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Aufklärungsserie Tai Chi Gung

Aufklärungsserie: Das ist Tai Chi Gung – Teil 15/15

Aus den Archiven 2009 -
Erstveröffentlichung:
Von tai chi gung-User am 6. Jul 2009 um 09:59
Inhalt: Unterschied von Tai Chi zu Qi Gong
auf
http://mein.salzburg.com/interessen/sport_action/2009/07/aufklarungsserie-das-ist-tai-c-14.html (
(Hinweis: Forum & Eintrag dort nicht mehr existent)

Unterschied von Tai Chi zu Qi Gong

Für viele Menschen in der westlichen Welt stellen die chinesischen Bewegungskünste nach wie vor exotische Betätigungen und Begriffe dar. Allzu leicht geschieht es dabei, dass mangels besserem Wissen manches sozusagen in die gleiche Schublade gelegt wird. Nur zu gern wird dann modischen Strömungen gefolgt – oder solchen, welche es sein wollen – ohne zu hinterfragen, ob das eigene Interesse und die eigene Entwicklung hierdurch überhaupt gefördert wird.

Es erscheint daher notwendig festzuhalten, dass es einen Unterschied zwischen Qi Gong (Chi kung, manchmal auch: Ch’i kung) – sprich: „tschi gung“ und Tai Chi gibt und ebenso wichtig ist es dabei darzustellen, worin dieser besteht.

Wie wir der geschichtlichen Betrachtung als auch der Stilübersicht entnehmen konnten, besteht mehr Zusammenhang zwischen den Künsten der Lebensverlängerung (TCM – der Traditionelle Chinesische Medizin, dem „Yangsheng“ mit seinem „Chi kung“), dem (bis heute verschwiegenem tatsächlichem) Training der Shaolin-Mönche und dem Praktizieren von Tai Chi, als mancher gerne wahrhaben möchte.

Wir konnten bei dieser Gelegenheit mehr als einmal lesen, dass das Bestreben mancher ursprünglich neu entwickelter Tai Chi – Stile darin bestand, die jeweils bekannten und erlernten Künste in eine einzige „Kunstform“, also in einen einzigen „Stil“ zusammenzuführen. [Anmerkung: Hierzu sollten wir in unseren Überlegungen neben TCM, Shaolin-Praxis und „vorhandenes Tai Chi“ durchaus auch Kalligraphie, Poesie und Malerei mitberücksichtigen – wobei diese Verbindungen sich erst dem Fortgeschrittenen und nach tiefergehendem Studium erschließen.]

Historisch betrachtet, ist die Traditionelle Chinesische Medizin (kurz: TCM) das wohl älteste bekannte System zur Pflege und Erhaltung der Gesundheit und wurde vor über 5000 Jahren in China begründet…

Exkurs:
Nur um eine Vorstellung für uns Europäer zu erhalten – dieses chinesische System zur Pflege und Erhaltung der Gesundheit wurde also zu jener Zeit begründet, in welcher wir hierzulande gerade die Jungsteinzeit erlebten – man stelle sich vor: Also in der Zeit des „Ötzi“!

Dem sagenumwobenen und legendären Gelben Kaiser (ca. 2696 – 2598 vor Christus) wird traditionell ein Hauptwerk („Die Medizin des Gelben Kaisers“) zugeschrieben, welches vermutlich aber erst um 200 vor Christus verfasst wurde und auch heute noch als eine der wichtigsten Schriften des TCM in chinesischen Universitäten und Kliniken gilt.

Die TCM nennt fünf Behandlungsmethoden: die Akupunktur und Moxibustion, Tuina (manuelle „Eingriffe“, wie z.B. Akupressur), Arzneimittel (Heilkräuter und Mineralstoffe), Ernährungsrichtlinien und Bewegungen mit bestimmten Atemtechniken und Konzentrationsübungen – also das Praktizieren von Chi Kung (Qi Gong)… oder später auch Tai Chi (Chuan).

