TaiChianer

Forum der Tai Chi Gung – Mitglieder

Archiv für Juni, 2010

Irrtum 17: Füllige oder dralle Körperform = phlegmatischer und unbeweglicher Mensch

Dienstag 15. Juni 2010 von Gottfried

(aus der Serie: Irrtümer über Tai Chi, erstmals erschienen auf mein.salzburg.com am 7. Mai 2010 um 10:33 in Fitness)

Ist ein knochig, dürrer Mensch automatisch sanguinisch und beweglich? – Sicher nicht!

Der Mensch neigt dazu alle Wahrnehmungen in bestimmte “Schubladen” einzuordnen, welche zu den bisherig aus der Lebenserfahrung gewonnenen “Überzeugungen” – sowohl eigener als auch übernommener – passen.

Ständig wird ein “Urteil” darüber gefällt, wie ein Mensch, dem man gerade begegnet “einzuordnen” ist – die “Schubladen” erleichtern dabei die Sortierung und sind “praktisch”. Nicht umsonst hat die Psychologie herausgefunden, dass die ersten fünf Minuten einer Begegnung für das weitere Verhalten der Beteiligten von entscheidender Bedeutung sind: Der berühmte erste Eindruck.

Aber: Muss dieser “Eindruck” für “die Ewigkeit” bestehen – gleicht die “Einsortierung” und das “Urteil” einer höchstrichterlichen Entscheidung für den gesamten weiteren Lebensweg? (Na ja, manche Menschen betrachten sich vielleicht als “Richter und Henker” und sollten – von Freunden – ab und zu vielleicht auch an die “Lebensratschläge” der christlichen Bibel erinnert werden: “Du sollst nicht richten, auf dass…” oder “Du sollst kein falsches Zeugnis wider deines Nächsten ablegen” etc.)

“Vorurteile” – sprich: Die “Ablage” in bestimmte “Schubladen”, BEVOR überhaupt ein Kontakt mit entsprechendem Thema bzw. Menschen zustande kam. Ebenfalls ein schwieriges und komplexes Thema, nicht war?

Noch schwieriger wird es, wenn “plötzlich” keine einzige “Schublade” mehr passt – die Reaktionen reichen von “Erschütterung”, “Entsetzen”, über “Verleugnen”, “Abwenden”, “Ignorieren” und “Verdrängen” bis hin zu positiven Reaktionen wie “Akzeptieren” und Gewinnen von “Erkenntnis”

Eine kleine Geschichte hilft vielleicht dabei, ab und zu darüber nachzudenken, ob eigene “Muster” noch zeitgemäß und der Situation angepasst sind:

Ein Mann und eine Frau sitzen zu Tisch. Es gibt herrlichen Schmorbraten. Das Essen schmeckt und der Mann lobt die Kochkünste seiner Frau. Dabei fragt er sie spontan, warum sie eigentlich die Enden des Bratens abschneidet und diese antwortet, dass sie dies von ihrer Mutter so gelernt habe.
Der Mann war interessiert und beschloss, beim nächster Gelegenheit die Schwiegermutter danach zu fragen. Als er dann mit dieser ein Gespräch führte und über Essen geplaudert wurde, fragte er selbige auch, warum sie bei der Zubereitung von Schmorbraten immer die Enden wegschneidet. Er erhielt als Antwort: ‘So habe ich mir das von meiner Mutter abgeschaut, das gehört zu unseren Familienrezepten’.
Jetzt war der Mann richtig neugierig geworden und da die Großmutter noch lebte, wollte er unbedingt dieses Geheimnis ergründen. Bei einem folgenden Besuch der alten Dame, stellte er voller Spannung also direkt die Frage: ‘Warum hast du eigentlich beim Schmorbraten immer die Enden abgeschnitten?’. Die alte Frau sah ihm direkt in die Augen und lachte: ‘Na, weil meine Pfanne zu klein war!’”.

Wieviele “Rezepte” (”Schubladen”) wenden wir also tagtäglich an, ohne uns zu fragen, woher diese eigentlich stammen oder ob jene noch zeitgemäß sind?

