TaiChianer

Forum der Tai Chi Gung – Mitglieder

Warum lernt ein Anfänger in Tai Chi Gung eine Form mit nur 5 Bildern?

Mittwoch 25. August 2010 von websifu

Wichtig:
Als allererstes lernst Du die Grundlagen zu beherrschen – dann erst folgt die →Form (eine Form).

Nur ein gutes, stabiles Fundament trägt ein prunkvolles mehrstöckiges Bauwerk.
Fehlt diese Basis, übst Du jahrelang Techniken einer “äußeren Form”, betreibst hauptsächlich “Gymnastik” ohne wirklich zur “inneren Form” (”vollen” Form) zu gelangen.

Nur wer die Körperhaltung, die Grundstellungen, die Atemtechnik, die Ausführung “korrekter Bewegung im Raum” – die Schrittfolgen (das Gehen, Drehen und Schreiten) verinnerlicht und einen guten, festen Stand hat, kann Bilder einer Form richtig ausführen.

“Ein Kind lernt auch zuerst gehen, bevor es zu laufen beginnt”

“Verstehst” Du die Grundlagen, dann “weißt” Du bei jedem →Bild auch selbst(!), ob Du dieses gerade korrekt ausgeführt hast, oder wo Du Deine Haltung und Bewegung noch verbessern musst.

Anmerkung:
Absolventen unserer Einsteigertrainings im Verein (in weiterer Folge sicher auch Absolventen des Fernlehrganges) können Bilder auf Kursprospekten oder beim Durchblättern von Tai Chi-Büchern ansehen und “wissen”: “Das ist Tai Chi” – bzw. “Das nicht!”.

Warum? – Weil sie genau wissen, worauf es ankommt!

Etwas aus der Praxis

Im Zuge eines Fitnessprogrammes für Mitarbeiter einer Firma wurde vom Tai Chi Gung – Landessportverein auch ein Einsteigerlehrgang in Tai Chi Gung angeboten. Drei Monate lang fanden an zwei Unternehmensstandorten einmal die Woche Trainingseinheiten statt. Einige der Teilnehmer besuchten bereits anderswo Tai Chi – Kurse oder machten Qi Gong.

Nach einigen Trainingsstunden erzählte einer der Teilnehmer voller Stolz, dass er einen Kurs besuche, wo er die 108er Yang-form lerne. Unser Trainer beglückwünschte ihn und fragte, welche Bilder (Abfolgen) er bereits gelernt habe und der Kursteilnehmer antwortete: “Das weiß ich nicht, wir sind mittendrin – Der Kurs geht jetzt schon ein halbes Jahr, aber er dauert noch genauso lange an“.
In späterer Folge meinte selbiger Kursteilnehmer, dass er noch nie(!) den Schrittablauf des Bogenschritts kennengelernt habe und von einer “T-Stellung” oder “Gewichtsverteilung” bisher gar nichts gewusst hätte!

Oder:
Ein anderer Kursteilnehmer jenes Fitnessprogramms nahm einmal den Trainer beiseite und fragte: “Ich mache jetzt seit drei Jahren Qi Gong in einer Ausbildung, es wird zwar immer darüber gesprochen, aber ich habe bisher noch nie mein Dan Tien gespürt – Ist das schlimm?” !!!

(Frage: Was hättest Du geantwortet?)

Wir vom Tai Chi Gung – Landessportverein sind jedenfalls überzeugt:
Das ist alles furchtbar !!!

Kein Anfänger lernt eine 24-Abfolgen-Peking-Form (22 Bilder) in einem (Volkshochschul-)Kurs mit 12 bis 15 Unterrichtsstunden – Das ist schlichtweg Blödsinn!

Teilnehmer solcher Kurse werden als Anfänger von Tai Chi (Chuan) schlichtweg zu “Besuchern” oder “Beobachtern” verurteilt und können froh sein, wenn sie halbwegs (irgendeinen) Ablauf – von einer “Form” will ich gar nicht sprechen – hinbekommen.

Was passiert? – Mit jeder Kursstunde steigt der Frust, weil das, was jener Trainer kann und “vorzeigt”, einfach selbst nicht zustandegebracht wird. Es bleibt in solchen Kursen weder Zeit für Grundlagentraining oder Aufbauarbeit – geschweige denn für wichtige Hintergrundinformationen.
Tai Chi (Chuan) wird zur “Gymnastik” degradiert und jene Absolventen fragen sich dann zu recht, ob Tai Chi überhaupt “etwas Gescheites” sei.

