TaiChianer

Forum der Tai Chi Gung – Mitglieder

Ambiguität

Sonntag 23. Dezember 2012 von websifu

Glossareintrag: Ambiguität

Ambiguität ist das Fremdwort für “Mehrdeutigkeit”.

Es gibt hierzu einen sehr schönen Artikel in der “freien Enzyklopädie” Wikipedia
(Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Ambiguit%C3%A4t ).

Leider wird dort nur in einem Nebensatz erwähnt, dass Mehrdeutigkeit vor allem ein Charakteristikum von sprachlichen Zeichen sei und somit beispielsweise in Folge völlig ignoriert, dass auch chinesische Schriftsymbole – per se – mehrdeutig verwendet werden und daher nicht nur ambivalent, sondern meist eben mehrdeutig interpretiert werden können.
Sehr schade!

Da wir uns mit dem Tai Chi Gung – Landessportverein in Salzburg es auch zur Aufgabe gemacht haben, Aufklärungsarbeit in und rund um das Thema Tai Chi, sowie dessen Herkunft und Bedeutung durchzuführen, haben wir schon des öfteren darauf hingewiesen, dass alle ursprünglich aus dem Chinesischen stammenden Begriffe, Bezeichnungen und Übertragungen, eben NICHT immer so einfach – eindeutig(!) – interpretierbar und übersetzbar sind.

Siehe dazu auch: →Übertragungsprobleme

Es ist daher zum Verständnis der chinesischen Kampf- und Bewegungskunst mit – übertragenem(!) – Namen Tai Chi Chuan, einfach wichtig zu wissen, dass dies eben so ist und alle chinesischen (Schrift-)Symbole mehrdeutig sind und Kombinationen davon (Wörter, Sätze) noch weitere Ambiguität erzeugen, anstelle diese zu vermindern.

Daher hilft es auch nichts, sich bloß darüber zu streiten, ob eine Übertragung in Lateinische Buchstaben besser mit Pinyin- oder nach Wade-Giles-System erfolgen soll, wenn dabei die ursprüngliche Ambiguität der Schriftsymbole völlig vernachlässigt wird.

Erst die Beschäftigung mit dem Vergleich jener Interpretationen – welche diese nun mal sind – ermöglicht weitere Erkenntnisse und ein tieferes Verständnis.

Dann zeigt sich auch, dass mit “TAI CHI”, “Tai Chi”, “Taiji”, “T’ai Ch’i”, … usw. usf. manchmal das gleiche, häufig das selbe und manchesmal aber etwas völlig anderes von den jeweiligen Autoren gemeint ist.

Exkurs:

Ebenso empfehlen wir jedem Genießer und Studierenden der chinesischen Philosophien, egal ob “I Ging”, “Taoismus”, “djang-Buddhismus” (sprich: “Zen-Buddhismus”) oder (deutsche!) Literatur des Konfuzius, jene als eine(!) Interpretation des jeweiligen Verfassers zu betrachten und nicht gleich in die Kategorie “DAS Werk” zu schubladieren, solange man nicht selbst dazu in der Lage (oder Willens) ist, die Urtexte in chinesischen Schriftsymbolen zu lesen und die darin (automatisch – s.o. Ambigiutät) enthaltene Mehrdeutigkeit nach und nach selbst zu ergründen.

Beispiele:

Chinesisches Schriftzeichen Übertragung in lateinische Buchstaben mögliche Übersetzung, Bedeutung, Interpretation
csz_tai_klein Tai
T’ai
groß, bedeutend, hochstehend,
markant, mächtig, hervorstehend,
aufrecht stehend
“der aufrechte Mensch”
csz_chi_klein Chi
Ch’i (Wade-Giles)
Qi (nach Pinyin)
(Lebens-)Hauch, Atem, Odem;
Kraft, Energie,

Kraft in (jeglicher)Bewegung (des Lebens);
indisch: “Prana”
keltisch: “Od”

csz_ji_klein ji
(gi)
Werkzeug, Anwendung, Methode (im Sinne einer Ausführungsart),
auch: sanft, passend, anpassend, geeignet
und: “wie Wasser”
csz_chuan_klein Chuan
Quan (nach Pinyin)
gesprochen: “tschu-an”;
unter anderem:
Weg oder Handlung, Kunst(-form), “Lebensinhalt”; ebenfalls: “Methode” im Sinne einer bestimmten “Ausführungsart”
sowie: “Quelle des”
bzw. “Inspiration für”
csz_gung_klein Gung
Gong (nach Pinyin)
ebenso: Kung, Kong, etc.
“die Pflege von (etwas)”
“das Bemühen um (etwas)”
“die Arbeit an (etwas)”
“das Streben nach (etwas)”

Bei Beschäftigung damit, erkennt man:

  1. Die Übertragung der (Bild-)Symbole in lateinische Buchstaben schränkt den Inhalt schon ein. (Es heisst doch auch: “Ein Bild sagt mehr als tausend Worte”)
  2. Unterschiedliche Übertragungen können(!) von Fall zu Fall den ursprünglichen Sinngehalt völlig verfälschen. Beispiel: “Chi” oder “Qi” im Gegensatz zu “ji” (bzw. manchmal auch: “gi”) – alles gesprochen: “tschi”.
  3. Eine Übersetzung schließlich, schränkt die ursprüngliche Bedeutung noch mehr ein.
    Vor allem dann, wenn es im verwendeten Sprachraum den zu übersetzenden Begriff in ähnlicher Bedeutung gar nicht gibt!
    Eben auch: “Tai”, “Chi”, “Gong”(”Kung”) …oder “Prana”, etc.
    [Anmerkung: Oder manchmal eben auch: nicht mehr(!) gibt, wie z.B. "Od"]
  4. Je mehr Übertragungsvorgänge dazwischen liegen, desto mehr Fehler können sich anhäufen. Zum Beispiel: Eine chinesische Vorlage wird in das Englische (Amerikanische) übersetzt und diese dient wiederum als Grundlage für eine deutsche Ausgabe. Ist in letzterer tatsächlich das gemeint, was der Ursprung zu übermitteln versuchte?

