Monatliches Archiv:November 2010

Kampfkunstbegriff: Der Block – blocken

Glossareintrag: Block
In den (äußeren) Kampfkünsten: Blocktechnik

Synonym verwendete Begriffe: Abwehr, bzw. blocken oder abwehren;

Manchmal auch zu finden: kontern, obwohl hierbei immer gleichzeitig ein „Gegenangriff“ verstanden wird.

Vorwort

Tai Chi (Chuan) beinhaltet neben der Schulung, dem Training und der Entwicklung von Körper, Geist und Seele eines Menschen, auch den unserer Meinung nach ebenfalls wesentlichen Bestandteil, den Kampfkunstaspekt.

Dies zeigt sich allein schon dadurch, dass viele Bewegungen, Haltungen (Positionen) und auch Bilder eindeutig Kampftechniken beinhalten oder auch mit Begriffen aus den (äußeren) Kampfkünsten beschrieben werden.
Hinweis: Ebenso natürlich auch dadurch, dass erste westliche Besucher in China, die dort gesehenen Übungen, mangels fehlender westlicher Begriffe, mit der leider unglücklichen Bezeichnung „→Schattenboxen“ (siehe dort) zu uns nach Europa überlieferten.

Das Verständnis für den Kampfkunstaspekt in Tai Chi (Chuan) vergrößert sich selbstverständlich auch durch besseres Verständnis und bessere Kenntnis jener Begriffe, welche aus dem Bereich der (äußeren) Kampfkünste stammen.

Auch hier helfen wiederum Definitionen zu klären, was beispielsweise unter „schlagen“ (→Schlagtechnik), „stoßen“ (→Stoßtechnik) oder „blocken“ (Blocktechnik) zu verstehen ist. Damit werden auch Mißverständnisse minimiert und die Kommunikation (Dokumentation und Trainingsanleitung) erheblich verbessert.

Definition und Anwendung

Ein „Block“ bzw. eine „ Abwehr“ dient prinzipiell dazu, einen mittels Schlag oder Stoß erfolgenden Angriff zu vereiteln, wobei sich beide Kontrahenten dennoch berühren. Die vom Angreifer eingesetzte Angriffstechnik soll ihr Ziel verfehlen und im simpelsten Fall: Einfach „danebengehen“, also ihr Ziel – genauer gesagt: ihren Zielpunkt – „nicht treffen“.
Nicht mehr!

Wichtig:
Da die „Abwehr“ in Tai Chi Gung (Tai Chi Chuan) als gesonderter Begriff als deutsche Übersetzung für die „Grundtechnik“ mit chinesischen Namen „peng“, sowie zur Bezeichnung von zwei repräsentierenden →Grundpositionen („Abwehr links“ und „Abwehr rechts“) verwendet wird, nutzen wir in allen anderen Fällen „Block“ oder „blocken“, um jene zuvor beschriebenen Vorgänge (Situationen, Haltungen, Bewegungen) zu beschreiben.

Exkurs:

Folgt dem „blocken“ eine weitere Bewegung („Technik“), die dem Angreifer entgegengesetzt wird, so wird von einem „ Konter“ oder „kontern“ gesprochen: Es erfolgt unmittelbar danach also ein Gegenangriff.
Eine „ Kontertechnik“ besteht in den äußeren Kampfkünsten also immer aus zwei Komponenten: Einer Abwehr (einem Block) unmittelbar gefolgt von einem Gegenangriff.

Ausführung

Je nach ausgeübter Kampfkunstmethode, ob äußere Kampfkünste (Karate, Tae Kwon Do, etc.) oder innere Kampfkunst (Tai Chi Chuan), unterscheidet sich auch die Ausführung von „Blöcken“.

Werden in den äußeren Kampfkünsten die Blöcke ausschließlich „hart“ ausgeführt
(Prämisse: Gleiches wird mit Gleichem entgegnet – „Schlägt der Gegner hart, so musst Du eben noch härter sein“),
so werden hingegen die Blöcke in Tai Chi (Chuan),
wie jede andere „Technik“ auch, diese ebenfalls je nach „eintreffender“ Kraftwirkung (Angriffswirkung) variiert
(Prämisse: Jeder Kraftwirkung wird mit dem Komplementär entgegnet – „→yin – →yang“ – Auf „hart“ wird z.B. mit „weich“ pariert – Details der 8 so identifizierten und definierten Kraftwirkungen finden sich in den Beschreibungen der „→Ba Gua“ ).

