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Aufklärungsserie: Das ist Tai Chi Gung – Teil 7/15

Aus den Archiven 2009 -
Erstveröffentlichung:
Von tai chi gung-User am 3. Jun 2009 um 14:58
Inhalt: Problemstellungen bei der Beschäftigung mit Tai Chi und gebotene Lösungsansätze. – 2. Übersetzungs- bzw. Übertragungsprobleme
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http://mein.salzburg.com/interessen/sport_action/2009/06/aufklarungsserie-das-ist-tai-c-6.html 
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Problemstellungen bei der Beschäftigung mit Tai Chi und gebotene Lösungsansätze.

2. Übersetzungs- bzw. Übertragungsprobleme

Als erstes wird dem Interessierten im Westen der Zugang zu chinesischen „Weisheiten“ leider dadurch erschwert, dass für ein und dasselbe chinesische Wort oder Begriff, unterschiedliche Ausdrücke in lateinischen Buchstaben „überliefert“ wurden.

Das heisst: „k“ gleich „g“ gleich „j“ oder „q“ manchmal gleich „ch“ – Aussprache „dsch“ oder „tsch“
– oder es wurden Selbstlaute, wie z.B. „u“ mit „o“ getauscht und vieles andere mehr.

Dies lässt sich zum Teil dadurch erklären, dass chinesische Laute oder Aussprachen jeweils in die der Landessprache des Übersetzers passendsten Buchstabenfolgen übertragen wurden.
Es hängt also davon ab, woher der Autor stammt: England (später dann Amerika), Frankreich, Spanien, Portugal, …, Deutschland.
Ein weiterer Teil zur Erklärung ist, dass China ein riesiges Land mit unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen und Dialekten beherbergt. Je nachdem von welcher Region Chinas und unter welchem „Dialekt“ der Übersetzer seine Quellen bezogen hat, kann dies zu unterschiedlichen Betonungen (und leider auch: Bedeutungen) führen.
Entscheidend um Zusammenhänge erkennen zu können, wären aber die zugehörigen Symbole, welche in der bei uns erhältlichen Literatur zu einem dieser Themen meist nicht „mitgeliefert“ werden.

Beispiele für „Übersetzungsprobleme“:
– „Peking“ bzw. „Beijing“;
– „Tao-Te-King“ -> sprich: „daodedsching“,
wodurch erst klar wird, dass dies auch mit dem
„I Ging“, sprich „i dsching“, zusammenhängt;
– „Tai Chi“ – „Taiji“; oder „Qi Gong“,
früher: „Ch’i kung“ (sprich: „dschi gung“);
– „Chi“ – „Qi“
(Anm.: japanisch: „ki“ – daraus ergibt sich
wiederum der [Karate-] Kampfschrei „Ki Ai“);
– „Kung fu“ – ursprünglich: „Gung fu“,
manchmal „gong fu“
oder aus dem Amerikanischen „Gung foo“;

Es ist daher zu beachten:
– Der Inhalt einer Übertragung offenbart sich dem westlichen Menschen daher oft nur im Textvergleich verschiedener Publikationen, sofern keine ursprünglichen Symbole und Interpretationsmöglichkeiten mitgeliefert werden.

– Zu klären ist auch: Welchen Ursprungs ist der „Übersetzer“ (der Übertragende): ein Auswanderer, ein Kolonialist, …, oder ein Angehöriger einer anderen Sprachkultur (z.b.: Engländer, Franzose, Amerikaner), wobei dessen Aufzeichnungen zusätzlich in einem zweiten (Arbeits-)Schritt erst ins Deutsche übertragen wurden?

– China ist ein riesiges Land, welches viele Regionen (Dialekte) unterschiedlichste kulturelle, geschichtliche und auch religiös geprägte Denkansätze beherrbergt (Taoismus, Buddhismus, Konfuzianer, …,

Als gutes Beispiel hierfür können Übertragungen des Tao-Te-King (sprich: „daodesching“) von Lao Tse (manchmal auch: „Lao Zhe“, …, „Laozi“, um 600 vor Christus) genannt werden.
Ein deutscher Text lautet (1. Kapitel, erster Absatz):
„Der Weg, von dem wir sprechen können, ist nicht der ewige Weg; …“

Obwohl „Tao“ eigentlich als nahezu unübersetzbar gilt, wird dies von vielen Autoren oft als „Weg“ übersetzt. Auch wenn der Autor nun erläutert, dass er dies so handhabt, ergibt sich im Text ohne Einzelerläuterung schon ein Problem: Wo ist „Weg“ tatsächlich als „Weg“ zu verstehen und wo war ursprünglich „Tao“ gemeint?