Exkurs:
Eine “Rückübertragung” von Pinyin-Buchstabenfolgen oder Wade-Giles-Wörtern in chinesische Schriftsymbole (”Buchstaben”) erklärt dann nicht automatisch die ursprüngliche Verwendung und deren Zusammenhänge!

Das heißt:

Jede Übersetzung symbolbasierender Schriftstücke bedeutet automatisch eine Verminderung der Ambiguität und des hiermit verbundenen ursprünglichen (Symbol-)Gehaltes und führt damit auch – wortwörtlich – zum Verlust an Bedeutung.

Eine Übersetzung chinesischer Schriftzeichen erscheint (nur) daher “eindeutig”, weil sie durch die Bearbeitung der daran Beteiligten in deren Sinne und Verständnis eben so, wie von jenen ausgeführt, interpretiert wurde!

Manchesmal ergibt sich allein schon aus der Kenntnis dieser Ambiguität, sowie der Anerkennung des Vorhandenseins von Übertragungsproblemen, die Möglichkeit der Sicht neuer Zusammenhänge.

Es entstehen hieraus eigene, neue Gedankengänge, welche es erlauben, fortgesetzte Texte gleicher Thematik anhand des Vergleichs verschiedener Quellen, für sich selbst zu verifizieren oder auch zu falsifizieren.

Sprich: Man merkt plötzlich selbst, ob ein Schreiber (besser: “Übersetzer”) “sinngemäß richtig” vorgegangen ist oder eben Verwechslungen unterliegt, oder sogar Zusammenhänge herbeiführt, welche nicht existieren (können), oder einfach nur versucht,  jemanden ein “X” für ein “U” vorzumachen, da er selbst nicht “fitt” in der Materie ist.

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Tipps:

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Der Unterschied zu Yoga

Sonntag 18. März 2012 von websifu

Ask a Sifu:

Was unterscheidet Tai Chi von Yoga?
Worin liegt der Unterschied im Training zwischen Tai Chi und Yoga?

Antwort:

Abgesehen davon, dass die Übungsform des Tai Chi erstmals in China erwähnt wurde und ebenso Jahrhunderte lang den kulturellen Einflüssen chinesischen Ursprungs unterlag und Yoga hingegen eben in Indien entstanden und weiterentwickelt wurde, sind beide Formen der geistig-körperlich spirituellen Tätigkeit bzw. der Förderung der Entwicklung eines Menschen gewidmet.

Auch wenn beide genau die gleichen inneren Bereiche eines “Mensch-Seins” ansprechen, so sind sie grundverschieden darin, was die “Haupt-Zielsetzung” (der Entwicklung des Menschen) betrifft [...falls man dies überhaupt als "Zielsetzung" bezeichnen darf!].

Doch zuerst zur Klärung:

Was ist Yoga?
Viele haben schon einmal etwas von Yoga gehört, besitzen jedoch nur ganz oberflächliche Informationen darüber.

Zwei Ansichten sind am weitesten verbreitet: 1. Yoga wäre eine Art Gymnastik und 2. Yoga wäre ein indischer Mystizismus mit geheimnisvollen Einweihungszeremonien. Beide Anschauungen sind weit von der Wahrheit entfernt.

“Yoga” ist ein uralter indischer Begriff, welcher am ehesten mit “Verbindung” oder “Vereinigung” übersetzt werden könnte.
Yoga bezeichnet eine Methode, ein System, um eine Verbindung zwischen dem Menschen und Gott herzustellen. Es ist also ebenso “religio” (= “rückbindend”). Yoga zielt also auf die Verbindung des Menschen mit dem Schöpfer (bzw. der Schöpfung) des Universums ab. Im Laufe der Jahrhunderte, ja gar vergangener Jahrtausende, haben sich in Indien eine Vielzahl von Methoden entwickelt, um dem Menschen jenes Erlebnis der Verbindung (”Yoga”) mit der “All-Macht” zu vermitteln. Es haben sich eine Unzahl von Systemen entwickelt, welche somit viele verschiedene Wege aufzeigen, dies zu erreichen.

Jenen Menschen, welcher einen dieser Wege beschreitet nennt man “Yogi”.

Die unterschiedlichen Wege, die dabei beschritten werden, können auch so gesehen werden, dass hiermit den verschiedenartig veranlagten Menschen Möglichkeiten gegeben werden, denjenigen zu wählen, welcher der eigenen Mentalität am ehesten entspricht.

Zusammenfassend lassen sich hierbei folgende Systeme gliedern:

  • Hatha-Yoga: Besondere Körperübungen, welche durch bestimmte Körperstellungen (=Asanas), bestimmte Kraftströme im Körper auf das Bewusstsein richten;
    Hierzu zählen auch besondere Atemübungen, die ein Gleichgewicht der Körperenergien herstellen und den Geist beruhigen sollen, wobei insbesondere auf die Lenkung der “Lebensenergie aus dem Atem” – dem so bezeichneten “Prana” – Wert gelegt wird. Diese Übungsform bezeichnet sich als “Pranayama“;
  • Bhakti-Yoga: “Bhakti” heißt “Hingabe”. Es übt die “Selbstaufgabe” indem zum Beispiel der Bhakti-Yogi sich vollständig hingibt, indem er beispielsweise einen Rosenkranz durch seine Finger gleiten lässt und dabei Gottes Namen rezitiert. Andere singen oder beten sich durch fromme Verse in Ekstase, wiederum andere geraten durch religiöse Tänze in Trance (eine moderne Variante wird unter “Yoga-Flow” und ähnlichen Bezeichnungen angeboten).
    Neben jenen emotionalen Methoden, gibt es auch intellektuelle, die zur Kontrolle der Gedanken und Gefühle anleiten. Hierbei wendet sich der Yogi in der Meditation vollständig von weltlichen (körperlichen und veränderlichen) Dingen ab. Andere Methoden beruhen wiederum darauf, bestimmte Laute (Silben) oder Formeln, sogenannte “Mantras”, ständig wiederholend geistig zu rezitieren, um dies zu erreichen.
  • Karma-Yoga (”Karma” = Handlung) ist wiederum für den nach Einflussnahme auf das eigene Schicksal und nach Aktivität Dürstenden gedacht: Es verlangt, allen weltlichen Pflichten ungehindert nachtzugehen, sich dabei aber innerlich vollkommen losgelöst und begierdelos in den Dienst Gottes zu stellen und das Resultat “seinen Händen” zu überlassen – egal, ob die Früchte der Handlung “gut” oder “schlecht” sind. (Anm.: Manche “exzessive” Yogis scheinen hierbei sehr oft ersteres völlig zu “vergessen” und gehen daher keinerlei – weltlichen – Pflichten mehr nach);
  • Erwähnenswert wäre auch noch: Raja-Yoga (gesprochen: “Radscha”), welches auch das “Königs-Yoga” oder “der Königsweg” genannt wird. Hierbei übt der Adept zuerst die Konzentration der Gedanken auf einen Punkt. Nach erfolgreicher Meisterung dieses Prozesses versetzt jener sein Bewusstsein schließlich in sein eigenes “Gott-Selbst”, seinen eigenen “Seelen-Punkt” und tritt somit in Verbindung mit der “All-Macht”, welche es nun gilt, sein ganzes (restliches) Leben aufrecht zu erhalten und zu “pflegen” …ohne dabei seine weltlichen Verpflichtungen zu vergessen(!).