In Tai Chi (Gung) kann daher gesagt werden:
Ein Block kann sowohl „weich und sanft“ wie ein „Ableiten“ oder „Umleiten“ sein, kann „Verstärken und Vorbeileiten“, „Ziehen“, „Heben oder Senken“, „Abprallen“, „Aufnehmen und Zurückwerfen“ (hier also: „Konter“) und sogar auch „hart“ wie bei den äußeren Kampfkünsten, durch „Stoppen wie ein Fels“ („Berg“ – „Kao“) sein, womit der Angreifer auch insgesamt im Voranschreiten gehindert werden kann.

Exkurs –
Dies unterscheidet Tai Chi (Chuan) – wesentlich – von anderen Kampfkünsten:
Ein(!) Bewegungsablauf, welcher anderswo als so genannte (Einzel-)Technik erlernt und angewendet wird, kann (und wird) im Tai Chi – Kampf als „Mehrfachtechnik“ je nach Situation mit völlig unterschiedlichen (Kraft-)Wirkungen oder auch Absichten und Zwecken eingesetzt.
Beispiel (→Danlian und →Bild): „Wolkenhände“.
Beschreibung: →TI_U04_Einzeluebung_Wolkenhaende.pdf
Videoclip: →TC25_Wolkenhaende_normalbreit.AVI

Dies ist sowohl für einen Laien, als auch einen „materiell orientierten“ Kampfsportler schwer verständlich: Tai Chi (Chuan) verfügt ebenfalls über hunderte, wenn nicht sogar tausende Bewegungsabläufe, welche auch in die sogenannten Solo-Formen zum Training von →Bildern (siehe dort) eingeflossen sind, wobei im Grunde aber nur acht „→Grundtechniken“ unterschieden und angewendet werden.
Jene „Grundtechniken“ (die „Ba Gua“) beinhalten aber eben „mehr“ als bloße Positionen, Stellungen, Haltungen oder Bewegungsabläufe (Schläge, Stöße, Blöcke, …, Schritte, etc.).

Als Definition könnte gesagt werden: Die „Grundtechniken“ im Tai Chi Gung sind Metabeschreibungen zum Verständnis und Verhalten in Kampfsituationen.

Für einen Block, können in Tai Chi (Chuan) daher alle Körperteile eingesetzt werden, welche auch in den äußeren Kampfkünsten zu jenem Zweck beschrieben sind: Hände, Füße, Unterarm, Unterschenkel, etc.,
daneben insbesondere aber auch: Knie, Ellbogen („chou“ bzw. „zhon“), sowie Schulter oder gesamter Körper („kao“) – Wichtig: Unter der Berücksichtigung der Tai Chi – Prämisse (den „Tai Chi Prinzipien“): „Bewegt sich ein Teil des Körpers, bewegt sich immer(!) der ganze Körper.“ (Daher auch: Es gibt in Tai Chi keine →Einzeltechniken!).

Nachwort:

Unter „ Ausweichen“ versteht man im Gegensatz dazu jede Bewegung, welche prinzipiell jede Berührung (durch den Angreifer) vermeidet. Der Gegner und der Angriff „läuft ins Leere“.

Dies ist überhaupt die effektivste und sinnvollste „Technik“, welche unbedingt in jeder Anleitung zur Selbstverteidigung beigebracht und von Schülern erstrebt werden sollte!

Leider – so muss ebenfalls erwähnt werden – setzt dies geradezu perfekte Einschätzung der Situation, vollkommene Wahrnehmung des Gegenübers, sowie exzellente Koordinationsfähigkeit und Körperbeherrschung voraus.

Das Training und die Verbesserung jener vier genannten „Fähigkeiten“ hilft aber nicht nur beim „Ausweichen“, sondern dient auch generell der „Entschärfung“ von kritischen Situationen (Vermeidung von Eskalation – Deeskalation).
Also: Ein lohnendes Ziel der Übungen.

