100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 21
Meisterspruch 021:
„Der Körper in seiner Gesamtheit hat einen vollen und einen leeren Aspekt“.
(Yang Chen-Fu zur Trainingsanleitung in Tai Chi).
Hintergrundinfo:
→Yang Cheng-Fu (manchmal auch geschrieben: „Yang Ch’eng-Fu“ oder „Yang Chengfu“) lebte von 1883 bis 1936 in China und gilt als berühmtester Meister und Vertreter der Familie Yang und deren gleichnamigen →Yang-Stil im 20. Jahrhundert.
Diese Aussage bezieht sich auf Trainingsanleitungen in Tai Chi.
Es soll den Adepten daran erinnern, dass Entsprechungen von „→yin“ und „→yang“ ebenfalls im Körper „Ausprägungen“ finden – egal, ob man sich bewegt oder nicht.
Darüber hinaus, dient dies zur ergänzenden Erklärung der Anleitungen, weil sich darin eben die Begriffe „voll“ und „leer“ finden.
Exkurs:
„Leere“ und „volle“ Form haben eine etwas andere Bedeutung! (Sinngemäß stimmt jedoch der Bezug! – dazu einfach unten weiterlesen)
Wenn zum Beispiel bei einer Beschreibung einer Bewegung, eines Ablaufes, ein Bein mit „voll“ bezeichnet wird, „muss“ es im Körper an anderer Stelle einen „Ort“ geben, welcher „leer“ ist.
Eine berechtigte Frage:
Warum wird dann in der Trainingsanleitung nicht einfach das Wort „yin“ oder „yang“ oder „schwer“ und „leicht“ benutzt?
Ganz einfach: Weil es ein wenig komplexer ist, als „reine Polarität“!
Der beste Begriff ist eben „gefüllt“, also: „voll (von)“ und „un-gefüllt (von)“, bzw. eben besser formuliert: „völlige Abwesenheit (von)“, damit eben „leer“ (…aber nicht unbedingt das Gegenteil von). Alles klar?
Nein? – Dann Folgendes:
Es gibt acht Manifestationen – →die „Ba Gua“ – welche als →Komplementäre zu sehen und anzuwenden sind. Ist eine davon „in Anwendung“, dann ist der Körper an bestimmten Stellen damit „voll“ – an anderer Stelle eben „leer“.
Daraus ergibt sich wiederum: „voll“ kann daher nicht immer mit „yin“ oder „Schwere“ gleichgesetzt werden, da eine Manifestation ja auch „völlig yang“ (dreifach yang) oder „Anteile von yang“ beinhalten kann. Es hängt eben von der verwendeteten „→Grundtechnik“ ab!
„Voll“ und „leer“ beschreiben daher, wo „die Kräfte“ aktuell im Fortschritt der Bewegung körperlich manifestiert sind (bzw. sein sollten).
Exkurs:
Eine „volle Form“ vollzieht also jemand, wenn er alle(!) Aspekte des Tai Chi (Chuan) dabei „mit“ berücksichtigt – eine „leere Form“ dann, wenn er ausschließlich einem körperlichen Ablauf folgt.
Und: Dem geschulten Auge eines Meisters (bzw. langjährigen Trainers) entgeht dies nicht. Er erkennt den Unterschied!
