Monatliches Archiv:November 2024

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 091

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 91

[Lesezeit: 2-3min (ohne Querverweise) – Querverweise: 5 – Checker-Zeit: 3-7 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]

Meisterspruch 091:

„Mit einem Gegner auf einen Fuß Abstand fertig zu werden, ist äußerst problematisch, wenn man vorher nicht die Fähigkeit der verstehenden Energie erworben hat.“

Eine →Transskription aus den →Tai-Chi-Klassikern.


Hintergrundinfo:

Die „verstehende Energie“ („tung →chin„) in einer Kampfsituation zu beherrschen, erfordert „→shen ming“ gepaart mit „song“. Dies umfasst eben auch „die Sensibilisierung“ für – alles – in der Umgebung (also „Hören“ mit „Verstehen“ – siehe dazu auch: „Die Dreiheit der Kampffähigkeit“ [→Meisterspruch 90]).

Eine, sozusagen sekundäre Fertigkeit, ist dabei die „Distanz-Sensibilität“: Zu erkennen, ob man eine Fußlänge oder einen Fußbreit Abstand einhält, danach ein Zoll, schließlich ein zehntel Zoll, bis hin sogar zu einem „zehntausendstel Zoll“.

Praktische Frage:
(Welche hierzu „andere, äußere Kampfkünste“ [zB. Karate] kaum beantworten können)
Wie soll bei einem Zoll(!) Abstand genug Massenbeschleunigung erzielt werden, damit „der Impuls“ eines Schlages (wichtige Prämissen: 1. Nur aufgrund der reinen Physik von Masse x Beschleunigung und 2. Nur mit der Faust[!]), einen Gegner „umhauen“ kann, welcher u.U. mehr „Gewicht“ (Masse) auf die Waage bringt, als man selbst?

So geschehen beim Kampfsportturnier im Sommer 1964. Bruce Lee war an jenem Tag des Karateturniers in Long Beach 1964 noch ein absoluter Niemand in der Welt der Kampfkünste. Nichtsdestotrotz demütigte er noch am selben Tag gleich zwei der großen Legenden in seiner Disziplin und das vor dem versteinerten Gesichtern im Publikum. Der erste Sieg gelang ihm durch den legendären „1-Inch-Punch“.

Einem Fauststoß im Abstand von „einem Inch“, sprich: „einem Zoll“ – d.h.: einem Abstand von max. 2,54 cm, also max. einpluseinhalb fingerbreit, eine Daumenbreite, vom Gegner entfernt ausgeführt.

Antwort – Ganz einfach:
„fa chin“ nachdem man sowohl den Zeitpunkt, den Ort, die „Kraft“, als auch den Gegner „erkannt“ hat!
(…klar oder? *lol*).

Dies alles wirklich zu begreifen und wirklich zu „verstehen“ erfordert einfach fortgesetztes Praktikum in Tai Chi.

Deshalb nennen oft chinesische Meister einige Jahre (3, 5 bzw. 7 Jahre) Trainingspraxis in Tai Chi, bevor sich jemand ausschließlich der Anwendung des Kampfkunstaspektes im Training – also Tai Chi Chuan oder „Ba Gua Chang“ (dem „Kämpfen mit Tai Chi“) – zuwenden solle.

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 090

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 90

[Lesezeit: 10-15min (ohne Querverweise) – Querverweise: 13 – Checker-Zeit: 5-7 Jahre fortgesetztes Tai Chi-Training (Schätzwerte)]

Meisterspruch 090:

„Nachdem du die verstehende Energie erlernt hast, wirst du umso größere Sensibilität gewinnen, je mehr du übst.“

Eine →Transskription aus den →Tai-Chi-Klassikern.


Hintergrundinfo:

Es lässt sich leicht erkennen, dass jener Ausspruch von den Anhängern des Modells der „Energien des Taiji“ stammt (siehe dazu auch: →Arbeitsmodelle des Tai Chi).

„tung chin“ (eine andere Schreibweise ist: „dong jin“) steht für „interpretierende Energie“ / „verstehende Energie“.

Um sich nicht unnötig in eine „Unmenge“ verschiedenster „Energien“ zu vertiefen und „das Wesentliche“ aus den Augen zu verlieren, empfiehlt es sich, die „Beschäftigung mit den Energien des Taiji“ auf eine ebenfalls in jenen Quellen zu findende Kernaussage herunterzubrechen: Die Betonung der Notwendigkeit der „Dreiheit der Kampffähigkeit“.

„tung chin“ („interpretierende Energie“) bildet neben „ting chin“ – (“die „hörende Energie“) und „peng chin“ –(“die „abwehrende Energie“)” die sogenannte „Dreiheit der (Kampf-)Fähigkeit“.

Dreiheit der Kampf-Fähigkeit

Die „ Dreiheit der Kampf-Fähigkeit

besteht also aus:
1.) „Hören“ (sprich: „Lesen/Aufnehmen können“, „wahrnehmen können“),
2.) „Verstehen“ („interpretieren“, das „Können“), und
3.) „Abwehren“ (sprich: „Auflösen und Kontern“; „entgegnen“ und/oder „ausgleichen“)
um jedweden Angriff erfolgreich überstehen zu können.