Allein schon der oben angeführt Satz könnte nun folgende Zusatzbedeutungen erlangen:
– „Der Weg, von dem wir sprechen können, ist nicht das ewige Tao; …“
– „Das Tao, von dem wir sprechen können, ist nicht der ewige Weg; …“, oder
– „Das Tao, von dem wir sprechen können, ist nicht das ewige Tao; …“;

Das Symbol für „Tao“ setzt sich zusammen aus den Symbolen für „Kopf“ und „Fuß“ bzw. welche auch gleichbedeutend mit „Denken“ und „Gehen“ gesetzt werden.
Nun erklärt sich, warum oft der „Weg“ als Interpretation gewählt wird.
Andere Interpretationen für „Tao“ wären „Höchstes Sein“, „Sinn“, „Weltgesetz“, „Logos“, „Ratio“, „natura“, usw. usf.

Wie wäre es also mit:
„Das bewusste Voranschreiten, von dem wir sprechen können, entspricht nicht dem ewigen Tao;…“ ?
oder auch:
„Das Denken und Gehen, von dem wir sprechen können, entspricht nicht dem ewigen Weg; …“?

Die Bedeutung oben angeführter Aussage von Lao Tse nur auf eine Interpretation zu verlegen erscheint aber unter Betrachtung der chinesischen Mentalität und der Lehrmethoden (Taoismus) allein schon daher grundlegend unvollständig, da diese ja nahezu „fordert“, jedwede Aussage als „Koan“ aufzufassen um selbst Erkenntnisse zu schaffen. War es daher Absicht von Lao Tse, alle Bedeutungen in einem Satz zu vereinen und mit jedem erneuten Lesevorgang wiederum „neues“ zu entdecken?

Bei Tai Chi Gung sind wir daher bemüht, darauf hinzuweisen, dass Begriffe und Erklärungen der ursprünglichen Lehre in Deutsch immer Interpretationen („Übertragungen“) darstellen.

Wir verwenden daher einige (wenige) grundlegende Begriffe ohne Übersetzung (z.B.: „TAI CHI“, „Chi“, „chin“ etc.) und erklären diese bei Bedarf (aufgrund eigener Erfahrung und Kenntnisse), verweisen aber ebenso, wie z.B. bei Übungen oder Figuren („Bildern“), auf Ähnliches oder Gleiches mit anderslautenden Begriffen („übertragungen“) hin, sowie auf die Interpretationsmöglichkeiten oder Herkunftsverweise (Es gibt verschiedene Tai Chi-Stile ! – mehr dazu im Folgebericht).

Jede „neue Sicht“ (auch „Übung“ oder sogar Wiederholung von ein und derselben) kann somit zu neuer Erkenntnis führen, die Entwicklung scheint „nach oben“ offen. Der Tai Chi Gung – Praktizierende selbst entscheidet, wie „tief“ oder „weit“ er gehen möchte.

Der Verein und die Gruppe bietet die Plattform zu Austausch und Entwicklungsmöglichkeiten.

…Fortsetzung folgt…

mehr zum Verein unter →www.tai-chi-gung.at

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 073

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 73

[Lesezeit: 5-10min (ohne Querverweise) – Querverweise: 18 – Checker-Zeit: 2-3 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]

Meisterspruch 073:

„„„Schauen wir auf das Wasser, welches ‚weich‘ und nachgebend sein kann, mit gesteigerter Geschwindigkeit aber auch ‚knallhart‘ wird. Auch durch Beständigkeit erzielt das Wasser enorme Kräfte und glättet mit der Zeit selbst die härtesten Steine. Somit besiegt das Ausdauernde selbst dann das Härtere, wenn es mit einer enormen Beständigkeit zum Einsatz gelangt. Das Wasser ist dafür ein gutes Beispiel. Jeder sieht es in jedem Fluss, doch nur die wenigsten setzen diese Prinzipien für ihr eigenes Leben ein. Kaum einer setzt dieses Wissen um.“““““

Eine →Transskription nach →Lao Tse.


