100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 86
[Lesezeit: 2-3min (ohne Querverweise) – Querverweise: 8 – Checker-Zeit: 3-5 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]
Meisterspruch 086:
„Stimuliere das Chi in aller Ruhe, Geist und Lebenskraft sind innerlich gesammelt“
Eine →Transskription aus den →Tai-Chi-Klassikern.
Hintergrundinfo:
Die theoretische und praktische Beherrschung der [wesentlichen] Energien ist der eigentliche Inhalt, Zweck und damit Ziel des Taijiquan (Tai Chi Chuan).
(Siehe dazu auch: →Arbeitsmodelle).
Heutzutage wird sehr oft der Gesundheitsaspekt vorangestellt und die anderen →Aspekte (u.a.: innere Vorgänge, defensive Kampfkunst oder auch spirituelle Perspektiven) vernachlässigt, als hätten jene kaum etwas zu einer guten körperlichen und geistigen Verfassung beizutragen.
Wir im →Tai Chi Gung – Landessportverein sind daher bemüht, immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass „alle Aspekte“ „wichtig“ und „notwendig“ sind, um die durch die Übung von Tai Chi zu erfahrenden Vorteile, wie gesteigerte Vitalität, „unverrückbare Gelassenheit“, erfüllende Existenz, sowie mentale Fitness bis ins hohe Alter, erreicht und erhalten(!) werden können.
Leider sind viele Taichi-Übende – natürlich immer: woanders! (nicht bei uns, logisch, oder?) – der irrigen Meinung, dass allein durch Erlernen einer Soloform (und natürlich auch der Meinung: Je komplexer, desto besser), sowie dass, alleinig durch langsames, spielerisches Üben der Zustand der Entspannung erreicht werden könnte. Und obwohl jene während der Übungen eine spürbare Beruhigung oder gar eine friedliche Geistesverfassung empfinden, erfahren sie doch nicht den „nachhaltigen“ Zustand, den die Meister der Vergangenheit mit „song“, also mit „bewusste und feinfühlige Entspannung“, bezeichneten.
Um diesen „fast katzenhaften Entspannungszustand“ zu erreichen, müssen sowohl Körper als auch Geist einen „Reifungsprozess“ durchlaufen.
Exkurs:
Als ein (Beobachtungs-)“Test“ (für Trainer) kann zB. angesehen werden, wenn durch „spontane“ Richtungs-, Lastwechsel (der Beine) oder Bewegungsrichtungswechsel das Gleichgewicht beibehalten werden kann – oder eben nicht.
Oder:
Bei Schub- oder Zugbewegung wird die Entspannung geprüft – Ein „kurzer“, „unerwarteter“, ganz sanfter Test-Schubser bringt jemanden aus dem Gleichgewicht oder derjenige reagiert „hektisch“ und „unbeholfen“, obwohl selbiger „eigentlich“ schon „jahrelang“ Taichi-Formen „gemacht hat“.
Oder:
Ein „Zuruf“, „eine Bewegung am Rande des Gesichtsfeldes“, „Gepräche“ etc. – also: ein „äußerer Umwelteinfluss“ stört die Konzentration …und derjenige „steht nicht mehr richtig“, „wackelt auf einem Bein“ etc.pp.
Für Trainer: Ein „Argument“ für das Training im Freien, um auch zu lernen, damit „umzugehen“ und „sich niemals aus der Ruhe bringen zu lassen, egal, was passiert“ – manchmal auch als [psychologische] Übung: „Taichi zu trainiern, egal, was ‚die Umgebung‘ sich dabei denken mag/soll/darf.“ [Stichwort: „Selbstbewusstsein“, „Selbst-Sicher-heit“].Exkurs 2:
Interessanterweise findet sich auch in den ursprünglichen Lehren Buddhas (u.a. mit der Überliefung zum „Der Edle Achtfache Pfad„, welcher in allen drei unterschiedlichen kanonischen Ausgaben im gleichen Wortlaut wiedergegeben wird) die Aussage: „Der Edle Achtfache Pfad ist der Pfad der Bewusstheit, und Achtsamkeit ist seine Grundlage.“. Womit auch ersichtlich wird, weshalb in allen Praktiken der dortigen Lehren, egal welcher Ausprägung, „Psychohygiene“ und „Selbst-Beherrschung“ als „unverzichtbare Grundlagenübung“ für weiteres Voranschreiten vorausgesetzt wird.
Fazit:
Ohne wenigstens ein Minimum „innerer Energiebeherrschung“ wird ein interessierter „Laie“ kaum das wahre, von den großen Meistern überlieferte „Taichi→Chuan“ üben können.
Darin stimme ich mit alten Meistern überein: Nicht die Anzahl, Länge oder Komplexität einer →Form bestimmt den „Grad der Meisterschaft“ [den „Meisterschaftsfortschritt“], sondern die Beherrschung der Aspekte (aller Aspekte!) aller(!) jener Bilder, welche man in einer Form übt …ungeachtet dessen, wie lange oder umfangreich jene auch sein möge.
…und ebenfalls wichtig zu erwähnen: Die →Meisterschaft zeigt sich NICHT darin, „fehlerlos“ zu sein! – Die (wahre) Meisterschaft zeigt sich darin, die (selbst) gemachten Fehler immer rascher(!) und „besser“ erkennen zu können, als auch, diese immer besser und besser, sowie immer rascher, „korrigieren“ zu können, um damit „schneller voranzuschreiten“. Damit man „für heute“ die Übung abschließen und „morgen“ wieder „von vorn(!)“ / „von Anfang an(!)“ beginnen kann.
