an“ („Feuer“) und „ji“ („Wasser“).

  • So lautet die eine Transkription:
    „Wie des Wassers strömender Fluss – Verborgen die Härte im Weichen – Wilde Strömung nicht zu halten – Schießt empor wo Hohes ist – stürzt hinab wo Tiefes ist – Wogen steigen Wogen fallen – Dringen ein wo Öffnung ist“.
  • und die andere:
    „Zwei Methoden gibt es – Anzuwenden je nachdem – einfach in einem Bewegen – direkt dem Gegner entgegen – oder Gegenkraft nutzend – wie von der Wand ab der Ball – und von der Trommel die Münze – springt mit tönendem ‚bing'“

(Quelle: Frieder Anders, Taichi Grundlagen der fernöstlichen Bewegungskunst, Heinrich Hugendubel Verlag, München 2007, ISBN 978-3-7205-5027-7)

Preisfrage – Ehrlich jetzt: Wie kommt man bei ersterem darauf, dass dies „an“ bzw. „An chin“ sein solle, wenn darin sogar überliefert wird „Wie des Wassers …“?

… kann nicht sein, oder?

Wichtiger Exkurs:
Selbstverständlich tut auch jene – meiner Ansicht nach zwar gravierende – Verwechslung der „(Grund-)Technik“ einer Partnerübung und im →Tui Shou keinerlei Abbruch.
Denn: Es ist in der Übungssituation auch zweier Personen und der Anwendung dabei keinerlei Problem, wenn der „Energiefluss“ trainiert und „verspürt“ wird, obwohl man eigentlich eine „andere Technik“ als die vermeintlich bezeichnete übt.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt des Tai Chi (Chuan): Grundsätzlich könnte jede(!) körperliche Bewegung (jeder Bewegungsablauf) theoretisch mit jeder(!) zur Verfügung stehender „Energie“ „gefüllt“ werden. Warum denn auch nicht, denn: „Yi-chi-chin“ – „→Shen ist der Feldherr“, u.a.m. – Sinnvoll und zweckdienlich ist es jedoch nur, wenn die „Einheit von Körper, Geist und Seele“ beibehalten wird. D.h. eben auch, dass der Bewegungsablauf (körperlich) idealerweise „der Absicht“ und „dem Zweck“ einhergeht.

Damit kann auch beispielsweise der Bewegungsablauf von „an“ (aus dem „Fasse den Vogelschwanz“) im Tui Shou wunderbar variiert und ohne weiteres als „ji“ „cai/tsai“ oder „lieh“ ausgeführt und auch „stundenlang“ geübt werden (obwohl dann alle Erklärungen und Interpretationen zu „an“ in die Irre führen, wenn jene Übung ohne Bedacht und Detailtreue zu „an“ „variiert“ wird …oder vergessen wird, darauf hinzuweisen, das die Dynamik der Abläufe, den „Wechsel der Energien“ begünstigt). Nochmals: Es ist nicht „verkehrt“ auch jene Übungen zu absolvieren …man lernt immer was.

Problematisch könnte es nur in tatsächlichen Kampfsituationen werden, da man ja dem „Verständnis der →Komplementäre“ nicht mächtig ist und u.U. „falsch antwortet“.
Und es ist natürlich problematisch, dass „eigentlich das Falsche“ – zumindest „die falsche Zuordnung“ gelehrt wird, wenn nicht die Dynamik und Variationen bei Partnerübungen detaillierte Beachtung findet.

Anmerkung: Das „andere Extrem“ entspricht der Bemühung, jeder einzelnen (Kampfkunst-)Bewegung eine andere, neue „Energieform“ zuweisen zu wollen (wie Chen Gong, aka Yearning K. Chen, aka Chen Yan Lin) – s.d.a. →Arbeitsmodelle in Tai Chi.

Und wie man hierin sieht, können gelehrte „Fehlinterpretationen“ auch jahrzehntelang überliefert und weitergegeben werden, solange jene einfach „nachgeplappert“ werden (sorry – had to be said).
—-

Die Meisteraussage „Anhaften ist Aufnehmen; Aufnehmen ist Anhaften.“ bezieht sich also auf die Grundtechnik „an“ („Feuer“).

Angelehnt an Bruce Lee’s Spruch: „be like water“ würde man hier nun sagen „Sei wie Feuer“.

Damit kommen wir einer Aufklärung schon recht nahe: Wie verhält sich denn Feuer?

„Feuer“ –

  • brennt von Außen nach Innen:
    Ein Holzscheit brennt von der Oberfläche weg und der Vorgang „frisst“ sich langsam durch das Material bis zur Mitte. Das Feuer brennt also von „Außen nach Innen“ und nicht umgekehrt (also NICHT vom Inneren des Holzes, des Brennmaterials nach Außen);
  • nimmt dabei das Material (auf dem es sitzt) auf und wandelt dies durch den Verbrennungsvorgang um;
  • kann von einem Gegenstand auf einen anderen „überspringen“ (auf der Oberfläche);
  • ist „expandierend“, „ausweitend“: Solange die Zufuhr von Material („Energie“) gewährleistet ist, breitet sich Feuer aus;
  • kann „schlagartig“ explodieren, wenn „Glutnester“ oder ausreichend „Hitze“ – also: optimale Bedingungen zur Entstehung oder Ausbreitung – vorhanden sind und diese unvermittelt, „plötzlich“, mit weiterer „Materie“ oder „Energie“ versorgt werden.

