Monatliches Archiv:November 2022

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 028

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 28


Meisterspruch 028:

„Durch Üben des Einsatzes der ‚richtigen Technik‘ und Berücksichtigung meiner Worte wirst Du das ‚Gleichgewicht in der Mitte‘ nicht mehr verlieren. Das ist überaus bedeutsam.“

(Transkription nach Yang Cheng-Fu).


Hintergrundinfo:

Aussage von Meister →Yang Cheng-Fu (“Yang Ch’eng-Fu” oder “Yang Chengfu”), China 1883-1936.

Beide Themen wurden bereits in vorangegangenen Hintergrundinfos zu Meistersprüchen behandelt:
– die „richtige Technik“, und
– das „Gleichgewicht in der Mitte“ (also das: „→Zentrieren„).

Auch für Meister Cheng-Fu aus der Familie →Yang, scheinen beide Komplexe dermaßen essentiell, dass er dies erneut hervorhebt.

Er stellt damit den Schülern zugleich die Aufgabe, sich damit ernsthaft zu beschäftigen.
Für den westlichen Kulturkreis und „unsere Denke“ ist es wichtig zu strukturieren, worin nun jene Aufgabe besteht:

  • „Üben“ – Was versteht ein Chinese der klassischen Epochen darunter?
    Wie ist dies zu tun und was genau?
  • „den Einsatz von“ – also die Anwendung von etwas
  • „der ‚richtigen Technik'“ – Welche? bzw.: Was ist die richtige Technik?
  • unter: „Berücksichtigung meiner Worte“ – Also: Was hat Meister Cheng-Fu alles gesagt?
  • Denn: Wenn man dies tut, jener Anweisung von ihm folgt, dann wird man(n)/(frau)
    sein/ihr „‚Gleichgewicht in der Mitte‘ nicht mehr verlieren“;
  • Womit natürlich auch geklärt sein muss: Was bedeutet „das Gleichgewicht in der Mitte“? Sprich: Was bedeutet es also, „zentriert“ zu sein?

Exkurs:
Genau deshalb betrachten wir jene Meistersprüche, gleichsam wie Bild-Gemälde bedeutender Maler, welche „in Form und Farbe“ eine visuelle Darstellung eines Momentes eines realen oder imaginären Faktums, einer Idee oder einer Vision veranschaulichen, welches den Betrachter jene nahebringen sollen und
selbstverständlich interpretiert sein wollen. Selbstverständlich: Nicht jeder „sieht“ darin dasselbe! Und: Manchmal scheint dies auch so gewollt!

1.) Üben
Menschen im klassischen China gingen davon aus, dass ein kultivierter Mensch die fünf Künste pflegt:

  • Yangsheng – Die Pflege der Gesundheit von Geist, Seele, Körper und Lebenskraft – später in Folge dann „die Medizin“ als TCM (Traditionelle Chinesische Medizin);
  • Kalligraphie (die „Schriftmalerei“);
  • Poesie
  • Malerei, sowie
  • Wushu, das Praktikum der Kampfkunst;

Das „Üben“ bedeutet also, dass eine Kunst (ein „handwerkliches Geschick“, eine Befähigung, eine Fertigkeit) angeeignet und dann regelmäßig gepflegt wird.

Mit „Pflegen“ ist gemeint, dass man sich regelmäßig, ständig und kontinuierlich – zumindest immer wieder mal(!) „von Zeit zu Zeit“ – mit einem Themenkomplex, einer Anforderung, einer Tätigkeit, eben „einer Kunst(form)“ auseinandersetzt und sich darin „regelmäßig betätigt“.

In der westlichen Geschichte könnte man dies mit „Exerzitien“ (von lateinisch „exercere“ für „üben“!) der Mönche in Klostern vergleichen. Dort sind es geistliche (geistige) Übungen, die abseits des alltäglichen Lebens zu einer intensiven Besinnung und Begegnung mit dem Göttlichen führen sollen. Hier wird jedoch ein strenger kirchlicher/religiöser Bezug gleichgesetzt.

