Monatliches Archiv:Oktober 2011

Synonyme Bezeichnungen für Tai Chi

Glossareintrag: Synonyme Tai Chi Bezeichnungen

In den Beschreibungen über Tai Chi Chuan (Taiji Quan) finden sich viele Begriffe, welche sinnverwandt oder bedeutungsgleich als Name für diese „innere Kampfkunst“ verwendet werden.

Manches davon aus Unverständnis für die wahre Bedeutung, manches aufgrund von →Übertragungsschwierigkeiten von chinesischen Schriftzeichen und Lauten in westliche Sprachen und Darstellung in lateinischen Buchstaben.

Manches davon entstand aufgrund einer alten „Verschlüsselung“, um Wissen, welches vor allem im Kampf durchaus mit Macht gleichzusetzen ist, vor Konkurrenten, potentiellen Gegnern oder Unbedarften zu schützen.

Direkte Bezeichnungen

sind den chinesischen Lauten oder Schriftzeichen nachempfundene Übertragungen in lateinische Buchstaben.

So finden sich im Westen folgende Bezeichnungen – besser gesagt: Schreibweisen – für die chinesische Bewegungskunst:

  • T’ai Chi Ch’uan – eine leichte Abwandlung nach dem →Wade-Giles-System, nach welchem man eigentlich korrekt
  • T’ai ch’i ch’üan – schreiben müsste – im Gegensatz dazu steht
  • Taijiquan – nach heute gültiger Schreibweise nach dem →Pinyin-System, welches auch oft mit
  • Taiji Quan – als abgewandelte Pinyin-Schreibweise geläufig ist.

Darüber hinaus kann man auch alle Arten von Mischformen und Eigenkreationen finden:

  • Tai Chi Quan
  • Taiji Chuan
    oder:
  • T’ai c’hi ch’uan
  • Thai Ji Chuan
  • Thai Qi Quan
  • Tai Gi Quan, Tai Gi Chuan oder Tai Ji Kuan

Kurzbezeichnungen

Kurzbezeichnungen sind heute ebenso geläufig und werden genauso auch in China verwendet. Anstelle mit →Chuan (Quan) die Methode oder „den Weg des…“ zu beschreiben, verzichtet man oft darauf und sagt oder schreibt nur mehr:

  • Tai Chi
  • Taichi oder
  • Taiji

… und meint damit die Bewegungskunst bzw. „innere Kampfkunst“ und nicht den gleichlautenden kosmologischen Begriff →„TAI CHI“ selbst.

Synonym verwendete Bezeichnungen und Übertragungen

Häufig findet man aber auch Begriffe, mit welchen zwar ebenfalls „Tai Chi Chuan“ gemeint ist, aber in den Texten selbst oft diesbezüglich kein direkter Bezug oder weitere Erklärung hergestellt wird (oder hergestellt werden kann).

Bekannte Synonyme lauten:

  • Schattenboxen (siehe dort)
    ursprünglich eine Wortschöpfung der westlichen Kolonisten in China
  • „innere Kampfkunst“
    ursprünglich eine bewusst gewählte Übersetzung von (traditionellen) Tai Chi – Vertretern, welche sich damit von den „äußeren Kampfkünsten“ – manche auch bissig von der „Kunst der Shaolin“ (ebenfalls dann als „äußere Kampfkunst“ tituliert) – abgrenzen wollen und somit die tatsächlich vorhandenen Unterschiede und Herangehensweisen betonen soll
  • „Einbeiniges Boxen“ (siehe dort) oder „Boxen mit einem Bein“
    als Beschreibung eines Merkmales der Kampfkunst des Tai Chi Chuan (Taijiquan)
  • „Langes Boxen“
    eine im Westen oft mißinterpretierte – wahrscheinlich von Chinesen selbst stammende – unglücklich gewählte Übersetzung der Bezeichnung „→Chang Chuan (siehe dort)
  • „Die 13 Bewegungsarten“ (siehe dort)
    als Sammelbegriff für Tai Chi Chuan, um den „wahren Namen“ der (Kampf-)kunst nicht zu nennen. Oft zu finden in alten Aufzeichnungen aus dem Umfeld der Yang-Familie und dem →Yang-Stil, welcher auch bei Übersetzungen aus dem Chinesischen beibehalten wurde
  • „Die 13 Bewegungen“ (siehe dort)
    eine andere Übersetzung des gleichlautenden zuvor genannten chinesischen Begriffes. Zusätzlich auch nicht ganz bedeutungsgleich verwendet als eine Übersetzung aus dem Amerikanischen für ein von →Cheng Man-Ching „gefundenes“ und in den USA veröffentlichtes „Geheimnis“;