Ist es wirklich “noch zeitgemäß” andere Menschen materialistisch und oberflächlich nach deren körperlichen Erscheinung “abzuurteilen”, ohne die geringste Erfahrung oder Kenntnis über deren tatsächlichen Fähigkeiten, Werte und Wesen zu haben?

Leider trifft man diese “Vorurteile” auch im Sport und den Sportarten – Natürlich: Wir haben mit Menschen zu tun!

Interessanterweise bietet gerade auch die Beschäftigung mit Tai Chi hierzu aussergewöhnliche Erkenntnismöglichkeiten:

Die körperliche Statur eines Menschen sagt – rein gar nichts(!) – darüber aus, wie gut oder schlecht jemand in der Lage ist, Tai Chi Gung auszuführen!

“Füllige Menschen”? – Von “unbeweglich” oder gar “phlegmatisch” keine Spur!

Die Erfahrung des Tai Chi Gung – Landessportverein, Salzburg, zeigt bisher beinahe schon das Gegenteil: Von anderen (Mit-)”Sportlern” eher als “unsportlich” angesehene – sagen wir ruhig “Dicke” oder “Füllige” Personen, oder auch “Menschen mit ein wenig Bauch” – erzielen oftmals weit bessere Fortschritte, als “Dünne”!
Vielleicht, weil erstere hiermit endlich auch eine körperliche Betätigung und Sportart gefunden haben, welche nicht an “höher, weiter, schneller” geknüpft ist und jene somit erstmals überhaupt die Chance erhalten, “ihre Talente” auch anerkannt und “wertgeschätzt” zu erhalten?

Mehr über den Tai Chi Gung – Landessportverein und seine Sportart auf der Homepage unter: www.tai-chi-gung.at

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Tui Shou – Was ist das?

Sonntag 13. Juni 2010 von websifu

Glossareintrag: Tui Shou

Alternative Schreibweisen: Dui Shou
Alternative Bezeichnungen: Partnerübungen, Partnerform, aus dem Englischen auch: “ Push hand” oder “Push hands”

Als “Tui Shou” oder “push hand(s)” werden also Partnerübungen im Tai Chi Chuan (nach Pinyin: Taijiquan) – Training bezeichnet.

Jeder, der Tai Chi (Chuan) trainiert, sollte auch Partnerübungen beherrschen oder zumindest kennenlernen, um seine Erfahrungen auf eine höhere Ebene zu bringen.

Nach der Tai Chi (Chuan) Praxis in den Soloformen folgt daher meist ein Training im sogenannten “Tui Shou” (wörtlich übersetzt: “Hände schieben”, daher auch der sehr häufig verwendete englische Begriff: “push hand”), womit Partnerübungen – auch und gerade – mit Kampfkunstaspekt gemeint sind.

Wichtig:

Gründsätzlich lässt sich hierüber sagen,

  • “die” oder “das” “Tui Shou” stellt also eine Trainingsform dar, um die “Überleitung” und “Transformation” von den in der Tai Chi erlernten – sagen wir einmal: “Grundschule der →Form” – in die “innere Kampfkunst” zu erleichtern. Der Beginn jenes Trainings und auch der Einzelübungen sind dabei durchaus körperlich verhaftet, sollen jedoch “den Sprung” und “die Verbindung” zu “inneren” Vorgängen erleichtern, um schließlich “→Ba Gua Zhang” (die “Acht →Grundtechniken“) auch im Kampf anwenden zu können,
  • diese Art des Trainings kann daher als “Hilfsmittel”, “Brücke” oder “Ergänzungstraining” gesehen werden, welche im Grunde nur dienlich sind, um die in dem Solotraining gewonnenen Fähigkeiten und Erkenntnisse auch im Umgang mit einem anderen Menschen zu bewältigen, bzw. zu perfektionieren (Der Partner kann dabei auch psychologisch “als Spiegel” gesehen werden),
  • … und – leider(!) – wieder einmal wichtig zu erwähnen ist,
    dass “Tui Shou” (oder “push hands”) keine(!) bestimmte eigenständige oder gar vorgeschrieben/definierte “Kunstform” oder “→Stil” des Tai Chi (Chuan) darstellt, wie allzu gerne angenommen wird (…oder gerne als “Produkt” angeboten wird);

Je nach →Schule, →Stil, Meister oder Lehrer werden unterschiedliche “Tui Shou” (”push hand”) angeboten.