Der Begriff „Qi Gong“ wurde in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts geschaffen. Wenn wir heute von Qi Gong sprechen, so meinen wir die grundlegenden Übungen, welche aus der „Pflege des Lebens“ („Yangsheng“) entstanden sind und deren Ausübung davor auch „Chi Kung“ bezeichnet wurde.

Vorwiegend waren dies Einzelübungen, welche zur Erzielung bestimmter Heilungserfolge oder zur Erhaltung bestimmter (positiver und „gesunder“) Zustände im Körper des Menschen dienten.

Um alle Körperregionen, alle Chi-Formen und Chi-Flüsse im Körper, zu berücksichtigen, musste man eine beachtliche Anzahl unterschiedlicher Übungen nacheinander durchführen. Wollte man diesen Aufwand nicht betreiben, so gab es als Alternative dazu nur die Möglichkeit, sich genauestens zu informieren, welche Übungen man gerade jetzt „nötig“ hatte. Dies bedeutet aber, dass man hierzu entweder jedes Mal einen Meister der Heilkunst („Arzt“) aufsuchen musste, oder bestenfalls selbst Meister darin wurde.

Aus diesem Grunde wurden im Laufe der Zeit ebenfalls verschiedene Qi Gong – Übungssysteme zusammengestellt, welche bestimmte zu erreichende (körperliche) Ziele in Übungsgruppen zusammenfassen sollen. Man könnte hierbei fast von „Qi Gong-Stilen“ sprechen, was aber nur teilweise stimmt, denn die Übungssysteme dienen unterschiedlichen Zwecken und Anwendungen.

Zusammenfassend gesagt, beschäftigen sich Qi Gong-Übungen vorwiegend mit den körperlichen, gesundheitlichen Aspekten des Körpers und fußen auf den Erkenntnissen der TCM. Für den westlichen Menschen und Laien ist eine exakte Trennung zwischen einer Tai Chi-Übung und einer Qi Gong-Übung oft gar nicht so einfach und liegt manchmal sogar nur in der Sichtweise des Publizierenden, bzw. welchen „Hintergrund“ dieser hat.

Aufgrund dessen, was wir bisher erfahren konnten, dürfen wir also festhalten, dass das – spätere – Entstehen der Stile des Tai Chi, die Ergebnisse der Bemühungen darstellen, eine umfassende, sozusagen „universelle“ Bewegungskunst zu erschaffen, welche nahezu in einer Übungsfolge (der sogenannten Form) alle (dem jeweiligen Begründer) bekannten Körperkünste zusammenfassten.
Qi Gong zielt mit (relativ) unabhängigen Einzelübungen darauf ab, gewisse körperliche Reaktionen (Stärkung, Aufbau, Gesundung, …) zu erreichen. Tai Chi (Chuan) vermittelt eine (universelle) „Übungs-Reihe“, die „Form“, welche im Laufe der Übungspraxis vom Trainierenden schlussendlich (im Laufe der Jahre!) in eine individuelle, einzigartige und absolut persönliche „Übungsfolge“ (die „losgelöste“ Form) münden kann.
Da das Praktizieren von Tai Chi und regelmäßiges Üben einer (traditionellen) Form automatisch alle wichtigen Elemente der Qi Gong – Technik(en) beinhaltet, könnten wir auch jenen tabellarischen Vergleich aufstellen, welcher auf der Homepage des Vereines zu finden ist und Qi Gong somit als „Heilgymnastik für einen bestimmten (therapeutischen) Zweck“ dem „Sport Tai Chi (Chuan)“ bzw. der „Sportart Tai Chi Gung“ gegenüberstellt.