Der Pfad der Meisterschaft des Yoga

Im Yoga werden im allgemeinen acht Stufen der Entwicklung eines Menschen, bzw. eines Yogi, unterschieden.

Die erste wird “Yama” genannt und besteht vor allem aus moralischen Qualitäten und dient der Läuterung und der Wahrhaftigkeit.
So ist es verboten, Gewalt anzuwenden, zu lügen, zu stehlen, sexuell ausschweifend zu leben, sowie körperlich und geistig “unrein” zu sein, etc. (Vergleichbares findet sich im “Konzept des edlen Menschen”, welches auch in China beispielsweise auch durch Konfuzius seine Verbreitung fand).

Die zweite Stufe nennt sich “Niyama” und bestimmt Regeln und Gebote zur inneren und äußeren Reinigung eines Yogi.

Erst in der dritten Stufe werden “Asanas” gelehrt – das sind eben bestimmte Körperhaltungen, wodurch der Praktizierende zur vollkommenen Beherrschung seines Körpers gelangt.

Die vierte Stufe ist das “Pranayama” und lehrt die Beherrschung des Atems. Durch bestimmte Atemtechniken soll der Yogi Einfluss auf sein inneres Leben gewinnen, also Einfluss nehmen auf Gedanken und Gefühle, sowie Herr über seine Lebensströme (die Energieströme, welche in den sogenannten “Nadis” – wörtlich: “Kanäle”, “Gefäße” oder “Adern” – fließen) werden.

Anmerkung:
Also erst in der dritten und vierten Stufe der “Methode des Yogas” wendet man seine Aufmerksamkeit der Reinigung und Beeinflussung der “inneren Energie” zu – nachdem(!) man die ersten beiden Stufen bewältigt hat und persönlich “gereift” ist.

Exkurs:
Nach der Lehre, welche auch das Hatha-Yoga mit seinen Übungen beschreibt, verfügt der menschliche Körper über eine bestimmte Anzahl von “Nadi” (d.h.: “Energiekanäle”) – Diese können durchaus mit der aus China und der Akupunktur stammenden Bezeichnung “Meridiane” verglichen werden – sowie über eine bestimmte Anzahl von Chakren (manchmal auch: “Cakren” geschrieben; Gesprochen wird beides: “Schackren” = Mehrzahl von “ Chakra” [bzw. "Cakra"] – gesprochen: “Schackra”).
Wörtlich übersetzt steht “Chakra” für “Kreis”, “Scheibe” oder auch “Rad” – im übertragenen Sinne ist es ein “Zentrum”.
Nach indischer Lehre zirkuliert die Lebensenergie, genannt “Prana”, in Form des “Atems” durch die Nadi, während die kosmisch-göttliche Energie in den Chakren verborgen ist. Die Anzahl der Nadi schwankt in den aus Indien stammenden Angaben ebenso, wie dies die Akupunkturpunkte chinesischer Herkunft tun: Es werden zwischen mehreren Tausend bis sogar Hunderttausende genannt.

Wichtig:
Die Anzahl der benannten Chakren – und deren Lage(!) – stimmen EXAKT mit den Angaben der Chi-Energiezentren aus China überein! – Abweichungen finden sich nur(!) bei manchen(!) Bedeutungszuordnungen (sprich: Interpretation und zugesprochener “Wichtigkeit” – man könnte sagen: Die Unterschiede liegen im Reihungs- oder Ordnungssystem der unterschiedlichen Beschreibungen verschiedener Kulturkreise).

Die fünfte Stufe heißt “Pratyahara” und vermittelt die Beherrschung aller Sinne und Vorstellungen durch die Bewusstseinsverlagerung “in sich selbst”.

Mit der sechsten Stufe “Dharana” konzentriert sich der Yogi mit seinem Denken auf einen Punkt, während er in der siebten Stufe, “Dhyana”, über die von seinem Guru (=Lehrer, Meister) vermittelten Lehren meditiert.

In der achten Stufe, genannt “Samadhi” erfolgt schließlich die tiefste Versenkung und Vereinigung mit dem Göttlichen.
(Anm.: Wobei dies allzu oft, als “Ausscheiden von der Welt” oder “Selbstverlust” missinterpretiert wird und damit auch Ängste geschürt werden, anstelle dies als bewusst initierte und gesteuerte “Ego-Aufgabe” anzuerkennen.)

Fazit:
Yoga ist also in erster Linie dazu bestimmt, den eigenen Charakter zu veredeln und das Leben erfüllter zu machen, indem man das Bewusstsein erhebt und sich von allen weltlichen, weil ja veränderlichen und unbeständigen Dingen, löst, um sich dem Immateriellen (somit “dem Beständigen”) – vollständig(?) – zuzuwenden..

Es dürfte hiermit schon erkennbar sein, dass Yoga ebenfalls nichts mit Gymnastik oder Atemtherapie zu tun hat. Es entspricht zwar der Tatsache, dass Asanas und Pranayamas einen überaus großen Einfluss auf die Gesundheit haben, aber jene heilsamen und stärkenden Wirkungen sind eher als Begleiterscheinung, denn als Zielsetzung zu sehen. Ein echter Yogi, also ein Yoga-Praktizierender, ist also ein tiefreligiöser Mensch und weniger ein Gymnastiklehrer.