Wir machen das anders

Das Einsteigertraining dauert ca. 3 Monate (bei Minimum 12 Trainerstunden zu 1,5 Std/EH = 18 Stunden – im Wochenabstand) und nimmt selbstverständlich auf die aktuellen körperlichen Fähigkeiten eines Anfängers Rücksicht.

Daher wird zuerst mehr Aufmerksamkeit und Zeit für “Aufwärmen” (Vorbereitungsübungen) und “Grundschule” (Körperhaltung, Atemtechnik, Grundstellungen, Grundpositionen) verwendet. Diese beiden Abschnitte können sich zu Beginn, je nach Fertigkeiten der Teilnehmer auch noch überschneiden.

Mit Fortschreiten des Lehrganges und gesteigerter “Fitness” sowie bis dato errungene Kenntnisse der Teilnehmer, gewinnt die “Form” immer mehr Bedeutung, bis im letzten Drittel des Lehrganges “die Form” als gleichwertiger Abschnitt trainiert werden kann (Anm.: Es gab auch schon Teilnehmergruppen mit welchen die zweite “Leistungsstufe” und eine weitere Form begonnen werden konnte).

Die “5-Bilder-Form” ist bewusst für den Einstieg gewählt:
Sie beinhaltet alle “Kernpunkte” einer Form, benötigt nur eine(!) “Schritt-Technik” (somit wenig Platz – und kann in jedem Wohnzimmer geübt werden), enthält dennoch schon die ersten vier “Grundtechniken” des “Ba Gua”, erlaubt mit 51 Bewegungsfolgen ein leichtes “Merken” und kann nach Beherrschung des körperlichen Ablaufes umgehend mit “Atemtechnik” (yin-yang-Form) sowie einschließlich “Imagination” perfektioniert werden.

Jeder Absolvent(!) des Einsteigertrainings (…und des Fernlehrganges) kann mit diesen – “nur”(!) – fünf Bildern, von der “leeren” zur “vollen” Form gelangen.

Danach steht “die Welt des Tai Chi” offen und man kann sich an weitere, komplexere oder “andere” Formen wagen, denn nun weiß man/frau auch, worauf zu achten ist.

entwicklungskurve_tcg

Zwecks bildhaftem Vergleich könnte man sagen, die Entwicklungskurve des Erlernens der 5-Bilder-Form (für Einsteiger) erfolgt nicht “linear” sondern “proportional” (die Kurve beginnt meist bei Null, mit ganz sanftem Anstieg bis zur Mitte der Zeitachse, um im letzten Drittel “steil” nach oben zu gehen).

Ernstzunehmende chinesische Meister nennen als Minimum ca. 14 Tage, um ein einzelnes neues Bild perfekt im harmonischen Ablauf einer Form zu beherrschen. Erfahrungsgemäß benötigt man als Anfänger einige Wochen um das “erste” Bild in korrekter Körperhaltung zu erlernen, dann vielleicht 14 Tage für ein zweites und “bei laufendem regelmäßigem Training” dann nur mehr eine Woche für ein drittes und für folgende schließlich vielleicht nur mehr Tage.

Aber: Egal ob kurz oder lang – dies sind alles nur Richtwerte (Durchschnitte) und hängen selbstverständlich von Art und “Schwierigkeitsgrad” der Bilder, sowie persönlichem Leistungsvermögen, -willen und Engagement ab.

Vergessen wir bitte nicht: Der Mensch ist keine Maschine! -
Und: Tai Chi (Chuan) ist keine Gymnastik!

Auf der Vereinshomepage gibt es – Mehr zum Einsteigertraining

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Wozu Tai Chi? – Wozu ist Tai Chi gut?

Montag 23. August 2010 von websifu

Ask a sifu – antwortet:

An vielen Stellen im Taichianer-Forum sowie auf der Homepage des Vereins (www.tai-chi-gung.at) wurde bereits erläutert, was die Sportart Tai Chi Gung und die in China als Tai Chi Chuan (andere Schreibweise: Taiji Quan) bekannte Bewegungskunst ist.

Ebenso was es bedeutet, dass diese Bewegungskunst viele Aspekte beinhaltet, vieles schwer erklärbar und meist nur erfahrbar ist.

Wichtig vorab zu wissen:

Wir sind keine Ärzte, Therapeuten oder ausgebildete Wissenschaftler und können, dürfen und werden deshalb keinerlei Aussagen treffen, welche in jene Gebiete fallen.

