TaiChianer

Forum der Tai Chi Gung – Mitglieder

Archiv für Mai, 2010

Der Abschluss einer Form

Donnerstag 6. Mai 2010 von websifu

Glossareintrag: Abschluss

Alternative Bezeichnungen: Schluss oder Ende einer Form
(Achtung: leider häufig verwechselt mit dem Abschlussbild!)

Der korrekte Abschluss einer (Solo-)→Form in Tai Chi Gung (Tai Chi Chuan, Taijiquan) erfolgt immer mit “→Wu Wei” !

In der heutigen hektischen Zeit, hat jene Mentalität des “schnell, rasch und kurz” leider auch viele Taichi-Schulen, Lehrer und Trainings erfasst: Vielfach wird nicht nur dem letzten Bild einer Form nur mehr oberflächlich Zeit und Muße gewidmet, sondern sogar ein – absolut wesentlicher(!) – Teil der Form einfach “vergessen”, nämlich der korrekte Abschluss.

Wir möchten wieder bewusst daran erinnern, dass eine Form eben nicht mit dem letzten →Bild (welches oft fälschlicherweise sogar als: “der Abschluss” oder “das Ende” bezeichnet wird) endet, sondern ausnahmslos erst dann, wenn der Ausführende die “innere Haltung” von “Wu Wei” eingenommen hat UND in dieser auch – mindestens einige Sekunden lang, idealerweise zumindest ein bis zwei Minuten lang, verweilt. Erst danach kann davon gesprochen werden, dass die Form “geschlossen” wurde.

Wichtig:

Meist wird – leider, ebenso wie ein korrekter Anfang – auch dieser Teil der Tai Chi-Übung sehr schnell “erledigt”, selbst wenn alle anderen Bewegungen innerhalb der Form langsam, überlegt und konzentriert ausgeführt werden.
Unser Tipp: Unbedingt dem Abschluss genauso viel Zeit und Aufmerksamkeit widmen, wie allen zuvor geübten Bildern und Bewegungen auch, dann profitiert man erst “richtig” von der Form!

Dabei auch das Sprichwort beachten: “Wie der Anfang – So das Ende”!

Exkurs:

Die Form als Gesamtes steht als Allegorie für das Tao des Menschen:
Jene beginnt mit “→Wu Chi” (Anm.: der “tatsächliche” Anfang), führt über die Bewegungen im Wechselspiel von “→yin” und “→yang” (dem “Entstehen” und “Verteilen” von “→Chi“), wird vollendet, wenn die Bewegung (”yin und yang”) endet und findet schließlich – nunmehr “erhöht” – wieder zum Ausgleich in “Wu Chi” , was übrig bleibt ist Stille – “erfahrbar” in “Wu Wei”.

Die Aktivität (das Ausführen der Form, das Wechselspiel der Eigenschaften “yin” und “yang”) “muss” also abwechseln mit Stille – und damit mit “Wu Wei” (”innen” sowie “außen”), ansonsten kann die Vollendung mit der “Erhöhung im Geiste” nicht erreicht werden.

Anmerkung: Na ja, zugegebenermaßen – manche “wollen” das ja auch gar nicht (Motto: lieber alles so lassen, wie es ist), aber wir vom Tai Chi Gung – Landessportverein möchten dies keinesfalls “verschweigen” oder gar “verheimlichen”, denn dies “gehört einfach zu Tai Chi” (Einverstanden?).

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Irrtum 11: Jede Tai Chi Form ist gleich

Dienstag 4. Mai 2010 von Gottfried

(aus der Serie: Irrtümer über Tai Chi, erstmals erschienen auf mein.salzburg.com am 2. Apr 2010 um 11:03 in Fitness)

Zum besseren Verständnis:

Was ist mit einer “Form” gemeint?
Zum einen der geläufige deutsche Begriff: die Art und Weise, die Anordnung, der Ausdruck, der Charakter und auch die “Bauweise” von Tai Chi – Übungen als auch der Trainingsarten.

Zum anderen auch der Begriff, welcher in Tai Chi selbst verwendet wird – Definition “Form”:
(Alternative Bezeichnungen: die Form, Solo-Form)
Bezeichnet in Tai Chi Gung, Tai Chi Chuan (Taijiquan) einen festgelegten Übungsablauf, welcher bestimmte ebenfalls (meist) festgelegte Positionen, Figuren und Bewegungsfolgen beinhaltet, welche nacheinander, von einem bestimmten Beginn bis zu einen bestimmten Ende, aufeinander abfolgen.
Die “Form” gilt üblicherweise als Einzeltraining (Solo-Übung).
Man kann “die Form” durchaus mit der sogenannten “Kata” beim Training von Karate, als auch mit einem “Kürprogramm” beim Eiskunstlauf vergleichen.

Tai Chi ist nicht gleich Tai Chi!

Es gibt – entgegen der (bisher noch existierenden) öffentlichen Meinung – nicht nur eine einzige Form, sondern eine Vielzahl unterschiedlich gelehrter Formen, welche

  • abhängig von Stil (bekannt geworden: Yang-, Chen-, Sun-, Hao-, Lee-Stil usw., jeweils benannt nach den chinesischen Namen der Familie, welche diesen pflegen und verbreiten)
  • sowie auch der Schule (z.B. Wudang Tai Chi Kung Fu – benannt nach einer Schule/Akademie mit Sitz in den chinesischen Wudang-Bergen)
  • oder auch nach “offizieller” Festlegung (z.B. der – damaligen – chinesischen Regierung: 1956 die Peking-Form, später 1976 auch noch eine “48 Formen-Taijiquan”. Anmerkung: allein schon die Bezeichnung sorgt für noch mehr Verwirrung, weil hier “Form” ja eigentlich “Abläufe” meint und das Ganze eine(!) “Form” darstellt)
    trainiert werden.

Da die Lehrer bis dato meist von “der Form” sprachen oder “wir trainieren die Form” ausgesagt wurde, verbreitete sich bei uns im Westen die Ansicht, dass dieser Begriff einen einzig vorhandenen Übungsablauf beschreiben würde. Aber im Grunde nur daran lag (liegt), dass bei Kursen oder in Schulen gemäß Familientradition nur eine einzige gelehrt wurde (wird).
Anmerkung: Jene Trainingsansicht birgt natürlich nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile (u.a. einfacher zu lernen und noch weniger zu erklären).

Darüber hinaus gilt es ebenfalls zu unterscheiden, ob “die Form” nur als rein körperlicher Bewegungsablauf verstanden wird (= die “leere” Form) oder auch die “inneren” Vorgänge erläutert, erklärt und im Trainingsablauf berücksichtigt werden (= die “volle” Form).

Ein geeigneter Vergleich wäre:
Es gibt eben genausowenig “ein Auto” – und wenn jemand von “Fahrzeugen” spricht, ist es darüber hinaus auch notwendig abzuklären, ob derjenige überhaupt damit “ein Auto” gemeint hat!

Fazit

  • für den Anfänger: Immer informieren, was und wie gelehrt wird und ob dies einem selbst entspricht!
  • für den Interessierten: Bitte “keine Äpfel mit Birnen vergleichen”, Danke!

Im Grunde ist es völlig irrelevant, welche “Form”, “Schule” oder “Stil” jemand für den Anfang wählt – Hauptsache ist: dass man beginnt! …und vielleicht dabei nicht vergisst, das jenes Erlernte, bzw. noch zu Erlernende, weder das Nonplusultra und schon gar nicht “Alles” darstellt.

Wobei die (auch ursprünglichen) chinesischen Lehrmethoden, welche vor allem auf mimetisches Vermögen (”Nachmachen”) eines Schülers ausgelegt sind und daher oft wenig bis gar keine Erklärung(en) liefern, nicht unbedingt dem westlichen Verständnis eines “Lernens” zuträglich sind. Auch darauf sollte man achten – nicht jeder will sich gleich mit taoistischer Philosophie oder (Shaolin-)Buddhismus auseinandersetzen, nur weil er eine neue Bewegungs-Kunst erlernen möchte.

Der Tai Chi Gung – Landessportverein bietet hierzu ebenfalls mit seinem Trainingsverständnis und Lehrmethoden eine Alternative:
Ein Übungs-, Entwicklungs-, Betrachtungs- und Bewertungssystem, welches vom Gründer des Vereins im Laufe von nahezu 10 Jahren entwickelt wurde, um traditionelle chinesische Erkenntnisse der inneren Kampfkunst Tai Chi Chuan (bzw. Taijiquan) dem westlichen Menschen als sportliche Betätigung für nahezu jede Altersstufe zugänglich, sowie persönliche Fortschritte dokumentierbar und vergleichbar zu machen.

Mehr zum Tai Chi Gung – Landessportverein auch auf der Homepage: www.tai-chi-gung.at

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Irrtum 10: Überwindung, Härte und Willenskraft sind ausschlaggebend

Samstag 1. Mai 2010 von Gottfried

(aus der Serie: Irrtümer über Tai Chi, erstmals erschienen auf mein.salzburg.com am 30. Mär 2010 um 12:29 in Fitness)

Folgt man den Berichten über “äussere” Kampfkünste, so gelangen viele Menschen zur Überzeugung: “Je härter, brutaler und besessener jemand trainiert, desto größer sind seine Aussichten auf Erfolg.” – “Selbstüberwindung, Kasteiung, Eigenfolterung und ‘Eiserner Wille’ führen zum Sieg”, oder ähnliches.

Jemand der Tai Chi ausführt, wird sagen: “Alles völlig falsch – sorry!”.
(Es ist auch noch nie jemand allein dadurch “frommer” geworden, indem er sich selbst geiselt.)

Der “Wille” erreicht viel und “Selbstüberwindung” kann jemanden schon einmal weit über seine eigenen körperlichen Grenzen hinweg “tragen” – bis es unweigerlich “zum Absturz” kommt, weil der eigene Körper ständig “geschunden” wird und “Raubbau” betrieben wurde – irgendwann ist so jemand dann ein Wrack, “zerrieben” an dem ständigen inneren Kampf gegen die “eigene Mauer” (…und der Disharmonie zwischen tatsächlichem “Sein” und dem “Wollen”).

Der Schlüssel in Tai Chi ist nicht der selbst auferlegte “Zwang” und die ständige Den ganzen Beitrag lesen »

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