100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 88
[Lesezeit: 3-5min (ohne Querverweise) – Querverweise: 7 – Checker-Zeit: 1-2 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]
Meisterspruch 088:
„Durch Selbstschulung wirst du allmählich die interpretierende Energie [tung chin / dong jin(g)] begreifen lernen. Mit Hilfe der verstehenden Energie wirst du einen Zustand des Shen Ming [in etwa: ’spirituelle Erleuchtung‘] erreichen. Aber ohne lange, bemühte Übungszeit wird es dir nicht gelingen, ein unvermitteltes, klares Verständnis zu gewinnen.“
Eine →Transskription aus den →Tai-Chi-Klassikern.
Hintergrundinfo:
„tung chin“ (eine andere Schreibweise ist: „dong jin“) steht für „interpretierende Energie“ / „verstehende Energie“.
Das Schriftzeichen „tung“ (bzw. „dong“) ist zusammengesetzt aus einem Hauptzeichen „shin“, bzw. „Xin“, das für „Herz“ oder für „Geist“ steht. Rechts-Oben befindet sich das Zeichen „Cao“, welches sowohl für „Gras“ als auch „Ursprung der Dinge“ bedeuten kann. Darunter findet sich noch „Zhong“, ein Symbol, das die Vorstellung von „wichtigen und schwerwiegenden Angelegenheiten“ vermittelt.
Damit ließe sich nun – das zusammengesetzte Symbol – „tung“ übersetzen mit: „mit Herz und Verstand (Geist) die Wichtigkeit des Ursprungs einer Sache begreifen„.
„chin“ umfasst als Sammelbegriff die innere Kräfte, die „Energien“, welche herangebildet und (auch nach außen gerichtet) eingesetzt werden können. Mehr hierzu unter: →Glossareintrag chin.
„Shen Ming“ findet sich ebenfalls in einem eigenen Glossareintrag (→siehe dort).
Exkurs:
„chi“ – „chin“ – „shen“ gelten als die „drei Schätze“ ohne die das Leben nicht existieren könnte.
Die ersten beiden Worte des Meisterspruches geben wieder, „wie“ das alles erreicht wird: „Durch Selbstschulung“.
Wichtig:
Der „beste Meister“, der „beste Trainer“, die „beste Ausbildung“, „der beste Stil“, die „beste Tai Chi Schule“ bewirken GAR NICHTS – solange Du(!) nicht bereit bist, DICH SELBST darin zu schulen!
Tai Chi (Gung, Chuan, Quan, … also: Die „Methode des →TAI CHI„, egal welcher mit lateinischen Buchstaben dargestellter Schreibweise) ist ein Pfad der der SELBST-Erfahrung, -Erkenntnis und -Schulung!
Dies ist oft die erste Hürde für den konsumorientierten westlichen Menschen: Tai Chi kann nicht „konsumiert“ werden.
Es ist nicht möglich, „einmal einen Kurs“ zu absolvieren und dadurch „Tai Chi“ zu erhalten.
Ebensowenig ist es kaum möglich, „sich einmal Tai Chi zeigen zu lassen“.
Genauso ist es „dem besten Meister“ unmöglich, Dir „sein Tai Chi“ zu schenken, „übergeben“ oder „zu verleihen“ bzw. „zu übertragen“.
Denn die „Methode des Tai Chi“ ist ein Prozess der Selbst-Schulung und Selbst-Perfektion.
Das ist meistens die zweite Hürde: Dieser Prozess verlangt Arbeit, Einsatz und Beteiligung.
Und viele scheitern an der dritten Hürde: Die „Perfektion“ verlangt „das Ständige Bemühen um“ / „die Pflege von“ also die Kontinuität in „→Gung„.
Exkurs:
Deshalb vergleichen wir dies gerne mit dem Erlernen und der kontinuierlichen Pflege eines Kunsthandwerks. Die „Meister“ eines Kunsthandwerks „entstehen“ durch dessen regelmäßige Anwendung, Verbesserung und Perfektionierung desselben.
Die Kernaussagen kompakt:
- Fortgesetzte Selbstschulung führt – automatisch (früher oder später) – zum „Verständnis der Energien (des Tai Chi)“,
- „Das Verständnis der Energien und deren Anwendung“ führt schließlich – automatisch – zu „Shen ming“,
- Alles das erreichst Du nur, wenn Du Dich selbst(!) fortgesetzt und kontinuierlich darin übst;
Ergänzung
…und es existieren keine „Abkürzungen“ oder „Instant-Checker-Wege“!
Alles unterliegt „der natürlichen Entwicklung“ und dem „natürlichen Wachstum der Natur“.
Was sonst: Es kann weder „etwas erzwungen“ noch „willentlich beschleunigt“ werden!
Es kann etwas nur, entsprechend der jeweiligen Anforderungen/Zeit/Umstände/Bedürfnisse/Voraussetzungen usw., also „korrekt“, gepflegt werden.
Daher spricht man ja auch von „→Kung Fu“ (Gung fu / gong fu): „das ständige – nicht obsessive(!) – Bemühen um die Meisterschaft/die Perfektion in einer bestimmten Disziplin“.
Hier eben: „Tai Chi Gung Fu“.