1.) „Hören“ („Umfassende Wahrnehmung“)

Das hierfür verwendete chinesische Schriftzeichen „ting“ („hören“, „zuhören“, „wahrnehmen“) wird aus den Symbolen für „Shi“ („Meister“ als auch „vollständig“, „unbewegt leitent“, „passiv sein“), „Wang“ („Netz“), „Yi“ („bedingungslose Absicht“ oder auch: „eins“), „Xin“ („Gefühle“/“Gemüt“ oder auch „Herz“) und „Er“ („Ohren“) zusammengesetzt.

Exkurs:
Hierbei wird erneut klar erkennbar, dass eine „reine“ Wortübertragung (Transskription in lateinische Buchstaben), bei weitem(!) nicht den vollständigen Inhalt einer Bedeutung vermitteln kann!

Die Kombination jener Symbole bedeutet also, dass man alles („vollständig“, „meisterlich“, „selbst unbewegt[!]“), wie in einem Netz, mit einzigartiger Aufmerksamkeit („bewusster, bedingungsloser Absicht“) und bei geeignetem Gemütszustand („mit dem Herzen“), so als ob man „es hören“ könnte, „erfassen“, „wahrnehmen“, sprich: „einfangen“, kann!

Jenes „Hören“ umfasst also nicht nur das Sinnesorgan des Gehörs, sondern alle(!) Sinne.

Exkurs:
Sehr oft wird dabei – gerade bei „Anhängern des Tui Shou“ – wiederum nur die Sensitivität der Haut („Das Fühlen von Berührungen“ – „Druckempfinden“) als „Erweitertes Hören“ verstanden. Das ist aber nicht „alles“ bzw. „jeder Sinnenseindruck“!

Jenes „Hören“ meint jedoch „das Horchen auf jede Sinneswahrnehmung„, sowie die Perfektionierung selbiger Fähigkeit.

Daraus folgt unweigerlich, dass zu aller erst dem Adepten einmal wieder bewusst gemacht wird, über welche „Sinne“ er als Mensch verfügt.
Dass es eben neben den bis heute(!) in den Schulen behandelten fünf Sinneswahrnehmungen (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tastsinn) mindestens fünf weitere („Gleichgewicht und Bewegung“, „Schmerz“, „Gliederlage“, „Muskelspannung“, „Krafteinsatz“) also →Propriozeption bzw. →Tiefensensibilität existieren, sobald das „Fühlen“ wieder in den Vordergrund rückt (Siehe dazu auch →Meisterspruch 35, bzw. Glossareinträge).

Exkurs:
Bevor man „die Kräfte des Tai Chi“ mit ASW (Außersinnliche Wahrnehmung) der Parapsychologie oder gar Esoterik zu erklären sucht, sollte man sich vielleicht zuvor mit dem eigenen Körper und dessen Fähigkeiten und Möglichkeiten intensiver auseinandersetzen, nicht wahr?

Dies bedeutet auch, dass im Training, insbesonders für Anfänger/Einsteiger, zu aller erst einmal, dass „eigene Körperbewusstsein“ durch notwendige Übungen zu (Muskel-)Kraft, Grundstellungen(!), Grundhaltungen(!), sowie (Gliedmaßen-)Bewegungen, Atemtechnik und Entspannung(!) und wieder das „Er-Fühlen“ von Körperempfindungen vermittelt wird.

Dann erreicht man „song“, „den katzenhaften Energiesparmodus mit erhöhter Wachsamkeit, Sensibilität und Beweglichkeit“.

2.) „Verstehen“ („Fähigkeit erwerben“ / „Können“)

„tung chin“ (eine andere Schreibweise ist: „dong jin“) steht fuer „interpretierende Energie“ / „verstehende Energie“.

Das Schriftzeichen „tung“ (bzw. „dong“) ist zusammengesetzt aus einem Hauptzeichen „Xin“, das für „Herz“ oder für „Geist“, sowie „Gefühle/Gemüt“ steht. Rechts-Oben befindet sich das Zeichen „Cao“, welches sowohl für „Gras“ als auch „Ursprung der Dinge“ bedeuten kann. Darunter findet sich noch „Zhong“, ein Symbol, das die Vorstellung von „wichtigen und schwerwiegenden Angelegenheiten“ vermittelt.
Damit ließe sich nun – das zusammengesetzte Symbol – „tung“ übersetzen mit: „Mit Herz und Verstand (Bewusstsein) die Wichtigkeit des Ursprungs einer Sache begreifen“.