Daher existieren unterschiedliche Ansatzpunkte und “Sichtweisen” dieses (Hilfs-!)Trainings, welche sich grob in zwei Arten unterscheiden lassen:

  1. Es werden völlig eigenständige Übungsabläufe (sprich: “andere Bewegungs-Formen” ) geboten als aus dem Training der Solo-Form bekannt sind, welche aber selbstverständlich den gleichen Prinzipien folgen und das Verständnis des “Kräftespiels von →yin und →yang” sowie die den “Kräftevergleich” zwischen “Innen” und “Außen” im Zusammenspiel mit einem Partner (einem “Gegner”) erfahren lassen sollen,
    oder
  2. Es werden jene “→Bilder” (Bewegungen, Figuren, Positionen), welche aus der (bzw. einer) →Solo-Form bereits bekannt und geübt sind, nun unter Einbeziehung eines Partners (eines “Gegenüber”) auch als Partnerübung (”Tui Shou”) trainiert.

Fazit für den Interessierten:

Immer nachfragen, was in “Tui Shou” (”push hand”) gemacht wird – “Tui Shou bei A” ist nicht gleich “Tui Shou bei B” !

Das Training in Tai Chi Gung:

In Tai Chi Gung beziehen wir uns in den “Partnerübungen” hauptsächlich auf bereits bekannte und erlernte “Bilder” der Solo-Formen und nehmen bei Bedarf “gesonderte Einzelübungen” zur Demonstration oder Vertiefung hinzu.
Als Zielsetzung kann hierbei die “Meisterung der 8 Grundtechniken” gesehen werden, wobei das “Tui Shou” (die Partnerübungen) als “Zwischenstufe”, “Meilenstein” oder “Hilfsmittel” gesehen wird.

Die “Form” gilt auch als Einzeltraining (Solo-Übung). Mit Fortschritt der Kenntnisse und Fähigkeiten werden dann die Bewegungsabläufe auch als Partnerübungen absolviert. Hierbei erschließt sich für viele erst der Aspekt der Selbstverteidigung (ohne Angriff!).

Es geht darum, “→chin” (in etwa: “Die wesentliche Energie und innere Kraft”) heranzubilden und einzusetzen, anstelle ”→li” (die “äußere” schwerfällige Kraft; die Muskel- oder Schwungkraft) einzusetzen. Daher auch: “Die innere Kampfkunst”.

Von den chinesischen Meistern wird überliefert, dass das Üben der Solo-Form der Selbsterkenntnis diene, die Partnerübung lehre den Umgang mit Anderen und dem Umfeld. (Also ist Tai Chi Gung auch eine ideale Beschäftigung zur Aggressionsbewältigung und Konfliktlösung – wohlgemerkt: Ohne Kampf!).

Die chinesischen Meister sagen:
“In der Einzelübung der Form erlernst Du den Umgang mit Dir selbst, in der Partnerübung lernst Du den Umgang mit allem Anderen.”
Hiermit sei auch der Hinweis gegeben, dass in der Partnerübung nicht nur die Grundlagen zur Selbstverteidigung erarbeitet werden.
In der Partnerübung erfahren wir erst die Wirkung von “chin” (die wesentliche, innere Kraft und Energie) auf unsere Umwelt, im Gegensatz zur Anwendung von “li” (der Muskelkraft, die “schwerfällige Kraft”).
Die mit der Praxis der Einzelübung sich langsam steigernde “erhöhte bzw. erweiterte Aufmerksamkeit”, welche manchmal auch “tsai chin”, “die hörende Energie” , genannt wird, findet ebenfalls seine Erweiterung durch Einbeziehung eines Gegenübers. Hier können dann auch die Fähigkeiten “lieh chin” (= “verstehende Energie”) und “peng chin” (= “abwehrende Energie”) ausgebildet werden.

Philosophische Betrachtung und Interpretation:

Wörtlich bedeutet “Shou”: “aufbewahren” oder “behüten”.

Dem interessierten Taichianer dürfte bei der Beschäftigung mit der Materie zwischenzeitlich auch aufgefallen sein, dass bei Übertragungen aus dem Chinesischen in die lateinische Schrift, oft auch scheinbar wahllos “T” oder “D” verwendet worden ist
(neben anderen “Hemmnissen” beim Studium von Tai Chi –> siehe dazu auch →Übertragungsprobleme).

“Tui” bzw. “Dui” entspricht der Manifestation des “See”.
Kurz: Der “See” mit der “Stimmung/Auswirkung” von “Das Heitere” ist an der Oberfläche “yin” (ruhig, gelassen) und im Inneren “yang” (kraftvoll, stark).

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(Mehr Details dazu in der Dokumentation des “Ba Gua Zhang” – “→Die 8 Grundtechniken” im Download – nur für registrierte Vereinsmitglieder und Förderer.)

“Dui Shou” oder “Tui Shou” kann also wörtlich übersetzt werden als: “Den See bewahren”.

Besser noch: “Das Heitere bewahren” – womit klar werden sollte, dass auch Tai Chi – Kampfkunstübungen ebenfalls “locker” und nicht “bierernst”, verbissen, geübt werden und natürlich Spaß machen können und sollen.

Der Mensch solle also durch jene Partnerübungen die “Eigenschaften des Sees” im Umgang mit anderen bewahren:
Äußerlich ruhig und gelassen, sich hingebend und entspannt sowie innerlich kraftvoll, leicht und flexibel.

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Wer ist ein TaiChianer?

Donnerstag 10. Juni 2010 von websifu

Glossareintrag: Taichianer

Antwort:

Jemand der Tai Chi Gung [bzw. Tai Chi (Chuan)] praktiziert oder ein “Fan” davon ist.

Entstehung:

Wir stellten uns die Frage, wie man jemanden bezeichnen könnte, der Tai Chi Gung praktiziert.
Denn: Jemand, der Judo betreibt, wird “Judoka” genannt; Menschen, welche beispielsweise Karate praktizieren, nennt man “Karateka”.
Wie solle man dann einen Tai Chi-Praktizierenden nennen?
Diese Fragestellung beschäftigte uns einige Zeit und es wurde oft ergebnislos darüber debattiert.

Eines Tages, nachdem dies wieder einmal Thema von Gesprächen war, berichtete die Tochter unseres Trainers in Salzburg ihm gegenüber von einem seltsamen und zugleich witzigen Traum, welchen sie in der vergangenen Nacht hatte: Sie träumte von einem Land, das von zwei Gruppen (Stämmen) bevölkert war. Eine Gruppe widmete sich voll und ganz dem Training und der Philosophie des japanischen Karate. Der andere Stamm praktizierte Tai Chi. Das Oberhaupt der Karateka sprach zu ihr: “Du bist im Grunde ein Mischling, weil Du sowohl zu den Karateka als auch zu den TaiChianern gehörst.” – Der Name war “geboren”.
Den Vergleich mit “Stämmen” fanden wir witzig und diesen Namen für “Tai-Chi-Anhänger” einfach genial und so durften wir diesen übernehmen.

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Bagua

Sonntag 6. Juni 2010 von websifu

(Überarbeitet im Juni 2010)
Glossareintrag: Bagua

Alternative Schreibweisen: Bakua, Pa Kua, bzw. Ba Gua

Die Bezeichnung und Schreibweisen sind 3-fach besetzt.
Verwendet wird der Begriff – einschließlich aller(!) Schreibweisen in Lateinischen Buchstaben – für drei Dinge:

1. die Symboldarstellung

“Das Bagua” (”Pakua” etc.)

ist die Darstellung der 8 Himmelsrichtungen (vier Haupt- und vier Zwischen-) und “Eigenschaften” als 3er-Strichcode der “yin-yang-Inhalte” (sog.→Trigramme) in Achteckform rings um das “Allerhöchste/Letzte” , dem →TAI CHI – Symbol, angeordnet.

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Das Bagua entstammt der chinesischen Kosmologie vor(!) der Entstehung des Taoismus (bzw. Daoismus) und findet Erwähnung und Erläuterung im “→I Ging“, dem “Buch der Wandlungen”.