Hintergrundinfo:

Lao Tse oder Laozi ist ein legendärer chinesischer Philosoph, der im 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben soll. Je nach Umschrift wird der Name auch Laotse, Lao-Tse, Laudse oder Lao-tzu geschrieben.

Lao Tse gilt als Begründer des Daoismus (→Taoismus). Das ihm in der Legende zugeschriebene Werk, welches erst durch den Han-Kaiser Jing (157–141 v. Chr.) als Dàodéjing (→Tao-Te-King, Tao Te Ching) gefasst und betitelt wurde, ist das Hauptwerk des Daoismus. Das Werk ist wahrscheinlich im 4. Jahrhundert v. Chr. entstanden.
Wobei ebenfalls wichtig ist: Werk UND Autor werden gleichgesetzt.

Trotz der sonst beeindruckenden Überlieferung minutiöser Chroniken und Listen von Herrschern, Beamten und anderen Würdenträgern des alten China ist über Lao Tse fast nichts bekannt. Die ältesten Quellen, die ihn erwähnen, sind Anekdoten und Legenden, darunter mehrere Geschichten über ihn in Zhuangzis (Dschuang Dsi, Chuang-tzu) „wahrem Buch vom südlichen Blütenland“. Die erste historische oder biographische Quelle findet sich im Shijì (Shi chi) des Sima Qian (Ssu-ma Ch’ien), den „Aufzeichnungen des Chronisten“ aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Doch Sima Qian schreibt selbst, dass seine Quellenlage sehr unsicher sei und er widersprüchliche Aussagen über Laozi gefunden habe, deshalb sei er nicht sicher, ob Lao Tse (Laozi) tatsächlich je gelebt habe.

Link zum Glossareintrag:
http://www.taichianer.at/wer-war-lao-tse-was-ist-das-tao-te-king#Lao-Tse

Die hier behandelte Aussage (eine →Transkription) ist sehr passend für das Praktikum des →Tai Chi Gung (Tai Chi Chuan, Taijiquan, …, →Schattenboxen, etc.).
Es kann für die Herangehensweise, für die fortgesetzte Übung (das „→Kung Fu„), für die →Mentale Disziplin, als auch zum Verständnis der „Wirkungsweise“ in der Kampfkunst als Vergleich gesehen werden.

Exkurs:
Obwohl die einzelnen „Kraftwirkungen“ des Tai Chi (Chuan) im (Kampf-)Einsatz ein wenig differenzierter zu sehen sind (Vgl. dazu auch „→Die Ba Gua„), so führt jener Vergleich mit dem „Wasser im Fluss“ auch als Allegorie zum besseren Verständnis des →Unterschiedes zu „äußeren Kampfkünsten“.

Selbst Bruce Lee nutzte dies, um den Unterschied zu anderen Kampfkünsten zu verdeutlichen indem er propagierte: „Be like water“ (dt.: „Sei wie Wasser“)!

Ich kann ebenfalls jedem Tai Chi Schüler nur empfehlen:
Damit Du Tai Chi besser verstehst und damit Du erkennen kannst, wie die Bewegungen ausgeführt werden sollen, drucke Dir diese Aussagen aus dem Daodejing (Tao Te Ching) aus.
Wenn Du magst, besorg Dir einen Bilderrahmen für den Ausdruck und hänge dieses Werk an prominenter Stelle in Deiner Wohnung auf, wo Du es täglich sehen kannst.
Sinne darüber nach und stelle Vergleiche mit Deinem Praktikum in Tai Chi her.

Der erste Satz beschreibt das Bewegungs- und Reaktionsverhalten.
Die →Bewegungen im Praktikum des Tai Chi sind wie das Wasser: Weich, fließend, sowie nachgebend und sanft, sofern ruhig ausgeführt.