Das „Verstehen“ bedeutet also, die Sinneswahrnehmungen, welche man nun in der Lage ist – auch aus der Propriozeption – zu „hören“, entsprechend zu interpretieren. Also „zu begreifen“: „Was bedeutet das FÜR MICH?“ (…Betonung: „für mich!“, d.h.: für niemanden(!) anderen – alles klar?). Um schließlich die daraus gewonnene „Fähigkeit“, „Fertigkeit“ zu können, zu „beherrschen“.

„Verstehen“ ist also ebenso ein Prozess, welcher mit der Fähigkeit des „Hörens“ einhergeht und nur durch fortgesetzte Anwendung perfektioniert werden kann.

Gleichzeitig ist es auch eine Frage des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten.

Das Zitat von Johann Wolfgang von Goethe bildet dies wunderbar ab:
„Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“

Das Verständnis („Verstehen“) und die Interpretationsfähigkeit wächst mit dem Vertrauen.
Vertrauen wiederum festigt sich mit fortgesetzter Anwendung. Je öfter und je besser ich „auf meinen Körper“ bzw. „meine mindestens(!) 10 Sinneswahrnehmungen“ „höre“, desto leichter fällt es mir, diese zu „verstehen“ (also: „einzuordnen“ und „zu nutzen“) und diesen zu vertrauen.

WICHTIG:
„Verstehen“ – das Energiepotential des „tung chin“ – besteht also NICHT nur darin, einen „Angriff eines Gegners zu interpretieren“, SONDERN generell darin, „die aktuelle Lage/Situation“ IN MIR und UM MICH, BEWUSST WAHRZUNEHMEN, sowie mir selbst vertrauen zu können, dass diese Wahrnehmungen „richtig“ sind und von mir richtig eingesetzt werden können!

Exkurs: Mit dem Fahrrad fahren.
Ein ausgezeichnetes Beispiel hierfür ist das Radfahren. Radfahren ist ohne Tiefensensibilität (u.a.: „Lagesinn“, „Kraftsinn“ und „Bewegungssinn“) unmöglich!
Den wenigsten ist dies bewusst und können trotzdem mit dem Fahrrad fahren.

Und erinnern wir uns dabei, wie es uns erging, als wir begonnen hatten, erstmals mit einem Fahrrad zu fahren. Oder beispielsweise daran, wie es ist, dies einem Kind beizubringen.
Zuerst wackelt man nahezu hilflos und ist unsicher, traut der ganzen Sache nicht, weiß gar nicht, was dabei passiert. Irgendwie „versteht“ man ja, dass es funktionieren muss, da ja schließlich „andere“ ebenfalls mit dem Fahrrad fahren. Man vertraut „der Sache“, weil ja Beispiele existieren und man vertraut „dem Trainer“ (Vater, Mutter, Freund, etc.) der es ja ebenfalls bereits kann.
Also übt man: Man folgt den Bewegungen, bzw. „Bewegungs-“ und „Verhaltensanweisungen“ und wiederholt jene, bis es schließlich gelingt. Die „ersten paar Meter“ des Erfolges stärken die Zuversicht und das Vertrauen!
Schließlich traut man sich, dies „allein“ zu tun und dann wiederholt man den Vorgang und wiederholt und wiederholt und …
…dann „kann“ man es!
Irgendwann – im späteren Leben – „kramt“ man das Fahrrad aus dem Keller, setzt sich drauf und fährt los – ohne auch nur irgendeinen Gedanken daran zu verschwenden, welche Sinneswahrnehmungen und welche Sensibilität hierfür eigentlich erforderlich ist.
Man „weiss“, dass man es kann und „tut“ es einfach. Man vertraut sich selbst und seinen Fähigkeiten!
Wichtig: Und man muss es auch nicht wieder neu erlernen, auch wenn es schon Jahre oder Jahrzehnte zurückliegt, dass man zuletzt gefahren ist. Natürlich: Der Hintern tut mehr weh, die Arme und Beine „spürt“ man mehr etc., weil der Körper jene Beanspruchung nicht (mehr) so gewohnt ist, da jene ja nicht regelmäßig, fortgesetzt genutzt wurde.

Genauso verhält es sich bei der Praxis von Tai Chi: „Fähigkeiten“ die man einmal „verstanden“ hat, verliert man nicht – es mag nur „ungewohnt“ / „mehr beanspruchend“ sein, wenn man jene länger nicht mehr genutzt hat.

3.) „Abwehren“ („Auflösen und Entgegnen“)

Die in der Tai Chi Community genutzte chinesische Bezeichnung „peng“ für „Abwehren“ ist eigentlich eine Wortschöpfung, ein spezielles Schriftzeichen, welches in chinesischen Wörterbüchern nicht vorkommt.

Eine Etymologie verweist darauf, dass es ursprünglich wie „Feng“ ausgesprochen worden sei und damit die Schwanzfedern eines Phönix bezeichnet. Durch Hinzufügen von „Shou“ („Hand“) solle dann der Begriff „den Vogelschwanz fassen“ entstanden sein und daraus wiederum die Varianten jenes Bildes in den unterschiedlichen →Stilen. Hinweis: Ebenso wie die Verwendung und Interpretation von „peng“.

