Als Transkription ist die Umschrift eines Textes von einem Schriftsystem in ein anderes gemeint. Allgemein mit „Übertragung“ bezeichnen wir Texte, welche dann aus Transkriptionen in die jeweilige (Landes-)Sprache übersetzt wurden.
Beispiel:
„Wu Chi“ = eine Transkription im engeren Sinn (die „reine Umschrift“).
Übersetzungen davon: „Alles und Nichts“, „Die Große Leere“, „Das ohne Firstbalken“ stellen dann Transkriptionen im weiteren Sinne dar, welche wir beim Tai Chi Gung – Landessportverein auch als „→Übertragung“ bezeichnen.
Exkurs:
Sehr häufig ist in Publikationen nicht zu unterscheiden, ob ein Text „direkt“ aus dem Chinesischen übersetzt wurde, oder ein zuvor (ins Lateinische) transkripierter Text als Quelle für die Übersetzung herangezogen wurde.
Manchesmal ist eben unter einer Transskription beides gemeint: Eine Übersetzung auf Grundlage zuvor bereits erfolgter Umschrift – wir nennen dies dann Übertragung.
Wichtig: „Übertragungen“ ins Deutsche können dabei auch „mehrstufig“ sein, da der deutsche Text eine Übersetzung aus dem Englischen darstellen kann, der wiederum aus Transkriptionen von Chinesischen Wörtern und Begriffen stammen kann. (Problematik erkannt?).
Wir treffen bei der Pflege von Tai Chi in theoretischen Belangen oft auf Transkriptionen von chinesischen Schriftzeichen ins Lateinische („unsere Schrift“).
Also Wörter und Begriffe, welche „Chinesisch“ in lateinischen Buchstaben wiedergeben (sollen).
Dabei trifft man als westlicher Mensch schon auf die erste Problematik:
Welche Transkriptions-Schreibweise wurde verwendet?
Sprich: Nach welchen „Umschrifts-Regeln“ wurde ein „chinesischer Laut“ in lateinische Buchstaben „gewandelt“?
Die „reine“ Transkription stellt (nur) eine Umschrift von Lauten dar.
Ursprünglich haben westliche Besucher „einfach“ in lateinischen Buchstaben niedergeschrieben, was sie ihrem eigenen Empfinden nach, entsprechend ihres persönlichen Sprachempfindens (regional, kulturell geprägt und je nach „Schulausbildung“) (heraus-)“gehört“ haben und für „richtig“ hielten.
Irgendwann einmal einigte man sich auf ein System, wie welche Laute, niederzuschreiben sind und empfahl dann jenes von den Autoren Wade und Giles und nannte dies →Wades-Giles-System. Dieses folgt dem amerikanisch-englischen Lautempfinden und Texte beinhalten dann dementsprechend viele Apostrophe, welche Einzellaute und Betonungen hervorheben sollte.
Eben: „T’ai Ch’i“ – womit ein hartes, betontes „T“ und ein (englischsprachiges) „tsch“, ebenfalls betont, hervorgehoben werden sollte. [Also hier geschrieben „Ch“, soll als „tsch“ gesprochen werden].
Jene Texte entsprechen dann eher einer „Lautsprachen-Sammlung“ (wie man diese von aktuellen Fremdwörterbüchern als Lautsprachenangabe kennt), als einem „gewohnt“ lesbarem Text gängiger Literatur.
In Folge haben dann anderssprachige Europäer (Deutsche, Franzosen, Spanier, …), sowie auch spätere amerikanische Autoren aus Bequemlichkeit, entweder einfach die ganzen Apostrophe weggelassen, oder eben andere(!) Lateinische Buchstaben für Laute von „tsch“, „sch“ usw. verwendet.
Hieraus findet sich dann statt „T’ai Ch’i“ eben schlicht: „Tai Chi“.
…oder „taichi“, „Taichi“, sowie auch „Tai Gi“ (…warum auch immer).