In der „profanen“ westlichen Kultur verstehen wir (modern gesehen) darunter eher ein Hobby, eine Profession, ein Tätigkeitsfeld, welches regelmäßig ausgeführt wird.
Welches jedoch auch meist „abseits“ des „normalen Lebens“ ausgeführt wird, da „öffentliche“ gesellschaftliche Teilnahme ja noch immer eine Trennung zwischen „in/mit der Gesellschaft tätig sein“ – also: „Arbeiten gehen“ – und „privat tätig sein“, als erstrebenswert angesehen ist. (Jüngere Generationen stellen dies in Frage und eine Wandlung scheint im Gange, da doch vereinzelt die Frage nach
Lifetime-Quality aufgestellt wird …aber das ist ein Thema, welches woanders vertieft werden sollte).

Zurück zur Übung/Pflege. Der mir hierzu am geegnetste und nachvollziehbarste Darstellungsvergleich ist „die Pflege eines Gartens“.
Wenn jemand sich dazu entschieden hat, ein Hobby-Gärtner zu sein, dann wird er sich seinem Garten widmen (müssen), darin tätig sein, diesen „hegen und pflegen“ wie es so schön heisst, andernfalls dieser wieder der Natur überlassen, „einfach vor sich hin wächst“ …oder eben „verfällt“.

Damit lassen sich auch wunderbar unterschiedliche Verhaltensweisen und Einstellung westlicher Menschen darlegen.

Ein „Konsument“ kauft sich einen Garten und wundert sich dann, dass jener nicht so bleibt, wie erworben.
Er stellt schließlich fest, dass er alles „ersetzen“ und „neu kaufen“ muss, wenn es da nicht jemanden gibt, welcher sich auch um „die Erhaltung“ kümmert. Finanziell potentere Menschen, welche dies nicht selber machen wollen, stellen sich dann halt jemanden an, welcher dies für sie übernimmt: Man „kauft“ sich also einen Gärtner.
„Der Konsument“ will also nur passiv „haben“, „besitzen“, „nutzen“ – ohne eigenes Engagement, ohne sich selbst allzu sehr zu „involvieren“. Er bleibt also „außen vor“, ist „Betrachter“, „Zuseher“, „Nutznießer“ ohne persönlichen Einsatz.

Selbstverständlich lernt er dadurch keinerlei Fertigkeit oder Fähigkeit im Bezug zu „seinem“ Garten, häuft höchstens Wissen an …und wenn dann „verbessert“ sich nur seine Befähigung noch besser und effizienter konsumieren zu können.
(Exkurs: Böse Zungen behaupten, dies sei eine parasitäre Lebensweise)
Die Grundeinstellung ist also: Einen Garten haben zu wollen!

Die andere Haltung ist jene eines (Hobby-)Gärtners.
Er trifft die Entscheidung, ein Gärtner zu sein!

Damit ist für ihn klar, dass er sich wie ein Gärtner verhalten muss, sich um seinen Garten zu kümmern und diesen zu pflegen muss und auch: Dass er sich wiederholt und „ständig“ – immer wieder – mit dem Thema Garten und alles was hierzu nötig ist auseinandersetzen muss/wird. Darüberhinaus ist er bereit alles hierzu – für ihn(!) – notwendig zu lernen und selbstverständlich nicht nur sein Wissen über Gartenpflege zu erweitern, sondern auch seine Fertigkeiten und Fähigkeiten im Bezug auf Garten(pflege) zu verbessern und ständig zu erweitern.

Die Chinesen sprechen dabei von „→Gung“ – also: „der Pflege von“ (etwas, eben einer Kunst[form]).
Wird diese „Kunst“ dann „meisterlich, regelmäßig, ständig – und OHNE obsessive Verhaltensweisen(!)“ ausgeführt, so (be-)nennt man dies „→Fu„.

D.h.: Mit Beispiel von zuvor. Frage: „Was machst Du gerne?“ – Antwort: „Garteln Gung Fu“!

Genauso verhält es sich mit Tai Chi (in der Moderne): Selbstverständlich kann man Tai Chi (Chuan) im Rahmen von Kursen, Büchern, Videos einmal konsumieren. Natürlich auch wiederholt. Man kann sich daran erfreuen, zusehen, staunen und „ein bißchen mitmachen“ – jedoch: Der wahre Kern, die Erfahrung, Erhaltung und
Entwicklungsmöglichkeiten jener Kunst(form) bleiben einem verborgen, solange man dies nicht „in“ sein Leben integriert!

