Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 079

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 79

[Lesezeit: 2-5min (ohne Querverweise) – Querverweise: 7 – Checker-Zeit: 2-3 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]

Meisterspruch 079:

„Die Energie wurzelt in den Füßen, wird durch die Beine geleitet, durch das Dan Tien gelenkt und tritt durch die Hände und Finger aus.“

Eine →Transskription aus den →Tai-Chi-Klassikern.


Hintergrundinfo:

Allgemein herrscht die Auffassung, dass ein „Faustkämpfer“ seine Kraft aus dem Oberkörper und den Armen ziehen müsse.

Im Tai Chi Chuan stammt die Kraft jedoch aus dem „unteren/inneren Bereich unserer Struktur“.

Manche alte Meister vergleichen dies auch mit der „Peitschenkraft“, als ein theoretischer Ansatz, um die Wirkungsweise besser zu verdeutlichen. Der Peitschengriff entspricht dabei den Füßen aus obigem Lehrsatz, die Beine und Hüften gleichen dem Peitschenstiel und die Hände und Finger wirken wie das Ende der Peitschenschnur.
Obwohl die Peitschenschnur elastisch ist und den Impuls fliessend weiterleitet, wird am Peitschenende ein konzentrierter Impuls mit enormer Kraft abgegeben.

Die erste Voraussetzung
damit „dieser Systemablauf“ funktioniert, ist daher zweifellos der sichere und feste Stand.
Der „sichere und feste“ Stand kann wiederum nur dann erreicht und eingesetzt werden, wenn
a.) eine entsprechend trainierte Muskulatur der Beine und Füße vorhanden ist und
b.) die Grundlagen der Haltungen, „→Grundstellungen„, sowie →Schrittformen bekannt sind und
c.) alle so geübt sind, dass diese „im Schlaf“ ausgeführt werden können;

Die zweite Voraussetzung
ist die Kenntnis und Anwendung der „Tai Chi – Bewegung“ sowie „Tiefer natürlicher Bauchatmung“: Jede Bewegung und Schwerpunktverlagerung geht vom →Dan Tien aus! (Weder die Arme noch die Beine bestimmen einen Richtigungswechsel oder eine Bewegung im Raum.)
Daher muss auch das „Atemzentrum“ und „der Schwerpunkt“ dort seinen Platz finden!

Die dritte Voraussetzung
ist „Entspannung“ und „Flexibilität“: Nur wenn der Oberkörper, die Schultern, der Nacken, die Arme, Handgelenke und Finger entspannt sind, dann können jene Körperregionen und Extremitäten „wie eine Peitschenschnur“ zum Einsatz gelangen.
Die „Zwerchfellatmung“, bzw. „natürlich tiefe Bauchatmung“, unterstützt dies ebenso. Wenn von „Brustatmung“ auf „Bauchatmung“ „umgeschalten“ wurde, dann ist der obere Rumpfbereich ebenfalls entspannt, die Schulten und der Nacken können „lockergelassen“ werden. Darüber hinaus wird der Sauerstofftransport erhöht, es wird weniger Energie beim Atmen verbraucht und führt allgemein zu einer entspannteren „Körpersituation“.
Wenn ich insgesamt entspannter bin, dann sind auch in allen Körperteilen die Muskeln, Sehnen, Gelenke etc. „entspannt“ und damit in Folge auch „flexibler“.

Wichtige Ergänzung:

Nicht die bewusste (mentale) Steuerung der Energie führt zum Ziel, sondern die Perfektion in der Ausführung in der Methode des Tai Chi einschließlich aller →Aspekte!
(siehe dazu auch den vorangegangenen →Meisterspruch 78)

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