„Tai Chi“ manchmal auch „taiji“ geschrieben (beides „tai-tschi“ gesprochen), ist eine besondere Form der Bewegungskunst, welche uralten Überlieferungen aus China folgt.
Tai Chi Gung ist dabei die „westliche“ Lehr- und Lernmethode, welche stilunabhängig einen neuen Zugang schafft.
Die Grundlagen dieser Bewegungsform stellen das →TAI CHI (wie der Name schon aussagt) mit „→yin“ und „→yang„, sowie die „Ba Gua“ (→Bagua) – „die acht Manifestationen“ – dar.
Um die Bewegung und die Ausführung zu verstehen, muss man also zuerst jene Begriffe und deren Bedeutung verstehen und anwenden lernen.
Das ist die eine Sache.
Die andere Sache betrifft die Umsetzung:
Grundsätzlich übt man Tai Chi (Gung) in einer sogenannten →Form. Die Form ist ein vorgegebener (oder auch: ausgedachter/selbst zusammengestellter) Übungsablauf, mit einem →Anfang, verschiedenen, genau aufeinander abfolgenden Bewegungssequenzen (den sogenannten →Bildern) und einem →Schluss!
Vergleichbar wäre dies mit der Kür beim Eiskunstlauf: Man startet mit Schlittschuhen auf dem Eis, vollführt eine gewisse Anzahl von (Eiskunstlauf-)Figuren und endet an einer bestimmten Stelle (→Position).
Ein anderer Vergleich wäre das Alpin-Skispringen:
Der Athlet begibt sich mit spezieller Ausrüstung (vor allem Sprung-Ski) an die Startposition oberhalb des Anlaufes und setzt sich auf den sogenannten Balken, wo er auf die Freigabe wartet.
Bei Freigabe der Schanze, fährt er die Anlaufspur in bestimmter Körperhaltung hinunter, springt im richtigen Moment von der Schanze und nimmt wiederum eine bestimmte Flugposition ein. Nach einer gewissen Zeit in der Luft wird die Landung vorbereitet, wozu ebenfalls eine bestimmte Körperhaltung entscheidend ist, welche neben der Sprungweite ebenfalls in die Bewertung mit einbezogen wird. Genauso wie die Möglichkeit, dass der Skispringer stürzen oder vor einer bestimmten Markierungslinie im Auslauf mit den Händen in den Schnee (auf den Boden) greifen könnte.
Erst danach, wenn er in der Auslaufzone zum Stillstand gekommen ist, darf „die Übung“ als vollzogen gesehen werden.
Alle diese Vorgänge passieren innerhalb von Sekunden, oft sogar in Sekundenbruchteilen und verlangen höchste Präzision und Abstimmung.
Würde man jetzt nur (Standbild-)Fotos von Skispringern in der Luft veröffentlichen, mag die Mehrheit durchaus der Meinung sein, dass es beim Skispringen – nur – darum geht, bestimmte Haltungen in der Flugphase einzunehmen und dies der Hauptantrieb zur Ausübung jenes Sportes wäre.
Genauso verhält es sich bei Tai Chi (Gung):
Alle Fotodarstellungen sind nur Momentaufnahmen (Standbilder!) innerhalb eines komplexen Bewegungsablaufes.
Laien mögen der Meinung sein, es ginge „nur“ darum, bestimmte Haltungen einzunehmen – oder jene nacheinander auszuführen.
Ein Beispiel: Das Bild „Der Goldene Hahn steht auf einem Bein – rechts“
Das Foto zeigt die →Endposition – der Ablauf ist eigentlich schon vorbei!
Ein Zuseher mag vielleicht feststellen, dass der Praktizierende von einer bestimmten (tieferen) →Anfangsposition beginnt und die an der gegenüberliegenden Seite eng an den Körper vorbeigelenkte Hand gleichzeitig mit dem Bein nach oben führt und sich schließlich ganz auf einem Bein aufrichtet um die dargestellte Endposition einzunehmen.