Wann immer also solche rein gymnastischen Kurse unter dem Etikett “Yoga”, OHNE Anleitung zur Schärfung des Bewusstseins und Veredelung des Charakters, angeboten werden, so sollte man wissen, dass es sich dabei nicht um Yoga handelt, sondern nur einzelne Übungen oder Übungskomplexe, welche aus dem körperlich-seelischen Gesamtzusammenhang des Yoga entlehnt wurden.

Anmerkung:
Natürlich scheuen viele sogenannte Yoga-Lehrer die Konsequenzen, die entstünden, wenn sie ihre Schüler zur Änderung ihres Bewusstseins und Charakters bewegen würden. Sie befürchten Anhänger und Kursteilnehmer zu verlieren, wenn sie ihnen solche höheren Wahrheiten vermitteln würden, die den Vorurteilen und beschränkten Einsichten entgegengerichtet sind.

Worin liegt nun also der Unterschied zu Tai Chi?

Als erstes erkennbar ist der Unterschied beider Systeme in der körperlichen Ausführung.

Vergleicht man den (körperlichen) Übungsablauf zwischen Hatha-Yoga und Tai Chi (Chuan), so erkennt man, dass es “im Yoga” um die Erreichung und “das Halten” eines gewissen Zustandes (Körperstellung) über einen gewissen Zeitraum geht.
Grob: Stellung einnehmen – “Halten” (Meditieren) – Ausklang.
Anders formuliert: Die Übungen bieten einen “Ausstieg” aus “normalem” Alltag (Schlagworte: “Abschalten”, “Aussteigen”, “Abwenden” – in etwa: “Überwindung des ‘profanen’ Lebens, sich davon differenzieren und Abstand gewinnen”);

Nach dem Motto: “Erkenne: Die materielle Welt ist im Grunde eine Illussion, mach’ Dich frei!”).

Im Tai Chi (→Chuan) hingegen geht es prinzipiell “um Fluss”, um Bewegung und um das “im Fließen bleiben” – es soll während der Ausübung idealerweise niemals ein Stillstand (ein “Halten”) stattfinden – bzw. ein ständiger “Wechsel” zwischen “Ruhe” und “Bewegung” erfolgen. Es geht darum, den Wechsel der Extreme, dass ineinander Übergehen und die ständige Wandlung der Zustände, sowie deren tieferen Sinn und eigentlichen Zusammenhang (= →TAI CHI) zu erkennen und diesem schließlich selbst (und zwar “bewusst”, im [Alltags-]Leben!) zu folgen.

Anders formuliert: Die Bewegungen und Übungen des Tai Chi (Chuan) sollen nicht nur zum “täglichen Begleiter” neben dem “normalen” Leben werden, sondern tatsächlich “gelebt” werden (Schlagworte: “Integrieren”, “Einbinden”, “teilhaben”,… , “Vertiefen” – in etwa: “Meisterung des ‘profanen’ Lebens und dadurch Qualität und Intensität des Lebens steigern”);
Es gilt das Motto: “Bedenke: Die Beständigkeit aller Dinge und Zustände der erkennbaren stofflichen Welt sind im Grunde eine Illussion, weil einzig der Wandel →yin und →yang beständig ist – Beachte dies und LEBE DEMENTSPRECHEND darin/damit, solange Du Dich in ihr befindest!”.

Selbst ein Übungsablauf bei Tai Chi (”die Form”) mag zwar “außerhalb” normaler Betätigung des Menschen gelten, aber die dabei erlernten Bewegungen “bleiben” im Alltag aufrecht (z.B.: der Gang, der Stand, die Körperhaltung, oder der Einsatz der Hände und Arme – z.B. bei der Bewegung von Gegenständen: Schieben, aufheben, öffnen und tragen; usw.).

Yoga-Stellungen können hingegen nicht unbedingt im Alltag angewandt werden, sondern “existieren” separat davon.

Der wesentliche Unterschied zwischen Tai Chi und Yoga ist dabei also -

Das Bewegungsmuster!

Im Tai Chi (Chuan) geht es auch körperlich darum, sein “Verhalten im Alltag” zu ändern. Das Tai Chi Praktikum schult Bewegungsabläufe, welche durch ständige Wiederholung so oft wiederholt werden, dass diese zu einem sogenannten “Muster” des Menschen werden (Anhänger des NLP – des Neuro Linguistischen Programmierens – würden hierzu “Engramm” sagen). Diese “Muster” prägen damit fortan die Bewegungen, sowie das Verhalten des Tai Chi – Adepten im Alltag.

Exkurs:
Sehr häufig wurde dies in “Kung Fu – Filmen”,den sogenannten “Eastern” (als Gegenpart-Bezeichnung zu: Western), in umgekehrter Reihenfolge der Ereignisse parodiert: Ein Schüler wird vom Meister dazu genötigt, profane Handlungen des Alltags auf ungewöhnliche Art und Weise so lange und “nahezu endlos” zu wiederholen, bis er jene Bewegungen so perfekt beherrscht, dass er diese Abläufe schließlich meisterhaft als Kampftechnik einsetzen kann.

Die bekanntesten Beispiele finden sich in der Filmreihe “Karate Kid“, worin im ersten Teil ein Schuljunge als Adept von Karatemeister Miagi, viele Tage lang seine Nachmittage damit verbringt, eine Gebrauchtwagenflotte auf Hochglanz zu polieren und der Meister ihn fortlaufend anhält: “Immer in kreisender Bewegung der Hände, Linke Hand auftragen, Rechte Hand polieren, usw. – Auftragen, Polieren – Auftragen, Polieren” – Bis sich schließlich herausstellt, dass dies genau das Training und die Bewegungsausführung einer Abwehr (i.e. “Wolkenhände”) darstellt. Die “Schlagtechnik” erlernt der Schulbub schließlich durch Streichen des gesamten Anwesens des Meisters mit neuer Farbe, bei gestreckten Armen, aus dem Handgelenk (Anm.: der “→Hakenschlag“) usw.