Hier eingefügt:


Tabellarischer Vergleich

(mit freundlicher Genehmigung von Gottfried Michael Rinner, Freilassing, im September 2008 bzw. August 2010)
Anmerkung: Linkadressen mit vorangehendem Pfeil verweisen auf Glossareinträge im angeschlossenen Mitgliederforum

Qi Gong (bzw. Qi Gung)

(sprich: „tschi gung“)

Tai Chi –
(nur) im Westen gebräuchliche Kurzform für
Tai Chi Chuan (bzw. Taiji quan)


Übersetzung: „→Gung“ — „Arbeiten am/mit“
„Qi“ entspricht „Chi“ [es erfolgt hier keine Übersetzung]
Übersetzung: „→Tai Chi“ — „das Allerhöchste/Letzte (‚die letzte Stufe‘)“
(beinhaltet „Chi“)
= im Westen letzthin modern gewordene „Heilgymnastik“, deren Hintergründe auf →TCM („Traditionelle Chinesische Medizin“) zurückgeführt werden = viel mehr und umfassender – wie bereits an anderer Stelle erläutert.
– nimmt Einzelbewegungen aus den traditionellen Tai Chi (Chuan), dem ursprünglichen „Chi Kung“, um den Chi-Fluss oder dessen Anreicherung oder Abbau in bestimmten Körperregionen (Körperteilen, bzw. Organen) zu beeinflussen. – die „→Form“ — gerade die traditionellen — berücksichtigen immer „→yin und →yang“ mit Trennung und Ausgleich im ganzen Körper, ohne „Bevorzugungen“ an bestimmten Bereichen (Körperstellen) vorzunehmen.
– dies setzt selbstverständlich die genaue Kenntnis der Ursachen, Symptome, Wirkungen und Nebenwirkungen auf den menschlichen Körper und der (regionalen) Beeinflussung voraus, um abschätzen zu können, welche Maßnahme zur Steigerung des Wohlbefindens und der Gesundheit angezeigt ist und welche nicht; (d.h. Studium der Traditionellen Chinesischen Medizin – TCM);

Anm.: laut chinesischer Literatur könnte auch ein „zuviel“ und „falsches“ Chi (Qi) am falschen Ort (Körperbereich) „schädlich“ sein.

– aufgrund o.a. braucht bei Tai Chi auf „Indikation“ und „Kontraindikation“ kein Gedanke verschwendet werden. Man könnte fast sagen, eine (traditionelle) Form beinhaltet immer auch „alle“ Qi Gong – Bewegungen für den gesamten Organismus. Wodurch immer „alles“ für den eigenen Körper zur Steigerung und Erhaltung des Wohlbefindens und der Gesundheit getan wird.

Eine „punktuelle“ Beeinflussung bestimmter Körperbereiche und des betreffenden Chi-Flusses ist in der Regel damit gar nicht notwendig.

 

Fazit: Qi Gong stellt den gesundheitlichen Aspekt von TAI CHI-Einzelbewegungen in den Vordergrund. Anwendung, Auswahl und Dauer der Einzelübung sowie Trainingsmodus ist mit Bedacht und Kenntnis der TCM vorzunehmen.

 

( = „Heilgymnastik“ zu bestimmtem Zweck)

 

Fazit: Man braucht nicht gleich „Arzt“ zu werden, um Gesund zu bleiben und sich wohl zu fühlen.

 

TAI CHI GUNG entspricht der Ganzheitlichen Betätigung eines Menschen, welche Geist, Seele und Körper gleichermaßen trainiert.

( = „Sportart“)

Für Fortgeschrittene:

Qi Gong

Tai Chi (Chuan)

Qi Gong entspringt dem menschlichen Bedürfnis „Macht“ auszuüben, die Natur zu beeinflussen und zu kontrollieren.

Wechselwirkungen zu ergründen, zu verstehen und diese bewußt zu beeinflussen (Verstärken oder Vermindern)

Tai Chi entspringt dem Bedürfnis nach „Vereinigung“, Einklang mit sich und der Umwelt wieder zu finden, zu vertiefen, zu empfinden;

Harmonie zu erreichen und zu erhalten:
„Eins sein“

Prämisse: Prämisse:
Je bessere Kenntnis und „Beherrschung“ der Wechselwirkungen („Elemente“), desto besser die Einflußnahme, um gewünschte Ergebnisse zu erzielen. Je besser das Verständnis von „TAI CHI“ und der „Manifestationen“ in „den zehntausenden Dingen“ (so bezeichnen die Chinesen den Kosmos, die Natur, den Menschen und Alles, was diese, unsere, Existenzebene ausmacht und enthält), desto besser die Chance, sich diesem Rhythmus „hinzugeben“, den natürlichen Rhythmen zu folgen, zu vertrauen und damit in Einklang zu leben und zu handeln.
Hauptintention Qi Gong:

Veränderung und Einflussnahme auf das Leben und den Körper
(…und selbstverständlich auf „krankhafte Zustände“).

Hauptintention Tai Chi:

„leben“ und „natürliche“ Weiterentwicklung in/mit „→Wu Wei„.

Agieren, wenn Aktion nötig – Passivität („Geschehen lassen“), wenn Passivität und „Widerstandslosigkeit“ nötig.

Grundlagen und „Erklärungsmodell“
(das „System“) von Qi Gong
sind die sogenannten fünf chinesischen „Elemente“ – im Grunde ist „Element“ ein Übertragungsfehler, welcher sich dennoch im Westen hartnäckig hält – eigentlich: Die fünf Wandlungsphasen („Wu hsing“ oder auch „Wuxing“).
Anm.: „Wu“ steht für „fünf“ und „hsing“ (bzw. „xing“) bedeutet soviel wie: „Benehmen“, „Verhalten“ oder auch „reisen“.
Diese Wandlungsphasen gehen zwar ursprünglich ebenfalls auf die „polaren Komplementäre“ („yin und yang“) zurück, haben sich aber völlig vom Ursprung (dem „I Ging“ ?) gelöst.
Grundlagen und „Erklärungsmodell“
(das „System“) von Tai Chi (Chuan)
ist „TAI CHI“ mit „yin und yang“, den „Mischungsformen“ und die „→Ba Gua“ (dargestellt auch mit den →Trigrammen), welche (wahrscheinlich) erstmals in der/den Dokumentation(en)
des „→I Ging“ aufgezeichnet wurden.Exkurs: …und später(!) sowohl von Laotse (Laozi) in „die Lehre“ des sogenannten Taoismus (Daoismus), als auch in die Lehren von Konfuzius (Kongtse) mit eingeflossen sind.
(Man kann sagen: Zwei unterschiedliche Interpretationen und Ansichten mit gleichem Ursprung!)


Schlussfolgerungen:

5 Wandlungsphasen des Qi Gong ≠ 8 „Kraftwirkungen“ (Manifestationen) des Tai Chi (Chuan)

Das heisst auch beispielsweise:

„Feuer“ in Qi Gong – UNGLEICH – „Feuer“ in Tai Chi !

Beispiel unterschiedliche Betrachtung der Ausprägung von „yin“ und „yang“:

In Qi Gong wird (simplifizierend)
yang mit der Wandlungphase „Feuer“ gleichgesetzt
und
yin mit der Wandlungsphase „Wasser“
In Tai Chi (Chuan) entspricht:
reines yang“ der „Kraftwirkung“ „Himmel“ (= 3fach yang)
und
reines yin“ der „Manifestation“ „Erde“ (= 3fach yin)