Dennoch können wir darauf verweisen, was einige aktuelle Studien festgestellt haben; beispielsweise hinweisen, dass in Deutschland bis zu 90% der Kurskosten/Teilnahmekosten zu Tai Chi (Chuan) von den Krankenkassen übernommen werden, sowie darüber berichten, was uns einige Leute über ihre Erfahrung mit Tai Chi erzählt haben.

Aktuelle Studien

  • Eine jüngste Meta-Studie, Stand: Mai 2010, erläutert, dass Tai Chi mit

    Verbesserungen im psychologischen Wohlbefinden

    einschließlich verringertem Stress, verminderter Angst, weniger Depression und Stimmungsstörungen, sowie erhöhtem Selbstwertgefühl verbunden sei. (Ursprungs-Link: http://www.biomedcentral.com/content/pdf/1472-6882-10-23.pdf – gespeichert unter “Tai Chi – Studie Mai 2010“)

  • Eine aktuelle Studie aus Frankreich, Stand: Jänner 2010, zeigt:
    Schon 2 Std Tai Chi / Woche wesentlich gesundheitsfördernd -
    Selbst Pflegepatienten nützt noch etwas mehr Bewegung.

    Die Ausübung von Tai Chi (Chuan) allein bei nur vier mal eine 1/2 Stunde pro Woche in einem Zeitraum von 6 Monaten zeigt signifikante “Gesunderhaltung” gegenüber einer Kontrollgruppe ohne Intervention (sprich: ohne Zusatztraining).
    So präsentiert sich das Ergebnis einer französischen Studie mit 160 Pflegeheim-Bewohnern (im Alter ab 65 Jahren und darüber), die noch in der Lage waren sich zu bewegen und einfache Aufforderungen zu verstehen. Jene durften entweder an speziellen Tai-Chi-Übungen teilnehmen (4 x 1/2 Stunde pro Woche), oder an einem Kommunikationstraining mit Balance-Übungen (2 x 30-45 Min/Woche), oder sie erhielten nur die übliche Pflege (Kontrollgruppe). Nach sechs Monaten waren Alltagsfähigkeiten wie Waschen, Anziehen oder Toilettenbenutzung in den beiden Interventionsgruppen deutlich besser als in der Kontrollgruppe, am deutlichsten waren die Unterschiede jedoch in der Gruppe mit Tai Chi. In dieser Gruppe traten auch am seltensten Verhaltensstörungen auf (Quelle: Arch Intern Med 170, 2010, 162 – 25. Januar 2010, http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/short/170/2/162?home ).

Anmerkungen

Gesund zu altern, davon träumen die meisten Menschen. Mit Blick auf die stetig steigenden Kosten im Gesundheitswesen, ist eine gesund alternde Bevölkerung selbstverständlich auch der Traum eines jeden Gesundheitsministers und Krankenkassenchefs. Die fünf neuen Studien, die jetzt in den “Archives of Internal Medicine” erschienen sind, legen nahe, dass dieser Traum im Prinzip erfüllbar ist.

Dazu müssten sich die meisten Menschen nur ein “kleines Bißchen” mehr bewegen – Nicht in einem Gewaltakt unter dem Motto: “Alles auf einmal” oder “Jetzt oder Nie” – Sondern kontinuierlich und konsequent nach der Erkenntnis:
“Zwar kein Hochleistungstraining – Aber regelmäßige, leichte Übung”.

Und dafür, so das Ergebnis der Studien, ist es eigentlich nie zu spät -
Das heißt: “Altern schützt vor sporteln nicht!“.

Eine Auswahl von Erfahrungsberichten

Herr K.L. aus Salzburg (Alter: um die sechzig)
erzählte uns, dass bei ihm eine eingeschränkte Lungenfunktion festgestellt wurde und er entsprechende Medikamente nehmen müsse, wobei sich dies nach Aussage seiner Ärzte “nie mehr” ändern würde und er damit leben müsse, solange es eben noch geht.
Bereits während des Einsteigertrainings stellte er fest, dass er den Übungen recht gut folgen könne – es zwar sehr anstrenge, aber er eigentlich niemals “außer Atem” kam und er “trotz der Anstrengung” immer das Gefühl hatte, dass es ihm gut tue.
Gegen Ende des Einsteigertrainings – nach ca. zwei Monaten – stellte er eine erhöhte Vitalität und neue Lebensfreude an sich fest. Woraufhin er wieder mit Schifahren begonnen und sich weiteren “Genüssen” hingab. Nach 3 Monaten setzte er sich wieder “Lebensziele” (sprich: Was er alles noch dann und dann zu tun und zu erledigen hätte).
Knapp ein Jahr nachdem er mit Tai Chi (Gung !) begonnen hatte, stellte der behandelnde Arzt keinerlei Beeinträchtigung mehr fest – und konnte die Untersuchungsergebnisse kaum glauben, woraufhin die Medikamente “probehalber” abgesetzt und eine weitere intensivere Untersuchung bei anderen Spezialisten “angesetzt” wurde. Das Ergebnis: Herr K.L. litt unter keiner Beeinträchtigung der Lungenfunktion (”mehr”) und der behandelnde Arzt konnte dies kaum fassen und meinte dann, dass die Untersuchungsergebnisse vor einem Jahr wohl “fehlerhaft” gewesen wären. Herrn K. L. ist das egal – er weiß, was er gemacht hat und fühlt sich “sauwohl”!