Die Übungen werden ruhig und sanft ausgeführt – es besteht kein Grund zu Hektik und Eile. Was wiederum Vorteile – sozusagen: als Nebeneffekte – bietet: Die Präzision kann besser geübt und erreicht werden, ebenso werden gleichzeitig langsam kontrahierende Muskelstränge, als auch schnell kontrahierende Muskelfasern trainiert (der Muskeltonus insgesamt verbessert sich – s.d.a.: →Tai Chi Physiologie).

Aber genauso wie das Wasser „schiessen“ und „schnellen“ kann, können die Bewegungen, jederzeit ebenso unglaublich rasch durchgeführt werden (vor allem dann, wenn „Tausendmal geübt“ wurde) und dann…
…sind die (Aus-)Wirkungen „plötzlich“ hart und unüberwindlich.
Also: →yin und yang.

Ebenso, wenn ein Gegner „hart zuschlägt“ – er „trifft“ plötzlich auf „Härte“ und „Widerstand“, obwohl er ja der Meinung ist, dass…

Wie bei Wasser: Tauche ich eine Hand sanft und langsam in die Oberfläche eines „ruhigen“ Wassers, dann gelingt mir dies ohne merklichen Widerstand. Je höher die Bewegungsgeschwindigkeiten einer oder beider Dinge (also des Wasser und/oder der Hand), desto stärker ist der Widerstand. …oder die Hand prallt sogar ab!

So könnte man allgemein die „Kampfkraft“ oder den „Nutzen von Tai Chi im Kampf“ beschreiben. Was wiederum viele „Anhänger der äußeren Kampfkünste“ einfach nicht verstehen – wie auch, wenn ständig „Härte“ und „→li“ (in etwa: „Muskel-Schwung-Kraft“) propagiert wird!

Wichtig, nochmals:
Wasser ist hier der Vergleich zum allgemeinen Verhalten, nicht die Anwendung (eines) der Ba Gua!

Der zweite und dritte Satz vergleicht mit die Wirkungen, bei regelmäßiger, kontinuierlicher Anwendung bzw. Ausführung (also: „→Gung“ bzw. „→Gung Fu„) – wir kennen dies in Europa auch mit der Redensart: „Steter Tropfen höhlt den Stein“.

Egal, welche Herausforderung auf jemanden zukommen mögen, Beharrlichkeit, Beständigkeit und „fortgesetztes Fließen“ mit Ausdauer, überwinden alle Schwierigkeiten und „Härten“.

Fazit:

Hierin ist bei weitem noch nicht alles angesprochen worden, was der „Vergleich mit dem Wasser“ im Zuge mit dem Praktikum des Tai Chi bzw. des Lebens (laut dem Dàodéjing, Lao Tse) noch hergeben vermag.

Es lohnt sich unbedingt, darüber nachzusinnen, was es bedeutet: „Sei wie Wasser“ – und nicht nur im Kampf.
Dies meint auch Lao Tse am Ende seiner Ausführung: „Jeder sieht es in jedem Fluss, doch nur die wenigsten setzen diese Prinzipien für ihr eigenes Leben ein. Kaum einer setzt dieses Wissen um.“

Aufklärungsserie: Das ist Tai Chi Gung – Teil 6/15

Aus den Archiven 2009 -
Erstveröffentlichung:
Von tai chi gung-User am 31. Mai 2009 um 14:05
Inhalt: Problemstellungen bei der Beschäftigung mit Tai Chi und gebotene Lösungsansätze. – 1. Kultur und Mentalität
auf
http://mein.salzburg.com/interessen/sport_action/2009/05/aufklarungsserie-das-ist-tai-c-5.html
(Hinweis: Forum & Eintrag dort nicht mehr existent)

Problemstellungen bei der Beschäftigung mit Tai Chi und gebotene Lösungsansätze.

1. Kultur und Mentalität

Vorneweg gesagt: wenn man sich mit Tai Chi auseinandersetzt, braucht man weder seine Ernährung völlig auf chinesisches Essen umzustellen, noch gar seine Konfession zu wechseln.