Sowie nicht übersetzte, aber übertragene chinesische Bezeichnungen, mit welchen ebenfalls Tai Chi Chuan (Taijiquan) gemeint sein kann, wie:

  • Ba Gua Chang oder Bagua Zhang (bei Betonung des Kampfkunstaspektes von Tai Chi Chuan)
  • I Chuan, Yi-Chuan oder Yi Quan (bei Betonung des →Energieaspektes im Kampfeinsatz)
  • Wushu (als allgemeine Bezeichnung einer chinesischen Kampfkunst ohne näher auf einen bestimmten Stil einzugehen)
    oder
  • Chang Chuan ([siehe dort] – für „traditionelle Kampfkunst“, welcher in China stellvertretend für „Tai Chi Chuan“ verwendet wurde, als man – nicht mehr[?] – jenen eigentlichen Namen und damit den Bezug zu „TAI CHI“ verwenden durfte, konnte oder wollte);
    sowie natürlich
  • Kung Fu (als in/für die westliche Kultur geschaffener – man möchte fast sagen: Neologismus – stellvertretend für jegliche Art von Kampfkünsten, welche von/mit Chinesen zu tun haben, aber ursprünglich als „Art und Weise“ des Ausübens und Praktizierens einer bestimmten und gleichzeitig mit den Wörtern „Kung Fu“ genannten Kunstform, Schule oder Stilrichtung. Siehe dazu auch im Glossar: →Kung Fu).

Tipps:

Chang Chuan

Glossareintrag: Chang Chuan

Alternative Schreibweisen: Chang Chuan, zhang quan (nach →Pinyin)

Ausgesprochen: „Tschang tschu_an“

„Chang“ hat übersetzt mehrere Bedeutungen: „dauerhaft“, „von langer Dauer“, „zunehmen“, „sich auszeichnen“ und auch „alt“ (im Sinne von: „lange bekannt, bewährt und angewendet“, also: „gereift“).

Chang Chuan – manchmal leider von Chinesen nur kurz übersetzt mit: „Langes Boxen“ (weil damit ebenfalls wieder fehlinterpretierbar) – ist ebenfalls ein anderer, früher in China häufig gebrauchter synonymer Name für die „innere“ Kampf- und Bewegungskunst Tai Chi Chuan (Taiji Quan).

Eine besser verständliche Übersetzung von „Chang Chuan“ wäre jedoch: „ausgereifte Faustkampfmethode“ – ebenso wie: „Altbewährte“ oder „Althergebrachte Kampfmethode“.

Siehe dazu auch: Glossareintrag →Chuan.

Tipps:

Die 13 Bewegungsarten

Ask a Sifu: Was sind die 13 Bewegungsarten?

Glossareintrag: Die 13 Bewegungsarten

Die „13 Bewegungsarten“ – manchmal auch: Die „13 Bewegungen“, die „13 Stellungen“ oder die „13 Techniken“ – sind gleichbedeutende deutsche Übersetzungen aus dem Chinesischen, welche dort früher synonym als andere Bezeichnungen für die „innere Kampfkunst“ des Tai Chi Chuan (Taiji Quan) verwendet wurden, als sich jener Begriff eben noch nicht als Name jener Kampfkunst öffentlich durchgesetzt hatte (bzw. „verschwiegen“ wurde).

