Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 094

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 94

[Lesezeit: 1-3min (ohne Querverweise) – Querverweise: 4 – Checker-Zeit: 1-5 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]

Meisterspruch 094:

„Zurückweichen [Neutralisieren!] heißt Angreifen; Angreifen heißt Zurückweichen.“

Eine →Transskription aus den →Tai-Chi-Klassikern.


Hintergrundinfo:

Dies beschreibt den „Einsatz der Komplementäre“ – s.d.a. Glossareintrag: →Komplementär

Beim Taichi-Chuan wirkt und „erscheint“ (mein) „Neutralisieren“ wie ein Angriff.
Dabei wird auch „zurückweichen um vorzurücken“ genannt – eine „schier unbegreifliche Bewegung“, wie manche schreiben.

Eigentlich: „Eine Logik, welche man erst durch (langes) Üben begreift“.

Die Ursache ist eben „→TAI CHI“ – und damit „Die Vereinigung der Gegensätze“.

Zugleich(!) wird mit jener Aussage die „Grundhaltung“ – also „der Habitus“ – eines „wahren“ Tai Chi Meisters genannt: Jener eröffnet NIE einen Kampf!

Wieso sollte jener „Angreifen“, wenn er „Zurückweichen“ vermag?

Exkurs:
Wir erinnern uns beispielsweise auch an die Überlieferung: „Bewege Dich nicht, solange der Gegner sich nicht bewegt – bewegt sich der Gegner, so komme im zuvor (bzw.: bewege Dich schneller als er)“

In einem Kampf wird sich also ein Tai Chi Meister niemals als erster bewegen – wie könnte er also dann „jemanden angreifen“?

Seine „Angriffshandlung“ (für Aussenstehende) ist also das „Zurückweichen“ – das „Konter“ ist das „Zurückweichen“.

Womit in anderen Worten: Das „Zurückweichen“ ist der „Gegenangriff“ – der „Gegenangriff“ ist das „Zurückweichen“.

Da ja niemals eine Auseinandersetzung aktiv gestartet wird – greift ein (wahrer) Tai Chi Meister auch niemanden an.

Exkurs für Science-Fiction-Epos Liebhaber:

Damit erklärt sich „die große Sünde“, welche die Jedis in der Star-Wars-Trilogie begangen haben und welche schließlich zu deren Untergang führte: Sie übten ihre Kunst und Fähigkeiten nicht mehr zur „reinen Verteidigung“ aus, sondern zogen aktiv in den Kampf und führten Angriffe durch.

btw.:
Jahrelang beschäftigte mich nach dem „ersten Star-Wars-Erlebnis“, welches ich als 11/12jähriger im Kino hatte, immer wieder mal die Frage: „Warum ausgerechnet Laserschwerter, wenn doch alle anderen mit Strahlenpistolen herumlaufen?“.

Klar, es war cool – damals sagten wir noch: „lässig“ – Und natürlich „Ritter“, da „muss“ ja ein Schwert dabei sein, aber…dennoch?

Erst mit dem Studium von Tai Chi klärte sich auch das.
Das „Laserschwert“ ist die „ultimative Verteidigungswaffe“.
Nutzlos für Angriffe auf Distanz, kann aber dennoch – geführt von einem Meister – auch jeglichen Distanzschuss (aus einer Laser-/Strahlen-/Schuss-Waffe) abwehren.

Eine genau für diesen Zweck (der Verteidigung) konstruierte Abwehr-Waffe – nicht für den Angriff!

Eigentlich: „Schöner kann man eine Lebenseinstellung [den Habitus] und den Waffengebrauch eines ‚Ritter-Ordens‘ der das Leben begrüßt, fördert und respektiert, in einer Science-Fiction-Welt voller Strahlenkanonen eigentlich nicht darstellen, oder?“

Gut, ich ergänze:
Ein „reiner (Strahlen-)Schutzschild“ wäre zum einen für die Story viel zu banal und zum anderen, vor allen Dingen: „rein passiv“.

Sprich: Jeder Depp könnte sich hinter einem Schutzschild „verkriechen“ und dies bedarf und zeigt keinerlei Kunst-Fertigkeit.
Das (Laser-) Schwert jedoch muss „gemeistert“ sein.

[…und ja, in den jüngsten Star-Wars-Filmen spielt dies alles keine Rolle mehr, da „jeder“ Protagonist das kann, ohne auch nur einmal im geringsten trainiert oder geübt zu haben – „Vererbung“, „is halt ‚von Geburt‘ an so, usw.“ – „Hauptsache es is Krieg in den Sternen – passt scho!“].

Und ebenso klar: Im Marvel-Universe wäre es ein Stab oder Stock aus Adamantium.
(Anm.: Wobei ich halt die Idee von einem auf Schwertlänge begrenzten Lichtstrahl mit leicht verstaubarem Griffstück schon lässig – verzeihung: cool – finde!)

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