Anmerkung: Damit ist also nicht „Weglaufen“ gemeint – Welches für einen „Laien der Kampfkünste“ und „Normalbürger“ in Extremsituationen manchmal auch eine sehr gute Empfehlung sein kann!

„Ausweichen“ ist vielmehr als „Zusatztechnik“ zu bezeichnen, welche dem Gegner keinerlei Auftrittsfläche für seinen Angriff läßt, sowie den Angreifer bei wiederholter fortgesetzter Vehemenz rasch ermüdet und der Kampf unter Umständen nur durch ein einziges Konter rasch beendet werden kann.

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Die Handhaltung "Faust" – Die Fausthand

Glossareintrag: Faust

Weitere Begriffe: Fausthand, Tai Chi-Faust, eine Faust bilden

Eine Faust – oder mit der Hand eine Faust bilden – erscheint zwar vielen Menschen bekannt, dennoch ist das korrekte Schließen der Faust nicht jedem geläufig. Ebenso muss gesondert auf die Spannung der Faust in Tai Chi (Chuan) eingegangen werden.

Ausführung (Bildung der Faust)

Die Fotoreihe zeigt die korrekte Bildung einer Faust der linken Hand.

Foto 1:
Zuerst ist die Hand gestreckt, der Daumen ist gespreizt und die anderen vier Finger bilden aneinandergelegt und gestreckt eine natürliche Verlängerung des Unterarmes (flache Hand).
Foto 2 – 4:
Die vier nebeneinanderliegenden Finger werden beginnend mit den äußeren Gliedern „eingerollt“ – ohne die einzelnen Finger voneinander zu lösen – bis die Fingerspitzen schließlich die Handfläche ebenfalls „eng“ berühren.
Foto 5:
Am Schluß wird der Daumen ebenfalls gebogen und „eng“ über Zeige- und Mittelfinger gelegt.
Das letzte Foto 6:
Zeigt als Draufsicht daumenseitig, dass die Faust tatsächlich „geschlossen“ ist und zwischen den Fingern keine Lücken bestehen.

Glossareintrag: Tai Chi-Faust

Manchmal finden sich anderswo in Trainingsanleitungen oder Beschreibungen über Tai Chi (Chuan) abweichende Darstellungen oder anders geformte „Fäuste“. Dort werden „Fäuste“ oft nur angedeutet, oder sogar die Finger nicht vollständig geschlossen und „Ringe“ gebildet. Hierbei taucht manchmal auch der Begriff einer (besonderen) „Tai Chi-Faust“ auf. Dies ist jedoch nur der ausschließlichen Hingabe und alleinigen Widmung des Gesundheitsaspektes geschuldet, wozu bei der Ausführung eben keine („richtigen“) Fäuste benötigt sein sollen.

In Tai Chi Gung soll aber möglichst jeder Aspekt des Tai Chi Chuan berücksichtigt werden, daher wird von uns die Bildung der Faust so gelehrt und geübt, wie diese auch in einem Kampf zur Anwendung käme (s.o. „korrekte Bildung einer Faust“).
Ungeachtet ob sich jemand nur für den Gesundheitsaspekt interessiert, lernt auch jener mit uns von Anfang an „korrekte Haltungen“, um diese ggf. auch in einem Selbstverteidigungsfall sofort anwenden zu können und nicht erst erlernen zu müssen.

Bedenke:
Tai Chi = eine innere Kampfkunst.
Lässt man etwas weg oder aus, dann ist es nicht mehr ganz(heitlich)!

Eine „kompakte Faust“, die wie oben beschrieben gebildet wird, verringert das eigene Verletzungsrisiko an Finger und Gelenken bei allfälligen Körperkontakt und im Kampfeinsatz.

Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen einer Faust in den äußeren Kampfkünsten und einer „Tai Chi-Faust“ (wenn man dies so nennen möchte): Nicht die Haltung (oder Bildung) der Faust ist unterschiedlich, sondern die Spannung der Hand!
Im Gegensatz zu anderen Kampfkünsten werden die Finger nicht fest aneinander gepresst, sondern die Fausthand und die Finger bleiben trotz kompakter Form locker und entspannt – So wie eben alle Haltungen und Stellungen in Tai Chi (Chuan) „ohne Kraft“ und „ohne Anspannung“ ausgeführt werden.