1956/57 beschloss dann die chinesische Regierung eine phonetische Umschrift auf Basis des lateinischen Alphabets, welches heute als →Pinyin-System bekannt ist.
Problematisch ist für westliche Menschen dabei, dass man auch Buchstaben für Laute verwendet, welche „bei uns“ üblicherweise im alltäglichen Sprachgebrauch „anders“ verwendet werden, und man also wissen muss, wofür dann ein Buchstabe steht. Zum Beispiel: „X“ gleich „sch“, d.h. geschrieben wäre dann: „Xiao Xiu“ gesprochen: „schao schu“ („i“ ohne Betonung) oder „Zheng Manqing“ für „Cheng Man-Ching“ („tschen[g] man-dsching“) oder „Q“, nicht wie gewohnt in „Quelle“, sondern gesprochen: „tsch“ oder „dsch“ [manchmal aber auch „k“] usw.
Exkurs:
Womit aus „T’ai Ch’i“ (Wade-Giles), dann „Taiji“ (Pinjin) festgelegt(!) wurde …und unserer Meinung(!) nach, verloren geht, dass das „ji“ eigentlich mit „Methode“ zu übersetzen wäre und der Bezug zu „Ch’i“ [„Chi“] („Lebenskraft“) fehlt, obwohl andererseits jedoch in „Qi Gong“ (Pinjin) das „Chi“ mit „Qi“ transkripiert wird.Wir fragen uns korrekterweise, wieso dann nicht „Taiqi“ oder vollständigerweise „Taiqiji“ als „abgekürzte Bezeichnung“ verwendet wurde?
Hierbei wollen wir gar nicht ausführlicher auf das (moderne) Pinyin eingehen, dessen Verwendung im chinesischen Alltag im Grunde eine „Kunstsprache“ darstellt und sogar die Menschen in China vor das Problem stellt, „alte Texte“ erst einmal „übersetzen“ zu müssen.
Da beispielsweise ja „TAI CHI“ auch eine andere Bedeutung hat als „Taiji“ (wir verwenden: „Tai Chi“), jedoch wiederum den „Ursprung und Sinn“ der „Methode“ begründet und dadurch wiederum „zusammengehört“, was man wiederum erst begreift, wenn…
Damit wir in weiterer Folge dann verstehen, was mit einem in lateinische Buchstaben transkripiertem Text gemeint ist, muss also als nächstes jener Text, oder auch Einzelbegriff, übersetzt werden – OHNE dabei den Sinngehalt zu verlieren.
Welches sich leider nicht immer so ohne weiteres bewältigen lässt, da klassische chinesische Schrift keine Lautsprache darstellt, sondern Symbole verwendet, deren Sinngehalt sich erst im Kontext ergibt.
Die zweite Problematik ist also, dass ein Symbol immer(!) eine Mehrfachbedeutung aufweist. Also ein Problem der Ambiguität – siehe dort: →Glossareintrag Ambiguität.
Die dritte Problematik stellen dabei kulturelle Phrasen, also Redewendungen dar, welche selbstverständlich auch von der Region (man könnte sagen: „dem Dialekt“) abhängen.
Jenes Problem kennen manche noch aus dem Englischunterricht, als man beispielsweise versuchte, „burning the midnight oil“ oder „He took the stars and stripes to the moon“ wortwörtlich zu übersetzen mit: „das Mitternachtsöl niederbrennen“ bzw. „Er nahm die Sterne und streifte zum Mond“, oder so? (nicht wahr?).
Was natürlich völliger Blödsinn ist, da mit ersterem eine Redewendung (Idiom) gemeint ist, welche benutzt wird, um auszudrücken, dass „jemand bis spät in die Nacht noch wach ist“ oder „bis spät in die Nacht hinein noch arbeitet“ und bei zweitem Neil Armstrong gemeint war, welcher die „Stars and Stripes“ – also: „die Amerikanische Nationalflagge“ zum Mond gebracht hatte [Kontext!].