Im jüngsten Jackie Chan – Film mit gleichnamigen Titel “Karate Kid”, lässt er als chinesischer Hausmeister ebenfalls seinen Schüler, dargestellt von Jaden Smith (Sprössling von Will Smith), wochenlang dessen Jacke auf- und abhängen, auf den Boden schmeißen, aufheben, anziehen und wieder aufhängen usw. – welches wiederum zur perfekten Ausführung von Kampftechnik(en) dienen sollte (…nur ist hierbei nicht ganz ersichtlich zu welcher – aber das war vielleicht Absicht ;- ) – dem Film tut es keinen Abbruch, dem tieferen Sinn dahinter schon – Nun gut, denn selbst der Film hat eigentlich mit “Karate” rein gar nichts zu tun – aber: was soll’s!).

Eine sehr witzige Parodie jener Thematik ist auch der Film “Die Rückkehr in die 36 Kammern der Shaolin”: Der Schüler wird nicht als Mönch in das Kloster aufgenommen, darf aber dort bleiben und monatelang die Mauern mit Bambusstangen und Bast eingerüsten. Erst als er vom Meister nach zwei Jahren fortgeschickt wird und es zum (unweigerlichen) Kampf kommt, erkennt er, dass er meisterhaft “Gerüstungs-Kung Fu” beherrscht und besiegt die Gegner mit Bambusstangen, seiner neu gewonnenen Stärke und Standfestigkeit, sowie natürlich seiner Fähigkeit, alle möglichen Gegenstände und Extremitäten der Angreifer überall hin festbinden zu können.

Darüber hinaus bedeutet die Verinnerlichung von Bewegungsmustern also schlussendlich auch, dass sich die geübten und verinnerlichten →Tai Chi Prinzipien sich dabei eben nicht nur im körperlichen Bereich oder nur während der “Übungseinheiten” wiederfinden lassen, sondern damit auch das gesamte Verhalten als Mensch prägen (d.h. auch die “innere Haltung” – eben: mental, geistig, seelisch und spirituell).

Man kann dabei durchaus sagen:
“Über die (körperliche) Haltung und Bewegung, gelangt man zur jeweiligen (inneren) Haltung, Beweglichkeit und dementsprechenden Verhalten” (…sowie umgekehrt!).

Ein einfaches Beispiel dazu:
Höflichkeit ist keine Frage der verwendeten Worte oder Aussagen, sondern zeigt sich im Verhalten eines Menschen, welches seiner (inneren) “Haltung” von Respekt, Anerkennung, Achtung, Rücksichtnahme, Verständnis, Mitgefühl usw. gegenüber anderen Menschen Ausdruck verleiht.
Das ist auch der Grund dafür, warum wir höfliche Worte oder Gesten mancher Menschen als “falsch” empfinden – das Gegenüber sagt etwas, was nicht seiner Haltung (im doppelten Wortsinne!) entspricht.
In Österreich ist hierfür der Ausdruck “scheiss-freindlich” bekannt und meint eine meist übertriebene, akzenturierte, “falsche” Freundlichkeit.

Der Pfad der Meisterschaft als zweiter Unterschied

Beide (Übungs-)Systeme können selbstverständlich auch “nur zur Gesundheit” praktiziert werden, …aber umfassen eigentlich mehr. Beide Methoden – sowohl Yoga, als auch Tai Chi – dienen hauptsächlich der “inneren” Entwicklung eines Menschen und werden sehr oft nur “profan” geübt. Obwohl sich die Meisterschaft beider Systeme weder in der Beherrschung rein äußerlicher Vorgänge, noch in der Kenntnis möglichst vieler körperlicher Übungen zeigt. Darin gleichen sich beide Methoden.

Der zweite Unterschied zeigt sich also in

Unterschiedlicher Philosophie

Um auf den einleitenden Absatz dieses Artikel zurückzukommen, existieren zwischen Yoga und Tai Chi unterschiedliche Ansätze, im Weg zur Vervollkommnung des Menschen.

Yoga lehrt im Grunde die ABKEHR VON JEGLICHEM VERÄNDERLICHEN (dem Materiellen, dem Weltlichen) und die vollständige Hinwendung zum Unveränderlichen (dem Jenseitigen, dem Göttlichen). Es strebt die Überwindung aller Extreme an, die Überwindung und Aufhebung der Gegensätze und Polaritäten, durch Abkehr von Profanem sowie die Aufgabe weltlicher Bindungen – und sei es auch nur für den Moment (d.h. für die Dauer der Übungseinheit, der Meditationseinheit, sowie durchaus auch: Für den Zeitraum des Gebets). Je öfter und je länger dies gemacht werden kann, umso besser — Man könnte sagen: Bis kein Unterschied mehr feststellbar ist (bzw. keiner mehr existiert).

Tai Chi lehrt hingegen die INTEGRATION DES VERÄNDERLICHEN als Bestandteil des Lebens. Die Erkenntnis und Erfahrung, dass überall im materiellen und menschlichen Kosmos Gegensätze, Veränderlichkeiten und Polaritäten (→yin und yang) erkannt werden können und durch diese Erkenntnis, sowohl der Ausgleich, als auch die Vereinigung dieser Polaritäten möglich ist.

***
Dies sind also zwei völlig unterschiedliche philosophische Ansätze!
(Welche ich zu Beginn dieses Artikels mit “Zielsetzung” zu vereinfachen suchte)
***

Darüber hinaus erhebt Tai Chi (Chuan) im Unterschied zum Yoga gar nicht den Anspruch, “Jenseitiges” dem Menschen begreifbar oder verständlich zu machen, sondern beschränkt sich auf das “Diesseits”.

Dies drückt sich allein eben schon durch den Begriff “→TAI CHI aus: “Das letztmöglich dem Menschen Erkennbare“, im übertragenen Sinne: “Der Firstbalken” sowie auch durch die Übersetzung: “Das – für den Menschen(!!!) – Allerhöchste”. Symbolisiert durch das Zeichen, dem →TAI CHI TU.

