Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 023

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 23


Meisterspruch 023:

„‘Fasse den Vogelschwanz‘ ist wie der Gebrauch einer Säge.“

(Yang Cheng-Fu erklärt die Anwendung des Bildes „Fasse den Vogelschwanz“).


Hintergrundinfo:

Cheng-Fu erläutert hier, wie der Bewegungsablauf dieses →Bildes anmutet und wie jenes „Werkzeug“ eingesetzt wird, „um einen Baum zu fällen“.
Cheng Man-Ching, (Zheng Manqing, 1900 – 1975), greift jene Aussage auch in „seinen“ Büchern auf und vertieft in der Beschreibung den „Vergleich mit dem Sägevorgang“: Das korrekte „Ziehen“ und „Schieben“ der Säge, damit man optimal sägen kann. Das Problem, wenn man an der Säge „reißt“, dass „man steckenbleibt“, die Notwendigkeit des „gleichmäßigen“ Krafteinsatzes, dass auch „nicht zu viel“ und „nicht zu wenig“ Kraft eingesetzt werden muss, usw. usf.
– das ist ja alles prinzipell nicht verkehrt, aber…

Anmerkung:
Meiner Meinung nach, sollte man generell, alte, überlieferte aus China stammende Aussagen nicht allzu wörtlich nehmen, um nicht Gefahr zu laufen, etwas „hinein zu interpretieren“. Man sollte hingegen immer die zugrundeliegende Metapher oder eben die Allegorie zu verstehen suchen.

Erinnert ihr euch: „Den Tiger zum Berg tragen“ – bedeutet nicht, sich so zu verhalten, als ob man eine Raubkatze einen Abhang hochschleppt …und ist auch kein „Kungfu-Stil“, der dem Tierreich „abgeschaut“ wurde (wie in so einigen Eastern verbreitet, welche mit Jackie Chan verfilmt – besser gesagt: „verblödelt“ – worden sind).
„Tiger“ und „Berg“ stehen für Allegorien der „Kräfte“, die dabei zur Anwendung gelangen (sollen!).
[…mehr hierzu im Handbuch: http://www.taichianer.at/die-acht-grundtechniken-ba-gua-chang-in-tai-chi-gung/ ]

Obige Aussage von Yang Cheng-Fu ist ein Vergleich – wobei durchaus hinterfragt werden darf, warum er ausgerechnet „eine Säge“ – das Werkzeug (wofür?) – verwendet hatte.
Darin liegt sicher, die auch gewollte, Mehrfachbedeutung, wie im ersten Satz der oben angefuehrten Hintergrundinfo. Klar, oder?
Nicht?

O.k., ich „löse auf“: Ein Mensch, der →Wushu (also auch: Tai Chi →Chuan) betreibt, wird in den alten Lehren immer mit einem Baum verglichen – jener soll ja „verwurzelt“ sein, „der Stamm aufrecht“ und „die Krone breit“ – Wie „fälle“ ich also „einen Wushu-Kämpfer“?
Man „sägt“ ihn um – na eben. Der Einsatz des „Werkzeugs“: „Fasse den Vogelschwanz“ kann dies bewirken, wenn korrekt durchgeführt.

Für Fortgeschrittene:
1.) In jenem Bild gelangen ja vier →Grundtechniken „diametral“ als →Komplementäre der „Hauptachsen“ →der Ba Gua zur Anwendung. Ein Gegner bzw. Angreifer muss jenen auch präzise folgen (können), um auszugleichen. Der kleinste „Fehler“ wirkt „sofort“ …und der „Baum fällt“.

2.) Ein(!) Bild korrekt angewandt, ist schon ausreichend, um einen Gegner „zu fällen“! – Anders ausgedrückt: „Wenn sich Dir ein Baum in den Weg stellt, dann nutze einfach die Säge!“ (…welche Du als „Werkzeug“ bei Dir hast)!

3.) Jedes(!) Bild kann als ein(!) Werkzeug für einen bestimmten Zweck gesehen werden (…manche „wirken“ aber auch wie „ein Schweizer-Taschenmesser“, sozusagen: fast „universell“ einsetzbar)!

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