100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 25
Meisterspruch 025:
„Während der Bewegung sollte unsere Haltung ausgeglichen, aufrecht, gleichmäßig und einheitlich sein.“
(Yang Cheng-Fu).
Hintergrundinfo:
→Yang Cheng-Fu („Yang Ch’eng-Fu“ oder auch: „Yang Chengfu“), China 1883-1936,
gilt als berühmtester Meister und Vertreter der Familie Yang und deren gleichnamigen→Yang-Stil im 20. Jahrhundert.
Yang Chen-Fu erklärt hier, wie eine Bewegung mit und in Tai Chi durchzuführen ist und welche „Haltung“ hierbei eingenommen werden solle.
Anmerkung:
Ich persönlich finde, dass diese Aussage durchaus wiederum unter Berücksichtigung der üblichen →Ambiguität klassischer chinesischer Sprüche betrachtet werden kann, wofür ja der Zeitraum der Entstehung spricht (Anfang 20. Jahrhundert).
Und es dabei schließlich ja um auch um „Tai Chi“ geht, womit von vorn herein klar ist, dass zumindest ein(!) „sowohl als auch“ beinhaltet sein muss.
Damit ergibt sich die Frage:
Worin besteht nun das „sowohl als auch“?
Antwort:
In dem Begriff „Haltung“.
Unter „Haltung“ ist hier zweierlei gemeint, zum einen die reine Physis (der körperliche Aspekt“), zum anderen die mentale, geistige, emotionale „Einstellung“ (der Aspekt „der →inneren Kampfkunst„), das „Ver-Halten“ einer Person, welche Tai Chi ausführt.
Zum körperlichen Aspekt kann man die Aussage wörtlich nehmen.
Während einer Bewegung, sollte die Körperhaltung den „→Prinzipien des Tai Chi“ folgen, welche Yang Cheng-Fu an anderer Stelle einmal für Anfänger formuliert hatte.
Darüber hinaus ist wäre zu beachten, dass eben „Anspannung“ und „Entspannung“ von Muskeln, Sehnen, Körperteilen immer einen Ausgleich erfordern. Ist in einem Bewegungsabschnitt eine Anspannung nötig, muss dem eine Entspannung folgen. Ist ein Körperteil „gespannt“, ist eine andere Region „entspannt“ usw. usf.
Grundsätzlich ist der Körper „von Kopf bis Fuß“ eben „aufrecht“ zu halten. Der Kopf, die Wirbelsäule, das Becken („Dan Tien“, „die Hüfte“) und der Standfuß bilden eine Linie. Es wird „niemals“ der Rücken „gekrümmt“, wenn dann nur die Hüfte „geknickt“ – auch dann nicht, wenn man „tiefer geht“ (zum Beispiel bei „Die Schlange kriecht nach unten“ – vulgo: „Die Hockende Peitsche“).
Die Bewegung erfolgt „gleichmäßig“, also weder „ruckartig“ oder „abgehackt“ bzw. „stotternd“.
„Einheitlich“ bedeutet eben genau das, was in der →Klassischen Schrift zu Taichi über die „Einheit des Körpers in der Bewegung“ (→Meisterspruch Nr. 013) ausgesagt wurde:
„Kein Teil des Körpers bewegt sich, wenn nicht der ganze Körper in Bewegung ist – kein Teil des Körpers ist in Ruhe, wenn nicht der ganze Körper in Ruhe ist“.
(Punkt).
Unter dem Aspekt der inneren Kampfkunst,
ist es sehr lohnend, sich selbst einmal Gedanken zu machen, welche „Haltung“, sprich: „Verhaltensweisen“ bzw. „Charakterzüge“ den obig genannten Begriffen von
- ausgeglichen sein
- aufrecht sein
- gleichmäßig und einheitlich sein
entsprechen und wie man jene, jeder für sich, realisieren kann!