Betrachten wir „Feng“ und „Shou“, dann liegt wiederum „Fengshou(i)“ bzw. „Feng shui“ sehr nahe: „Hand anzulegen, um Energien zu wandeln“!

Interessant ist auch die Erwähnung des Sagenvogels Phönix. In fast allen Kulturen der Erde ist bekannt, dass jener Vogel bei/zum Tode sich selbst vollständig in Feuer auflöst, um schließlich aus der Asche völlig neu zu entstehen.

Eine Allegorie dafür, dass zuvor sämtliche materielle Erscheinung nahezu vollständig „zersetzt“ bzw. „aufgelöst“ werden muss, bevor „aus der Asche“ etwas „Junges“, „Neues“ entstehen kann.

Damit ebenso auch →„yin und yang“ also →TAI CHI: „yin wird zu yang (geführt)“ und „yang wird wieder zu yin (geführt)“.

Die Anwendung Tai Chi kann(!) also auch im Kampf immer nur mit „Ausgleich (der Energien)“ erfolgen. Geschieht dies auf andere Art und Weise, dann ist es eben nicht Tai Chi, sondern eine äußere Kampfkunst.

Ein „→Block„, eine Abwehr der äußeren Kampfkünste, erwidert „Hartes“ mit „Hartem“ – daher kann mit „Abwehren“ dies im Tai Chi NICHT gemeint sein!

Ebenso ist simplifizierend: „Das Weiche kontert das Harte“ zwar prinzipiell richtig und ein sehr gutes Beispiel, um „die übliche Denkweise“ zu durchbrechen, aber „nicht immer“ ausführbar bzw. „gültig“ und vor allem nicht vollständig, da ja „in der inneren Kampfkunst“ mehrere „Energien“ bzw. „Manifestationen“ durch zuvor erfolgtes „Hören“ und „Verstehen“ bekannt sind!

Das →Modell der „Ba Gua“, also „die Acht Manifestationen“, liefert hierzu eine differenziertere Einteilung: „Himmel“, „Erde“, „Wasser“, „Feuer“, „Berg“, „See“, „Donner“ und „Wind“, sowie die dazugehörigen Grundtechniken: „peng“ mit „kien“, „lu/lü“ mit „kun“, „ji“ mit „kan“, „an“ mit „li“, „tsai“/“cai“ mit „sun“, „lie/lieh“ mit „chen“ , „chou/zhou/zhon“ mit „dui“ und „kao“ mit „ken“.

Und somit wird in jenem Modell „peng“ zur „Manifestierung Himmel“ und nicht nur (rein) „Abwehr“ (nach vorne/außen/oben)!

Das „→Konter, die „Entgegnung“ eines Angriffs erfolgt dann mit dem →Komplementär.
Der Komplementär entspricht dem „Gegenteil“, die genau der auf der „gegenüberliegende Seite der Münze“ vorhandene „Erscheinung“, „Kraft“, „Manifestation“.

Yin und Yang: Treffen zwei absolut komplementäre Kräfte aufeinander, so lösen sich deren „Wirkungen“ auf, werden also „aufgelöst“. Damit erfolgt der „Ausgleich der Kräfte“.

Auf TAI CHI folgt „WU CHI“ („Ausgleich“, „Ruhe“, „Leer“, „das Nichts“)!

Dies entspricht der tatsächlichen „Abwehr“ in Tai Chi – und nichts anderes!

Fazit:

Die „Kampfkunst“ des Tai Chi (Chuan/juan) besteht also in der Meisterung „Vollständiger Wahrnehmung“ (dem „Hören“), der Meisterung des „Verstehen“ (die fortgesetzte Vervollständigung und Perfektionierung der eigenen Fähigkeiten und des Vertrauens darin) und der „Meisterung der Erscheinungsformen“ (dem „Erkennen einer bestimmten Manifestation“ gepaart mit „der Fähigkeit zum Ausgleich“) also „der Abwehr“.

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 089

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 89

[Lesezeit: 2-3min (ohne Querverweise) – Querverweise: 7 – Checker-Zeit: 1-2 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]

Meisterspruch 089:

„Der Gegner weiß nichts von mir, ich aber weiß alles über ihn.“

Eine →Transskription aus den →Tai-Chi-Klassikern.


Hintergrundinfo:

Dies ist einerseits der Umkehrschluss der Aussage: „Wer sich selbst kennt, kennt auch seinen Gegner.“ (aus den Taichi-Klassikern, welcher mit →Meisterspruch 83 behandelt wurde) – „Wir“ wissen also alles über den Gegner, weil „wir“ uns selbst kennen –
und andererseits ein Verhaltenshinweis, besser: Charaktereigenschaft (…in/für Kampfsituationen)!

