100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 87
[Lesezeit: 5-10min (ohne Querverweise) – Querverweise: 7 – Checker-Zeit: 1-2 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]
Meisterspruch 087:
„Wenn der Bauch vollständig entspannt ist, kann das Chi aufsteigen und durch den gesamten Körper fließen.“
Eine →Transskription aus den →Tai-Chi-Klassikern.
Hintergrundinfo:
Aus den Taichi-Klassikern kennen wir schon: „Lass das Chi ins →Dan Tien sinken“.
Bei entspannter Bauchdecke sammelt sich das Chi (automatisch) auf ganz natürliche Weise im Dan Tien. Nachdem es sich dort gesammelt hat und „angeregt“ worden ist, kann es bei Ausatemvorgängen aufsteigen und durch den Körper fließen.
Beide „Meisteranweisungen“ entsprechen dem [empfohlenen] Atmungsvorgang bei Tai Chi Gung: Wir entspannen also den Bauchbereich völlig!
Beim Einatmen soll sich die Bauchdecke außen wölben -.
Beim Ausatmen „zieht“ sich die Bauchdecke zurück.
Wir bewegen also, nur ganz leicht, die Bauchmuskeln – die Hauptarbeit übernimmt das Zwerchfell. Die Bauchmuskeln folgen dem Atemvorgang und bleiben jederzeit beweglich.
Ein angespannter „Waschbrettbauch“ erlaubt also weder eine entspannte Zwerchfellatmung, noch einen „dazugehörigen“ Chi-Fluß. Erst wenn der Bauch entspannt ist, dann ist dies möglich.
Natürlich gilt das genauso für das „andere Extrem“, wenn wir schon über den Bauch sprechen: Eine „abstehende Wampe“ ist mit „entspanntem Bauch“ ebenfalls nicht gemeint.
Denn: So wie „das Waschbrett“ eine Bauchdeckenbewegung nach außen verhindert, so verhindert „die Bauchkugel“, eine Bauchdeckenbewegung nach innen!
Beide „körperlichen (Extrem-) Zustände“ behindern eine „natürlich tiefe Bauchatmung“, sowie den dazugehörigen Chi-Fluß und beeinträchtigen damit Lebenskraft, Gesundheit und Wohlbefinden.
Und wer dem Irrglauben unterliegt, dass ein „entspannter Bauch“ keine Bauchmuskeln mehr hätte, vergisst dabei, dass mit der Umstellung auf „natürlich tiefe Bauchatmung“ („Zwerchfellatmung“), die Bauchmuskeln automatisch 24 Stunden am Tag mit jedem Atemvorgang trainiert werden – ich brauche keine Situps für „einen Waschbrettbauch“ mehr – wozu denn auch?
… und ich kann jederzeit – sowohl in Innen- als auch Außenstellung – meinen Bauch „verhärten“, falls nötig.
Darüber hinaus: Entspannung = erhöhte Beweglichkeit
Dies ist im Grunde so simpel, dass dies immer wieder „übersehen“ wird: Die allgemeine Fähigkeit zur Beweglichkeit (vor allem im Alter) ist ein Zusammenspiel von Körper und Geist, sowie die regelmäßige „Benutzung“ selbiger.
Die „Geisteshaltung“ führt zum „Einsatz“ der Glieder, die „Entspannung“ ermöglicht einen angebrachten Muskeltonus zur Ausführung der Bewegung, sowie das (geeignete) „Loslassen“ von Sehnen, um eine Bewegung „korrekt“ ausführen zu können.
Wer rastet, der rostet.
Die Aussage „Wer rastet, der rostet“ trifft exakt.
Nur durch regelmäßige, nicht übertriebene, nicht obsessiv „auf einen Zeitpunkt“ konzentrierte Anwendung/Bewegung von Gliedern, Muskeln, Muskelgruppen, usw. usf., erhält man sowohl „die Beweglichkeit“ an und für sich und verhindert „das Einrosten“ (…und zwar: Sowohl physisch, als auch psychisch oder mental!).
Ist erst einmal „Rost angesetzt“, dann muss dieser selbstverständlich zuerst einmal „behandelt“ werden (Mobilisierung, Kur, …, Physiotherapie usw.).
Danach kann man erst wieder „durch regelmäßige Bewegung“ „aller“ Glieder, die Beweglichkeit bis ins hohe Alter aufrecht erhalten.
Besser ist es daher, gar keinen Rost ansetzen zu lassen.