Fazit:

„Feuer“ „haftet“ also auf einem Gegenstand (Körper), dabei „nimmt“ es dessen „Materie“ / „Energie“ auf. …um sich weiter auszubreiten, oder auch „zu explodieren“.

Das woanders separat bezeichnete „Kleben“ ist also keine eigenständige „andere Energieform“, welche es gesondert oder besonders zu erlernen gilt, sondern schlicht: „Die Eigenschaft von Feuer“ („Kleben“, „Haften“, „Anhaften“, gepaart mit „Aufnehmen“).

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 092

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 92

[Lesezeit: 1-3min (ohne Querverweise) – Querverweise: 3 – Checker-Zeit: 1-2 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]

Meisterspruch 092:

„Bekannter Taoistischer Vers: Yang erreicht Yin, Wasser und Feuer werden gleich und Chien/Kien [Himmel] und Kun [Erde] verbinden sich zum Elexier des Lebens. Damit nährst du das Göttliche in dir selbst.“

Eine →Transskription aus den aus dem →Tao Te King (Daodejing).


Hintergrundinfo:

kurz: „Die Vereinigung der Gegensätze“, also: „TAI CHI“.

Anm.: „Himmel“ – in „unseren“ Texten mit Chien bzw. Kien (gesprochen: „Ki-Een“ oder „tschi-en“, wegen „Chi“!!!) wird via Pinyin oft auch mit „Qian“ (gesprochen: „Ki-an“, für „Qi“, als „Chi“).

Die taoistische Metapher für „Elexier des Lebens“ wird oft auch mit „Elexier der Unsterblichkeit“, zuweilen auch als „Zinnober“ bezeichnet. Die Verbindung bzw. „Vermischung“ von yin und yang „bildet“ dieses „Elexier“ [im →Dan Tien].

Hieraus lässt sich also ein Bezug zum „Dan Tien“ (Tan Dien) herstellen, welches sehr häufig in chinesischen (Übungs-)Anleitungen als „Zinnoberfeld“ (!!!) überliefert wird.

„Zinnober“ wiederum ist in der Mineralogie ein [hell]rotes, schwarzes oder bleigraues, Quecksilber enthaltendes Mineral. Also: „rotes Quecksilber“, welches auch in der indischen Bhagavaghita als „göttlicher Stoff“ bzw. „den Göttern vorbehalten“ überliefert wird (…und „wir Menschen“ also schon vor mehr als 8.000 Jahren „verloren“ haben…!?).

Der „Spruch“ hieße dann:
„Yang erreicht Yin, Wasser und Feuer sind ausgeglichen[!]- Himmel (Kien) und Erde (Kun) verbinden sich zum Zinnoberfeld im Dan Tien. Damit nährst du das Göttliche in dir selbst.“

Alles klar?

Exkurs 1:
Chi-en (Chien/Kien, Bagua: „Himmel“) entspricht der „Schöpfungskraft des Himmels“ – und
Kun (Bagua: „Erde“) entspricht der „Aufnahmefähigkeit der Erde“.
…also – ebenfalls kurz gesagt – hiermit wäre zugleich der („uralte“ chinesische) Schöpfungsmythos an und für sich er-/geklärt.

Exkurs 2 – [mit besten Empfehlungen für weitere Erkenntnisse und „Aha-Erlebnisse“]:
Manchesmal wird obige „Verbindung“ – von „yin und yang“ („im Zinnoberfeld“) auch als „Merkurium“ (ohne weitere dort zu findende Erklärung) übertragen. Manchesmal auch nur mit „Quecksilber“ (was ebenfalls „nicht ganz stimmig“ ist).

Exkurs 3:
Was vielleicht auch daran liegt, dass beispielsweise es im deutschen (Umgangs-)Sprachgebrauch gelungen ist, jene Bedeutung „ins Gegenteil“ zu verkehren. Man sagt ja, „jemand solle keinen(!) Zinnober machen“ und meint damit als Redewendung/Redensart, dass „ein Zinnober“ etwas ist, was wertlos und unsinnig ist oder um welches unnötiges Aufsehen gemacht wird.
[…auch interessant, nicht wahr?]

Persönliche Anmerkungen

Mich „reizen“ gerade dann jene Dinge „besonders“, wenn „man sagt, dass…“ oder Feststellungen/Fakten OHNE Erklärung geliefert und verbreitet werden.

Also jene Dinge, welche nach dem Motto präsentiert werden: „Ist halt so“ oder „Alle [wer?] sagen/tun/machen das, daher ‚musst‘ Du…“.

Ich dann innerlich(!): „Wieso?, warum? – O.k., DAS möchte ich jetzt genau(!) wissen.“.

Und damit kein Missverständnis aufkommt: „Nein, ich bin kein ‚genereller Querulant/Querdenker‘ oder „aus Prinzip ‚gegen etwas'“ – das nicht.

Aber – früher(!) – wollte ich einfach „mehr Wissen“, heute „strebe ich nach mehr Erkenntnis mit Weisheit“.

Dabei ist es eben notwendig auch „ausgetretene Pfade“ einmal zu verlassen.

Natürlich: Manches führt dabei auch einmal auf Irrwege – aber „Stehenbleiben“ führt eben zu keinem „Fortschritt“.

Nur wer „sich ändern“ kann, kann auch „auf Veränderungen reagieren“ –> und damit wäre auch wieder der Kreis zu „Tai Chi Gung“ geschlossen.