Tai Chi zielt also darauf ab, jeden Bereich der menschlichen Existenz – nicht nur den Gesundheitlichen, oder Meditativen – zu erreichen und hierzu zählt ebenso gleichwertig der Kampf, die Kampfkunst.
Auch wenn es manchem Zeitgenossen nicht mehr nötig erscheint, sich darin zu üben, weil er als zivilisierter Mensch (scheinbar) keine „äußeren“ Kämpfe mehr austragen muss, so verweise ich darauf, dass der Kampf ein ganz natürlicher und ständiger Begleiter in unserem Leben ist, welches nur allzu gern „verdrängt“ anstelle sinnvoll „sublimiert“ oder an geeigneter Stelle ausgelebt wird.
Man denke nur daran, dass auch Aggression ein ständiger Begleiter unseres Lebens ist, auch in unseren „friedlichen“ Ländern. Die Problematik hierbei ist weniger das Auftreten dieser Gemütslage, als viel mehr der „falsche Umgang“ und das „falsche Abreagieren“, welche hierbei die Gefahr darstellen. Unabhängig davon, dass man generell selbst zum Opfer werden könnte, wozu der Selbstverteidigungsaspekt zweifellos präventiv schon sinnvoll erscheint.
Meiner Meinung nach scheitern viele Tai Chi – Schulen im Westen daran, dass diese den Aspekt der Kampfkunst auszublenden suchen und Tai Chi alleinig als „lieb“ und „nett“ und als „Beruhigende Meditation“ zur Stressbewältigung oder als sonstiges „Esoterisch-Streichelzartes“ darzustellen versuchen.
Dabei haben wir uns ständig irgendwelchen Kämpfen, in und um uns, zu stellen, auch wenn diese nicht so offensichtlich scheinen: das Ringen mit Zwängen, Ängsten, Bedürfnissen und Leidenschaften; der Erfolgsdruck; das Abwägen zwischen Durchsetzungsvermögen, Durchhaltevermögen und Nachgeben, bzw. Aufgeben/Loslassen usw. Sowie selbstverständlich auch in den Konflikten im Umgang mit anderen.
Gerade der Kampfkunst-Aspekt in Tai Chi gibt uns die Möglichkeit, diese Kämpfe, in uns und um uns, besser wahrzunehmen, diese neu und auch anders als bisher gewohnt zu bewerten und somit auch die Chance, diesen nun völlig anders, als mit purer Gewalt (Aggressivität nach außen gerichtet) oder Selbstzerstörung (Aggressivität nach innen gerichtet) Herr zu werden.

 

Tai Chi Gung könnte einen wesentlichen und wichtigen Beitrag zur Aggressionsbewältigung bei Jugendlichen leisten, wenn es gelingt, den Kampfkunst-Aspekt für diese Altersgruppe wieder sichtbar zu machen.

…Ende der Serie…

mehr zum Verein unter →www.tai-chi-gung.at

Aufklärungsserie: Das ist Tai Chi Gung – Teil 14/15

Aus den Archiven 2009 -
Erstveröffentlichung:
Von tai chi gung-User am 27. Jun 2009 um 11:48
Inhalt: Übungsarten im Tai Chi
auf
http://mein.salzburg.com/interessen/sport_action/2009/06/aufklarungsserie-das-ist-tai-c-13.html 
(Hinweis: Forum & Eintrag dort nicht mehr existent)

Übungsarten im Tai Chi
Ein wichtiger Unterschied von Tai Chi zu anderen Sportarten ist, dass man sich im Grunde nicht gesondert aufzuwärmen bräuchte. Die Aufwärmübungen, welche meist in Kursen angeleitet werden, dienen vor allem den Anfängern zur Vorbereitung. Hierbei erlernt man von guten Trainern auch einige Qi Gong – Übungen, welche bei Bedarf und Wunsch jederzeit separat eingesetzt werden können.
Sobald eine Form beherrscht wird, kann diese aufgrund der bereits ausgebildeten körperlichen Fähigkeiten jederzeit ohne gesonderte Vorbereitung geübt werden.

So empfehlen die Chinesen beispielsweise, „die“ Tai Chi Form (also eine) täglich dreimal zu durchlaufen:

  • der erste Durchgang dient dem Aufwärmen,
  • der zweite Durchgang dient der Gesundheit und dem Wohlergehen, und
  • der dritte Durchgang dient der Perfektion

Im Tai Chi werden drei Trainingsarten genannt, in der „die Form“ geübt wird: die Einzelübung, die Partnerübung und die Waffenübung.

Die Einzelübung
manchmal auch „Soloform“ genannt, ist die im Westen bekannteste Trainingsform. Es ist ein Übungsablauf der allein durchgeführt wird. Die Abfolgelängen und der Schwierigkeitsgrad der Übungen ist sehr unterschiedlich. Die traditionellen Übungsanleitungen der unterschiedlichen Stile (s.d.a. vorangegangene Berichte) beinhalten oft mehr als hundert Bewegungen, welche kombiniert mit Schritt- und Drehungsfolgen miteinander verbunden werden. Damit diese Formen auf traditionelle (taoistische Weise) erlernt werden können, werden oft mehrere Jahre der Anleitung als notwendig genannt.