Die „13 Bewegungsarten“ ist also ein anderer Name für Tai Chi (Chuan), welcher in vielfältiger überlieferter Literatur Einzug gehalten hat.

Leider verleitet jene Bezeichnung als „Sammelbegriff für Tai Chi (Chuan)“ viele Interessierte zum fehlgeleiteten Schluss, dass hiermit bestimmte, tabellarisch aufgezählte Bewegungen (eben: genau 13 verschiedene, genau benannte und beschriebene – körperliche(!) – Bewegungsarten, Schritte, Stellungen, etc.) gemeint wären. Dem ist aber nicht so.

Mit „13 Bewegungsarten“ ist als synonyme Bezeichnung nichts anderes gemeint als „Tai Chi (Chuan)“.

Klärung des Irrtums:
Wird in übertragenen Texten aus alter chinesischer Überlieferung beispielsweise davon gesprochen, dass man „Bei den 13 Bewegungen“ oder „in den 13 Bewegungen“ dies, das oder jenes macht, zu berücksichtigen oder zu tun hat, dann ist damit eben gemeint, dass man „Bei Tai Chi“ oder „in Tai Chi“ dies oder jenes zu berücksichtigen hat.

Mehr dazu auch unter:

Was sind die dreizehn Grundbewegungen des Taijiquan?
Was ist das Geheimnis der 13 Bewegungen?

Tipps:

Was sind die dreizehn Grundbewegungen des Taijiquan?

Eine anders geschriebene Frage wäre:

Was sind die 13 Grundbewegungen des Tai Chi Chuan?

Antwort:

Die dreizehn Grundbewegungen bzw. 13 Bewegungen des Tai Chi Chuan (nach →Pinyin-Umschrift: Taiji Quan) sind eine deutsche Übersetzung der „Erfindung“ beziehungsweise Definition von Cheng Man-Ching (1900-1975), welcher zuletzt in den USA lebte und von dort aus für eine wesentliche Verbreitung der Kunst des Tai Chi Chuan im Westen sorgte.

Cheng Man-Ching bezeichnete damit (s)eine Sammlung von „5 Steps“ (englisch für: „5 Schritte“ – besser gesagt: „5 Schrittformen“ – welche leider auch von ihm selbst synonym auch mit „Five Directions“ oder „Five Movements“ bezeichnet wurden) und den 8 überlieferten Grundtechniken (→den „Ba Gua“), welche er auf seine unnachahmliche Art interpretierte und als wesentliche „Erkenntnis“ aus der Überlieferung des „Liedes der 13 Stellungen“ als „ein Geheimnis des Tai Chi“ verbreitete.

Seine „5 Directions“ plus „8 Grundtechniken“ ergeben somit rein rechnerisch die „13 Bewegungen“, welche wiederum – seiner Meinung nach – durch das von →Yang Cheng-Fu geschaffene – „→Lied der 13 Stellungen“ sozusagen als „Geheimnis des Tai Chi“ „bewiesen“ sein sollten.

Anmerkung:
Wobei selbiges Lied keinerlei Hinweis und/oder Erklärungen bestimmter Techniken oder Bewegungsformen diesbezüglich beinhaltet, sondern ausschließlich der Titel einer ersten Veröffentlichung des Yang Cheng-Fu in Liedform (zwecks leichterer Einprägsamkeit für seine Schüler) so lautet. Das Lied selbst kann als eine erste – offizielle – „Sammlung von →Tai Chi – Prinzipien“ betrachtet werden, welche für Anfänger gedacht ist, um den Einstieg in jene Körperkunst zu erleichtern.

Fazit:

Die 13 Grundbewegungen sind letztlich also von Cheng Man-Ching geschaffen worden und stellen einen Definitions-, Einteilungs- und Erklärungsversuch überlieferter Tai Chi – Formen und Bewegungsarten von ihm dar, welcher von unzähligen Nachahmern und „Nachfolgern“ übernommen, wiederum abgewandelt und weiterverbreitet wurde.