Anmerkung:
Damit beides erreicht werden kann – kompakte Faust („gerollte Finger“) mit „lockerer Hand“
(Hinweis: Wieder einmal yin-yang !) –
muss dies ebenfalls öfter geübt werden.

Anwendung

Mit einer Faust kann gestoßen und geschlagen werden.

Als Stoß (eine Stoßtechnik) werden in den Kampfkünsten alle Bewegungen mit (Körper-)Waffen, also auch der Faust, bezeichnet, bei welchen der Weg vom Ausgangspunkt bis zum Zielpunkt eine Gerade darstellt.

Beim Schlag (einer Schlagtechnik) wird hingegen in einer Halbkreisbewegung die Waffe – hier: Die Faust – von der Ausgangshaltung bis zum Ziel geführt.

Schnell ausgeführt, ist ein Schlag schnappend, ein Stoß jedoch im Zielpunkt – in der Endposition – „verharrend“/“innehaltend“.

Beim effektivsten Fauststoß wird die auftreffende Fläche im Ziel ausschließlich durch die Knöcheln von Zeige- und Mittelfinger gebildet. Daher ist der Bildung der Faust gesondertes Augenmerk zu schenken.

Beim Faustschlag hingegen, wird je nach Bewegungs- und Zielrichtung
a.) mit dem Knöchel (und umliegender Fläche) des Zeigefingers (auch „ Innenfaust„, daumenseitig),
b.) der Handballenseite des kleinen Fingers („ Außenfaust“ oder auch: „ Hammerfaust„), sowie
c.) dem Knöchelbereichen von Zeige- und Mittelfinger auf dem Handrücken („ Rückfaust„) geschlagen.

Wichtige Anmerkung:

Gerade die „Innenfaust“ bedarf dabei einiger Übung und präziser Ausführung, um den Daumen – insbesondere das Daumengelenk – bei Körperberührung im Kampfeinsatz vor Verletzungen zu bewahren.

Diese „Innenfaust“ wird zum Beispiel beidhändig in dem →Bild „Mit beiden Fäusten die Ohren des Gegners treffen“ (bzw. synonym „Den Gegner an beiden Ohren treffen“ oder „Schlag zu den Ohren mit beiden Fäusten“) angewendet.

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Handhaltung "Haken" – Die Hakenhand

Glossareintrag: Haken

Alternative Begriffe: Der Haken, die Hakenhand, den Haken bilden

Der „Haken“ ist eine bestimmte Haltung der Hand, welche auch die Stellung des Handgelenkes mit(!) beinhaltet. In →Bildern (bzw. Bewegungen innerhalb eines Bildes – von Position zu Position) wird dieser meist nur von einer Hand ausgeführt.

Ausführung

Alle fünf Finger der betreffenden Hand werden dabei locker gestreckt aneinandergelegt, sodass sich die Fingerspitzen (bzw. Fingerkuppen) berühren. Gerade so, als ob man mit allen fünf Fingern ein Essstäbchen in der Mitte halten würde – Oder man auch irgendeinen anderen Gegenstand mit allen Fingern „aufpicken“ würde.
Die Fingerspitzen weisen Richtung Unterarm des selben Armes, womit das Handgelenk gebeugt wird und dadurch eine gewisse Spannung erhält.

Glossareintrag – Bewegungsbezeichnung:
Der Hakenschlag, Schlag mit dem Haken

Zweck

Die Hakenhand (der Haken) wird gebildet, um mit der „Oberseite“ („Außenseite“) des gebeugten Handgelenks (Aufwärts-)Schläge ausführen zu können. Die spezielle Stellung der Finger erzeugt eine zusätzliche Spannung an der Oberfläche des Handgelenks, ebenso wie in den Sehnen des Unterarmes, welche die Effektivität des Schlages – dieser „natürlichen Körperwaffe“ – erhöhen.
Diese Bewegung wird auch „Hakenschlag“ oder „Schlag mit dem Haken“ genannt
(Anm.: Welches sich in kaum einer der vorwiegend gesundheitsorientierten westlichen Tai Chi Literatur finden läßt).

Wichtig Anmerkung (im „Kampfeinsatz“):
Es wird hierbei weder mit dem Handrücken geschlagen, noch „nach vorne gestossen“ – Verletzungsgefahr! – Sondern mit dem/den Unterarmknochen am Ansatz des Handgelenkes, wobei auch die Richtung – die Armbewegung – entscheidend ist.