Für den chinesischen Meister Chen-fu ist „Üben“ jedoch – ganz selbstverständlich – gleichzusetzen mit „Der Pflege von Tai Chi“. So wie ein Mensch sich regelmäßig „selbst pflegt“: Sich wäscht, Zähne putzt, für ausreichend Schlaf sorgt oder isst, trinkt und sich kleidet.

2.) Einsatz
Übt – also: pflegt – man →Tai Chi, so sollte der Übende sich ebenfalls bewusst sein, dass jede Übung (der Tai Chi Gung – Landessportverein spricht dabei von „→Bildern„) immer(!) einen „Sinn“ haben. Ebenso sollte sich der Aspirant (zur Erklärung: „Anwärter“ – auf eine Meisterschaft in Tai Chi) stets bewusst machen, dass jedes „Bild“ immer(!) mehrere →Aspekte aufweist.
Diese Aspekte „zeigen“ den „Nutzen“ (geistig, seelisch, körperlich … Kampfkunst).
Erkenne ich diesen „Nutzen“ (das „Wozu“?), so erkenne ich,

3.) Die „richtige Technik“.
Die „→richtige Technik“ ist genau jene, welche sich hieraus ergibt. Verstehe ich den Einsatz (eines „Bildes“), verstehe ich wann und wo ich jenes – genau – anwenden kann (…auch um beispielsweise in einer Kampfsituation siegreich zu sein).

Das Geheimnis ist gar kein Geheimnis – es ist offen und klar dargelegt. …und zwar „immer wieder“.

Warum also überhaupt „Geheimnis“? – Weil es sich ausschließlich jenem erschließt, welcher sich mit der Methodik, dem →Arbeitsmodell von Tai Chi, auseinandersetzt und entsprechende Erfahrung und Wissen (also: Weisheit) erlangt hat. Für alle anderen bleibt dies „verborgen“ – obwohl direkt „vor der Nase“.
Es ist also ein „Geheimnis“, welches sich selbst schützt.

Exkurs:
Aufhebens darum, machen meist nur jene, welche dieses selbst noch nicht gelüftet haben.

Manche(r) Leser/in mag vielleicht jetzt denken: „Häh?“
Auch das lässt sich leicht klären.

Beispiel 1:
Wenn ich beispielsweise die Zeichenfolge „E=MC²“ irgendwo öffentlich dort an eine Hauswand oder an einem Baum oder wo auch immer, für jeden sichtbar anbringe, wo noch niemand von lateinischen Zeichen, physikalischen Formeln oder von Albert Einstein gehört, gelesen, oder „gelernt“ hat, dann wird dort niemand verstehen, was hiermit ausgesagt sein soll – egal, ob dies täglich auf dem Nachhauseweg angesehen und gelesen werden kann.
Sprich: Dieses Geheimnis erschließt sich erst, wenn man selbst dem
Entwicklungsstand, der „Kultur“, dem „Erfahrungswert“ jener „Gruppe“ angehört, welche(r) jene Formel entwickelt und aufgeschrieben hat, entspricht.
(Sorry, ist halt mal so.)

Beispiel 2:
„Sonderbare Fische“.
Die Annahme falscher Paradigmen. Ich betone hier ebenfalls: Tai Chi (Chuan/Quan) ist eine „→innere Kampfkunst“!!!
Wer jene an Maßstäben und Regeln „äußerer Kampfkünste“ misst, vergleicht und „geheime Techniken“ finden möchte, befindet sich „auf dem Holzweg“.
…und es gibt unzählige Leute, welche nach wie vor nach „geheimen Griffen“, „geheimen Schlägen“ oder „besonderen körperlichen(!) Techniken“ suchen.