Es gilt also für sich selbst ein „Übungssystem“ zu finden, welches man „tagtäglich“ und „jederzeit“, wenn man möchte, verwenden kann und gleichzeitig „ganzheitlich“ alle möglichen – natürlichen(!) – Bewegungen des Körpers und zugleich(!) des Geistes(!) betrifft, damit diese Bereiche „trainiert“ und somit deren Funktion und damit „meine Gesundheit & Wohlbefinden“ aufrecht erhält.
Dies alles bietet Tai Chi Gung – „Die regelmäßige Pflege der Kunst des Tai Chi“.
Exkurs:
Pilates, Krafttraining, Stretching usw. sind alles tolle Sachen, um auch im Alter körperlich(!) beweglich und fitt zu bleiben.Die Asanas im Yoga sind ebenfalls nicht zu verachten – mir persönlich fehlt dabei aber „die Fortbewegung im Raum“.
ABER: Zusätzlich benötigt man dann – separat(!) – noch ein Übungssystem mit welchen man „sein Hirn“ ebenfalls trainiert.
Also muss zusätzlich(!) noch ein weiteres Übungssystem dazugenommen werden, damit auch die „geistigen Fähigkeiten“ trainiert und aufrecht erhalten werden.
Dazu wird dann Schach oder „Kreuzworträtseln“ empfohlen.
Dann gäbe es noch den „kreativen/künstlerischen“ Aspekt: Wie wird dieser dann gefördert/aufrecht erhalten?Hm? – Was nun?
Tja, es gab da vor Jahrhunderten in China einen ehemaligen Beamten, der zum Mönch im →Wu Dang – Gebirge wurde und sich überlegte, wie man „die fünf Künste“, welche zur damaligen Zeit vom „Bürgertum“ und „Adel“ gepflegt wurden, vereinen könnte, ohne jeweils separat dafür Zeit aufbringen zu müssen. Er schaffte das und wurde somit zum „Erfinder“ dieser neuen Methode, welche dann als Tai Chi (Chuan) in die Geschichte einging. → Ursprung des Tai Chi
Anmerkung:
Damit schließt sich ebenfalls ein Kreis zu den Aussagen, das Training von Tai Chi führe dazu, die daraus gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen auch im täglichen Leben zu integrieren.
Es beginnt für den einen damit, seine „Atemtechnik“ bewußt umzustellen und ist dies gelungen, dann atmet dieser Mensch automatisch ohne Nachzudenken auf jene Art und Weise und trainiert damit automatisch diesen Tai Chi →Aspekt tagtäglich.
Ein anderer „müht“ sich anfänglich 2-3x die Woche seine Körperhaltung, Stellungen und Schritte bewußt nach Tai Chi – Kriterien auszuführen – nach einer Phase der „Gewöhnung“ oder „Umstellung“, oder wie auch immer man dies bezeichnen möge, gelingt es ihm, die „korrekte“ Körperhaltung, Bewegung und Schrittformen automatisch auszuführen, um dann „plötzlich“ festzustellen, dass er/sie diese „ständig“, ohne Nachzudenken, auch bei „alltäglichen“ Bewegungen/Haltungen auszuführen vermag …und damit ebenfalls tagtäglich Tai Chi trainiert, ohne eigenlich eine „separate“ Trainingseinheit eingeplant zu haben.
Mein Tipp: Wenn Du wieder einmal bei körperlicher Betätigung im Alltag, bei der Arbeit, bei (wiederholenden) Bewegungsvorgängen, sowie auch bei zu lange fehlender körperlicher Bewegung, oder danach, feststellst, dass „irgendetwas“ nicht passt, „zwickt“, „wehtut“, „schmerzt“, „steif ist/wird“ usw., dann frage Dich einfach: „Wie würde das nach Tai Chi – Kriterien ablaufen/vollzogen werden?“ …und mache es dann einfach so!
Fazit:
Nur durch Entspannung kann sowohl der Chi-Fluss, als auch die Beweglichkeit aufrecht erhalten werden. …und diese muss täglich sowohl ins „Trainingssystem aller Aspekte“, als auch in das (ganzheitliche, also: Körper, Geist und Seele) Alltags-Verhalten integriert werden.
„Anspannung“, „Verhärtung“, „Stillstand“ führt letztendlich zu „Rost“.
Exkurs:
Ist „der Rost“ einmal da, dann ist zuerst eine „Rostbehandlung“ nötig. Also „akute Maßnahmen“. Dazu sind entsprechende Hilfestellungen (entsprechende „Handwerker zur Entrostung“) nötig.
Tai Chi Gung dann zu beginnen, ist nicht das geeignete Mittel dazu. Ist der „Rost in Behandlung“, so kann Tai Chi ideal als Begleitmaßnahme und sowohl „danach“, als auch prinzipiell, als „präventive Maßnahme“ gesehen werden, damit „kein Rost mehr angesetzt wird“.