Eine Transkription aus dem Chinesischen bedeutet für uns anderssprachige Menschen in weiterer Folge immer auch eine → Übertragung, damit wir den Inhalt auch lesen und „verstehen“ können. Welche keineswegs „einfach“ durchzuführen ist, da immer der Kontext zu beachten ist – und ja eigentlich „Symbole“ den Ursprung darstellen.
Nochmals zu bedenken:
„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ – womit dann folgerichtig wäre: „Ein(Bild-)Symbol sagt mehr aus, als eine Transkription in lateinische Buchstaben“.
Ist eine Transkription, im weiteren Sinne als Übertragung, einmal erfolgt, bleibt daher dennoch oft die Frage offen, ob der Sinngehalt (im Kontext) „richtig getroffen“ wurde.
Sehen wir uns dazu ein anderes Beispiel an.
→Lao Tse gilt als Begründer des Daoismus (Taoismus). Das ihm in der Legende zugeschriebene Werk, welches erst durch den Han-Kaiser Jing (157-141 v. Chr.) als „Dàodéjing“ („Tao Te King“, „Tao Te Ching“) gefasst und betitelt wurde, ist das Hauptwerk des Daoismus bzw. →Taoismus (…seht ihr? – auch hier: Zwei „Begriffe“, zwei verschiedene Transkriptionen, aber das gleiche gemeint). Das Werk ist wahrscheinlich im 4. Jahrhundert v. Chr. entstanden.
Wobei ebenfalls wichtig zu wissen ist:
Werk UND Autor werden gleichgesetzt!Wir kennen das ebenfalls unter Übertragungen wie: „Laoze („Laozi“, „Laozhi“, „Lao-tzu“, „Lao-Tse“, „Laudse“, etc.pp.) sagt, dass…“ – gemeint dabei (eigentlich!) „In der Schriftsammlung vom [vermutlich]Lao-Tse, steht...“ – bzw.: „Im Tao Te Ching steht…„.
Allein für den Titel gibt es also mehrere – transkripierte – Schreibweisen:
„Dàodéjing“, „Tao Te King“ bzw. „Tao Te Ching“.
Übersetzungsmöglichkeiten:
„Tao“ bzw. „Dao“ mit: Weg, Fluss, Prinzip oder Sinn;
„dé“ bzw. „Te“ mit: Tugend, Güte, Integrität oder „innere Stärke“, Charakterstärke;
„jing“, „king“ bzw. „ching“ mit: Kanon, Leitfaden oder „klassische Textsammlung“;
Womit der Titel jenes Werkes („Tao te King“) mit: „Leitfaden über den Sinn von Charakterstärken“, als auch mit: „Kanon zum Weg der Tugend„, übersetzt werden könnte.
Sowie die Fragen offen bleiben:
Was „stimmt“ nun? – Was ist dabei „eindeutig“? (…oder eben nicht?)
Besser: Was macht denn mehr Sinn? – bzw.: Liefert uns die Kenntnis und das Verständnis der „Mehrdeutigkeit“ nicht ebenfalls tiefere Einblicke?
Fazit:
Es bleibt nur übrig „Schüler des Tai Chi“ darauf hinzuweisen, …
- dass sie auf Transskriptionen und Übertragungen treffen werden;
- dass Fehlinterpretationen „überall“ vorkommen können, gerade bei einem „mehrstufigem/mehrschichtigen Prozess“ der Übertragung;
- dass sie dabei offen für Schreibweisen in lateinischen Buchstaben „jeglicher Art“ bleiben (und Recherchen entsprechend „ausgedehnt“ und/oder „angepasst“ werden);
- und manche Begriffe besser „nicht übersetzt“ verwendet werden, da der Sinngehalt und die Bedeutung verändert würden, weil es eben keine „eindeutige“, „einfache und kurze“ deutsche (oder englische, französische, …bzw. „westliche“) Entsprechung oder eben keinen sinnvolleren kürzeren Begriff dafür gibt;
- …und es schlicht Konvention ist, welche Schreibweise man dabei dann verwendet.
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