Zum Verständnis sollte für den Anfang jedoch bekannt sein, dass die chinesische Sprache sehr bildhaft und mehrdeutig – wenn nicht sogar: vieldeutig – ist. Dies drückt sich auch in der Schriftform durch Verwendung von (Bild-) Symbolen aus.
Anders als bei uns im Westen gewohnt, kann ein verwendetes Schriftzeichen (=Symbol) wiederum aus anderen Symbolen zusammengesetzt sein und je nach Zusammenhang und Verwendung mehrere und verschiedene Bedeutungen haben. Genauso wie die Worte in der chinesischen Sprache.

Der westliche Mensch ordnet seinen Begriffen (Wörtern) meist Eindeutigkeit zu. Bestenfalls gibt es eine Auswahl: ein Wort bedeutet genau dies oder genau das [sprich: entweder – oder].
Vereinfacht: ein Apfel ist ein Apfel (Punkt).
Für die chinesische Sprache bzw. Schrift-Symbole umgemünzt könnte man sagen: ein Symbol(=Wort) bedeutet sowohl dies als auch das [sprich: „und“, „oder“ – oder „beides“]. Vereinfacht: ein Apfel könnte als Apfel gemeint sein, oder als Frucht eines Baumes oder im übertragenen Sinne das Ergebnis einer Arbeit oder Abstammung, oder…, oder „sowohl als auch“. In der chinesischen Literatur als Kunstform ist die Bedeutung einer Aussage sogar: „alles zugleich“.
Die Wortbedeutung ist abhängig von Zusammenhang, Aussage, Zustand, gesellschaftlichem Status und sagen wir einmal: emotionaler „Färbung“.
Das Verständnis für uns ergibt sich also eher durch Interpretation und Analyse anstelle starrer Übersetzungen.
Ganz fremd ist uns Abendländer dieser Denkansatz sicher nicht – auch bei uns gibt es schriftliche und mündliche Ausdrucksformen, welche anderes vermitteln, als dies die „bloße“ Wort- oder Satzbedeutung vermuten ließe: denken wir nur z.B. an Zynismus, Sarkasmus, Humoristisches oder anderwertig eindeutig „Doppeldeutiges“.

Wenn man sich intensiver mit den Ursprüngen und den Hintergründen von Tai Chi auseinandersetzt, wird zustätzlich erkennbar:

Die Chinesen legen sehr viel Wert auf Tradition und Herkunft, also Familie und Abstammung, wodurch sich ergibt, dass Überlieferungen ebenfalls diesen „Gesetzmäßigkeiten“ folgen (daher: nicht jeder wird „über alles“ informiert).
Ein „Forscher“ muss daher verschiedenen Zweigen folgen und Zusammenhänge erkennen können.

Darüber hinaus:
Als prägende Richtung für die Unterweisung in Künsten, wozu auch Tai Chi gezählt wird, kann ebenfalls der Taoismus (Daoismus) angesehen werden. Dessen erkenntnistheoretische Überlegungen führen nun dazu, dass – ähnlich dem Zen-Buddhismus mit seinen Koans – (meist) keinerlei Ziele oder zu erreichende Etappen vorgegeben werden, welche es zu erreichen gilt. Ganz im Gegenteil: es wird bewusst vermieden auch nur irgendeine „sinngebende Vorlage“ dem Schüler zu vermitteln, damit jener völlig eigen und selbständig (absolut individuelle) Erkenntnisse erzielen möge. „Klassische“ (chinesische) Lehrmethoden bedeuten daher oft, dass keinerlei Erklärungen geliefert werden und ein Schüler z.B. einfach den Bewegungen des Lehrers so lange zu folgen hat, bis der somit Unterrichtete selbst „draufkommt“, was das alles für ihn zu bedeuten hat und erreicht wurde. Für den westlichen Menschen ein beinahe unmögliches Unterfangen oder nur mit immenser Hingabe (Zeit) und bedingungslosen Vertrauen in den jeweiligen „Meister“ zu erreichen. [D.h.: die Lehr- und Lernmethode muss dem westlichen Menschen angepasst werden, ohne den Verweis auf den jeweiligen Ursprung zu verlieren].

Ebenso sollte sich ein gewissenhafter „Student“ sich auch die Problematik der Übertragung vergegenwärtigen, welche im Folgebericht angesprochen wird.