Anders formuliert:
Es gibt keine (bestimmten) „Dreizehn Bewegungen / Schritte / Stellungen“ aus der (klassischen) Überlieferung des Tai Chi Chuan. Diese sind eine ausschließlich eine „Definition“ oder „Interpretation“ von/nach Cheng Man-Ching.

Im „Lied der 13 Stellungen“ (von Yang Cheng-Fu) werden weder Tai Chi-Stellungen noch irgendwelche Tai Chi-Grundtechniken angeführt, geschweige denn erläutert, sondern ausschließlich „allgemeine Prinzipien des Tai Chi“ in Liedform ausgeführt, damit dessen Schüler diese einfacher verinnerlichen können.

Offen bleibt: Warum hatte Yang Cheng-Fu dann diesen Titel hierfür gewählt?
Höchstwahrscheinlich, damit zur damaligen Zeit in China eben NICHT publik wurde, dass es sich dabei um „Tai Chi“ handelt – nur „Auserwählte“ und „Eingeweihte“ (eben dessen anerkannte Schüler) wussten, was darin beschrieben war.

Siehe dazu auch den Eintrag: →Was ist das Geheimnis der 13 Bewegungen?

Tipps:

Schrittformen in Tai Chi

Glossareintrag: Schrittformen

Glossareintrag: Schrittbewegung

Alternativ: Gehen in Tai Chi Gung oder Schritte in Tai Chi (Chuan)

Schrittformen

Unter Schrittformen verstehen wir (vom Tai Chi Gung – Landessportverein, Salzburg) die Art der Bewegungsabläufe – vor allem der Beine, der Füße und der Hüfte – welche vorzunehmen sind, um den Standort des gesamten Körpers im Raum zu verlagern.

Eine Schrittform dient also dazu, sich – also den gesamten Körper – auf bestimmte Art und Weise im Raum zu bewegen.

Insbesonders ist hierbei die Gewichtsverlagerung zu beachten, welche mit dem „Verschieben“ der Taille (dem Hüftbereich) einhergeht. Im Wesentlichen bedeutet dies eine Verlagerung des →Dan Tien im Raum, welche sozusagen mit den →Prinzipien des Tai Chi übereinstimmen „muss“ und daher auch den Wechsel oder Übergang in →Grundstellungen darstellt.

Schritte in Tai Chi Gung

Schritte in Tai Chi Gung werden also – vereinfacht ausgedrückt – durch Wechsel von einer Grundstellung in eine folgende vorgenommen.

Ebenso simpel ausgedrückt, kann der Körper sich dabei – ausgehend von der Blickrichtung – in drei Richtungen bewegen: Vorwärts, rückwärts oder seitwärts.

Vorwärts bewegt man sich dabei grundsätzlich im →Bogenschritt, rückwärts im Pendelgang (siehe dazu Kapitel Grundschule im Handbuch).

Abhängig von einer Angriffsrichtung (= Blickrichtung), der Intention der Bewegung im Raum (voranschreitend oder zurückweichend) – beziehungsweise abhängig vom Einsatz des jeweiligen →Komplementärs – erfolgt ebenso ein entsprechender Seitwärtsschritt (Anm.: Wiederum in einer Grundstellung).

Exkurs:
„Stehenbleiben“ (oder: „Zentrieren“) stellt keine Bewegung im Raum dar und ist dementsprechend auch kein Schritt!

Nur für Mitglieder

Genaue Details der Grundstellungen, Schrittformen und des „Gehen in Tai Chi Gung“ finden sich im Handbuch: „Tai Chi Gung – Grundkurs“ auf den Seiten 36 – 64, einschließlich Fotos und grafischen Darstellungen.

Der Download des Handbuchs ist über die Rubrik „Fernlehrgang“ möglich – nur für registrierte und freigeschaltene Mitglieder des Vereins.

Tipps: