100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 17
Meisterspruch 017:
klassische Schrift zu einem Kampfkunstaspekt:
„Lasse den Gegner herankommen;
seine Kraft wird ins Nichts fallen.
Vereine die beiden Kräfte und gib Energie ab“.
(Uebertragung/Transkription aus den „→Taichi-Klassikern„).
Hintergrundinfo:
Diese Aussage beschreibt die Manifestation von „Donner“ (→Ba Gua: „chen“ – Kraft: „lie“) – Eindeutig für Fortgeschrittene. Siehe dazu auch: →Die acht Grundtechniken.
Anmerkung:
Wissen wird erst dann zur Weisheit, wenn der Mensch auch entsprechend des erworbenen Wissens handeln kann.
Das „Handeln können“ setzt bei jeder(!) Bewegung voraus:
- Erlernen –
Bedeutet, dass ich die Bewegung zuerst einmal erlerne – also: „Bewusst ausführen“ kann, indem die erforderlichen Einzelvorgänge körperlich vollzogen, ggf. entsprechend korrigiert und angepasst, sowie auch „nachvollzogen“ werden können; - Automatisieren durch bewusste ständige Wiederholung –
Nach dem Erlernen folgt, dass ich diese Bewegung (den erforderlichen Bewegungsablauf) „beherrschen lerne“, indem ich jene(n) „überall“ und „jederzeit“ – sozusagen „blind“ und „automatisch“, ohne darüber nachdenken zu müssen, bewusst „starten“, „abrufen“ bzw. „einleiten“ kann – dies „passiert“ durch ständige, nicht obsessive wiederholte Ausführung des Bewegungsablaufes „in Perfektion“ (also mit/durch: „→Kung fu„!); - Anwenden ohne Nachdenken –
In Folge kann dann jene Bewegung unbewusst(!!!) – ohne weiteres Nachdenken(!) – ausgeführt werden, weil ich eine bestimmte „Absicht“ verfolge und „der Körper“ einfach entsprechend agiert bzw. reagiert.
Exkurs:
Uns Menschen ist einfach nicht gegenwärtig, dass wir als Kleinkind genau so(!) beispielsweise das Greifen nach bestimmten Gegenständen oder das Gehen erlernt haben.
Ich vergleiche dies daher gerne mit Bewegungs-Lernvorgängen, welche den meisten noch im Gedächtnis sind. Zum Beispiel mit dem Erlernen des Autofahrens mit Gangschaltung.
Das Ziel ist nicht „das Gangschalten“, sondern „das Autofahren“.
Die Beherrschung einer(!)→ Form in Tai Chi entspräche dann dem Autofahren mit einem bestimmten(!) Fahrzeug.Das Ziel von Tai Chi könnte wiederum verglichen werden: Es geht nicht um „das Autofahren“ -sondern darum, einen bestimmten Weg zurückzulegen und dabei „Erfahrungen mit dem Auto(fahren) zu sammeln“.
Welches natürlich voraussetzt, dass ich davor erst mal „Autofahren“ kann, sowie „einen Führerschein besitze“.(Ich gebe zu: Letzterer Vergleich hinkt natürlich stark, weil „Tai Chi Gung“ wesentlich „umfassender“, dennoch treffend und vor allem: Einfache verständliche Fortführung des „Gang schalten Lernens“ ).
Und damit können wir bei diesen Vergleichen bleiben, um obigen Meisterspruch korrekt einzuordnen:
Er beschreibt somit, wie ich einem Rennauto sitzend, mich in einer engen Steilkurve verhalte, um jene mit maximaler Geschwindigkeit durchfahren zu können!
Fazit:
Wollen wir uns länger darüber unterhalten? – Oder sollten wir stattdessen besser gemeinsam mit unseren Einsteigern, zuerst einmal „das Gangschalten“ üben, uns dann zumindest mit „ein oder zwei verschiedenen Fahrzeugen und deren Eigenschaften“ (sprich: Formen!) vertraut machen, danach „das Fahren“ richtig üben, bevor wir uns in „ein Rennauto“ setzen und „damit losbrettern“?
Denn: Das Wissen, wie ein Rennauto funktioniert, hilft jemanden soviel wie gar nichts, wenn er vor die Aufgabe gestellt wird, dieses in einem Rennen auch selbst zu fahren, solange er/sie nicht alle dazu notwendigen Handlungen und Bewegungsabläufe, sowie das „Vehikel“ selbst beherrscht.