Die Partnerübung
(manchmal auch mit dem in Englisch belassenem Begriff „push hands“ bezeichnet) wird im Westen bedauerlicherweise vielfach vernachlässigt, da angeregt durch die Selbstfindungs- und Gesundheitswellen, in der Öffentlichkeit das Hauptaugenmerk von Tai Chi auf die Einzelübung gelenkt wurde. Daher sind sicherlich noch sehr viele Menschen im Westen der Meinung – so wie ich früher auch! – dass die Ausübung von Tai Chi (in der Einzelübung) nichts weiter als eine chinesische Form von (Gesundheits-)Yoga wäre.
Auch scheint die irrige Meinung vorzuherrschen, dass Übungen (bzw. Einzelbewegungen) „der Form“ in den Trainingsarten voneinander abweichen müssten. Dies ist nicht unbedingt der Fall. Die bekanntesten Beispiele sind Übungen der Yang-Stile, welche sowohl als Einzel- als auch als Partnerübung zu trainieren sind.
Die Partnerübung gilt dabei verständlicherweise als nachfolgende Stufe zur Einzelübung. Denn zuerst müssen die Abläufe beherrscht werden, bevor diese danach auch im Zusammenspiel mit einem Anderem geübt werden können.
Die chinesischen Meister sagen:
„In der Einzelübung der Form erlernst Du den Umgang mit Dir selbst, in der Partnerübung lernst Du den Umgang mit allem anderen.“
Folgt man den Beschreibungen über den Zweck und das „Lernverhalten“ einer der jüngsten Entdeckung der Gehirnforschung, der sogenannten „Spiegelneuronen“, so könnte man zu dem Schluß gelangen, die alten chinesischen Meister hätten die Partnerübungen genau zum Training jener Gehirnareale erfunden!
Die Partnerübungen („push hands“) in Tai Chi dienen in erster Linie nicht nur dazu, dass die Grundlagen zur Selbstverteidigung erarbeitet werden, sondern die Wahrnehmung der Umwelt und des Gegenüber gestärkt und geschult wird (Mustererkennung, Empathie und erhöhte Aufmerksamkeit).

Die neueste Gehirnforschung scheint somit nun zu bestätigen, was chinesische Überlieferungen in andere Worte und Bezeichnungen gefasst haben: in der Partnerübung erfahren wir erst die Wirkung von „chin“ (die wesentliche, innere Kraft und Energie) auf unsere Umwelt, im Gegensatz zur Anwendung von „li“ (der Muskelkraft, die „schwerfällige Kraft“).
Die mit der Praxis der Einzelübung sich langsam steigernde „erhöhte bzw. erweiterte Aufmerksamkeit“, welche „ting chin“, „die hörende Energie“ , genannt wird, findet ebenfalls seine Erweiterung durch Einbeziehung eines Gegenübers. Hier können dann auch die Fähigkeiten „tung chin“ (= „verstehende Energie“) und „peng chin“ (= „abwehrende Energie“) ausgebildet werden.

Die Waffenübung
Prinzipiell: Die Übungen mit Waffen sollte gesondert und für Fortgeschrittene gesehen werden.
Hierbei erfolgt das Training traditionell mit dem Schwert, dem Säbel oder dem langen Stock und es werden ebenfalls Einzelübungen und Partnerübungen unterschieden.
Beide Arten der Übung mit Waffen erfordern ein wesentlich höheres Maß an Aufmerksamkeit und Koordinationsfähigkeit vom Praktizierenden. Die Waffenübung stellt eine weitere Herausforderung für den Lernenden dar und bietet damit eine Erweiterung und Vertiefung der Bewegungskunst des Tai Chi.
Neben dem (durchaus) kriegerischen Aspekt – oder wer es lieber mag: dem Selbstverteidigungsaspekt – bietet die Waffenübung beispielsweise die Schulung der Konzentration, der Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit, sowie die mentale (Selbst-)Beherrschung, wie dies auch das westliche Sport-Fechten zu leisten vermag. – Aber eben unter Gesichtspunkten der Lehre von TAI CHI.
Mit Waffen zu üben bedeutet, den eigenen Körper um ein Werkzeug zu erweitern und dieses so in die Bewegungsabläufe zu integrieren, dass dieses sozusagen „Bestandteil“ der bereits ausgeprägten Sinne (z.B. „ting chin“) und Fähigkeiten (der Energiewandlung, wie „chin“) wird.
Unabdingbare Voraussetzung hierfür sind die einwandfreie Beherrschung der waffenlosen Einzel- und Partnerübungen.