Einerseits impliziert dies auch, dass “Darüberhinausgehendes” – derzeit(!) oder auch: “zu Lebzeiten” – einen Menschen weder zugänglich, noch für ihn somit weder von Nutzen, noch Interesse sein kann. Andererseits aber auch, dass sehr wohl dem “profanen” Menschen viele Dinge verborgen sind, weil diese “inneren” Welten (Werten) zuzuordnen sind und somit zwar unsichtbar, aber dennoch äußerst real existieren und “im” und “auf das Leben” wirken. (Beispielsweise: →Chi, sowie der →Rhythmus von yin und yang).

TAI CHI ist also durchaus auch eine sehr spirituelle Philosophie – ob diese nun auch als “religiös” zu bezeichnen wäre, wage ich zu bezweifeln, da alle jenseitige Aspekte, sowohl “für die Lehre” als auch “für das Praktikum” nicht von Bedeutung sind und somit jedem Menschen sein Glaube und seine Ansichten hierzu unbenommen bleiben.

In Tai Chi (Chuan) wird darüber hinaus generell bei jeder Ausführung – im Praktikum und Training – gleichzeitig(!) mehreren →Aspekten (des Lebens) genüge getan: Gesundheit, Gefühle (Seele), Körper, Geist (mental und spirituell), dem Alltag, …, der Meditation, der Konzentration, der Kontemplation, …, der Entspannung UND nicht zu vergessen: dem Kampf.

Schlussbemerkungen

Selbstverständlich gibt es bei beiden Methoden, sowohl bei Tai Chi als auch bei Yoga, “wahre” Meister, genauso wie viele “Dampfplauderer”.

Und: Selbstverständlich können körperliche Praktiken, sowohl des aus Indien stammenden Yoga, als auch des aus China stammenden Tai Chi (Chuan), rein nur aus körperlich-gesundheitlichen Überlegungen gemacht werden – Warum denn nicht?

Es sollte nur eindeutig klar sein: Eine reine körperliche Übungsanleitung, selbst wenn diese Meditationsanteile, Konzentrationsübungen oder ähnliches beinhalten mag, ist eine reine Übungsanleitung zur körperlichen Gymnastik, welche der einen oder anderen Methode “entlehnt” ist – Nicht mehr und nicht weniger! Alles das hat aber sehr, sehr wenig mit “wahrem” Yoga, noch mit der “wahren Kunst” des Tai Chi (Chuan) zu tun. Und das sollte man(n)/frau einfach wissen!

Bitte nicht falsch verstehen: Ich bewundere alle die Yoga (ernsthaft) betreiben, ebenso wie “ernsthaft Praktizierende” jeder anderen “Körperkunst” - “Resp for all of them”.
Zuletzt sollte jeder Leser dabei bitte auch nicht vergessen: Über Geschmack lässt sich bekanntermaßen trefflich streiten.

Tipps:

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Die Essenz des Tai Chi Trainings

Donnerstag 12. Januar 2012 von websifu

Ask a Sifu:
Was ist der Kernpunkt des Tai Chi Trainings?

Was ist beim Tai Chi Gung – Training das Wichtigste?
Was ist das Entscheidende beim laufenden Training von Tai Chi?

Antwort:
An vielen anderen Stellen im Forum wird erläutert, was das Praktikum vom Tai Chi bewirkt, welche →Aspekte beinhaltet sind, welche Auswirkungen dies hat, was die →Tai Chi Prinzipien bedeuten und →wozu jemand Tai Chi macht (…oder machen sollte).

Obige Fragen zielen aber viel mehr auf das Training selbst, die Trainingseinheit bzw. die Trainingsstunde ab. Es geht also darum, mit welcher Einstellung, Erwartungshaltung oder Zielsetzung jene vom Teilnehmer wahrgenommen werden sollte, damit dieser den größten Effekt hieraus ziehen kann.

Vor allem für frischgebackene Taichianer und Tai Chi – Praktizierende, welche sich erst seit wenigen Monaten in der Kunst des Tai Chi üben, scheint es notwendig zu sein, sich auch detailliert diesem Thema zu widmen.
Denn: Eine irregeleitete Einstellung, eine falsche Erwartungshaltung sowie eine unangemessene Zielsetzung des Trainierenden führen zwangsweise zu Misserfolg und Frust, zerstören die Motivation, verleiden einem selbst und einer Gruppe den Spaß am Training.

Nur dann, wenn ich selbst verstehe, was ich während einer Übungseinheit zu tun habe, wie ich an ein Tai Chi – Training herangehe, wie ich mich währenddessen verhalte und was ich dabei für mich selbst als – an meinen aktuellen Fortschritt angepasste – Zielsetzung ansehe und erwarte, werde ich daraus den größtmöglichen Nutzen ziehen können.

Die Essenz des Tai Chi Trainings

Natürlich geht es im Tai Chi Training darum, etwas über und von Tai Chi zu lernen, sich mit “Tai Chi Gung” (”Die Pflege des Tai Chi”) vertraut zu machen, die Prinzipien des Tai Chi nach und nach zu verinnerlichen, Figuren (sprich: →Bilder), Bewegungsabläufe sowie →Formen, bzw. “Techniken”, der inneren Kampfkunst zu erlernen und einzuüben.

Doch anders, als in vielen anderen – vor allem westlichen – Übungs-, Trainings- oder “Lernstunden”, geht es beim Training von Tai Chi NICHT darum, “möglichst schnell”, “möglichst viel” oder “immer mehr” zu machen!

Tipp:
Streiche als allererstes die Erwartungshaltung und Vorstellung von “höher, schneller, weiter” aus Deinem Kopf!

Abgesehen von einem Anfänger (oder Einsteiger), geht es vor allem Dingen in einer Trainingseinheit darum, das bereits Bekannte (Erlernte) immer perfekter auszuführen! (Siehe dazu auch: →Gedanken zur Perfektion)

Die Essenz des Tai Chi Trainings ist:
Es geht darum, “→Kung Fu” mit bzw. in Tai Chi auszuüben!

Für uns im Westen ist dies eine Einstellung oder “Erwartungshaltung”, welche wir ebenso erst erlernen und verinnerlichen müssen – viel zu sehr sind wir geprägt von der Vorstellung “immer mehr” machen oder tun zu müssen.