2. das “Messbrett”, die “Tafel” in “Feng shui”

Anderwertige Verwendung findet “das Bagua” als praktisches Hilfsmittel in Scheibenform im “fong shui” (feng shui), wo es im Westen meist um einen Kompass im Zentrum und darüber hinaus, je nach angewandter Lehrmeinung – wovon es ebenfalls eine Unzahl an Variationen und Abarten gibt – konzentrisch nach aussen hin, um entsprechende weitere Symbole, Zwischenstufen und Unterteilungen ergänzt ist.

3. in der Einzelbedeutung

Die “Ba Gua”.
Die 8 Trigramme repräsentieren ebenfalls die 8 “Grundtechniken” der Kampfkunst Tai Chi (Chuan).

Das chinesische “Ba” bedeutet übersetzt die Zahl “Acht”.
“Gua” steht für “Manifestation” oder “Kräfte”, simpel oft auch nur übersetzt mit “Orakelzeichen”, womit auf die Darstellungen/der Bezug auf die Verwendung als Hexagramme im “I Ging” verwiesen wird (…und es dabei meist ohne weitere Erklärung auch belassen wird!).

Die “Ba Gua” sind also die “Acht Kräfte”.

Exkurs:

“Ba Gua Chang” heute oft “ Ba Gua Zhang” oder zusammengeschrieben “Baguazhang” (gesprochen: “ba gua tschang”) bezeichnet einen Tai Chi Chuan(!) – Kämpfer, welcher die “Acht Kräfte”, also die 8 “Grundtechniken”, meistert.

Wobei “Chang” (nach Pinyin-Übertragung: “Zhang”) soviel heisst, wie “Faust”.
Der Tai Chi-Kämpfer, welcher also die acht “Grundtechniken” meisterhaft beherrscht, beherrscht also nach chinesischer Auffassung jene “Technik(en)” und ist bereit sowie in der Lage dazu, selbige auch “mit der Faust” – also im Kampf – anzuwenden: Er “führt die” oder “beherrscht die Kunst der”: “Faust der Acht Manifestationen” – “Ba Gua Zhang”.

Mehr:

Eine detaillierte Dokumentation der Acht “Grundtechniken” – Das “Ba Gua Zhang” für Fortgeschrittene in Tai Chi Gung findet sich für Mitglieder und Förderer im Download unter der Rubrik “→Fortgeschrittene“:

“Die Acht Grundtechniken – Ba Gua Zhang”
Für Fortgeschrittene: 56-Seiten-DIN-A4 Beschreibung der 8 “Grundtechniken”, die “Ba Gua Zhang”, Handbuch von Gottfried Rinner. Aufklärung über der Geheimnisse des “Ba Gua Zhang”: Ursprünge und Hintergrund, Detaillierte Beschreibung der Acht “Grundtechniken” und deren Anwendung, inkl. 17 grafischen Darstellungen und 12 umfangreichen Übersichtstabellen – nur für registrierte Mitglieder (Vereinsmitglieder und Förderer).

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Werden Sie jetzt Fördermitglied – Nur EUR 75,- für das Kalenderjahr ohne Verlängerungspflicht – unterstützen Sie uns und holen Sie sich die entsprechende Dokumentation im Download!

Vorteile der Fördermitgliedschaft

Antrag auf Fördermitgliedschaft

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Irrtum 16: Schwitzen sei ungesund und unappetitlich

Freitag 4. Juni 2010 von Gottfried

(aus der Serie: Irrtümer über Tai Chi, erstmals erschienen auf mein.salzburg.com am 30. Apr 2010 um 11:36 in Fitness)

Die Chinesen benutzen auch heute noch eine Grußformel, welche deutlich macht, wie wichtig und gesundheitsfördernd eine regelmäßige körperliche Anstrengung angesehen wird. Jener Gruß lautet: “Heute schon geschwitzt?”.

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Hingegen lässt uns die Kosmetikbranche – oder sollte besser gesagt werden: die chemische Industrie? – nahezu stündlich via Werbebotschaften darauf hinweisen, wie “ekelerregend” Schweiß wäre und dieser tunlichst vermieden werden soll. Natürlich sollte dies zum Kauf aller möglichen “schweißhemmenden” Produkte anregen, leider(!) wird dabei aber zugleich “die Botschaft” transportiert, Schweiß und alles Schweißtreibende völlig zu vermeiden! (…wodurch wiederum – leider – gerade die Jugend “falsch” motiviert wird: “Sport? Igitt, da schwitzt man ja!”).