Die „Erweiterung des eigenen Körpers durch ein Werkzeug“ umfassen beispielsweise auch Übungen mit einem Fächer oder die neueste aus China (2005) stammende Idee: mit Schläger und Ball.

…Fortsetzung folgt…

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Aufklärungsserie: Das ist Tai Chi Gung – Teil 13/15

Übersicht Tai Chi (Chuan) Familienstile: Sun, Wu und Hao

Aus den Archiven 2009 -
Erstveröffentlichung:
Von tai chi gung-User am 23. Jun 2009 um 18:45
Inhalt: Betrachtung der bekanntesten Tai Chi Stile. (Teil 3 von 3) – Der Wu-Stil (auch „Hao-Stil“)
auf
http://mein.salzburg.com/interessen/sport_action/2009/06/aufklarungsserie-das-ist-tai-c-12.html (
(Hinweis: Forum & Eintrag dort nicht mehr existent)

Betrachtung der bekanntesten Tai Chi Stile.
(Teil 3 von 3)

Der Wu-Stil (auch „Hao-Stil“)

Der Wu-Stil gründet auf Wu Yu Xiang (1812-1880), welcher von seinem Vater Shaolin-Selbstverteidigung lernte und ein großer Waffenkünstler war. Eine Tai Chi-Vorführung von Yang Lu Chan (Yang-Chen-Verbindung, siehe vorangegangene Beiträge) begeisterte ihn derart, dass er zuerst dessen Schüler wurde und später dann von der Familie Chen lernte.

Wu Yu Xiang schuf somit einen eigenen Stil aus Elementen des Yang- und des Chen-Stils und lehrte seinen Neffen Li I Yu diese Kunst, welcher diese wiederum an die Hao-Familie vererbte (Hao-Stil). Der Familie Hao ist es zu verdanken, dass sich diese Tai Chi – Art verbreitete.
Dieser Stil zeichnet sich durch straffe, kompakte Bewegungen aus und ist auch heute noch weltweit anzutreffen.

Ein weiterer Wu-Stil wurde von Wu Jiangquan (1870-1942) entwickelt. Er erlernte von seinem Vater den Yang-Stil, welchen dieser wiederum durch einen Sohn Yang Lu Chan’s beigebracht bekam. Wu Jiangquan wandelte den erlernten Stil ab und dieser Wu-Stil wurde von seiner Tochter und seinem Schwiegersohn weiterverbreitet. Deren Sohn, Ma Jing Bao, soll heute noch in in den Niederlanden leben und dort diesen Familienstil unterrichten.

Der Sun-Stil

Sun Lutang (1860-1932) entwickelte Anfang des 20. Jahrhunderts einen weiteren, neuen Tai Chi Stil. Sun Lutang lernte ursprünglich Shaolin Gung-Fu und eine andere nicht benannte innere Kampfkunst (vermutlicherweise auch eine bereits zuvor erwähnte Stilform des Tai Chi), als er einen Meister des Hao-Stils traf. Daraufhin studierte er dessen Stil und schuf schließlich eine eigene Form, worin er Elemente der bereits von ihm zuvor erlernten Kampfkünste einfließen ließ.
Die Tochter und seine Enkelin verbreiteten diesen Stil, welcher auch heute noch auf der ganzen Welt praktiziert wird.