Bilder und Bewegungen, wo der Haken(schlag) Verwendung findet

z.B.:

  • In der „einfachen“ oder „diagonalen Peitsche“, sowohl links als auch rechts ausgeführt, wo vor Öffnen der Arme – um zur Endposition zu gelangen – zuerst mit dem Haken von Unten nach Oben – oder: Von Innen nach Außen – seitwärts „geschlagen“ wird;


Momentaufnahme: „Öffnen“ der „(einfachen) Peitsche“ (rechts). Der „Haken“ der rechten Hand, welcher gerade „seitwärts-nach Oben“ geschlagen hatte, ist gut erkennbar und bleibt bis zur Endposition in dieser Stellung.

oder

  • In der Übergangsbewegung zur Endposition des Bildes „Der Goldene Hahn steht auf einem Bein“ (ebenfalls links, als auch rechtsherum). Im Zuge des „Aufrichtens“ erfolgt mit der →Führungshand (siehe dort) ein Hakenschlag, welcher mit dem Heben des Knies der selben Körperseite einhergeht. Kurz vor Erreichen der Endposition wird der Haken gelöst und geht wieder in die „gestreckte Tai Chi Hand“ über, welche sich dann in einer Linie mit dem Unterarm über dem gehobenen Knie wiederfindet.


Endposition „Der Goldene Hahn steht auf einem Bein“ (links). Der „Haken“ der linken Hand, welcher zuvor von unten nach oben geführt wurde, ist bereits wieder gelöst.

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Gesund und Schön: Sanft die Figur formen mit Tai Chi

Wer behauptet denn, exzessives Fitnesstraining oder extremes Krafttraining wäre notwendig, um seine Fettpölsterchen zu verlieren?

Langsame und sanfte Bewegungen sind nämlich weitaus effektiver – Selbst dann, wenn jemand nur zweimal die Woche trainieren kann.

Die Sportwissenschaft hat längst bestätigt: Extrem langsame Bewegungen – welche vor allem bei der Ausübung von Tai Chi gemacht werden – führen dazu, dass innerhalb der Muskeln 50-100% mehr Muskelfasern zur Kontraktion (zum Zusammenziehen) gebracht werden, als bei einem herkömmlichen Kraft- oder Fitnesstraining.

Die in Tai Chi bewusst langsam eingesetzten Bewegungen führen also dazu, dass „mehr“ Muskelfasern beansprucht und somit trainiert werden.

Die Sportmedizin spricht auch von „langsam reagierenden“ und „schnell reagierenden“ Muskelfasern.
Diese Muskelfasern (bzw. -Zellen) werden mit unterschiedlichen Brennstoffen versorgt. Die schnellen Fasern, auch weiße Fasern genannt, werden besonders stark vom Blut mit Sauerstoff versorgt. Aber diese schnellen, kräftigen Fasern sind nur für kurze, kräftige Bewegungen zu gebrauchen. Die roten Muskelfasern (die „langsam reagierenden“) werden dagegen weniger mit Blutsauerstoff betrieben, als vielmehr mit „gehortetem Brennmaterial“ (unsere „Fettpölsterchen“).

Weil dieses aber erst für die Verbrennung umgebaut werden muss, sind diese Fasern etwas langsamer, können aber sehr viel länger „genutzt“ werden.

Anmerkung: Die verschiedenen „Verbrennungsmotoren“ der Zellen sind im Mikroskop unterschiedlich gefärbt, daher die Namensgebung mit „roten“ und „weißen Fasern“.

Zu Beginn einer (eigentlich immer: „langsamen“) Tai Chi-Übung werden zunächst nur die stärksten Fasern des beanspruchten Muskels eingesetzt. Ermüden diese, so werden Schritt für Schritt vom Körper weitere Fasern aktiviert.

Damit setzt auch automatisch der Prozess ein, womit „Körperdepots“ verwendet – also der Stoffwechsel und „Grundumsatz“ aktiviert und erhöht wird (Thema: „Fettverbrennung“).