Der sogenannte aktuelle “Mainstream” lautet also: jeder Schweißfleck auf Kleidung – und vor allem in der Achselhöhle – wäre eklig, unappetitlich und “unchic”. Bewusst wird die Jugend beeinflusst, zu glauben, dass jede Schweißabsonderung ein Grund für Schamgefühle wäre. Und: Je “extremer” die Darstellung, desto “schauderlicher” und emotionaler kann ein junger Mensch “motiviert” werden, jenes “grauslige Zeug” möglichst zu vermeiden, unterbinden und zu verstecken (! “verdrängen” !).

Aber: “Wer laut schreit, hat Unrecht”, sagt der Volksmund. (Ich persönlich empfinde Werbepenetration – Betonung liegt auf dem zweiten Wortteil! – als “Schreien” – Stichwort: “Psychohygiene”).

Denn: Es ist völliger Blödsinn! – Wiederum genau(!) das Gegenteil ist der Fall: Schwitzen ist ein völlig natürlicher Vorgang des menschlichen Körpers, welcher weit mehr Vorteile in sich birgt, als vermeintliche Nachteile (Es soll hierin nicht von krankhaften oder krankheitsbedingten Erscheinungen in jenem Zusammenhang gesprochen werden, sondern es wird von “natürlichem” Schweiß und einem “natürlichen”, alltäglichen Vorgang des Menschen gesprochen).

Fakt ist: Frischer Schweiß ist völlig geruchlos!

Neben ca. 99% Wasser als Hauptbestandteil, transportiert der Schweiß des Menschen verschiedene Inhaltsstoffe (wie z.B. Eiweißbestandteile, Fette, Mineralstoffe, …, Pheromone, usw.; Volumensanteil: ca. 1%) – manche “Anwendungen”, wie z.B. Sauna, Fastenkuren, sprechen dabei von “Schlacken” des Körpers. Daher kommt auch der Begriff “Entschlackung”

(Wie im Bergbau: Der Körper “holt” und “verarbeitet” die für ihn nützlichen und aktuell “brauchbaren” Produkte, der Rest ist “Schlacke”, welche er wieder los werden muss, also “ausscheiden”, damit jene “Schlacke” sich nicht anhäuft und über kurz oder lang zu Problemen – sprich: “Krankheiten” – führt. Schwitzen trägt zur Ausscheidung bei! Man beachte auch: Was für den einen “Schlacke” sein kann – ein “Zuviel” an bestimmten Stoffen im Körper, ist keineswegs dasselbe für jemanden anderen – es ist könnte überspitzt gesagt, manchmal sogar “Mineralwasser” sein).

Schweiß ist also weder ungesund, unappetitlich, noch “stinkt” dieser!

Erst nach einer gewissen Zeit – abhängig von verschiedenen, persönlichen Faktoren! – sorgen chemische und bakterielle Prozesse dafür, dass “Schweißgeruch” entsteht. Dafür sind z.B. auch verschiedene zur natürlichen Hautflora zählende Bakterien verantwortlich.

Entscheidend dafür, wie rasch der Geruch entsteht – ob “sofort” nach wenigen Minuten, oder erst nach Stunden(!) – sind einerseits also die Zusammensetzung der “Schlacken” (abhängig von Ernährung, körperlicher Konstitution, Krankheit oder z.B. hormonelle Faktoren in der Pubertät, bis hin zu Abbau körpereigener “Giftmülldepots”, welche sich “angesammelt” hatten und nun bei der Fastenkur, in der Sauna oder bei erstmaliger sportlicher Betätigung nach “Jahrzehnten” mit dem Schweiß “zutage treten”) und andererseits die eigene körperliche Hygiene.

Kurz gesagt: Wer sich kaum wäscht, braucht sich nicht zu wundern, dass der kleinste “Schweißtropfen” schon binnen weniger Sekunden dafür sorgt, als “wandelnde Stinkbombe” für seine Umgebung zu wirken. Meist merken jene Personen es selbst gar nicht mehr, da sie selbst den eigenen Geruch nicht wahrnehmen.

Das ist unappetitlich – nicht das Schwitzen!