Die junge Frau T.G., Nähe Salzburg,
fühlte sich “in ihrer Haut” nicht wohl und “mochte” weder ihre paar wenige Kilo mehr, noch fand sie irgendeine andere aus dem Schulsport bekannte sportliche Tätigkeit geeignet oder interessant. Das “Hetzen”, “Eifern” und “Konkurrenzdenken” dabei war ihr einfach zuwider, die “Hänseleien” der sogenannten “Sportler” trafen sie sehr und vermieste darüber hinaus jede Freude an Bewegung – Bis sie von einer Freundin zu Tai Chi Gung eingeladen wurde und feststellte, dass es auch eine “andere Art Sport” zu betreiben gab.
Es faszinierte sie, dass sie den Bewegungen “leicht” folgen konnte und entdeckte wieder den Spaß an Bewegung gemeinsam mit anderen. Niemand lachte dabei über sie – im Gegenteil, manch anderer wäre froh gewesen, die Bewegungsfolgen so rasch zu verinnerlichen, wie sie es tat.
Nach einigen Wochen hatte sie darüber hinaus ca. 15 kg abgenommen, hält seitdem ihr Gewicht, hat zwischenzeitlich bereits die Prüfung zur 3. “Leistungsstufe” (”grünes Band”) abgelegt und wird – höchstwahrscheinlich in naher Zukunft, sofern sie unserem Verein weiterhin treu bleibt – zu den ersten “Meisterinnen” des Tai Chi Gung zählen!

Frau G.H. aus der Umgebung Salzburg,
war seit mehr als zwanzig Jahren keiner Sportart mehr zugetan und konnte sich auch nicht vorstellen, “je wieder Sport” zu machen. Sie litt immer wiederkehrend an Hüft- und Rückenschmerzen und war “lustlos”.
Nach regelmäßigen Tai Chi Gung – Training kehrte ihr Tonus nach einigen Monaten wieder zurück. Körperliche Beschwerden treten nur mehr dann auf, wenn sie ihr Training längere Zeit vernachlässigt – und sie sagt: “Bei weitem nicht mehr so heftig – und ich weiß ja, was ich zu tun habe”. Ihre Vitalität und Agilität sei nach eigenen Aussagen fast so, wie vor zwanzig Jahren und Bewegung macht so wieder Spaß!

Die nunmehr junge Frau I. H.
trainierte während den Schulsemestern, fünf Jahre lang, ein- bis zweimal die Woche Karate in Vereinen. Im letzten Jahr begleitete sie – zwecks “Unterstützung” – ihren Vater zum Tai Chi – Training und stellte bereits nach zwei Monaten fest, dass ihre Karate-Techniken während der “anderen” Trainingsstunden (also bei Karate) wesentlich kräftiger und schneller “funktionierten”, als bisher – Welches für etliches Erstaunen bei den Karatekas sorgte und sie sogar auch beim Partner-Training mit “höheren Gürteln” immer öfter gebeten wurde, die Schlag- und Blocktechniken langsamer(!) zu machen, damit ihre Trainingspartner in Karate eine Chance hätten, ihr überhaupt folgen zu können.
Seit diesem Jahr trainiert sie nur mehr Tai Chi Gung, da sie überzeugt ist, die wesentlich effizientere Kampfkunst und Trainingsform für sich gefunden zu haben und sie aus Zeitgründen leider nicht mehr beides bewältigen kann.

Oder:
Herr G.R., beinahe Mitte Vierzig,
hatte im Jahre 1996 erstmals so heftige Rückenschmerzen, dass er für etliche Tage ausfiel und mit Infusionen “schmerzbehandelt” wurde. Den ganzen Beitrag lesen »

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Warum haben Taichi-Übungen so seltsame, blumige Namen?