Man stelle sich vor ein Meeresbiologe ignoriere sämtliche anderen Lebensumfelder und Umweltbedingungen ausser dem Meer. Er konzentriert sich ausschließlich(!) auf jenes und untersucht sämtliche Vorgänge darin. Alles, was ausserhalb des Meeres stattfindet wird „ausgeblendet“. Irgendwann einmal im Rahmen seiner Forschung wird er auf seltsame Lebewesen treffen, welche nicht im Meer zu leben scheinen, jedoch ab und zu in dieses eintauchen und dann wieder verschwinden. Er analysiert diese genau und kommt zu dem Schluss, dass es sich um eine sonderbare Art von Fischen handeln müsse, welche „irgendwo von außerhalb“ des Meeres kommen, aber er wird nie begreifen, dass es sich um Vögel handelt, welche eigentlich in der Luft zu Hause sind und „nur ab und zu“ auf Jagd gehen. Er kann sämtliche Tauchvorgänge genau darlegen, das Verhalten mit „normalen Fischen“ vergleichen, aber er wird nie verstehen, wie der Vogelflug in der Luft vonstatten geht und wie der Vogel „Schwung“ holt, um in das Meer – „für einen Moment“ – abzutauchen.
Würde er dann nicht auch „glauben“, dass „irgendein Geheimnis“, diese Art von Lebenwesen, die Fortbewegung im Meer erlaubt?

4.) Berücksichtigung der Worte von Meister Chen-Fu
Tja, liebe Freunde und →Taichianer, dies ist – leider – ebenfalls wieder „mehrdeutig“ (ambig) zu lesen.
Einerseits meint er genau obig genannte Aussage „wortgetreu“ zu nehmen – andererseits ist dies der Hinweis, alle(!) seine jemals getroffenen Aussagen ebenfalls zu verinnerlichen und zu beachten.

5.) Das „Gleichgewicht der Mitte“ erhalten/beibehalten
Tai Chi Gung dient der Erhaltung der Mitte. Die „→Mitte“ ist selbstverständlich wiederum nicht nur(!) körperlich zu sehen.
Das →TAI CHI Tu zeigt das Wesen und den Inhalt.
Ein sehr, sehr komplexes Thema, welches ich bitte, in den entsprechenden →Glossareinträgen nachzulesen, um diesen Artikel im lesbaren Rahmen zu halten.

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 027

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 27


Meisterspruch 027:

„Man muß die richtige Technik anwenden.“

(→Klassische Schrift zu →Grundtechnik und →Kampfkunstaspekt).


Hintergrundinfo:

Anmerkung:
Ich weiß, als ich diese Aussage das allererste Mal gelesen hatte, dachte ich auch beleidigt/angefressen: „Hurra, jetzt kenn‘ ich mich aus – logisch, was sonst! – Das ist genau, was ich wissen wollte, …sagt mir jetzt im Moment gar nichts Neues“.

Um obige Aussage zu verstehen, ist es nötig den Kontext zu beachten.
Diese wird eben als Antwort zum Verständnis der Grundtechniken und wie man jene(!) anwendet, gegeben, um in einen Kampf siegreich zu sein.

Wichtig auch dabei: Die „richtige Technik“ anwenden, galt(/gilt noch) immer als „geheime Überlieferung“! (ernsthaft!!!)

Damit ist also nichts anderes gemeint, als der Einsatz der geeigneten Grundtechnik entsprechend den „Ba Gua“, bzw. des jeweiligen →Komplementärs, im Kampf.

Voraussetzung ist also, die Grundtechniken („des TaiChi“ – nicht[!] irgendeiner anderen äußeren Kampfkunst) zu kennen, zu verstehen und anwenden zu können.

D.h.: „→die Ba Gua“ („Die Acht Manifestationen“) zu meistern („kennen und können“). Sowie zuvor einmal analytisch entscheiden zu können: Wann setze ich was ein? (Welchen Komplementär?) – um danach dies alles schließlich (im Kampf!) „vergessen“ zu können, weil Körper, Geist und Seele „in der Meisterschaft“ eine Einheit bilden und „automatisch“ (weil ja „ständig ohne Obsession perfektioniert wurde“, d.h. „Gung Fu“ [in Tai Chi!] praktiziert wird) nach „→Yi-→Chi-→Chin“ zu (re-)agieren.

Womit es wiederum nur eine(!) einzige(!) „Technik“ gibt: Nämlich: „So zu sein, wie man IN Tai Chi sein sollte!“

Anders formuliert:
Was soll man denn einem Adepten, einen Schüler der Kampfkünste, welcher gerade am Anfang seiner Studien steht, anderes – kurz und bündig – sagen, wenn er fragt, wie er im Kampf mit Tai Chi siegreich sein kann?
Na eben genau das: „Man muss die richtige Technik anwenden“.
(Was dies konkret bedeutet, lernt er schon im Laufe seiner Studien, oder?).

