Konzentration vs Kontemplation
Konzentration
Die Vorsilbe (Präfix) „kon“ in deutschen Fremdwörtern bedeutet „mit“, „zusammen“ oder „miteinander“ und entstammt dem Lateinischen („con“).
Eine „Zentrierung“ ist eine Ausrichtung auf einen (Mittel-)Punkt.
(„Zentration“ wäre also der „technische“ Vorgang, welches aber nur sehr selten in Deutsch verwendet wird.)
„Konzentration“ (mental, geistig) bedeutet also „mit Ausrichtung auf einen Punkt“ – in der Bedeutung von: „Den Geist und Fokus der Gedanken straff auf einen Punkt, eine einzige Aufgabe verengt“.
Ein konzentriertes Herangehen bedeutet also den Fokus der Gedanken und Handlungen streng auf (nur) einen Punkt zu fokussieren – …und alles andere auszuschließen.
Bei der „Konzentration“ geht es also darum eine(!), ganz bestimmte einzige Sache oder einzige Aufgabe („der Punkt“, „das Zentrum“) zu betrachten, zu erledigen, auszuführen und alles andere auszuschließen („ausgrenzen“).
Das Verhalten dabei könnte mit: Aktiv, Ziel-fixiert, „mit bewusst angelegten Scheuklappen“, beschrieben werden.
Übertriebenes, fehlgeleitetes Verhalten dabei wäre: Aktionismus, Rastlosigkeit, Umtriebigkeit.
Das Empfinden kann auf Dauer mit „ermüdend“ und „Stress erzeugend“ einhergehen.
Kontemplation
„Kon-Templation“ stammt wahrscheinlich von „con“ und „templum“ (lat.).
„con“ dt. „kon“ – „mit“
Sowie: „templum“ mit der Grundbedeutung eines (zuvor) bestimmten, exakt hierfür vorgesehenen, „abgezirkelten Bereiches“, eine „vorbestimmte – auch hierfür geweihte – Region oder Bezirk“
Wichtige Anmerkung:
Ich möchte das hier bewusst nicht religiös auslegen, welches heutzutage fast ausschließlich mit „Tempel“ ausgedrückt wird – aber eben nicht die alleinige ursprüngliche Interpretation darstellt.
Ein kontemplatives Herangehen bedeutet also die Gedanken, Handlungen und Empfindungen innerhalb eines vordefinierten Bereiches „kreisen“ zu lassen.
Der Fokus dabei ist ein offenes Betrachten von Ideen, Eindrücken, Ansichten, Texten, Bildern, usw. – eben: „with enhanced Mindfulness“, oder einfach: das Leben – im „Hin-Blick“ besser „Herum-Blick“ auf einen vordefinierten, festgelegten Bereich oder Rahmen.
Es ist somit eine andere, möglicherweise umfassendere Verhaltensweise, um bestimmte Sachen zu erfassen oder Handlungen innerhalb eines Aufgabenbereiches auszuführen.
Das Verhalten könnte mit: Empfangend, aufnehmend, ruhig und gelassen, „bereichs-orientiert“ statt „punkt-fixiert“ beschrieben werden.
Übertriebenes, fehlgeleitetes Verhalten entsteht nur dadurch, wenn „der Bereich“ nicht festgelegt oder „vergessen“ wird. (m.E.: „abdriften“ s.u.).
Aber das wäre auch nicht „Kontemplation“ – sprich: „mit festgelegtem Gebiet/Bereich!“
Das Empfinden bringt dabei nicht nur Seelenruhe, sondern weitet auch den Geist.
Zusammenfassend:
Bei der Konzentration fixiert man also mit den Gedanken (immer wieder!) einen Punkt, ein Zentrum.
Bei der Kontemplation kreist man „losgelöst“ mit den Gedanken innerhalb(!) eines zuvor festgelegten, hierfür bestimmten Bereiches.
Der Unterschied liegt darin, dass Konzentration den Geist straff auf eins fixiert und sowohl Ablenkungen als auch andere Gedanken ausschließt, während Kontemplation ein tiefes, offenes und ruhiges Betrachten des [wichtig!] zuvor festgelegten/bestimmten Bereiches ohne Leistungsdruck ermöglicht.
Exkurs:
Ist/Wird der Bereich, die „Region“ zur Kontemplation nicht festgelegt, ist es eben NICHT „Kon-Templation“ – so würde ich dies eher mit „Abdriften“, „Wegdriften“ oder „Schweben“ gleichsetzen. Empfindungen, Erkenntnisse und Handlungen daraus entsprächem purem Zufall und der Zweck scheint nur im „Wegschalten“ der Bewusstheit, anstelle Erweiterung/Vertiefung des Bewusstseins zu sein.
Die Kunstfertigkeit besteht also darin beides einsetzen zu können und je nach Erfordernis zwischen beiden mentalen Vorgängen „umzuschalten“.
Die „Pflege des Tai Chi“ lehrt:
Dem „Nicht-Handeln“ („Wu Wei“) folgt „Handeln“ („Tai Chi“) und umgekehrt –
Ein Rhythmus und Zyklus des Seins, symbolisiert und manifestiert durch „die Form“.
„yin“ und „yang“ – Kontemplation & Konzentration
Vergleiche dazu auch beispielsweise: →Meisterpruch Nr. 37 oder →Wu Wei
Schlussbemerkung
Da unsere aktuelle (westliche) Gesellschaft immer Ergebnisse innerhalb bestimmter Zeitfenster erwartet, wird „Konzentration“ als „positive Leistung“ propagiert und definiert, sowie vorwiegend geschult.
Motto: Steigerung der Effizienz.
„Kontemplation“ muss von vielen erst (wieder-)erlernt oder bewusst angewendet werden – und bringt – meiner Meinung nach – überhaupt erst neue Ideen, Einsichten und Herangehensweisen hervor.
Motto: Steigerung der Effektivität!
Die Frage was, wann einzusetzen wäre, ist dann ganz einfach: Was ist derzeit wichtiger? Effizienz oder Effektivität?