Donnerstag 19. August 2010 von websifu

Vorwort

Ein Gymnastiklehrer wird sagen: “Weil sie aus China sind“.

Ein durchschnittlicher Tai Chi – Lehrer würde sagen:
Die Bewegungen des Tai Chi (Chuan) sind als erstes durch die Beobachtung des Kampfes zwischen einer Schlange und einem Kranich angeregt worden und entstanden. Die Bewegungen des Tai Chi (Chuan) ahmen die natürlichen Bewegungen und Techniken dieser Tiere nach – weitere sind im Laufe der Zeit hinzugekommen“.

Ein traditioneller chinesischer Meister würde entweder gar nicht antworten oder Dir als Koan eine Gegenfrage stellen, wie beispielsweise: “Das Tao kennt vieles – Was kennst Du?“.

Wir vom Tai Chi Gung – Landessportverein sind der Meinung, dass es an der Zeit ist “Klartext” zu reden: Schluss mit Ausflüchten oder verklausulierten Reden – Der westliche Mensch braucht klare Ansagen und unserer Kultur angepasste Lehrmethoden.

Daher unsere Antwort:

Die Übungen oder “Abschnitte innerhalb einer Form” haben in Tai Chi (Chuan) deshalb eine blumige, bildhafte Bezeichnung, weil damit gleichzeitig der Hinweis auf “innere” Vorgänge bei deren Ausführung deutlich gemacht werden soll.

Es geht weder um die reine körperliche Bewegungsfolge, noch (meistens) um die tatsächlich – körperliche – Nachahmung der Bewegung von Tieren.

Die verwendeten Tiernamen oder Bezeichnungen von in der Natur vorkommenden “Gegenständen” oder “Ereignissen” sind als Symbole zu verstehen und stellen Allegorien dar.

In Tai Chi Gung bezeichnen wir daher auch eine zusammengehörige Bewegungsfolge als “Bild” ( …und haben definiert, was ein →Bild “ausmacht”, bzw. stellen nach und nach unseren Mitgliedern diese Bilddokumentationen auch schriftlich zur Verfügung – siehe dazu auch →BilddokumentationAnmerkung: Ein Riesenprojekt!).

Ein “Bild” ist daher eine gut gewählte Bezeichnung, weil diese verdeutlicht, dass es AUCH um eine Sichtweise, eine Vorstellung geht.

Die Bedeutung der Symbole und Allegorien erschließen sich einem Taichi-Praktizierenden erst im Laufe der Zeit – Habe Geduld mit Dir selbst.
Es braucht einfach Zeit, bis sich Dir viele Hintergründe offenbaren und sich Zusammenhänge zwischen den Bezeichnungen und der dahinterstehenden “Kraftwirkung” bzw. “Manifestation” erschließen und diese verstanden werden können.

Manche “Tiere” in den Bild- oder Übungsbezeichnungen stehen beispielsweise für “Eigenschaften“, welche auch in der chinesischen Astrologie ihre Verwendung finden: “Affe“, “Schlange“, “Hahn“, usw.

Andere Namen verweisen zum Beispiel auf “Manifestationen” oder “Fabelwesenzuordnung” der →Ba Gua (siehe dort):
Berg“, “See“, “Donner“, bzw. auch “Phoenix”, “Tiger” etc.

Anmerkung:
Es darf dabei auch nicht vergessen werden, dass die Übungen im Laufe von Jahrhunderten entstanden und gepflegt wurden, daher auch Symbole im Laufe der Zeit angepasst wurden, oder andere Verwendung fanden – oder andere Symbole und Allegorien verwendet wurden.

Exkurs:
Die Schwierigkeit der Dokumentation im Westen liegt auch darin, dass die Übertragung der chinesischen Zeichen (Laute) ins Lateinische weder einheitlich erfolgt(e), noch gleichlautende Begriffe verwendet werden, sowie ebenfalls “viel herumgedichtet” wird(wurde) -
siehe dazu auch: →Übertragungsprobleme.