…Fortsetzung folgt…

mehr zum Verein unter →www.tai-chi-gung.at

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 072

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 72

[Lesezeit: 5-10min (ohne Querverweise) – Querverweise: 8 – Checker-Zeit: 2-3 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]

Meisterspruch 072:

„„Alle Dinge sind mit yin umhüllt und mit yang gefüllt, ihre vibrierenden Kräfte [,] ‚Chi[,]‘ vereinen sich.““““

Eine →Transskription aus den Taichi-Klassikern (→Taichi-Klassiker).


Hintergrundinfo:

Die Taichi-Klassiker sind eine Sammlung von Schriftstücken, welche im Rahmen der „Salt Shop Manuals“ Mitte des 19. Jh. entdeckt wurden und viele Taichi-Sprichwörter, philosophische Prinzipien des Taiji, sowie Beschreibungen zu Methoden der Praxis und Anwendung beinhalten.

Dieser Meisterspruch wirkt als ein „kleiner“ Satz, welcher genauso leicht „dahergesagt“, wie in Deutsch leicht „durch-„, besser „überlesen“ werden kann.

Mir ist es selbst zuvor so ergangen, ich habe einfach „drübergelesen“: „Ah, ja – passt scho!“. Erst als ich mich wirklich intensiv und konzentriert damit auseinandersetzte, erschloss sich mir Folgendes. Vor allen Dingen, weil erst die von mir nun eingefügten Beistriche, eine zusätzlich wichtige Information und weiteren Zusammenhang hervorheben.

Es wird festgestellt, dass „alle Dinge“, also das Materielle, körperlich Anfassbare, „mit →yin umhüllt“ ist.

„yin“ ist also das Formgebende.
Die „Struktur“, „der Rahmen“, „die Hülle“, „die Begrenzung“, „das Einschließende“, …, „das Kristallgitter“, „die Oberfläche“, „die Magnetwirkung“, „die Gravitation“, …, „die Zellwand“, „die Haut“, usw.

Und „alle Dinge“ sind „mit →yang gefüllt“.
„yang“ ist also das (expandierende) Formlose, welches „den Inhalt“ (eines „Dinges“) darstellt.
„yang“ steht für die summierten und innerhalb eines (physikalischen) Körpers mittels „yin“ eingefassten „Energiepotentiale“, den mittels „yin“ zusammengehaltenen „Kraftwirkungen“, welche ohne Begrenzung (endlos) expandieren, also „verpuffen“ würden.

Also: „Der Gasdruck (in einem Ballon, Behälter)“, „die Zentripedale Kraft jeder rotierenden Masse und Masseteilchen“, „der Impuls jeder bewegten Masse (die Masseträgheit)“, …, „die elektrische Energie in einem Leiter“, …, „die Expansion im Vakuum des Weltalls?“, „die Bewegung des Lichts, bzw. jeder Strahlung“, welche wiederum nur von yin-Elementen (wie z.B.: Spiegel, Masse, Gravitation, ’schwarzes Loch‘) abgelenkt, gespiegelt oder absorbiert werden können, …, „der Zelldruck“, usw.

Erinnern wir uns bitte an die „Weltformel“ →TAI CHI, dargestellt im „Tai Chi Tu“ (…dem profan übertragen, so genanntem „yin-yang-Symbol“) und damit einhergehenden Schlussfolgerungen: Dem Gesetz der Polarität, des Ausgleichs, der Harmonie usw.

Ein „Ding“, eine materielle Substanz, ein physikalischer Körper, kann also nur dann existieren, wenn sowohl „yin“ als auch „yang“ beinhaltet ist – andernfalls er eben nicht existent sein würde.

Ebenso gilt zu bedenken, das „TAI CHI“, das „höchste dem Menschen Begreifbare“ bedeutet. Es wäre keine „vollkommene“ Darstellung einer „Weltformel“, wenn diese nicht selbst „dessen Aussage“ und Bedeutung folgen würde.
Das heisst, es gilt ebenso „oben“ wie „unten“. Es stellt also ebenso „atomare Beziehungen“, also zugleich „das kleinste(!) dem Menschen Begreifbare“ dar.

Anmerkung:
Mit „Höchstes dem Menschen erkennbare“ ist nicht nur „der Blick nach oben“ und „Höhe“ oder „Größe“ gemeint, sondern ebenso „der Blick nach unten“ und was dem Menschen dann als „winzigstes Detail“ – eben „gerade noch“ – letztendlich(!) – „höchstens“ erkennbar ist.