Wichtig beim Training ist es, dass beanspruchte Muskeln komplett ermüden, um Effekte zu erzielen.
Tai Chi ist daher der ideale Figurformer für einen „knackigen Körper“ – ohne dabei jemals „außer Atem“ zu gelangen.

Schon nach wenigen Wochen können die Erfolge deutlich erkannt werden:

  • Der Muskeltonus (die „Muskelspannung“) im gesamten Körper verbessert sich,
    dies stabilisiert auch Gelenke, Bänder und Sehnen.
  • Das „Gleichgewicht“ und die „Standfestigkeit“ erhöht sich –
    dies verleiht Sicherheit und beugt Stürze vor, was gerade im Alter und bei der Jahreszeit sehr wichtig ist.
  • Der Atem wird ruhiger und tiefer – Dies lockert Verspannungen und
    versorgt den Körper mit Sauerstoff, welcher wiederum für
    den Stoffwechsel benötigt wird.
  • Das „Körpergefühl“ verbessert sich –
    Es werden viel leichter „Anspannung“ und „Entspannung“ erkannt.

Alles das, beugt auch Rückenschmerzen und Arthrose vor – wie von Studien belegt.

Und: Die Haut wird glatter und straffer – Man fühlt sich insgesamt fitter und leistungsfähiger.

Tai Chi Gung – die „Pflege des Tai Chi“ ist damit die Trainingsform des 21. Jahrhunderts für den modernen Menschen.

In den Tai Chi Trainings werden regelmäßig auf sanfte Art Po-, Bauch- und Rückenmuskulatur, sowie Arme und Beine aktiviert.

Integrierte Seitwärtsbewegungen machen eine schlanke Taille. Schwerpunktverlagerungen aktivieren die sogenannte „Muskelpumpe“ in den Venen der Beine, dies beugt Venenproblemen und „Besenreisser“ vor.

Durch vorgegebene Schritt- und Stellungswechsel werden Muskel sowie Sehnen automatisch ganz sanft und natürlich gedehnt und damit flexibler – der Körper wird insgesamt beweglicher.

Die Trainingseinheiten können durch die Vielzahl vorhandener Einzelübungen und unterschiedlichste Bewegungsabläufe der so genannten „Formen“ sehr abwechslungsreich gestaltet werden. Die Übungseinheiten bleiben daher interessant – Es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Mit Fortschreiten des Trainings und der Praxis erschließen sich auch weitere „Ebenen“ des Tai Chi (Chuan): Mentaltraining, Meditation in Bewegung und sogar der Kampfkunst-Aspekt.

Kaum eine andere Bewegungsform oder Sportart bietet derartig viele Vorteile „zugleich“ und ist dabei sowohl „für jung und alt“ gleichermaßen gut geeignet!

Tipp:
Besuchen Sie einmal ein Probetraining, Mittwoch-Abends in der ASKÖ-Sporthalle in Salzburg Gnigl – mehr Infos gibt es auf der Homepage des Tai Chi Gung – Landessportverein, Salzburg, unter: www.tai-chi-gung.at bzw. Trainingszeiten & Orte.

Was ist das Geheimnis der 13 Bewegungen?

Glossareintrag: Die 13 Bewegungen

Alternative Bezeichnungen: Die 13 Stellungen, Die 13 Techniken;
Englisch: 13 T’ai Chi Ch’uan Postures (Movements, Techniques, Energies, Gates, Stances or Powers)

Wer sich mit Tai Chi (Chuan) beschäftigt und entsprechende (alte) Literatur durchforstet, trifft unweigerlich irgendwann auch auf den Begriff der „13 Bewegungen“ bzw. auch das „ Lied der 13 Bewegungen“ von Yang Cheng Fu (1883 bis 1936).

Selbst in aktuell veröffentlichten Büchern finden sich Erwähnungen dieser Bezeichnung(en) – leider häufig ohne Erklärungen, was darunter genau zu verstehen wäre.

Der Ursprung

Höchstwahrscheinlich handelt es sich dabei um ein von der Familie Yang (→Yang-Stil) selbst geschaffenes „Mysterium“, um auf deren Beherrschung besonderer (Familien-) Geheimnisse in Tai Chi (Chuan) hinzuweisen. Denn ein Bezug zu den „dreizehn grundlegenden Stellungen/Bewegungen“ wird durch das 140 chinesische Schriftzeichen umfassenden „Lied der 13 Stellungen“ von Yang Chen Fu, nur durch den Titel bzw. Einleitungssatz hergestellt.