Vorausgegangen (der Vollständigkeit halber) ist hier: „Die Schlange kriecht nach unten – links“
Nur dem Experten ist dabei erkenntlich, ob der Ausführende – dazwischen(!) – tatsächlich, via „→Bogenschritt“ (links), mit der Hand auf der anderen Körperseite einen sogenannten →Hakenschlag nach oben, gepaart mit einem →Kniestoß, sowie ebenfalls zeitgleich mit der linken Hand einen →Block (ein „Kniestreifen“), tatsächlich auch ausgeführt hat und sich danach(!) erst in der Endposition entspannt eingefunden hat.
Laien und Ungeübte folgen einfach einem Bewegungsablauf von der Anfangs- zur Endposition – aber es fehlen dabei dann beispielsweise zwei wesentliche Elemente: Der →Kampfkunstaspekt, sowie die korrekte Abfolge von „→yin und yang“ (sprich: Hart- und Weich, „Spannung“ und „Entspannung“).
In Wahrheit hat „der Tai Chi – Kämpfer“ (wenn man es so ausdrücken möchte), in den Sekundenbruchteilen „des sich Aufrichtens“ bei jenem Bild, zeitgleich schon einen (Haken)Schlag mit der Hand, einen Stoß mit dem Knie und eine Abwehr (mit der Handkante der anderen Hand) vollzogen! (…ebenfalls wenn man möchte: Bevor[!] der Gegner überhaupt mitbekommen hat, was eigentlich gerade passiert ist!)
In Tai Chi Gung wird auf jene Dinge hingewiesen, der Ablauf geübt, der Trainierende auf die →Aspekte aufmerksam gemacht und bei der Ausführung korrigiert, falls dabei „Lücken“, „Fehler“ und „Probleme“ auftauchen.
Manchmal ist es notwendig, vorgefasste Meinungen zu revidieren, sowie körperliche „Befähigungen“ durch Vorbereitungsübungen zu verbessern.
Letztendlich führt der ständige kontiniuerliche Verbesserungprozess (KVP in Tai Chi) zum gewünschten Ergebnis: Die einzelnen Bilder innerhalb einer(!) Form werden korrekt ausgeführt bis man jene(!) Form beherrscht …und man kann sich der nächsten Herausforderung, einer neuen Form (mit neuen Bildern, längerer Dauer bzw. anderem Stil), zuwenden. Dem „Betätigungsfeld“ sind theoretisch keine Grenzen gesetzt.
Eine dritte Sache wäre schließlich:
Einstellung und Zweck, bzw. der Nutzen
Zuvor Erwähntes führt bei Tai Chi (Gung) letztendlich zusätzlich zur Frage der (geistigen/mentalen) Einstellung, „gepaart mit“ / „entstanden durch“ die geforderten/gepflegten Verhaltensweisen.
Vieles „Erlernte“ setzt man schließlich (gerade am Anfang des Praktikums: meist unbewusst) im Alltag um:
- Die „richtige Atmung“,
- Achtsamkeit(!)
- Körperhaltungen,
- Reaktionsweisen,
- Körperbewegungen,
- Kontemplation und Konzentration,
- „Gelassenheit in Stresssituationen“,
- gesteigerte Imagination/Kreativität,
- Flexibilität des Bewegungsapparates,
- verbesserte Sinneswahrnehmungen,
- „besseres Körpergefühl“,
- besseres Gleichgewicht,
- „optimale Muskelkraft“,
- …,
- kurz gefasst:
Erhöhtes Wohlbefinden, sowie
gesteigerte geistige, seelische und körperliche Fittness!
Wer erkannt hat, dass dies ursächlich bei seinem Praktikum von Tai Chi liegt, möchte dies natürlich nicht mehr missen und leitet ihn daher zu „→Gung“ (auf Deutsch: „der Pflege von“) und manchem zu „→Fu“ (deutsch: „der meisterlichen, nicht obsessiven, ständigen“).
Das wäre dann: „Tai Chi Gung Fu“.
Andere machen halt Tai Chi „von – bis“ oder „nur für den Zeitraum von“ oder um sich selbst oder anderen etwas zu beweisen („Preise zu erringen“) – das ist der Unterschied!

True Story! Wie die Chinesen schon zu sagen pflegen: Wenn man Tai-Chi bzw. Tai Chi Gung praktiziert, erlangt man schlussendlich die Klugheit eines Weisen, die Geschmeidigkeit eines Kindes und die Kraft eines Holzfällers. Man staune, was so im Alltag passiert, wenn man TCG stetig pflegt.