Chinesische Arbeitsmodelle im Tai Chi
Freitag 19. August 2011 von websifu
Glossareintrag: Arbeitsmodelle in Tai Chi
Glossareintrag: Energie und Modell
Drei unterschiedliche chinesische Modelle der Wirkungskräfte in der Welt des Tai Chi (Chuan).
Wer sich länger und intensiver mit Tai Chi Chuan (Taiji Quan) beschäftigt hat, weiß längst, dass diese Bewegungskunst keine reine körperliche Angelegenheit darstellt, sondern viele andere – auch “innere” – →Aspekte umfasst und deshalb auch als “Weg” oder “Methode” (chinesisch: →Chuan bzw. Quan) gilt.
Hauptaspekt Chi und Chi-Fluss
Einen Hauptaspekt bildet dabei das →Chi (Qi) und der Chi-Fluss, sowie dessen Auswirkungen (chinesisch: “→chin“).
Man kann durchaus sagen, dass das “Wissen um”, bzw. das “Verständnis von”, sowie die “Anwendung des” Energiephänomens, welches im modernen westlichen Sprachschatz keinerlei Entsprechung findet, die wesentlichen Faktoren zur Beherrschung der “inneren Kampfkunst” darstellen.
Da aber “innere Vorgänge” (mentale, geistige, seelische Dinge) sich sehr schwer in objektiv, allgemein gültige – sprich: materialistisch, “greifbare” – Dinge oder Begriffe umsetzen lassen, sondern hauptsächlich subjektiv empirisch, erfasst und auch vermittelt werden können, greift man hierbei auf Allegorien, Metaphern und Symbole zurück.
In der Praxis – sprich: bei der Anwendung und Ausübung von Tai Chi (Chuan) – ist es selbstverständlich erforderlich, dass jene verwendeten “Ersatzbeschreibungen” und natürlich auch die dabei verwendeten Symbole, ineinander und untereinander “stimmig” sind, um den (dahinterstehenden) Sachverhalt möglichst auch als (Arbeits-)Modell nutzen und anwenden zu können.
Anmerkung:
Ein Modell ist ein aufgrund von Daten (Informationen) zusammengestelltes Abbild eines Sachverhaltes, mit welchem man Vorgänge, Abläufe, Arbeitsvorgänge, etc., leichter und einfacher vornehmen oder beschreiben kann, ohne sich jedesmal um eine exakte Definition von Einzelheiten kümmern zu müssen, welche für die aktuelle Zielsetzung (Arbeit, Vorgänge) von untergeordnetem Interesse bzw. Wichtigkeit sind.D.h.: Modell und Sachverhalt (”die Wirklichkeit”) müssen gar nicht absolut identisch sein – Sofern das Modell seinem beabsichtigten Zweck genüge tut.
Exkurs:
Ein gutes Beispiel hierfür wäre das Bohr’sche Atommodell, ein Atom “sieht” in der Realität gar nicht so aus, aber…Ein anderes Beispiel, für Computerfreaks, wäre die Objektorientierte Programmierung, welche einerseits mit völlig abstrakten Begriffen umgeht und andererseits gerade dadurch(!) wesentlich leichter, konkrete Aufgaben mittels Software und Computer bewältigen lässt.
[Na also: Auch wieder: "yin und yang"].
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Drei Modelle aus Überlieferung und Aufzeichnung
Aus den gesammelten chinesischen Überlieferungen, den verschiedenen Aufzeichnungen (Anleitungen, Beschreibungen, Büchern) sowie Aussagen von “Vertretern” (Familienstile, Schulen, Meister, Trainer, Lehrer, Philosophen) welche sich mit (klassischen) chinesischen Künsten befassen, kann eine enorme Menge Informationen entnommen werden, selbst wenn man sich auf den Hauptaspekt (Chi und Chi-Fluss) und Wirkungsweisen konzentriert.
Trotz differierender Lehrmeinungen, sowie unzähliger, teils unvollständiger Aussagen darüber, lassen sich prinzipiell drei eigenständige und unterschiedliche Denkansätze zusammenfassen und somit als unterscheidbare Modelle zur Erklärung und Anwendung der Chi-Energie zusammenfassen, welche in der heutigen Zeit als Grundlage dienen.
Man kann diese somit als Grundmodelle des zeitgenössischen Tai Chi (Chuan) bezeichnen.
Wichtige Bemerkung:
Es geht hier nicht um →Stile, sondern “Energiearbeit”!
Diese drei Grundmodelle sind:
- Das Modell der Wandlungsphasen
(aktuell verwendet im Qi Gong und der TCM) - Die “Energien des Taiji” (vermutlich: nach Chen Gong),
sowie - Die “Ba Gua”
(als nachweislich “ältesten” Ursprung mit erstmaliger Erwähnung im “I Ging”, dem “Buch der Wandlungen”)
1. Das Modell der Wandlungsphasen
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