…welcher wiederum – leider(!) – Mehrfachinterpretationen zulässt – z.B.:

1.) „Ich brauche gar nichts über den Gegner zu wissen und jener ebenfalls nichts von mir“;

oder
2.) „Es ist völlig egal, was der Gegner glaubt von mir zu wissen, es wird ihm keinerlei Hilfe im Kampf sein, weil ich mich so vollständig kenne, dass ich mich jedweder Veränderung ‚meines Zustandes‘ (Körperstellung, Haltung, Schwerpunkt, …, Gefühl[e], Empfindungen) bewusst bin und diese immer ändern kann“;

sowie auch:
3.) „Sobald es zum Kampf kommt: Gebe keinerlei Energie/Reaktion preis, sobald der Gegner ‚erscheint’/’beginnt‘, weißt Du eigentlich schon alles über ihn.“

Was bedeutet dies nun?

Zu jenem Zitat wird von manchen Meistern auch das „Katzenverhalten“ genannt, bzw. anhand des Beispieles einer (Haus-)Katze und deren Verhaltensweise das „chin na“ [s.d.a.: Glossareintrag: →chin na ] und „song“ [„kontemplative Entspannung, bei erhöhter Wachsamkeit“] erklärt.

Eine Katze liefert nicht nur das beste Beispiel für „song“:
Sicherlich habt ihr schon einmal beobachtet, dass eine schlafende Katze – meist handelt es sich dabei gar nicht um „Schlaf“, sondern eher um einen „Zustand des Energiesparmodus“ – sofort hellwach ist, wenn eine Maus an ihr vorbeiläuft oder ein Vogel nah genug vorbeifliegt. Die Katze scheint im tiefsten Schlaf, ist aber trotzdem immer wachsam.

Eine Katze gilt durch ihr Jagdverhalten auch als sehr gutes Beispiel für Verhalten in Kampfsituationen:
Wenn wir einer Katze beim Mäusefangen zusehen, können hierbei viele gute Taichi-Bewegungen beobachtet werden.

  • Sobald sie eine Maus erblickt, sinkt sie erst einmal tief in die Beine hinein und senkt den Schwerpunkt extrem ab;
  • Dann verharrt sie völlig still und unbewegt, wobei sie äußerlich völlig entspannt scheint;
  • Dann weiten sich ihre Augen und ihr Blick richtet sich konzentriert auf die Maus,
    – die Katze liegt nun völlig geduldig auf der Lauer,
    nur die Augen bringen die geistige Verfassung zum Ausdruck (es geht ums Töten der Beute, daran kommt keinerlei Zweifel mehr auf! – Anm.: Anders „sieht“ das beim Spielen aus!);
  • Wenn sich die Maus nicht bewegt, bewegt sich auch die Katze nicht!;
  • Sie wartet darauf, dass die Maus sich zur Flucht wendet – erst in jenem Moment schneidet sie dieser den Fluchtweg ab und „schlägt“ zu;
  • Anmerkung: Für die Katze gilt wirklich: „Die Maus weiß nichts von mir, aber ich weiß alles von der Maus“, oder?

Exkurs:
Die Beobachtung von Katzen bietet noch andere „Taichi-Sachen“, zum Beispiel:
-) Der Wechsel von An- und Entspannung, bzw. von Aktion und Rekreation;
-) Eine Katze kann im Sprung das Zehnfache ihrer Körperhöhe erreichen, indem sie vorher alle Muskeln und Sehnen völlig entspannt (wodurch sie leicht und beweglich wird) und diese dann „blitzartig“, in einem Sekundenbruchteil, anspannt und sofort wieder loslässt [welches im Tai Chi Chuan mit: „Yin werden, um Yang auszulösen, um wieder zu Yin zurückzukehren“ bezeichnet wird];
-) Eine Katze macht auch intensiv von „Yi“ (der „Bewegungsabsicht“) Gebrauch: Dabei muss man nur einmal auf die Augen der Katze genau achten, bevor sie losspringt. Es scheint, dass die Augen die Absicht schon vorher ins Ziel bringen;

Ergänzung
(Falls es jemand für nötig hält):
Nein, mit Hunden erfährt man dies leider nicht – so gern ich auch Hunde habe.

Ein Hund verhält sich (bei der Jagd) ganz anders: Er gebärdet sich wild, stürmisch, „närrisch“ und „rast“ einer Beute immer in gerader Linie hinterher. Der Hund läuft genau(!) zu jenem Punkt, wo „der Gegner“ zuerst war(!) und ändert dann erst „im Lauf“ die Bewegungsrichtung, um der Beute erneut zu folgen. Man könnte sagen: Er denkt nicht nach, sondern „rennt“ einfach los. „Erregung“, „Verwirrung“ beeinflussen den Hund, er setzt viel mehr auf „äußere Muskelkraft“ [Leistung, „→Li„] anstelle auf „→Yi“ (Absicht).
Dies lässt sich auch daran erkennen, dass ein [Haus-]Hund (immer) von einem Menschen „im Zaum“ gehalten, bzw. „geführt“ werden muss. Er „folgt“ diesem – auch bei der Jagd. „Von selbst“ würde er immer „losstürmen“ …und zwar so lange, bis er die Beute zu fassen kriegt …oder „einfach nicht mehr kann“! (klar: „uneingeschränkte Beharrlichkeit in einer Tätigkeit“ kann man von Hunden lernen, keine Frage – aber ob die Ausführung, sprich: „bis zur völligen Erschöpfung“ – immer klug und angebracht ist?)