Die ekligste Geruchs-Melange erzeugt dann aber noch die Anwendung des Irrglaubens, dass das Auftragen von Deodorant das Waschen und Reinigen des Körpers ersetzt!!!

Liebe Miterdenbewohner – Bitte(!) – Das ist absoluter Schwachsinn: Es “riecht” keineswegs besser – ihr glaubt das nur, weil ihr euren Eigengeruch selbst nicht wahrnehmt, sondern nur das Parfüm.

Alle(!) anderen riechen aber beides!!!

Es gibt also eine ganz einfache – und kostengünstige – Möglichkeit den (entstehenden) Schweißgeruch zu vermeiden: Sich waschen!!! (…und natürlich auch die Kleidung!)

Fazit: Nicht den natürlichen Schweiß gilt es zu vermeiden, sondern den erst entstehenden UND durch körperliche Hygiene vermeidbaren Geruch, sowie das “Stehenlassen” der “liegengebliebenen Ausscheidungen” des Körpers!

(Gerichtet an all jene, welche ein Deo der Dusche vorziehen: “Lasst ihr andere Ausscheidungen eures Körpers auch liegen und sprüht laufend Parfüm drüber?” – DAS ist eklig!).

Nichts gegen Deodorant oder Parfüms: Aber bitte NACH dem Waschen, einverstanden?

Exkurs:
Zu beachten gilt auch, dass mit dem Schweiß auch Pheromone (”Sexualduftstoffe”) ausgeschieden werden. In früheren Zeiten versuchte die männliche Landbevölkerung dies bewußt auszunutzen, indem Taschentücher tagsüber während der Arbeit in den Achselhöhlen getragen wurden, welche bei passender Gelegenheit der weiblichen Angebetenen “unter die Nase” gehalten wurden, um jene zu “überreden” (Auch daran sollte das andere “Extrem” von Menschen denken, welche nahezu “nur” mehr klinisch rein und auschließlich “chemiaufbereitet” unter die Leute geht und sich vielleicht wundert, dass mann/frau – trotz perfekter “Vorbereitung” kaum oder wenig Anklang bei anderen Menschen findet).
Das jener “Brauch” sich nicht allgemein durchgesetzt hat liegt vielleicht daran – ich lehne mich bewusst hinaus – dass eben der Einsatz von Pheromonen, kein Garant für den Erfolg bei einer bestimmten(!) Person erzielt. Nicht jeder Mensch reagiert auf jeden! Es gibt eben nicht “das Pheromon”, sondern eine Mischung (einen Cocktail). Was den einen unwiderstehlich anzieht, kann einen anderen unwiderstehlich abstossen! Eines ist aber klar: Zumindest wussten jene Bauern, Knechte oder Holzarbeiter dann GANZ GENAU und SEHR RASCH bescheid, ob jene Frau für sie “zu haben” war, oder eben nicht!

Manche Menschen kann man halt “nicht riechen”, auch das ist “normal” und keineswegs unappetitlich.

Warum betrachten also Chinesen (”Heute schon geschwitzt?” – sowie natürlich auch andere Völker, wie z.B. Finnen: finnische Sauna; Indianer, etc.) es für notwendig und “gesund” mindestens einmal am Tag “richtig zu schwitzen”?

Genau aus dem Grund, dass hierdurch dem Körper eine (weitere) Möglichkeit gegeben wird, “auszuscheiden” und “Schlacken” abzubauen.

Darüber hinaus gibt dies den Hinweis darauf, dass der Körper – zumindest einmal am Tag(!) – soweit beansprucht wurde, dass der Kreislauf “über” dem Normalzustand lag (einmal abgesehen von “Angstschweiß”).

Motto: Wer nicht schwitzt, hat für/mit seinem Körper nichts gemacht.

Um unseren Körper gesund, beweglich und fitt zu halten, ist es also notwendig sich regelmäßig so zu bewegen und den Kreislauf so in Schwung zu bekommen, dass wir dabei auch Schwitzen.

Daher: Schwitzen durch Bewegung ist gesund!

Mehr über Tai Chi Gung – eine Bewegungsform, wobei man ins Schwitzen kommen kann – OHNE jemals außer Atem zu gelangen – auch auf der Vereinsseite unter: www.tai-chi-gung.at

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