100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 51
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Meisterspruch 051:
„Sanftheit und die Einheit von Körper, Geist und Chi sind von allergrößter Bedeutung. Durch ihr Üben wird sich die Meisterschaft auf natürliche Weise einstellen.“
(Übertragung nach Yang Cheng-Fu [Yang-Stil]).
Hintergrundinfo:
Yang Cheng-Fu (1883 – 1936) gilt als einer der bekanntesten Vertreter des →Yang-Stiles im 20. Jahrhundert.
Mehr über ihn findet sich im Glossareintrag mit Titel →„Wer war Yang Cheng-Fu“.
Um jene Aussage richtig einzuordnen und verstehen zu können, ist es notwendig zu wissen, dass es ein Hauptaugenmerk in der „Lehre des Yang-Stiles“ ist, bei der Übung (im Training, bei der →Form) alle(!) Bewegungen und Vorgänge immer möglichst bedächtig, langsam und völlig entspannt auszuführen – also „immer möglichst sanft“!
Daher wird dies – man könnte sagen: „Sanftheit als Grundsatz“ – immer wieder betont.
Exkurs:
Was wiederum „andere“ dazu verleiten mag, zu denken, dass dies „im Kampf“ wenig bringen solle und dabei völlig unterschätzen, dass niemand – auch nicht beim Yang-Stil – behauptet, dass dies dort, bei Kampfeinsatz, (immer) so gemacht werde.
Ebenso wie man leicht vergessen könnte, dass jede Bewegung, welche „präzise, bedächtig und langsam“ zu Perfektion gebracht wurde, selbstverständlich jederzeit(!) ebenso „blitzschnell“ ausgeführt werden kann…und erst recht dann um so effektiver und effizienter ist, weil eben ungeachtet präziser, als anderswo „schnell geübt“.
Darüber hinaus hat zwischenzeitlich auch die Sportmedizin erkannt, dass „langsames Training der Muskulatur“ sowohl „langsam kontrahierende Muskelfasern“ als auch „schnell kontrahierende Muskelfasern“ gleichzeitig trainiert und daher „mehr Muskeln“ beansprucht und gleichzeitig trainiert werden. Fazit: Effektiver und „tiefgreifender“ ist! (Man könnte sagen: Man nutzt „mehr“ von den körpergegebenen Möglichkeiten).
Abgesehen davon, dass der Aspekt „Sanftheit“ (im Training, in der Ausführung)…
- …exakt das Prinzip von →Tai Chi (→yin-yang) berücksichtigt;
- …“Gelassenheit“ und (innere) „Ruhe“ fördert;
- …die Abkehr vom „Prinzip der Gewalt“ in einer Auseinandersetzung lehrt;
und - …somit „neue“ Einsichten und Verhaltensweisen schafft.
Exkurs:
Das ist meiner Meinung nach wahres „Kämpfen zu lernen, um nicht kämpfen zu müssen“.
Nicht einmal im Training wird „zum Schein“ gekämpft – weil man es einfach nicht braucht. Und dennoch übt man ständig – gleichzeitig(!) – den →Kampfkunstaspekt.
Sanftheit bedeutet eben auch, „nicht obsessiv“ (nicht verkrampft, nicht sturr, nicht verbissen) an eine Sache heranzugehen und diese ebenso auszuführen.
Exkurs:
Wir erinnern uns: „Tai Chi Kung Fu“ = „Die nicht(!) obsessive, regelmäßige, meisterliche Pflege der Kunst des Tai Chi“! – siehe dazu auch: →Kung Fu bzw.→ Tai Chi Gung (Wortpyramide)
Die „Einheit von Körper, Geist und Chi“ bedingt zum einen die Gegenwärtigkeit „im Hier und Jetzt“ und zum anderen die bewusste Zielgerichtetheit.
Sind wir „eins“ in unseren Handlungen und Zielsetzungen, erzielen wir die größte Wirkung aller uns zur Verfügung stehenden Kräfte.
Die in anderen Dokumenten beschriebene „bedingungslose Absicht“ lässt, wie das Wort „bedingungslos“ eben exakt definiert, keinerlei Zweifel, Zögern, Zaudern, Hindernisse, …, Abschweifungen, usw. zu – und: „Alles passiert jetzt“ – „Genau in diesem Augenblick“.
Ist man sich dem Chi gewahr geworden – und dies scheint für den heutigen Menschen zuerst einen Übungs- und Lernprozess zu erfordern, welcher eben auch durch Erlernen von Tai Chi (Chuan) ermöglicht wird – dann steht einem „jene Kraft“ ebenfalls zur Verfügung.
Chi, Qi bzw. Ki wird kurz in Glossareintrag: http://www.taichianer.at/chi#Chi
erläutert.
Um diese „Einheit“ zu erlangen, ist also Achtsamkeit erforderlich.
Leider wieder ein Begriff, „Achtsamkeit“, welcher exakter Definition bedarf.
Definition des Tai Chi Gung Landessportverein:
Achtsamkeit
Der kontemplative Bewusstseinszustand, das „Hier und Jetzt“ in allen seinen Aspekten des „Mensch-Seins“ (wie bspw.: Erkenntnis, Aufmerksamkeit, Erfahrung, Körperlichkeit und Handlungspielraum, sowie „die Umwelt“ – anders formuliert: →Propriozeption mit geschärfter Umgebungswahrnehmung bei geschulter Körperkontrolle), also „innen“ wie „außen“, jederzeit wahrzunehmen – ohne(!) selbst zu handeln („Wu Wei“) oder daran teilzunehmen („Tai Chi“).Ergänzend: Dem „Nicht-Handeln“ („Wu Wei“) folgt „Handeln“ („Tai Chi“) und umgekehrt –
Ein Rhythmus und Zyklus des Seins, symbolisiert und manifestiert durch „die Form“.
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Ergänzend sagt Meister Cheng-Fu:
„Durch ihr Üben“ – also das „Trainieren und Nutzen“ von Körper, Geist und Chi, sowie das „Ver-Einheitlichen“, „Ver-Einen“, sowie „Ver-Ein-baren“ selbiger, verbunden mit „Sanftheit“,
(er-)folgt automatisch die Meisterschaft!