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 088

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 88

[Lesezeit: 3-5min (ohne Querverweise) – Querverweise: 7 – Checker-Zeit: 1-2 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]

Meisterspruch 088:

„Durch Selbstschulung wirst du allmählich die interpretierende Energie [tung chin / dong jin(g)] begreifen lernen. Mit Hilfe der verstehenden Energie wirst du einen Zustand des Shen Ming [in etwa: ’spirituelle Erleuchtung‘] erreichen. Aber ohne lange, bemühte Übungszeit wird es dir nicht gelingen, ein unvermitteltes, klares Verständnis zu gewinnen.“

Eine →Transskription aus den →Tai-Chi-Klassikern.


Hintergrundinfo:

„tung chin“ (eine andere Schreibweise ist: „dong jin“) steht für „interpretierende Energie“ / „verstehende Energie“.

Das Schriftzeichen „tung“ (bzw. „dong“) ist zusammengesetzt aus einem Hauptzeichen „shin“, bzw. „Xin“, das für „Herz“ oder für „Geist“ steht. Rechts-Oben befindet sich das Zeichen „Cao“, welches sowohl für „Gras“ als auch „Ursprung der Dinge“ bedeuten kann. Darunter findet sich noch „Zhong“, ein Symbol, das die Vorstellung von „wichtigen und schwerwiegenden Angelegenheiten“ vermittelt.
Damit ließe sich nun – das zusammengesetzte Symbol – „tung“ übersetzen mit: „mit Herz und Verstand (Geist) die Wichtigkeit des Ursprungs einer Sache begreifen„.

„chin“ umfasst als “Sammelbegriff” die “innere Kräfte”, die „Energien“, welche herangebildet und (auch “nach außen gerichtet”) eingesetzt werden können. Mehr hierzu unter: →Glossareintrag chin.

„Shen Ming“ findet sich ebenfalls in einem eigenen Glossareintrag (→siehe dort).

Exkurs:
„chi“ – „chin“ – „shen“ gelten als die „drei Schätze“ ohne die das Leben nicht existieren könnte.

Die ersten beiden Worte des Meisterspruches geben wieder, „wie“ das alles erreicht wird: „Durch Selbstschulung“.

Wichtig:
Der „beste Meister“, der „beste Trainer“, die „beste Ausbildung“, „der beste Stil“, die „beste Tai Chi Schule“ bewirken GAR NICHTS – solange Du(!) nicht bereit bist, DICH SELBST darin zu schulen!

Tai Chi (Gung, Chuan, Quan, … also: Die „Methode des →TAI CHI, egal welcher mit lateinischen Buchstaben dargestellter Schreibweise) ist ein Pfad der der SELBST-Erfahrung, -Erkenntnis und -Schulung!

Dies ist oft die erste Hürde für den konsumorientierten westlichen Menschen: Tai Chi kann nicht „konsumiert“ werden.
Es ist nicht möglich, „einmal einen Kurs“ zu absolvieren und dadurch „Tai Chi“ zu erhalten.
Ebensowenig ist es kaum möglich, „sich einmal Tai Chi zeigen zu lassen“.

Genauso ist es „dem besten Meister“ unmöglich, Dir „sein Tai Chi“ zu schenken, „übergeben“ oder „zu verleihen“ bzw. „zu übertragen“.

Denn die „Methode des Tai Chi“ ist ein Prozess der Selbst-Schulung und Selbst-Perfektion.

Das ist meistens die zweite Hürde: Dieser Prozess verlangt Arbeit, Einsatz und Beteiligung.

Und viele scheitern an der dritten Hürde: Die „Perfektion“ verlangt „das Ständige Bemühen um“ / „die Pflege von“ also die Kontinuität in „→Gung„.

Exkurs:
Deshalb vergleichen wir dies gerne mit dem Erlernen und der kontinuierlichen Pflege eines Kunsthandwerks. Die „Meister“ eines Kunsthandwerks „entstehen“ durch dessen regelmäßige Anwendung, Verbesserung und Perfektionierung desselben.

Die Kernaussagen kompakt:

  • Fortgesetzte Selbstschulung führt – automatisch (früher oder später) – zum „Verständnis der Energien (des Tai Chi)“,
  • „Das Verständnis der Energien und deren Anwendung“ führt schließlich – automatisch – zu „Shen ming“,
  • Alles das erreichst Du nur, wenn Du Dich selbst(!) fortgesetzt und kontinuierlich darin übst;

Ergänzung
…und es existieren keine „Abkürzungen“ oder „Instant-Checker-Wege“!
Alles unterliegt „der natürlichen Entwicklung“ und dem „natürlichen Wachstum der Natur“.

