100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 50
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Meisterspruch 050:
„Die Vervollkommnung in dieser Kunst ist nicht von Gestalt und Alter abhängig, sondern ausschließlich vom Verständnis der Übenden. Ich praktiziere diese Kunst seit 15 Jahren; trotzdem fühlte ich oft die Notwendigkeit, einen Lehrer um Rat zu fragen.“
(Übertragung nach Yang Cheng-Fu [Yang-Stil]).
Hintergrundinfo:
Yang Cheng-Fu (1883 – 1936) gilt als einer der bekanntesten Vertreter des →Yang-Stiles im 20. Jahrhundert.
Mehr über ihn findet sich im Glossareintrag mit Titel →„Wer war Yang Cheng-Fu“.
Er betont in dieser Aussage als erstes, dass zur Vervollkommnung der Kunst des →Tai Chi, keine bestimmten körperlichen Voraussetzungen und kein bestimmtes Alter erforderlich sei, sondern ausschließlich Auffassungsgabe. Aufnahmefähigkeit, Empfindungs- und Begriffsvermögen.
15 Jahre Vereinstätigkeit bestätigen uns ebenso: Es ist völlig egal, ob jemand körperlich groß, klein, dick oder dünn, kräftig oder schwach, als „sportlich“ oder „unsportlich“ gilt, …oder als was auch immer gelten mag, wesentlich ist, dass dieser Mensch sich dazu entscheidet, diese Kunst zu üben, sowie eine gewisse „mentale Reife“ besitzt, um bereit zu sein, die →„Methode des Tai Chi“ auf- und anzunehmen.
Yang Cheng-Fu nennt es hierbei ebenfalls „Kunst“. →Tai Chi (Chuan) kann also als „Kunstform“ gesehen werden – im Sinne von: „Können“, „Benutzen“ und „Ausüben“ – als eine Bewegungskunst, erlernbar wie ein „Kunsthandwerk“.
Das Sprichwort: „Übung macht den Meister“, passt hierbei exakt.
(Siehe dazu auch: →Meisterschaft). Bevor jemand in der Lage ist, sein „Werkstück“ – vor allem dann erst recht „sein Meisterstück“ – anzufertigen, ist es nötig, sich gewisse Fertigkeiten anzueignen und natürlich auch jene dadurch gewonnenen „Fähigkeiten“ immer mehr zu verbessern.
Der Vergleich mit dem „Kunsthandwerk“ trifft ebenso sehr gut: Um das „Handwerk“ Tai Chi (Taiji) zu erlernen, ist es genauso notwendig, zuerst einmal „in Lehre“ zu gehen.
Dort lernt man das „Handwerkszeug“ kennen und nutzen. Jenes besteht aus Grundlagen, Kenntnissen und Fertigkeiten, welche man sich im Laufe der Zeit aneignet – egal, was man zuvor gemacht oder „mitgebracht“ hat!
Manche mögen sich bei manchen Dingen leichter, bei anderen vielleicht schwerer tun, wichtig ist, das man sich selbst als „Lehrling“ betrachten und verhalten kann.
Der Volksmund spricht: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“.
Irgendwann (früher oder später) kommt die Zeit, wobei man bestimmte(!) Dinge der Kunst meistert. Wer nun „→Gung“ oder sogar „→Gung fu“ verinnerlicht hat, weiß dann, dass die Perfektion/Vervollkommnung einen Vorgang darstellt, welchen es immer wieder aufs neue zu erreichen gilt.
Dies will auch Meister Yang Cheng-Fu damit gegenüber seinen Schülern zum Ausdruck bringen, indem er als zweites betont, dass selbst er – nach Jahren der Übung – es als notwendig erachtet, auch immer wieder mit (anderen) Lehrern („Meistern“) zu sprechen und Rat einzuholen, um weiter voranschreiten zu können.