„TAI CHI“ ist also – zugleich – eine Weltsicht, welche anders als die aus dem antiken Griechenland vom Philosophen DEMOKRIT (460-371 v. Chr.) überlieferte Anschauung fester(!) kleinster unteilbarer Einheiten, den Atomen, ausgeht, sondern von empirisch erfassbaren „Potentialen“, welche unter den Allegorien „yin“ bzw. „yang“ zusammengefasst werden können.

Exkurs:
Erstaunlicherweise hat die aktuelle wissenschaftliche Welt in den letzten Jahrzehnten, im vergangenen Jahrhundert, immer wieder festgestellt, dass es keine(!) „feste, kleinste unteilbare Einheit der Materie“ gibt, sondern letztendlich nur(!) „Potentiale“ messbar, erkennbar, teilbar, feststellbar sind.
Angefangen mit dem Atommodel von NIELS BOHR (1885-1913), welcher den Nobelpreis für Physik im Jahr 1922, Zitat: „für seine Verdienste um die Erforschung der Struktur der Atome und der von ihnen ausgehenden Strahlung“ erhielt, – kurz „in unseren Worten“ gesagt also: Die Wirkung von „yin“ und „yang“. Bis hin zu den heutigen Forschungsergebnissen, Hypothesen und Theorien über „Quarks“ (kurz: „Energiepotentiale als Punkte“) oder „Strings“ (kurz: „Energiepotientiale als Vektoren“), scheint sich zu bestätigen, das TAI CHI, welches vor Jahrtausenden(!) festgehalten und von den Chinesen überliefert wurde, ein probates Modell der Realität liefert.

Möglicherweise sollten sich aktuell Forschende ebenfalls mehr mit „TAI CHI“ auseinandersetzen und vielleicht sogar „Tai Chi Chuan“ praktiziern, um „altes Wissen“ wieder zu entdecken und Gutes für die eigene Gesundheit und Wohlbefinden zu erreichen?

Im Nebensatz dieses Meisterspruches findet sich als Fazit und „Definition des Lebens“:
„ihre vibrierenden Kräfte [,DAS] ‚Chi[,]‘ vereinen sich.“

Anders formuliert:
„Vereinen sich yin und yang in Bewegung und verbleiben darin selbst in Bewegung (‚vibrierende Kräfte‘), dann erst bildet sich daraus das uns unter dem Namen ‚→Chi‚ überlieferte Kraft- und Energiephänomen – die Lebenskraft.“

Die ultimative Konklusion:
„Chi“ entsteht – immer(!) – dann automatisch, zwangsweise, sobald jene Vorbedingungen erfüllt sind.
Daraus schliesst sich wiederum: Da jene Vorbedingungen ja zur Entstehung und „Materialisierung“ des Universums gegeben sein müssen, andernfalls es ja nicht exist wäre, ist „alles“ als auch „jedes lebende System“ mit Chi erfüllt. „Chi“ entsteht quasi als „Nebenprodukt“ permanent und unbegrenzt im stetigen Wandel der Bewegung von yin und yang (…und nur dort!).

Endet „die harmonische Wandelbewegung“ in einem somit „belebtem“ System, folgt der „Stillstand“, dann tritt der Tod ein.

Also: Leben IST Bewegung!

Abschließend wichtige Bemerkung:
Willst Du oder benötigst Du mehr Lebenskraft, „Energie“ und willst Du Deine Vitalität bis ins hohe Alter beibehalten, dann sorge dafür, dass die Bedingungen von „TAI CHI“ in Deinem Leben (Körper, Geist und Seele) optimal erfüllt sind und „in Bewegung“ bleiben. Dies erreichst Du wiederum am einfachsten, indem Du dem gleichnamigen Praktikum „→Tai Chi Gung“ (Taichi, Taiji, Tai Chi Chuan, Taijiquan, …) regelmäßig, kontinuierlich, aber ohne Obsession (= „→Kung Fu„) folgst.