Was sonst: Es kann weder „etwas erzwungen“ noch „willentlich beschleunigt“ werden!
Es kann etwas nur, entsprechend der jeweiligen Anforderungen/Zeit/Umstände/Bedürfnisse/Voraussetzungen usw., also „korrekt“, gepflegt werden.

Daher spricht man ja auch von „→Kung Fu“ (Gung fu / gong fu): „das ständige – nicht obsessive(!) – Bemühen um die Meisterschaft/die Perfektion in einer bestimmten Disziplin“.
Hier eben: „Tai Chi Gung Fu“.

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 087

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 87

[Lesezeit: 5-10min (ohne Querverweise) – Querverweise: 7 – Checker-Zeit: 1-2 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]

Meisterspruch 087:

„Wenn der Bauch vollständig entspannt ist, kann das Chi aufsteigen und durch den gesamten Körper fließen.“

Eine →Transskription aus den →Tai-Chi-Klassikern.


Hintergrundinfo:

Aus den Taichi-Klassikern kennen wir schon: „Lass das Chi ins →Dan Tien sinken“.
Bei entspannter Bauchdecke sammelt sich das Chi (automatisch) auf ganz natürliche Weise im Dan Tien. Nachdem es sich dort gesammelt hat und „angeregt“ worden ist, kann es bei Ausatemvorgängen aufsteigen und durch den Körper fließen.

Beide „Meisteranweisungen“ entsprechen dem [empfohlenen] Atmungsvorgang bei Tai Chi Gung: Wir entspannen also den Bauchbereich völlig!
Beim Einatmen soll sich die Bauchdecke außen wölben -.
Beim Ausatmen „zieht“ sich die Bauchdecke zurück.
Wir bewegen also, nur ganz leicht, die Bauchmuskeln – die Hauptarbeit übernimmt das Zwerchfell. Die Bauchmuskeln folgen dem Atemvorgang und bleiben jederzeit beweglich.

Ein angespannter „Waschbrettbauch“ erlaubt also weder eine entspannte Zwerchfellatmung, noch einen „dazugehörigen“ Chi-Fluß. Erst wenn der Bauch entspannt ist, dann ist dies möglich.

Natürlich gilt das genauso für das „andere Extrem“, wenn wir schon über den Bauch sprechen: Eine „abstehende Wampe“ ist mit „entspanntem Bauch“ ebenfalls nicht gemeint.
Denn: So wie „das Waschbrett“ eine Bauchdeckenbewegung nach außen verhindert, so verhindert „die Bauchkugel“, eine Bauchdeckenbewegung nach innen!

Beide „körperlichen (Extrem-) Zustände“ behindern eine „natürlich tiefe Bauchatmung“, sowie den dazugehörigen Chi-Fluß und beeinträchtigen damit Lebenskraft, Gesundheit und Wohlbefinden.

Und wer dem Irrglauben unterliegt, dass ein „entspannter Bauch“ keine Bauchmuskeln mehr hätte, vergisst dabei, dass mit der Umstellung auf „natürlich tiefe Bauchatmung“ („Zwerchfellatmung“), die Bauchmuskeln automatisch 24 Stunden am Tag mit jedem Atemvorgang trainiert werden – ich brauche keine Situps für „einen Waschbrettbauch“ mehr – wozu denn auch?
… und ich kann jederzeit – sowohl in Innen- als auch Außenstellung – meinen Bauch „verhärten“, falls nötig.

Darüber hinaus: Entspannung = erhöhte Beweglichkeit

Dies ist im Grunde so simpel, dass dies immer wieder „übersehen“ wird: Die allgemeine Fähigkeit zur Beweglichkeit (vor allem im Alter) ist ein Zusammenspiel von Körper und Geist, sowie die regelmäßige „Benutzung“ selbiger.

Die „Geisteshaltung“ führt zum „Einsatz“ der Glieder, die „Entspannung“ ermöglicht einen angebrachten Muskeltonus zur Ausführung der Bewegung, sowie das (geeignete) „Loslassen“ von Sehnen, um eine Bewegung „korrekt“ ausführen zu können.

Wer rastet, der rostet.

Die Aussage „Wer rastet, der rostet“ trifft exakt.
Nur durch regelmäßige, nicht übertriebene, nicht obsessiv „auf einen Zeitpunkt“ konzentrierte Anwendung/Bewegung von Gliedern, Muskeln, Muskelgruppen, usw. usf., erhält man sowohl „die Beweglichkeit“ an und für sich und verhindert „das Einrosten“ (…und zwar: Sowohl physisch, als auch psychisch oder mental!).

Ist erst einmal „Rost angesetzt“, dann muss dieser selbstverständlich zuerst einmal „behandelt“ werden (Mobilisierung, Kur, …, Physiotherapie usw.).
Danach kann man erst wieder „durch regelmäßige Bewegung“ „aller“ Glieder, die Beweglichkeit bis ins hohe Alter aufrecht erhalten.

