100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 92
[Lesezeit: 1-3min (ohne Querverweise) – Querverweise: 3 – Checker-Zeit: 1-2 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]
Meisterspruch 092:
„Bekannter Taoistischer Vers: Yang erreicht Yin, Wasser und Feuer werden gleich und Chien/Kien [Himmel] und Kun [Erde] verbinden sich zum Elexier des Lebens. Damit nährst du das Göttliche in dir selbst.“
Eine →Transskription aus den aus dem →Tao Te King (Daodejing).
Hintergrundinfo:
kurz: „Die Vereinigung der Gegensätze“, also: „TAI CHI“.
Anm.: „Himmel“ – in „unseren“ Texten mit Chien bzw. Kien (gesprochen: „Ki-Een“ oder „tschi-en“, wegen „Chi“!!!) wird via Pinyin oft auch mit „Qian“ (gesprochen: „Ki-an“, für „Qi“, als „Chi“).
Die taoistische Metapher für „Elexier des Lebens“ wird oft auch mit „Elexier der Unsterblichkeit“, zuweilen auch als „Zinnober“ bezeichnet. Die Verbindung bzw. „Vermischung“ von yin und yang „bildet“ dieses „Elexier“ [im →Dan Tien].
Hieraus lässt sich also ein Bezug zum „Dan Tien“ (Tan Dien) herstellen, welches sehr häufig in chinesischen (Übungs-)Anleitungen als „Zinnoberfeld“ (!!!) überliefert wird.
„Zinnober“ wiederum ist in der Mineralogie ein [hell]rotes, schwarzes oder bleigraues, Quecksilber enthaltendes Mineral. Also: „rotes Quecksilber“, welches auch in der indischen Bhagavaghita als „göttlicher Stoff“ bzw. „den Göttern vorbehalten“ überliefert wird (…und „wir Menschen“ also schon vor mehr als 8.000 Jahren „verloren“ haben…!?).
Der „Spruch“ hieße dann:
„Yang erreicht Yin, Wasser und Feuer sind ausgeglichen[!]- Himmel (Kien) und Erde (Kun) verbinden sich zum Zinnoberfeld im Dan Tien. Damit nährst du das Göttliche in dir selbst.“
Alles klar?
Exkurs 1:
Chi-en (Chien/Kien, Bagua: „Himmel“) entspricht der „Schöpfungskraft des Himmels“ – und
Kun (Bagua: „Erde“) entspricht der „Aufnahmefähigkeit der Erde“.
…also – ebenfalls kurz gesagt – hiermit wäre zugleich der („uralte“ chinesische) Schöpfungsmythos an und für sich er-/geklärt.Exkurs 2 – [mit besten Empfehlungen für weitere Erkenntnisse und „Aha-Erlebnisse“]:
Manchesmal wird obige „Verbindung“ – von „yin und yang“ („im Zinnoberfeld“) auch als „Merkurium“ (ohne weitere dort zu findende Erklärung) übertragen. Manchesmal auch nur mit „Quecksilber“ (was ebenfalls „nicht ganz stimmig“ ist).Exkurs 3:
Was vielleicht auch daran liegt, dass beispielsweise es im deutschen (Umgangs-)Sprachgebrauch gelungen ist, jene Bedeutung „ins Gegenteil“ zu verkehren. Man sagt ja, „jemand solle keinen(!) Zinnober machen“ und meint damit als Redewendung/Redensart, dass „ein Zinnober“ etwas ist, was wertlos und unsinnig ist oder um welches unnötiges Aufsehen gemacht wird.
[…auch interessant, nicht wahr?]
Persönliche Anmerkungen
Mich „reizen“ gerade dann jene Dinge „besonders“, wenn „man sagt, dass…“ oder Feststellungen/Fakten OHNE Erklärung geliefert und verbreitet werden.
Also jene Dinge, welche nach dem Motto präsentiert werden: „Ist halt so“ oder „Alle [wer?] sagen/tun/machen das, daher ‚musst‘ Du…“.
Ich dann innerlich(!): „Wieso?, warum? – O.k., DAS möchte ich jetzt genau(!) wissen.“.
Und damit kein Missverständnis aufkommt: „Nein, ich bin kein ‚genereller Querulant/Querdenker‘ oder „aus Prinzip ‚gegen etwas'“ – das nicht.
Aber – früher(!) – wollte ich einfach „mehr Wissen“, heute „strebe ich nach mehr Erkenntnis mit Weisheit“.
Dabei ist es eben notwendig auch „ausgetretene Pfade“ einmal zu verlassen.
Natürlich: Manches führt dabei auch einmal auf Irrwege – aber „Stehenbleiben“ führt eben zu keinem „Fortschritt“.
Nur wer „sich ändern“ kann, kann auch „auf Veränderungen reagieren“ –> und damit wäre auch wieder der Kreis zu „Tai Chi Gung“ geschlossen.