Aufklärungsserie: Das ist Tai Chi Gung – Teil 5/15

Aus den Archiven 2009 -
Erstveröffentlichung:
Von tai chi gung-User am 26. Mai 2009 um 11:53
Inhalt: Für wen ist Tai Chi Gung geeignet?
auf
http://mein.salzburg.com/interessen/sport_action/2009/05/aufklarungsserie-das-ist-tai-c-4.html
(Hinweis: Forum & Eintrag dort nicht mehr existent)

Für wen ist Tai Chi Gung geeignet?
Generell für Menschen jeder Altersstufe. Fairerweise muss hinzugefügt werden, dass unser Kulturkreis, anders als in Ostasien, mehr zu „Lernen durch Erklären und Verstehen“ als zu vorbehaltslosem „Nachahmen“ neigt, wodurch eine gewisse mentale Reife zum Erkennen der Sinnhaftigkeit der Bewegungsformen nötig ist.

Wie später noch beschrieben wird, ist die Lehr- und Lernmethode in China anders, als wir dies gewohnt sind und verinnerlicht haben. Darüber hinaus wird im ostasiatischen Raum dem Erlernen einer Kunstform andere Bedeutung beigemessen, auch der zeitliche Aspekt besitzt hierbei einen völlig anderen Stellenwert.

Wir sind es gewohnt Ziele anzustreben und scheuen häufig davor zurück, einfach nur Wegen zu folgen, wenn wir nicht zumindest einen Sinn darin erkennen können. Dieses – oft durchaus gesunde – Misstrauen verhindert den „blinden Gehorsam“, welcher nötig wäre, um östlichen Meistern und deren Anleitung zu folgen.

Für den westlichen Menschen muss daher die Lehrmethode angepasst werden. Hierbei ist es nötig ausreichend Erklärungen zu liefern und Ziele zu formulieren. Zumindest jedoch, Wege zu beschreiben und mögliche Stationen aufzuzeigen.

Die hierzu nötige „Weitsicht“, um Zusammenhänge zu erkennen oder auch das Durchhaltevermögen, einen gewissen Weg solange zu beschreiten, bis erste Erfolge sichtbar werden können, ist natürlicherweise an Lebenserfahrung geknüpft und kann daher nicht unbedingt von einem Kind vorausgesetzt werden.
Der rein sportliche, körperliche Aspekt ist selbstverständlich auch von einem Kleinkind zu bewältigen und viele Teil- und Vorbereitungsübungen machen auch Kindern Spaß, falls geeignet eingesetzt und angeleitet.

Dem Jugendlichen bietet sich die Möglichkeit, Alternativen „zum Kampf“ zu finden (Selbstverteidigung OHNE Angriff), sich selbst und seine körperlichen Fähigkeiten besser zu verstehen und Aggressionen zu sublimieren, falls die Bereitschaft vorhanden ist, sich (vielleicht auch derzeit entgegen dem propagierten „äußeren“ Jugend-Mainstream) auch mit „inneren“ oder „anderen“ Dingen auseinanderzusetzen.

Erwachsenen, welche „voll“ im Berufsleben stehen, bietet sich eine enorm wirksame Methode dem Stress entgegenzuwirken, jederzeit innerliche Ruhe zu finden und „den eigenen Akku aufzuladen“, sobald grundlegende Techniken beherrscht werden.

Am anderen Ende der Altersskala ergibt sich mit dieser körperlichen Betätigung eine für uns völlig neue Sichtweise sportlicher Aktivität und Leistungsorientierung.
Wo im üblichen Leistungssport ausschließlich Schnelligkeit und Jugend dominiert, zählt in Tai Chi hingegen Bedächtigkeit (Langsamkeit), Erfahrung und Perfektion. In China praktizieren beispielsweise viele Menschen auch jenseits des Alters von 90 Jahren regelmäßig Tai Chi (Chuan) – und auch wir im Westen könnten Senioren als Vorbilder zur Ausübung und nacheifern einer Sportart haben – und ich meine hiermit nicht zur Betrachtung nostalgischer Reminiszenzen vergangener Erfolge in persönlich bereits „eingestellter“ sportlicher Betätigung, sondern „aktive Vor-Macher“ unter dem Motto: „So geht das“!

…Fortsetzung folgt…

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