Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 048

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 48

[Lesezeit: 1-2min – Querverweise: 9 – Checker-Zeit: 2-3 Jahre (Schätzwerte)]

Meisterspruch 048:

„Wird Kraft angewandt, kann man von Tai Chi Chuan nicht profitieren. Auch wenn die Bewegungen äußerlich korrekt ausgeführt werden, hat man die Kunst nicht verinnerlicht.“

(Übertragung nach Chen Wei Ming [Yang-Stil]).


Hintergrundinfo:

Chen Wei Ming (1881 – 1958/1960? – auch benannt mit: „Chen Weiming“, bzw. Geburtsname „Chen Zengze“) war ein Gelehrter, Tai Chi Chuan-Lehrer und Autor.

Hinweis:
Er wurde bereits in vorangegangenen Posts als Vertreter des →Yang-Stiles vorgestellt.
Sein Familienname „Chen“ darf daher nicht dazu verleiten, ihn und seine Aussagen dem gleichnamigen →(Familien-)Stil Chen zuzuordnen.

Der erste Satz seiner Aussage erinnert nochmals daran, bei der Ausführung bewusst „keine körperliche Kraft“ einzusetzen – also bewusst kein „→li“ einzusetzen.

Er verweist darauf, dass dies sogar kontraproduktiv ist, weil man dann „die Methode des Tai Chi“ – ebenso im Kampf (Chuan) – falsch ausführt und somit nicht die zu erwartenden und gewünschten Ergebnisse erzielt.

Exkurs: →Modelle des Tai Chi (Chuan)

Der zweite Satz kann als Ermahnung gelten: Selbst wenn jemand alle Bewegungen der →Bilder, der (gewählten) →Form, körperlich (er bezeichnet dies mit: „äußerlich“ – also: von außen sichtbar [für andere]) völlig korrekt nachvollzieht, bedeutet dies noch lange nicht, dass derjenige tatsächlich Tai Chi (Chuan) beherrscht.

Das „Nachvollziehen“ der körperlichen („äußerlichen“) Bewegungen betrachten wir beim →Tai Chi Gung als einen der ersten Schritte und bezeichnen dies als körperlichen, bzw. „rein technischen“ →Aspekt (des Bildes, der Form).

Die Chinesen überliefern dies auch als „leere Form“ und meinen damit, dass jemand zwar die körperlichen Bewegungsabläufe nachvollziehen und selbst auszuführen vermag, aber eben dabei die anderen Aspekte, wie zum Beispiel „yin-yang-Form“ („Atemaspekt“ und „Reihenfolge“, wenn man so möchte) sowie die Imagination („Imaginationsaspekt“) noch nicht beherrscht.

Chen Wei Ming meint also: „Selbst, wenn Du die Bewegungen noch so toll nachmachen kannst, heisst das noch lange nicht, dass Du Tai Chi beherrscht.“

Sowie: „Es hilft Dir dabei auch gar nichts, dass Du den Mangel an Beherrschung der anderen Aspekte durch Einsatz von mehr Körperkraft zu kompensieren versuchst. Lass das ‚Krafteinsatz-Denken‘ beseite und konzentriere Dich mehr darauf, die Form (die Bilder) ‚mit Inhalt‘ [den/allen anderen Aspekten] ‚zu füllen'“ ( = „volle Form“).

Zu Beachten:
Daher nennt man Tai Chi (Chuan/Quan) auch
„→Die innere[!] Kampfkunst„!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

SVGCaptcha