Zum Nachdenken:
Als bezeichnend für jene vor allem in Amerika propagierte Haltung mag auch eine Aussage von Bill Gates, dem Gründer von Microsoft, gelten, welcher einmal meinte, ein Produkt (respektive eine neue Software für einen Computer) müsse keineswegs perfekt sein, sondern einfach “gut genug”, um diese verkaufen zu können. Obwohl jene Anschauung sich auf das Geschäftsleben und die Marktreife eines Produktes bezog, haben bedauerlicherweise sehr viele westliche Menschen dies sogar schon in ihre persönliche Einstellung zu ihrem Leben, ihrer Arbeit, ihren Leistungen und ihrem Umfeld übernommen und begnügen sich selbst mit “Mittelmäßigkeit”, anstelle – zumindest ab und zu – einmal wieder “die Perfektion” zu suchen und zu üben!

Die östliche Kultur kennt verschiedene “Übungssysteme”, um genau diese, dem Westen nahezu konträre geistige Einstellung und Haltung, zu trainieren …und immer wieder “einzunehmen”, da der Mensch im Alltag nur allzu leicht, immer wieder hiervon abgebracht wird.

Als Vergleich zu der Übung des Tai Chi kann somit die Kunst der Kalligraphie, insbesondere die Übung des Zeichnens oder Malens des “Perfekten Kreises” herangezogen werden, welche auch in den Schulen des Za-Zen häufig praktiziert wird.

ueb_perfekterkreis

Zielsetzung jener Übung ist es für den Adepten dabei, möglichst mit nur einem Ansatz – sozusagen “mit einem (Pinsel-)Strich” – einen Kreis auf ein leeres Blatt (Seiden-)Papier zu malen.

Die Übung gilt dann als erfolgreich absolviert, wenn einem dies “aus dem Handgelenk” – innerhalb eines Augenblicks, ohne nachzudenken oder mehrmals anzusetzen – leicht und flüssig gelingt. DANN ist jene Übung FÜR HEUTE abgeschlossen – MORGEN beginnt man VON VORN!

Es geht weder darum, jenen auszuzeichnen, welcher dies als erster oder am schnellsten absolviert hat, noch geht es darum festzustellen, ob man diese Übung nun “als erledigt” betrachten kann und sich somit “anderen Dingen” zuwendet.
Wie beispielsweise nach dem vielfach angewendeten westlichen Motto: “Ja, das habe ich auch bereits (einmal) gemacht,…” [es ist also: "erledigt", "abgeschlossen", "vorbei"] “… nun mache ich …(was anderes)”.

Der “Zweck” der Übung liegt vielmehr darin, ES ZU TUN!
(…immer wieder, immer wieder erneut)!
Oder um dies mit einem allseits bekannten Spruch zu beschreiben: “Der Weg ist das Ziel!”.

Anders formuliert: Das sichtbare Ergebnis, der fertig gemalte Kreis auf dem Blatt Papier, ist grundsätzlich NICHT die Zielsetzung der Übung (ob man jene Blätter nach der Übung dann “aufbewahrt”, sich an die Wand hängt, oder schlicht wegschmeißt) ist völlig irrelevant. Entscheidend ist WIE ich (der Übende) zu jenem “perfekten Kreis” gelangt, was dabei – mit mir (ihm) – passiert und vorgeht.
UND: Dass diese Übung (Meditation) – so oft wie nur möglich – wiederholt wird.

Zielsetzung jener “Malübung” ist es auch nicht, möglichst viele Varianten (von Kreisen) zu erhalten. Ebensowenig werden irgendwelche anderen Formen geübt. Es werden keine Dreiecke, Quadrate oder schließlich Vielecke gezeichnet, um darüber möglicherweise sich annäherungsweise und über logisch-induktive Schlußfolgerungen und/oder wissenschaftliche Herangehensweisen sich an einen “perfekten Kreis” heranzutasten, welcher nach geometrischer Lehre sich auch als “Vieleck mit unendlicher Anzahl von Eckpunkten” erklären ließe.

Nein, es wird NUR ein – der – Kreis geübt und gezeichnet. Punkt.

Genauso verhält es sich beim Training von Tai Chi:

Es geht weder darum, möglichst viele verschiedene Figuren, Abläufe, Bilder, und Formen zu beherrschen, sondern es geht darum “die Form” – HEUTE(!) – möglichst perfekt zu üben!

Niemand erhält einen Preis, weil er im Training mehr Bilder (Abläufe) verwendet, als irgend jemand anderer. Entscheidend ist, ob er jene Bilder – HEUTE(!) – möglichst perfekt “durchläuft”.

Alte Tai Chi – Meister sagen, dass selbst mit der kleinsten Form (für den Tai Chi Gung – Landessportverein gesprochen: z.B. auch mit der 5-Bilder-Form), die “wahre” Meisterschaft in Tai Chi errungen werden kann.

Es schadet selbstverständlich dem Praktikum von Tai Chi keineswegs, sich neue Bewegungsabläufe (weitere/andere Bilder) anzueignen und sich hierdurch weitere Erkenntnis- und Erfahrungsmöglichkeiten zu verschaffen – ABER: Die bereits bekannten/erlernten Figuren und Abläufe sind keineswegs “zu vergessen”!

Die Zielsetzung eines Tai Chi – Trainings gleicht der Übung und der Zielsetzung des “Zeichnen des perfekten Kreises”: Es geht darum, HEUTE jene Übung solange auszuführen, bis diese “für mich” (den Übenden) als PERFEKT gelten kann.

Die Erwartungshaltung und Einstellung eines Praktizierenden sollte daher sein
(Dies könnte man ebenso in das Stammbuch unzähliger Trainer schreiben):
Mache heute nur soviele (neue bzw. unterschiedliche) Übungen, welche von Dir – bzw. jedem(!) Teilnehmer des Trainings – auch heute(!) bis zur Perfektion geübt werden können.

Dies ist die wahre Quintessenz des Tai Chi Praktikums.

Tipps:

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Was sind die dreizehn Grundbewegungen des Taijiquan?

Sonntag 16. Oktober 2011 von websifu

Eine anders geschriebene Frage wäre:

Was sind die 13 Grundbewegungen des Tai Chi Chuan?