Der Text des Liedes selbst sagt aber nur aus, was alles bei den „13 Bewegungen“ beachtet werden soll – nicht jedoch, worin jene 13 Stellungen (Bewegungen) bestehen, bzw. wie jene aussehen und welche „Stellungen“ oder „Bewegungen“ im Detail damit gemeint sind.

Dieses „Lied“ kann (und wird) also genausogut dazu verwendet, um prinzipiell die Ausführung von Tai Chi (Chuan) zu beschreiben = „Die Prinzipien von Tai Chi (Chuan)“.

Mitglieder informieren sich in den →Trainingsinfos Nr. 5 und Nr. 6: →TI_005_Grundsschule_5Prinzipien.pdf bzw. →TI_006_Grundsschule_Merksaetze_YangChenFu.pdf

Die Zahl 13 ist in China eine Zahl, welche synonym „Beherrschung“ („Macht über …“) symbolisiert – Vielleicht meinte Yang Cheng Fu damit tatsächlich eine nicht näher definierte Metapher für „Die Beherrschung des Tai Chi (Chuan)“?
D.h.: „Das Lied der 13 Bewegungen“ wäre demnach „Das Lied der Beherrschung von Tai Chi“ ?

Oder – womit wir nun zur weiteren Erklärung in jüngster Vergangenheit angelangt wären:
Cheng Man-Ching (1900-1975),
war gerade in seinem letzten Lebensabschnitt in den USA bekannt dafür, viele „Geheimnisse“ des Tai Chi (Chuan) zu verbreiten –
Er war schließlich einer derjenigen, welcher diese „Geheimnisse“ seinen Schülern zugänglich machte.

Wie lautet nun „sein“ Geheimnis der 13 (Grund-)Bewegungen?

Ganz einfach –
Die 13 Bewegungen bestehen aus den 8 Grundtechniken (den →„Ba Gua“ – siehe dort; bzw. englisch: „Eight Gates“) und den 5 von ihm beschriebenen Fußtechniken („Schrittformen“, manchmal auch: „Richtungen“; in Englisch: „5 Steps“, „Five Directions“, „Five Movements“): Vorwärtsgehen, Rückwärtsgehen, Fußstoß links (bzw. „nach links wenden“), Fußstoß rechts (bzw. „nach rechts wenden“) und dem „Zentrieren“ (Schwerpunktausgleich).
Somit: 8 + 5 = 13.

Exkurs

Frage: Gibt die Aufteilung (z.B. links/rechts) hierbei einen Hinweis, dass einfach versucht wurde, unbedingt auf die „mystische Zahl“ Dreizehn zu kommen, um „stimmig“ zu sein?
Kann sein. – Denn die 8 Grundtechniken („Ba Gua“) enthalten einerseits natürlich auch „Schritte“ („Schrittformen“) und andererseits werden diese auch in verschiedene Richtungen (vorwärts, rückwärts, seitwärts, …) ausgeführt.

Fazit:

Ungeachtet einer jeweils genannten Anzahl von (Basis-) „Techniken“ (8, 12, …, 8+5=13, …, 8+8=16 oder 3 x 8=24, usw.) oder abweichender (Bewegungs-)Bezeichnungen, lernen wir jedenfalls auch hieraus, dass in der dynamischen Anwendung der 8 Grundtechniken des Tai Chi Chuan (Taiji quan) ebenfalls die drei Bewegungsrichtungen (vorwärts, rückwärts und seitwärts), sowie das „Zentrieren“ (der „Schwerpunktausgleich“, „das Einnehmen der Mitte“) sehr bedeutsam sind.

Nur für Mitglieder:

Unter der Trainingsinfo Nr. 18 (Dateiname: TI_018_Lied_der_13_Bewegungen.pdf) findet ihr eine deutsche Übersetzung des kompletten „Lied der 13 Bewegungen“ von Yang Cheng-Fu.
Link zu Downloadrubrik im Forum: →Trainingsinfo
(Anm.: Einloggen mit Menüpunkt „Anmelden“ nicht vergessen!)

Tipps: