Autor-Archiv:websifu

Der Seidenfadenzug

Der Seidenfadenzug

In der Taichi-Literatur und bei manchen Trainern erfährt man vom so genannten „Seidenfadenzug“.

Um es gleich vorwegzunehmen:
Dabei handelt es sich weder um eine mystische Kraft, noch um eine geheime Kampfkunst-Technik des Tai Chi, welche es „jahrelang“ zu ergründen gilt.

Eher stellt es ein Hilfsmittel dar – sagen wir durchaus auch: Es ist eine „Eselsbrücke“ – für den angehenden Tai Chi – Praktikanten, um die korrekte Körperhaltung in der Ausgangsposition einzunehmen, als auch um damit die korrekte Haltung sowie die „Gesamtkörpersituation“ innerhalb eines Bewegungsablaufes überprüfen zu können.

Wozu das mit dem „Seidenfadenzug“?

Am Beginn einer Form wird die →Ausgangsposition eingenommen.
Dabei sollte gerade der Anfänger gedanklich eine Checkliste penibel durchgehen und dabei überprüfen, ob die gesamte(!) Körperhaltung den Vorgaben des Tai Chi entspricht.

Dies bedeutet:

  • Wie stehen die Füße?
    (Abstand, Zehen-Richtung, Fußsohlen, Gewichtsverteilung)
  • Wie sind die Beine?
    (Schwerpunktverteilung, Beugung der Knie, Haltung der Unterschenkel)
  • Wie ist die Hüfte und das Becken?
  • Was ist mit dem Bauch- und Brustbereich?
    (Entspannung, Schultern, Ellbogen, Atmung?)
  • Wie ist der Rücken (Wirbelsäule)?
    (Ausgerichtet, Aufrecht)
  • Wie ist die Kopfhaltung?
    (Hals, Kinn, Scheitelpunkt?)
  • Wie ist der Gesichtsbereich?
    (an- oder entspannt?, geschlossener Mund, Atmung durch die Nase, Zungenspitze?)
  • Wie sind die Schultern, Ellbogen, Arme, Hände?
    (alles in TaiChi-Haltung?)

Jede folgende weitere Bewegung, also die Übung eines →Danlian (Einzelübung) oder die Ausführung einer →Form (sprich: Die harmonische Abfolge von vordefinierten Bildern) unterliegt nun ebenfalls nicht nur dem Ablauf der Einzelbewegungen, sondern auch dem Prinzip und dem Verhalten nach „→der Tai Chi – Methode“ – also des „Gesamtkörpersystems“.

Dies bedeutet wiederum, dass jeder(!) einzelne Moment innerhalb eines Bewegungsablaufes, wenn man die „Pausentaste“ drücken würde und ein „Standbildfoto“ aufnehmen würde, ebenso der „Checkliste“ ähnlich wie bei der zuvor angeführten Ausgangsposition unterzogen werden kann und der Überprüfung standhalten muss.

Der Seidenfadenzug – Vergleichsmodell zur Qualitätskontrolle

Dies funktioniert dann so:

Um das Ganze zu vereinfachen, damit die Korrekte Haltung eingenommen und auch innerhalb der Tai Chi-Übung beibehalten als auch überprüft werden kann, haben sich die Meister (höchstwahrscheinlich des →Yang-Stiles) eine Vergleichsmöglichkeit einfallen lassen: Den Seidenfadenzug.

Dabei stellt man sich gedanklich vor, „als ob“ der Körper am Kopf, am Scheitelpunkt (an „→Bai Hui„, wer es genauer wissen möchte) an einem Seidenfaden befestigt wäre, welcher „in die Höhe“ reicht (wer möchte: beispielsweise an der Decke des Trainingsraumes befestigt ist) und von diesem Faden ganz sanft nach oben gezogen wird.
Dieser Seidenfaden zieht also nach oben, daher kurz: Seidenfadenzug.

Jede Haltung, jede Bewegung hat nun unter diesem „Kriterium“ „Seidenfadenzug“ zu erfolgen …und dessen Überprüfung standzuhalten.

Der Schüler kann nun selbstständig die Korrektur seiner Übung vornehmen, indem er sich vorstellt, wie das Ganze abläufen würde, wenn er mit diesem „Qualitätsmuster“ vergleicht.

Die Wahl von Seide ist ebenfalls genial.
Man „hängt“ weder an einem Strick noch an einem Stahlseil – klar?

Auch in deutsch kennen wir das Sprichwort: „an einem seidenen Faden hängen“.
Exakt das ist damit gemeint.

Die Konsequenz daraus ist:
Jede Bewegung in Tai Chi hat dies zu berücksichtigen und ist so sanft und gleichmäßig auszuführen, damit der Faden nicht reisst.

Es sollen daher keine ruckartigen oder „heftigen“ Bewegungen erfolgen.

Der Kopf und die Wirbelsäule sind immer aufrecht zu halten, da ja der „Seidenfaden“ leicht nach oben zieht.
(„Wir lassen den Kopf nicht hängen“)

Jede(!) Körperdrehung erfolgt vom Zentrum der „Schwerkraftlinie“ heraus.
usw.

Beispielsweise:
Wie würde es aussehen, wenn ich „→Wolkenhände“ oder „Armekreisen„, „Fasse den Vogelschwanz“ oder „Die Schlange kriecht nach unten“ mit(!) dem „Seidenfadenzug“ ausführe?

Oder:
Wie würde die →Pekingform mit „Seidenfadenzug“ aussehen?
usw.usf.

s.d.a.:
Trainingsinfo 3 – Grundschule, Seite 1ff
bzw.
erwähnt auch als „Band“ in →Meisterpruch Nr. 59 (→Yang Cheng-Fu)

Serie: Mein tägliches 5-Minuten-Taichi – Teil 09

Jeden Tag eine kleine aktive Übung, um mit Tai Chi fitt zu bleiben –
(…und 2 x pro Woche eine Trainingseinheit gemeinsam im Verein).

 


T09 – Tagesübung:

„Wolkenhände“
(als Danlian – rein physisch – „leere Form“)


Anleitung:

(Dauer: mind. 5 Minuten)

Ich stelle mich aufrecht in Wu Chi hin – wichtig: schulterbreit, Fußsohlen parallel, Zehen in Blickrichtung, die Knie ganz leicht gebeugt auf keinen Fall durchgestreckt – atme bei geschlossenem Mund, ruhig durch die Nase.
Die Augen bleiben geöffnet und blicken waagerecht „in die Ferne“, ohne einen bestimmten Punkt zu fixieren.

Variante für Fortgeschrittene: „tiefer gehen“ – bzw. „Doppeltbreites Wu Chi“ in der sogenannten „Reiterhaltung“.

Dann: Arme in Position und „Wolkenhände“ –

Fotostrecke:

Detailbeschreibung:

a.) Die genaue Anleitung findet sich als frei zugängliche Datei im Downloadbereich unter „Trainingsinfo“, Downloadseite 2 → TI_U04_Einzeluebung_Wolkenhaende.pdf.

b.) Sowie das ebenfalls frei („für jedermann/frau“) zugängliche Trainingsvideo im Downloadbereich unter „Trainingsclips“ – Seite 2 → TC25_Wolkenhaende_normalbreit.AVI

Wichtig: Während der gesamten Übung bleiben die Augen geöffnet – der Blick geht immer über die →Führungshand!

Grund: Tai Chi = Meditation in Bewegung[!] bei geöffneten Augen – schliesslich muss ich ja sehen, wo ich dann beispielsweise in einer →Form hinlaufe, oder?
(nicht zu vergessen: Kampfkunstaspekt!)

Zweck:

Eine der vier „Hauptübungen“ des Trainingsabschnittes „Aufwärmen“ des Tai Chi Gung.

  • Erlernen & Verbessern des →Bildes „Wolkenhände“ (vulgo: „Hände wie Wolken bewegen“);
  • Verbesserung und Vertiefung des Tai Chi!;
  • EIN(!)Danlian, welches mehr als 56 (!) – Kampfkunst-Einzeltechniken (der Äußeren Kampfkünste) ermöglicht! –
    siehe dazu auch: Ask a sifu: →Zwiegespräch über Kampfkunst in Tai Chi;

…mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.

Doch – eins noch:

Verstehen ist der Trostpreis – Machen in Perfektion ist der Hauptgewinn!

Kontemplation vs Konzentration

Konzentration vs Kontemplation

Konzentration

Die Vorsilbe (Präfix) „kon“ in deutschen Fremdwörtern bedeutet „mit“, „zusammen“ oder „miteinander“ und entstammt dem Lateinischen („con“).

Eine „Zentrierung“ ist eine Ausrichtung auf einen (Mittel-)Punkt.

(„Zentration“ wäre also der „technische“ Vorgang, welches aber nur sehr selten in Deutsch verwendet wird.)

„Konzentration“ (mental, geistig) bedeutet also „mit Ausrichtung auf einen Punkt“ – in der Bedeutung von: „Den Geist und Fokus der Gedanken straff auf einen Punkt, eine einzige Aufgabe verengt“.

Ein konzentriertes Herangehen bedeutet also den Fokus der Gedanken und Handlungen streng auf (nur) einen Punkt zu fokussieren – …und alles andere auszuschließen.

Bei der „Konzentration“ geht es also darum eine(!), ganz bestimmte einzige Sache oder einzige Aufgabe („der Punkt“, „das Zentrum“) zu betrachten, zu erledigen, auszuführen und alles andere auszuschließen („ausgrenzen“).

Das Verhalten dabei könnte mit: Aktiv, Ziel-fixiert, „mit bewusst angelegten Scheuklappen“, beschrieben werden.

Übertriebenes, fehlgeleitetes Verhalten dabei wäre: Aktionismus, Rastlosigkeit, Umtriebigkeit.

Das Empfinden kann auf Dauer mit „ermüdend“ und „Stress erzeugend“ einhergehen.

Kontemplation

„Kon-Templation“ stammt wahrscheinlich von „con“ und „templum“ (lat.).

„con“ dt. „kon“ – „mit“

Sowie: „templum“ mit der Grundbedeutung eines (zuvor) bestimmten, exakt hierfür vorgesehenen, „abgezirkelten Bereiches“, eine „vorbestimmte – auch hierfür geweihte – Region oder Bezirk“

Wichtige Anmerkung:
Ich möchte das hier bewusst nicht religiös auslegen, welches heutzutage fast ausschließlich mit „Tempel“ ausgedrückt wird – aber eben nicht die alleinige ursprüngliche Interpretation darstellt.

Ein kontemplatives Herangehen bedeutet also die Gedanken, Handlungen und Empfindungen innerhalb eines vordefinierten Bereiches „kreisen“ zu lassen.

Der Fokus dabei ist ein offenes Betrachten von Ideen, Eindrücken, Ansichten, Texten, Bildern, usw. – eben: „with enhanced Mindfulness“, oder einfach: das Leben – im „Hin-Blick“ besser „Herum-Blick“ auf einen vordefinierten, festgelegten Bereich oder Rahmen.

Es ist somit eine andere, möglicherweise umfassendere Verhaltensweise, um bestimmte Sachen zu erfassen oder Handlungen innerhalb eines Aufgabenbereiches auszuführen.

Das Verhalten könnte mit: Empfangend, aufnehmend, ruhig und gelassen, „bereichs-orientiert“ statt „punkt-fixiert“ beschrieben werden.

Übertriebenes, fehlgeleitetes Verhalten entsteht nur dadurch, wenn „der Bereich“ nicht festgelegt oder „vergessen“ wird. (m.E.: „abdriften“ s.u.).

Aber das wäre auch nicht „Kontemplation“ – sprich: „mit festgelegtem Gebiet/Bereich!“

Das Empfinden bringt dabei nicht nur Seelenruhe, sondern weitet auch den Geist.

Zusammenfassend:

Bei der Konzentration fixiert man also mit den Gedanken (immer wieder!) einen Punkt, ein Zentrum.

Bei der Kontemplation kreist man „losgelöst“ mit den Gedanken innerhalb(!) eines zuvor festgelegten, hierfür bestimmten Bereiches.

Der Unterschied liegt darin, dass Konzentration den Geist straff auf eins fixiert und sowohl Ablenkungen als auch andere Gedanken ausschließt, während Kontemplation ein tiefes, offenes und ruhiges Betrachten des [wichtig!] zuvor festgelegten/bestimmten Bereiches ohne Leistungsdruck ermöglicht.

Exkurs:
Ist/Wird der Bereich, die „Region“ zur Kontemplation nicht festgelegt, ist es eben NICHT „Kon-Templation“ – so würde ich dies eher mit „Abdriften“, „Wegdriften“ oder „Schweben“ gleichsetzen. Empfindungen, Erkenntnisse und Handlungen daraus entsprächem purem Zufall und der Zweck scheint nur im „Wegschalten“ der Bewusstheit, anstelle Erweiterung/Vertiefung des Bewusstseins zu sein.

Die Kunstfertigkeit besteht also darin beides einsetzen zu können und je nach Erfordernis zwischen beiden mentalen Vorgängen „umzuschalten“.

Die „Pflege des Tai Chi“ lehrt:
Dem „Nicht-Handeln“ („Wu Wei“) folgt „Handeln“ („Tai Chi“) und umgekehrt –
Ein Rhythmus und Zyklus des Seins, symbolisiert und manifestiert durch „die Form“.

„yin“ und „yang“ – Kontemplation & Konzentration

Vergleiche dazu auch beispielsweise: →Meisterpruch Nr. 37 oder →Wu Wei

Schlussbemerkung

Da unsere aktuelle (westliche) Gesellschaft immer Ergebnisse innerhalb bestimmter Zeitfenster erwartet, wird „Konzentration“ als „positive Leistung“ propagiert und definiert, sowie vorwiegend geschult.
Motto: Steigerung der Effizienz.

„Kontemplation“ muss von vielen erst (wieder-)erlernt oder bewusst angewendet werden – und bringt – meiner Meinung nach – überhaupt erst neue Ideen, Einsichten und Herangehensweisen hervor.
Motto: Steigerung der Effektivität!

Die Frage was, wann einzusetzen wäre, ist dann ganz einfach: Was ist derzeit wichtiger? Effizienz oder Effektivität?

Serie: Mein tägliches 5-Minuten-Taichi – Teil 08

Jeden Tag eine kleine aktive Übung, um mit Tai Chi fitt zu bleiben –
(…und 2 x pro Woche eine Trainingseinheit gemeinsam im Verein).

 


T08 – Tagesübung:

„Fingerfedern“
(Hände an der Seite)


Anleitung:

(Dauer: mind. 3-5 Minuten)

Ich stelle mich aufrecht in Wu Chi hin – wichtig: schulterbreit, Fußsohlen parallel, Zehen in Blickrichtung, die Knie ganz leicht gebeugt auf keinen Fall durchgestreckt – atme bei geschlossenem Mund, ruhig durch die Nase.
Die Augen bleiben geöffnet und blicken waagerecht „in die Ferne“, ohne einen bestimmten Punkt zu fixieren.

Ich lasse meine Arme links und rechts neben meinem Körper nach unten hängen, die Fingerspitzen zeigen nach unten, die Handflächen „zum Körper“.

Ausgangsposition:

Nun stelle ich mir vor (Imagination), es befinden sich jeweils zwischen meinen einzelnen Fingern, ganz kleine „Spann-“ oder „Sprungfedern“ – keine Vogelfedern – sondern kleine mechanische Werkzeuge, welche jeweils meine Finger voneinander „spreizen“.
Die Finger der nach unten hängenden Hände sind also durch diese Federn jeweils gespreizt, alle Finger voneinander getrennt.

Ich achte auf meinen Atemrhythmus und auf die korrekte tiefe →Bauchatmung: Einatmen, Ausatmen. Die Schultern, der Nacken, der Oberkörper sind entspannt. Die Bauchdecke bewegt sich mit dem Fluß des Atems vor- und zurück.

Sobald ich den Atemrhytmus verinnerlicht habe, sinke ich beim nächsten Ausatmen ganz langsam(!) tiefer, indem ich die Knie langsam weiter beuge und dadurch mit meinem gesamten Oberkörper – in Tai Chi – Haltung: Also bei aufrechtem Oberkörper, an der senkrecht gedachten „Schwerpunktlinie“, „gerader Wirbelsäule“, „unbewegtem Kopf“ usw. – „tiefer“ gehe.

Zeitgleich(!) führe ich – besser gesagt: „drücke“ ich – die einzelnen Finger langsam zusammen, welches durch die dazwischenliegenden Spannfedern mit fühlbarem Widerstand einhergeht.

Sobald ich den „tiefsten Punkt“ meiner Körperhaltung erreicht habe, müssen zeitgleich die Finger beider Hände „fest“ („taichi-mässig“) geschlossen, sowie der Ausatemvorgang beendet sein. (Ähnlich wie bei „→Tiefenatmung“ – siehe dort).

Tiefste Position:

Mit dem Einatmen leite ich die Gegenbewegung ein, indem ich mich wieder durch „strecken“ der Knie aufrichte und somit dadurch am Ende der Aufwärtsbewegung wieder den „höchsten“ Punkt, die Anfangsposition erreicht habe.
Diese Bewegung vollzieht sich sehr, sehr langsam.
Zeitgleich(!) – „drücken“ dabei die gedachten „Sprungfedern“ zwischen den Fingern alle(!) Finger „weit“ auseinander.
Die Arme selbst werden dabei nicht bewegt und „hängen“ weiterhin „regungslos“ an beiden Seiten meines Körpers

Diese „Aufwärtsbewegung“ des Körpers und somit „das Spreizen der Finger“ endet, sobald ich den höchsten Punkt meiner Gesamtkörperhaltung – wieder: in Tai Chi-Haltung, d.h.: niemals(!) die Knie vollständig durchgestreckt – sondern immer noch leicht gebeugt – erreicht habe UND alle(!) Finger beider Hände vollständig gespreizt sind, sowie zeitgleich(!) der Einatemvorgang endet.

Wichtig: Die Hände und Arme selbst werden bei dieser Übung niemals bewegt! Nur die Finger! – Das „Tiefergehen“ und „Aufrichten“ erfolgt ausschließlich dadurch, dass ich den Oberkörper „auf und ab“ bewege, indem ich die Knie beuge und strecke – sonst nichts!

Exkurs
Tipp: Wie bei der „→Tiefenatmung“ ist es nicht notwendig, möglichst „tief“ nach unten zu gehen – ein paar Zentimeter „Höhenunterschied“ genügen.
Fortgeschrittene können durchaus die Übung einmal durch stärkere Kniebeugen „verschärfen“ – ohne die aufrechte Körperhaltung zu verändern. Der Übungsinhalt „Fingerfedern“ sollte dabei jedoch nicht vernachlässigt werden.

In der Vorstellung bilden die „Sprungfedern“ zwischen den einzelnen Fingern jeweils einen leichten Widerstand, welchen ich „erfühlen“ kann, sowohl wenn ich die Hände durch die Gesamtbewegung des Oberkörpers, verursacht durch das „Sinken“ in die Knie nach unten bewege und gleichzeitig alle Finger schließe (zusammen führe), als auch, wenn ich mich wieder aufrichte und die Finger wieder „gespreizt“ werden.

Jene gedanklichen „Sprungfedern“ „verhindert“ sozusagen eine „einfache Bewegung“: Das „Zusammenführen“ wird „gebremst“, als auch das „Öffnen“ „forciert“.
Diese „Federn“ beeinflussen die Fingerbewegung und es verhält sich anders, als wenn „nichts da“ wäre, womit die Finger bewegt würden, bzw. wenn ich diese nur in der Luft „Schließen“ und „Spreizen“ würde.

Zeitgleich wird die Kontemplation (Atemrhythmus, Bauchatmung, Schwerpunktverlagerung durch Kniebeugen) und Achtsamkeit (Propriozeption) verbessert, denn ich muss ebenso darauf achten, was mit meinen Fingern passiert – manchmal gerade bei „Neulingen“ – oder aktueller Tagesverfassung, kommt es vor, das einzelne Finger nicht das machen, was man gerade will.

Ich muss genau darauf achten – ohne hinzusehen, der Blick ist ja geradeaus in die Ferne gerichtet: „Sind am tiefsten Punkt jetzt wirklich alle Finger geschlossen?“ – sowie: „Sind nachdem ich mich wieder ganz aufgerichtet habe, auch alle Finger gespreizt – bzw. voneinander gelöst?“
(„Tricky“ – Ihr werdet sehen!)

Sollten einzelne Finger dabei einmal nicht das tun, was erwartet wird: Zwei oder mehrere Finger bleiben „zusammen“ oder beim „Schließen“ bleibt eine Lücke. Kann dies auch einen Hinweis darauf geben, welche Körperregion aktuell (also: gerade jetzt, heute), Irritationen im Chi-Fluss aufweisen.
Bei Wunsch und Interesse kann in der Literatur der Traditionellen Chinesischen Medizin, der TCM, nachgelesen werden, welche Finger, welcher Körperregion zugeordnet werden.

Dieses „tiefer gehen“ und „aufrichten“ gemeinsam mit Bewegung der Finger durch – langsame(!) – Bewegung des Oberkörpers im Rhythmus des Atems, erzeugt durch – wiederum: langsames(!) – Beugen und Strecken der Knie, vollziehe ich einige Minuten lang und achte dabei ebenso auf „das jeweilige Gefühl“ in meinen Fingern, genährt durch die Vorstellung, diese gegen oder mit dem Widerstand von „Mini-Expander“ zwischen jedem einzelnen Finger zu bewegen.

Idealerweise mache ich das für ca. 5 Minuten, danach beende ich diese Übung.

Nochmals – bitte beachten: Während der gesamten Übung bleiben die Augen geöffnet!

Ziel & Zweck dieser Übung:

***********************************************************************************

  • Erlernen/Beibehalten der Kontemplation in Bewegung bei geöffneten Augen;

Anmerkung:
Eine Konzentration würde dabei hinderlich sein, weil ich mich ja immer nur „auf eines Konzentrieren“ kann – denn es müssen auch „die Fingerfedern“ zeitgleich in der Vorstellung beachtet werden! Diese Übung „erzwingt“ sozusagen ein kontemplatives Herangehen. Die Gedanken „müssen“ zwischen Auf- und Abwärtsbewegung des gesamten Körpers, Beibehaltung der Körperhaltung, Beachtung des Atemrhythmus, „Spreizen“ und „Schliessen“ der Finger mit dazwischenliegenden Sprungfedern, „kreisen“!!!

  • Verbesserung der ACHTSAMKEIT!
    im Sinne von: Das bewusste, wertungsfreie Wahrnehmen des gegenwärtigen Moments – „innen“ wie „aussen“ (…auf „alles“, was gerade „jetzt“ mit mir und um mich herum passiert!)

Sowie zugleich (wie gehabt bei Tai Chi Gung!):

  • Vertiefung/Verbesserung der Imagination (Vorstellungskraft);
  • Verbesserung/Vertiefung der Meditations-Fähigkeit;
  • Steigerung der Körper-Koordination und →Propriozeption – („Was macht denn der Finger schon wieder?“ – „Ist die Körperhaltung korrekt?“ – „Wann und Wo erfolgt welche Bewegung?“ – „In welcher Stellung befinden sich gerade welche Körperglieder?“);
  • Verbesserung der Beinkraft und der Muskulatur;
  • Stärkung der Beingelenke;
  • Verbesserung der Flexibilität der Beine;
  • Verbesserung des Gleichgewichtssinnes und der Schwerpunkt-Findung;
  • Bewegung und „Massage“ der Fascien bis in den oberen Rückenbereich;
  • Verbesserung der Durchblutung und des Chi-Flusses;
    sowie:
  • Erhöhung der Sensitivität in den Fingern und Händen!
    (Verbesserung und „Aktivierung“ der Wahrnehmung in den Fingern und Händen für „Umgebungseinflüsse“, wie
    z.B.: Temperatur, Luftströmungen, …, der Haptik!);
    als auch:
  • Kräftigung der Finger(-„fertigkeit“), sowie „Griff-“ und „Sehnenstärke“,
    (Anm.: Diese Übung ersetzt durchaus eine „Griffhantel“, einen „Fingermaster“ oder „Quetschball“ im Fitnessstudio, sobald ein paarmal – regelmässig immer wieder einmal innerhalb von Tagen ausgeführt! – Freunde, Verwandte, Bekannte werden über Deinen „Handgriff“ staunen, sobald Du wieder mal Händeschütteln darfst);

Schlussbemerkungen:

Diese Übung ist einfach eine „Super Einzelübung für Zwischendurch“ im Stehen – welche man „überall“, egal wo, machen kann: In der Mittagspause, in der Warteschlange, …interessant auch: während einer Busfahrt [bitte nur, wenn man seiner Standfestigkeit sicher ist] … kurz: Überall, wo ansonsten „Leerzeiten“ oder „leer Herumgestanden“ wird. Mit dieser Übung, kann man jede Wartezeit oder Pause im Stehen ideal und „gewinnbringend“ nutzen!

…und ja: Hiermit habe ich verraten, dass ich Rucksack (oder Umhängetasche) und immer freie Hände bevorzuge, wenn ich unterwegs bin. *zwinker*

Diese Übung kann ebenfalls als Paradebeispiel für die Praxis und zum Verständnis des Tai Chi (Chuan) angesehen werden.

Allein die Erklärungen (siehe oben) nehmen mehr Zeit in Anspruch, als diese Übung selbst durchzuführen.
„Zusehen“, wenn jemand diese Übung macht, ist nicht einmal „der Trostpreis“, denn die alleinige Beobachtung des Vorganges zeugt nur (völliges) Unverständnis.
Erst dann(!), wenn man diese Übung selbst(!) ein paar mal gemacht hat, „versteht“ man, was es damit auf sich hat.
Und erst wenn man diese Übung öfter – am besten „fortgesetzt, regelmäßig“ – immer wieder einmal macht – wächst das Verständnis und „gibt“ immer wieder weitere/neue Erkenntnisse, sowie wohltuende als auch gesundheitsförderliche Erfahrungen und Fortschritte.

Hierfür gilt eben das „Gleichnis mit der Erdbeere„:
Du kannst niemanden, der noch nie eine Erdbeere gegessen hat, erklären, wie diese schmeckt – es bleibt nur die Aussage „Koste sie, dann weisst Du es“.

Schluss

Wieso Tai Chi Gung – Landessportverein?

Vereinslogo Tai Chi Gung - Landessportverein

Frage:

  • Wieso Tai Chi Gung – Landessportverein?
    bzw.
  • Warum der Name für den Verein?

Antwort:

Warum nicht?
Nein, Scherz beiseite – der Name ist Programm und beinhaltet alles, was wir tun.

Taichi wird hierzulande oft missverstanden un fehlinterpretiert. „Kungfu„, welches ja prinzipiell falsch publiziert wird (→ dazu mehr an anderer Stelle), wird im Westen mit „Martial Arts“, „Brutalität“ und „Härte“ assoziiert.

Wir hingegen, üben zwar „→Kampfkunst“ (ein →Aspekt), aber kämpfen nicht!

Tai Chi als/zur →Meditation? – Ja, klar, ein weiterer Aspekt, aber nicht die Hauptintention – wir sind keine Meditationsgruppe!
Wer nur entspannt in der rosaroten Wolke „herumdriften“ oder „Auszeit mit Nichtstun“ verbringen möchte, findet sicher woanders besser geeignete Sit-ins – wir sind ein Sportverein.

Ja, wir bewegen uns und häufig auf eine Art und Weise, welche für Ungewohnte und Ungeübte gerade am Anfang, sehr, sehr anstrengend und herausfordernd sein kann.

Daher bieten wir für Anfänger in unserem Verein halbjährlich (immer ab März/April bzw. September) →Einsteigertrainings an, um für neue Mitglieder im Laufe von Wochen, Schritt für Schritt, die körperlichen Grundlagen (Fitness, Beweglichkeit, Ausdauer) ausbilden zu können, sowie die mentalen, geistigen Inhalte zu vermitteln, damit das laufende Formentraining (in voller →Form) überhaupt bewältigt werden kann.

Und ja,
wir sind ein Verein – wir sind kein Kursanbieter mit abgeschlossener Lehreinheit, sondern trainieren „ständig“, „fortlaufend“ und „immer wieder“.

Als Sport(art) wie Fußball, Volleyball, Schilaufen, Synchronschwimmen, besser vielleicht: Eiskunstlauf oder Turniertanz – Nicht einmal, sondern ständig – eben „→Gung„!

In Salzburg, im Bundesland Salzburg – für alle die in/im Salzburg(erland) ansässig sind, oder hierzu ins Land kommen („LandesSportVerein„).

Ergänzung: Die Wortbedeutungen von „Tai Chi Gung“ finden sich detailliert im Blogartikel →Wortpyramide.