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 026

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 26


Meisterspruch 026:

„Man steht aufrecht und ausgeglichen, Energie wird bewegt wie das Ziehen eines Seidenfadens.“

(Transkription aus den →Taichi-Klassikern).


Hintergrundinfo:

Der erste Satz(teil) beschreibt die Körperhaltung und selbstverständlich auch das Verhalten (eben: „innen & außen“). Der zweite Satz ist ein Vergleich („…wie das Ziehen eines Seidenfadens“).

Von Seiten des →Chen-Stils, liest und hört man hierzu oft:
„Zieht man zu schnell, reißt der Seidenfaden – zieht man zu langsam löst er sich nicht.“
Hierbei wird der Vergleich erklärt.

Exkurs:
Die aktuellen Vertreter des Chen-Stiles – besser gesagt: Die WCTA (die World Chen Xiaowang Taijiquan Association) – haben unter Großmeister Chen Xiaowang, dem heutigen Hauptvertreter des Chen-Stils (19. Generation lt. eigenem Stammbaum, aktuell wird 20. Generation genannt), ein separates[!] Übungssystem „für Einsteiger“ unter dem Namen „Cansigong“ – die sogenannten „→Seidenübungen“ eingeführt, deren Beherrschung als eine der Grundvoraussetzung angesehen wird, bevor überhaupt (deren[!]) Taiji-Form trainiert werden könne.

Das „Cansigong“ (die „Seidenübungen“ oder „Seidenfadenübungen“) – wurde dabei, laut Aussage von Chen Xiaowang, bzw. der WCTA, aus dem QiGong[!] entlehnt.

Kommentar:
Problematisch dabei ist das zugrundeliegende andere Modell (die andere Methodik) – siehe: →Vergleich Tai Chi zu QiGong

Es wird dabei ein(!) →Aspekt der Taichi-Form(en) separat und intensiv trainiert. Es dient dazu, den Energieaspekt kennen, trainieren und schließlich beherrschen zu lernen.

Davor wird vom Chen-Stil ebenfalls noch eine Stufe (fuer Einsteiger) gesetzt: Die Beherrschung der „Säulenübung“. Welche im Prinzip nichts anderes bedeutet, als die Haltung „Den Baum umarmen“ möglichst lange (Zielsetzung: mind. 1 Stunde!) ausüben zu können. Danach setzt man mit „Cansigong“ (in Stufe 2) fort.

Anmerkung:
Das „Hörensagen“, die „mündliche Überlieferung“, sowie (ungenaue) Zeitungsartikel und Medienberichte führen dazu, dass gemeinhin, viele Dinge zu den „Seidenübungen“, „Seidenfadenübungen“, „Ziehen des Seidenfadens“ usw. usf. im Umlauf sind. Genauso wie: „die Geheimnisse des Seidenfadenziehens“ – welches im Grunde gar keine „Geheimnisse“ sind, sondern eher dem „Unverständnis der Bewegungen und der Methode des Tai Chi“ im allgemeinen entsprechen. …und ja: Jene „Seiden(faden)übungen“ sind eine Sonderform(!) des Trainings der Chen-Schule (siehe oben).

Darüber hinaus: Jene „Seidenübungen“ muss man nicht haben/kennen, um Tai Chi – woanders, ausserhalb des Chen-Clans (sorry!) – trainieren zu können!

Wichtig:
Der Tai Chi Gung – Landessportverein beschreitet seit Jahren einen anderen Weg, um Einsteigern und aktiven Mitgliedern, den →Energieaspekt nahezubringen, sowie gleichzeitig die körperlichen, geistigen und seelischen Fertigkeiten zur Ausübung von Tai Chi „aufzubauen“, „zu stärken“ und „zu verbessern“.