Antwort:

Die dreizehn Grundbewegungen bzw. 13 Bewegungen des Tai Chi Chuan (nach →Pinyin-Umschrift: Taiji Quan) sind eine deutsche Übersetzung der “Erfindung” beziehungsweise Definition von Cheng Man-Ching (1900-1975), welcher zuletzt in den USA lebte und von dort aus für eine wesentliche Verbreitung der Kunst des Tai Chi Chuan im Westen sorgte.

Cheng Man-Ching bezeichnete damit (s)eine Sammlung von “5 Steps” (englisch für: “5 Schritte” – besser gesagt: “5 Schrittformen” – welche leider auch von ihm selbst synonym auch mit “Five Directions” oder “Five Movements” bezeichnet wurden) und den 8 überlieferten Grundtechniken (→den “Ba Gua”), welche er auf seine unnachahmliche Art interpretierte und als wesentliche “Erkenntnis” aus der Überlieferung des “Liedes der 13 Stellungen” als “ein Geheimnis des Tai Chi” verbreitete.

Seine “5 Directions” plus “8 Grundtechniken” ergeben somit rein rechnerisch die “13 Bewegungen”, welche wiederum – seiner Meinung nach – durch das von →Yang Cheng-Fu geschaffene – “→Lied der 13 Stellungen” sozusagen als “Geheimnis des Tai Chi” “bewiesen” sein sollten.

Anmerkung:
Wobei selbiges Lied keinerlei Hinweis und/oder Erklärungen bestimmter Techniken oder Bewegungsformen diesbezüglich beinhaltet, sondern ausschließlich der Titel einer ersten Veröffentlichung des Yang Cheng-Fu in Liedform (zwecks leichterer Einprägsamkeit für seine Schüler) so lautet. Das Lied selbst kann als eine erste – offizielle – “Sammlung von →Tai Chi – Prinzipien” betrachtet werden, welche für Anfänger gedacht ist, um den Einstieg in jene Körperkunst zu erleichtern.

Fazit:

Die 13 Grundbewegungen sind letztlich also von Cheng Man-Ching geschaffen worden und stellen einen Definitions-, Einteilungs- und Erklärungsversuch überlieferter Tai Chi – Formen und Bewegungsarten von ihm dar, welcher von unzähligen Nachahmern und “Nachfolgern” übernommen, wiederum abgewandelt und weiterverbreitet wurde.

Anders formuliert:
Es gibt keine (bestimmten) “Dreizehn Bewegungen / Schritte / Stellungen” aus der (klassischen) Überlieferung des Tai Chi Chuan. Diese sind eine ausschließlich eine “Definition” oder “Interpretation” von/nach Cheng Man-Ching.

Im “Lied der 13 Stellungen” (von Yang Cheng-Fu) werden weder Tai Chi-Stellungen noch irgendwelche Tai Chi-Grundtechniken angeführt, geschweige denn erläutert, sondern ausschließlich “allgemeine Prinzipien des Tai Chi” in Liedform ausgeführt, damit dessen Schüler diese einfacher verinnerlichen können.

Offen bleibt: Warum hatte Yang Cheng-Fu dann diesen Titel hierfür gewählt?
Höchstwahrscheinlich, damit zur damaligen Zeit in China eben NICHT publik wurde, dass es sich dabei um “Tai Chi” handelt – nur “Auserwählte” und “Eingeweihte” (eben dessen anerkannte Schüler) wussten, was darin beschrieben war.

Siehe dazu auch den Eintrag: →Was ist das Geheimnis der 13 Bewegungen?

Tipps:

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Schrittformen in Tai Chi

Sonntag 9. Oktober 2011 von websifu

Glossareintrag: Schrittformen

Glossareintrag: Schrittbewegung

Alternativ: Gehen in Tai Chi Gung oder Schritte in Tai Chi (Chuan)

Schrittformen

Unter Schrittformen verstehen wir (vom Tai Chi Gung – Landessportverein, Salzburg) die Art der Bewegungsabläufe – vor allem der Beine, der Füße und der Hüfte – welche vorzunehmen sind, um den Standort des gesamten Körpers im Raum zu verlagern.

Eine Schrittform dient also dazu, sich – also den gesamten Körper – auf bestimmte Art und Weise im Raum zu bewegen.

Insbesonders ist hierbei die Gewichtsverlagerung zu beachten, welche mit dem “Verschieben” der Taille (dem Hüftbereich) einhergeht. Im Wesentlichen bedeutet dies eine Verlagerung des →Dan Tien im Raum, welche sozusagen mit den →Prinzipien des Tai Chi übereinstimmen “muss” und daher auch den Wechsel oder Übergang in →Grundstellungen darstellt.

Schritte in Tai Chi Gung

Schritte in Tai Chi Gung werden also – vereinfacht ausgedrückt – durch Wechsel von einer Grundstellung in eine folgende vorgenommen.

Ebenso simpel ausgedrückt, kann der Körper sich dabei – ausgehend von der Blickrichtung – in drei Richtungen bewegen: Vorwärts, rückwärts oder seitwärts.

Vorwärts bewegt man sich dabei grundsätzlich im →Bogenschritt, rückwärts im Pendelgang (siehe dazu Kapitel Grundschule im Handbuch).

Abhängig von einer Angriffsrichtung (= Blickrichtung), der Intention der Bewegung im Raum (voranschreitend oder zurückweichend) – beziehungsweise abhängig vom Einsatz des jeweiligen →Komplementärs – erfolgt ebenso ein entsprechender Seitwärtsschritt (Anm.: Wiederum in einer Grundstellung).

Exkurs:
“Stehenbleiben” (oder: “Zentrieren”) stellt keine Bewegung im Raum dar und ist dementsprechend auch kein Schritt!

Nur für Mitglieder

Genaue Details der Grundstellungen, Schrittformen und des “Gehen in Tai Chi Gung” finden sich im Handbuch: “Tai Chi Gung – Grundkurs” auf den Seiten 36 – 64, einschließlich Fotos und grafischen Darstellungen.

Der Download des Handbuchs ist über die Rubrik “Fernlehrgang” möglich - nur für registrierte und freigeschaltene Mitglieder des Vereins.

Tipps:

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