Beispielsweise

Der Formen-Abschnitt, die Übung – besser: Das “Bild” – “Den Tiger zum Berg tragen“, bedeutet keinesfalls, dass sich jemand während der Ausführung vorstellen solle, wie er eine schwere Raubkatze einen Abhang raufschleppt, genausowenig wie ein vermeintlicher “Kung-Fu-(Film)-Spezialist” meinen könnte, die innere Einstellung bezeichne einen “Tigerstil” oder ähnliches -

Sondern ist

  1. Ein “Übertragungsfehler” – eine verständlichere Übersetzung oder Bezeichnung wäre: “Den Tiger umarmen und zum Berg zurückkehren“,
    womit
  2. die Assoziationsketten angestossen werden: “Tiger” = Westen = →Grundtechnik “ji” (dt.kurz: “drücken”), “Wasser” (sensibel, emotional, nachdenklich, weich, das “Abgründige”, etc.) auch Waffe: Säbel – sowie “Berg” = Nordwest = Grundtechnik “kao” (dt. Kursbezeichnung “Schulterstoß” – in dieser Bewegungssituation ebenfalls ungeeignet als “Bezeichnung”, besser: “Wie ein Berg rascher Überwindung ein Hindernis ist, so stoppt “kao” machtvoll die Bewegung des Gegners” – “Stillehalten, im Weg stehen – wie ein Berg”) = “zweifach unsichtbar ‘yin’, nach außen ‘yang’ “, etc. -Welche bei der Ausführung körperlich, wie auch geistig, mental (Einstellung und “Haltung”), berücksichtigt werden sollen – sprich: Zuerst “Tiger” (Grundtechnik “ji”) dann Übergang zu “Berg” (Grundtechnik “kao”)!

Zusammenfassend kurz gesagt:

Die Übung soll auch die damit beschriebenen “Eigenschaften” (bzw. auch Imaginationen) beinhalten und vom Ausführenden berücksichtigt werden.

Also: Ein “Bild” sagt mehr als tausend Worte!

Hinweis:

In den Bezeichnungen der Übungen erkennst Du auch manchmal, ob es sich tatsächlich um eine Taichi-Übung, eine aus der Kampfkunst entnommene, oder um eine erst im Westen entstandene “Gymnastikübung” handelt.

Beispiele: “Wolkenhände”, “Stehen im Wasser”, bzw. “Fersenstoß rechts” oder “Ellbogen kreisen”.

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Kann ich allein zu Hause üben, obwohl ich nicht sicher bin alles richtig zu machen?

Dienstag 17. August 2010 von websifu

Ask a sifu – Antwort:

Selbstverständlich, Du mußt/sollst zu Hause üben.

Niemand kann perfekt werden, ohne regelmäßig zu üben. Jeder macht Fehler! Nur durch andauernde Übung können diese Fehler nach und nach selbst bemerkt und verbessert werden.

Die chinesische Überlieferung lehrt uns, “die Form” jeweils (täglich) dreimal zu üben:
- Das erste mal dient dem Aufwärmen.
- Das zweite mal dient der Gesundheit.
- Das dritte mal dient der Perfektion.

Wir “Taichianer” sagen:

“Du machst heute Dein Tai Chi Gung, bis Du Deine Perfektion erreicht hast und beendest dies dann glücklich und zufrieden. Am Tag danach beginnst Du erneut.
Ein nie endender Prozess, wo die Übung das Ziel ist und Dir mehr bringt, als Du bisher auch nur ahnen konntest.”

Die Chinesen bezeichnen dies als “Kung Fu” (bzw. “gung fu”), ein “nicht besessen ausgeführtes tägliches Streben nach Perfektion (’der Meisterschaft’ in einer bestimmten Disziplin, Stilart, ‘Schule’)”.

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Manche (Lehrer) sind der Meinung, dass Tai Chi nichts mit kämpfen zu tun hat. Ist das richtig?

Dienstag 27. Juli 2010 von websifu

Antwort: Nein, das ist falsch!

Auch manche aus China stammende Lehrer kennen den Tai-Chi-Kampf gar nicht selbst, weil man dort in der Regel drei Jahre lang als Anfänger gilt und erst fünf Jahre lang weiter üben und lernen muß, bevor man überhaupt anfängt, vom Kämpfen zu sprechen.

Ein Tai-Chi-Kampf hat direkt mit der Philosophie von TAI CHI zu tun und ist damit eine hochentwickelte Kampftechnik der Ying-Yang-Theorie. Nur durch langjähriges Üben kann der Kampfaspekt verstanden werden – manche Lehrer haben selbst erst ein bis zwei Jahre lang gelernt und unterrichten schon. Wie könnten diese also den “Tai-Chi-Kampf” verstehen?

Und:

Wer nichts vom Kampf weiß, kann TAI CHI ebenfalls nur oberflächlich verstehen.

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