Wir bedienen uns hierzu eine Kombination von verschiedenen, „dynamischen“ Vorbereitungsübungen, welche bei jeder(!) Trainingseinheit (im Trainingsabschnitt „Aufwärmen“) durchlaufen werden und alle(!) Aspekte harmonisch und „vollständig“(!) nahebringen:
Tiefenatmung„, „Stehen im Wasser„, „Wolkenhände“ und „Armekreisen„.
Hierin liegt ebenso „die Essenz des Tai Chi“, wie diese in der „Cansigong“ des Chen-Stils „verabreicht“ werden soll.

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 025

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 25


Meisterspruch 025:

„Während der Bewegung sollte unsere Haltung ausgeglichen, aufrecht, gleichmäßig und einheitlich sein.“

(Yang Cheng-Fu).


Hintergrundinfo:

Yang Cheng-Fu („Yang Ch’eng-Fu“ oder auch: „Yang Chengfu“), China 1883-1936,
gilt als berühmtester Meister und Vertreter der Familie Yang und deren gleichnamigen→Yang-Stil im 20. Jahrhundert.

Yang Chen-Fu erklärt hier, wie eine Bewegung mit und in Tai Chi durchzuführen ist und welche „Haltung“ hierbei eingenommen werden solle.

Anmerkung:
Ich persönlich finde, dass diese Aussage durchaus wiederum unter Berücksichtigung der üblichen →Ambiguität klassischer chinesischer Sprüche betrachtet werden kann, wofür ja der Zeitraum der Entstehung spricht (Anfang 20. Jahrhundert).
Und es dabei schließlich ja um auch um „Tai Chi“ geht, womit von vorn herein klar ist, dass zumindest ein(!) „sowohl als auch“ beinhaltet sein muss.

Damit ergibt sich die Frage:
Worin besteht nun das „sowohl als auch“?

Antwort:
In dem Begriff „Haltung“.

Unter „Haltung“ ist hier zweierlei gemeint, zum einen die reine Physis (der körperliche Aspekt“), zum anderen die mentale, geistige, emotionale „Einstellung“ (der Aspekt „der →inneren Kampfkunst„), das „Ver-Halten“ einer Person, welche Tai Chi ausführt.

Zum körperlichen Aspekt kann man die Aussage wörtlich nehmen.

Während einer Bewegung, sollte die Körperhaltung den „→Prinzipien des Tai Chi“ folgen, welche Yang Cheng-Fu an anderer Stelle einmal für Anfänger formuliert hatte.

Darüber hinaus ist wäre zu beachten, dass eben „Anspannung“ und „Entspannung“ von Muskeln, Sehnen, Körperteilen immer einen Ausgleich erfordern. Ist in einem Bewegungsabschnitt eine Anspannung nötig, muss dem eine Entspannung folgen. Ist ein Körperteil „gespannt“, ist eine andere Region „entspannt“ usw. usf.

Grundsätzlich ist der Körper „von Kopf bis Fuß“ eben „aufrecht“ zu halten. Der Kopf, die Wirbelsäule, das Becken („Dan Tien“, „die Hüfte“) und der Standfuß bilden eine Linie. Es wird „niemals“ der Rücken „gekrümmt“, wenn dann nur die Hüfte „geknickt“ – auch dann nicht, wenn man „tiefer geht“ (zum Beispiel bei „Die Schlange kriecht nach unten“ – vulgo: „Die Hockende Peitsche“).

Die Bewegung erfolgt „gleichmäßig“, also weder „ruckartig“ oder „abgehackt“ bzw. „stotternd“.

„Einheitlich“ bedeutet eben genau das, was in der →Klassischen Schrift zu Taichi über die „Einheit des Körpers in der Bewegung“ (→Meisterspruch Nr. 013) ausgesagt wurde:
„Kein Teil des Körpers bewegt sich, wenn nicht der ganze Körper in Bewegung ist – kein Teil des Körpers ist in Ruhe, wenn nicht der ganze Körper in Ruhe ist“.
(Punkt).

Unter dem Aspekt der inneren Kampfkunst,
ist es sehr lohnend, sich selbst einmal Gedanken zu machen, welche „Haltung“, sprich: „Verhaltensweisen“ bzw. „Charakterzüge“ den obig genannten Begriffen von

  • ausgeglichen sein
  • aufrecht sein
  • gleichmäßig und einheitlich sein

entsprechen und wie man jene, jeder für sich, realisieren kann!