Besser ist es daher, gar keinen Rost ansetzen zu lassen.

Es gilt also für sich selbst ein „Übungssystem“ zu finden, welches man „tagtäglich“ und „jederzeit“, wenn man möchte, verwenden kann und gleichzeitig „ganzheitlich“ alle möglichen – natürlichen(!) – Bewegungen des Körpers und zugleich(!) des Geistes(!) betrifft, damit diese Bereiche „trainiert“ und somit deren Funktion und damit „meine Gesundheit & Wohlbefinden“ aufrecht erhält.

Dies alles bietet Tai Chi Gung„Die regelmäßige Pflege der Kunst des Tai Chi“.

Exkurs:
Pilates, Krafttraining, Stretching usw. sind alles tolle Sachen, um auch im Alter körperlich(!) beweglich und fitt zu bleiben.

Die Asanas im Yoga sind ebenfalls nicht zu verachten – mir persönlich fehlt dabei aber „die Fortbewegung im Raum“.

ABER: Zusätzlich benötigt man dann – separat(!) – noch ein Übungssystem mit welchen man „sein Hirn“ ebenfalls trainiert.
Also muss zusätzlich(!) noch ein weiteres Übungssystem dazugenommen werden, damit auch die „geistigen Fähigkeiten“ trainiert und aufrecht erhalten werden.
Dazu wird dann Schach oder „Kreuzworträtseln“ empfohlen.
Dann gäbe es noch den „kreativen/künstlerischen“ Aspekt: Wie wird dieser dann gefördert/aufrecht erhalten?

Hm? – Was nun?
Tja, es gab da vor Jahrhunderten in China einen ehemaligen Beamten, der zum Mönch im →Wu Dang – Gebirge wurde und sich überlegte, wie man „die fünf Künste“, welche zur damaligen Zeit vom „Bürgertum“ und „Adel“ gepflegt wurden, vereinen könnte, ohne jeweils separat dafür Zeit aufbringen zu müssen. Er schaffte das und wurde somit zum „Erfinder“ dieser neuen Methode, welche dann als Tai Chi (Chuan) in die Geschichte einging. → Ursprung des Tai Chi

Anmerkung:
Damit schließt sich ebenfalls ein Kreis zu den Aussagen, das Training von Tai Chi führe dazu, die daraus gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen auch im täglichen Leben zu integrieren.

Es beginnt für den einen damit, seine „Atemtechnik“ bewußt umzustellen und ist dies gelungen, dann atmet dieser Mensch automatisch ohne Nachzudenken auf jene Art und Weise und trainiert damit automatisch diesen Tai Chi →Aspekt tagtäglich.

Ein anderer „müht“ sich anfänglich 2-3x die Woche seine Körperhaltung, Stellungen und Schritte bewußt nach Tai Chi – Kriterien auszuführen – nach einer Phase der „Gewöhnung“ oder „Umstellung“, oder wie auch immer man dies bezeichnen möge, gelingt es ihm, die „korrekte“ Körperhaltung, Bewegung und Schrittformen automatisch auszuführen, um dann „plötzlich“ festzustellen, dass er/sie diese „ständig“, ohne Nachzudenken, auch bei „alltäglichen“ Bewegungen/Haltungen auszuführen vermag …und damit ebenfalls tagtäglich Tai Chi trainiert, ohne eigenlich eine „separate“ Trainingseinheit eingeplant zu haben.

Mein Tipp: Wenn Du wieder einmal bei körperlicher Betätigung im Alltag, bei der Arbeit, bei (wiederholenden) Bewegungsvorgängen, sowie auch bei zu lange fehlender körperlicher Bewegung, oder danach, feststellst, dass „irgendetwas“ nicht passt, „zwickt“, „wehtut“, „schmerzt“, „steif ist/wird“ usw., dann frage Dich einfach: „Wie würde das nach Tai Chi – Kriterien ablaufen/vollzogen werden?“ …und mache es dann einfach so!

Fazit:

Nur durch Entspannung kann sowohl der Chi-Fluss, als auch die Beweglichkeit aufrecht erhalten werden. …und diese muss täglich sowohl ins „Trainingssystem aller Aspekte“, als auch in das (ganzheitliche, also: Körper, Geist und Seele) Alltags-Verhalten integriert werden.
„Anspannung“, „Verhärtung“, „Stillstand“ führt letztendlich zu „Rost“.

Exkurs:
Ist „der Rost“ einmal da, dann ist zuerst eine „Rostbehandlung“ nötig. Also „akute Maßnahmen“. Dazu sind entsprechende Hilfestellungen (entsprechende „Handwerker zur Entrostung“) nötig.
Tai Chi Gung dann zu beginnen, ist nicht das geeignete Mittel dazu. Ist der „Rost in Behandlung“, so kann Tai Chi ideal als Begleitmaßnahme und sowohl „danach“, als auch prinzipiell, als „präventive Maßnahme“ gesehen werden, damit „kein Rost mehr angesetzt wird“.