 

Anhand dieser kurzen dreiteiligen Stilübersicht, welche keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, lässt sich leicht erkennen, dass die Beschäftigung und das Studium von Tai Chi (Chuan) viele Richtungen und Erkenntnisse aus unterschiedlichsten Quellen zulässt, sowie dieser Prozess der Entwicklungen und Möglichkeiten keinesfalls als abgeschlossen betrachtet werden sollte.
In Folge werden wir uns noch den Übungsarten in Tai Chi und deren Bedeutung zuwenden.

…Fortsetzung folgt…

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Aufklärungsserie: Das ist Tai Chi Gung – Teil 12/15

Übersicht Tai Chi (Chuan) - Familienstil Yang und Derivate

Aus den Archiven 2009 -
Erstveröffentlichung:
Von tai chi gung-User am 20. Jun 2009 um 17:39
Inhalt: Betrachtung der bekanntesten Tai Chi Stile. (Teil 2 von 3) – Der Yang-Stil
auf:
http://mein.salzburg.com/interessen/sport_action/2009/06/aufklarungsserie-das-ist-tai-c-11.html
(Hinweis: Forum & Eintrag dort nicht mehr existent)

Betrachtung der bekanntesten Tai Chi Stile. (Teil 2 von 3)

Der Yang-Stil

Vertreter des Yang-Stiles berufen sich auf Yang Lu Chan (1799-1872). Jener Yang Lu Chan, welcher anscheinend die Möglichkeit besaß, die Familie Chen (den Chen-Stil) näher kennen zu lernen – ob er als Diener angestellt war, und die Familie heimlich bei deren Übungen beobachtete, oder ob er in die Familie aufgenommen wurde, weil er sich im Kampf bei der Verteidigung des Dorfes hervorgetan hatte, geht leider in den Mythen der Geschichte unter.

Er bereiste schließlich China und sollte auf dieser Reise insgesamt 18 berühmte Meister mit jeweils nicht mehr als zwei Bewegungen besiegt haben, wodurch der den Beinamen „Yang, der nicht kämpft“ erhalten haben soll. Die Söhne Yang Chien Hou (1837-1917) und Yang Pan Hou (1837-1892) führten seinen Stil fort.

Der weithin bekannt gewordene Enkel Yang Cheng Fu, welcher von 1883 bis 1936 lebte, Sohn von Yang Chien Hou, verbreitete den Yang-Stil schließlich in ganz China. Er gilt als berühmtester Meister der 20. Jahrhunderts und lehrte Tausende Schüler die „öffentliche“ Variante des Yang-Stils. Nur wenige wurden auch als Meisterschüler in die Geheimnisse des Familienstils eingeweiht. Doch auch andere Schüler betätigten sich als Lehrer und gaben ihre Kenntnisse weiter. Dies erklärt auch, warum der Yang-Stil heute in so vielen Varianten auftritt.

 

Die Regierung der Volksrepublik China veröffentlichte 1955 eine kurze („öffentliche“) Fassung dieses Stils, die sogenannte Peking-Form. Die Peking-Form sollte möglichst vielen, möglichst rasch das Erlernen von Tai Chi ermöglichen, um von den gesundheitlichen Aspekten dieser körperlichen Betätigung zu profitieren. [Anmerkung: …und meiner Meinung nach: anstelle eine unvermeidbare Beschäftigung mit einer uralten Tradition zu verbieten, diese stattdessen zu fördern, aber hiermit gleichzeitig die (ausschließliche) Richtung der Beschäftigung vorzugeben.].

 

Der Yang-Stil, besser gesagt: die Yang-Stile, fanden ihre Verbreitung auch im Westen und gelten als die am meisten verbreiteten Form von Tai Chi.

 

Yang Shou Chung (1910-1985), ein Sohn von Yang Cheng Fu, gründete die „International Tai Chi Chuan Association (ITCCA)“ mit dem Ziel, den „echten“ Yang-Stil zu verbreiten.
Als aktuelle Vertreter des sogenannten „authentischen“ Yang-Stiles gelten die Meisterschüler von Yang Shou Chung, Meister Ip Tai-Tak, Meister Chu King-Hung und Meister Chu Gin-Soon, welche von ihm in Hongkong ausgebildet wurden.

 

Einen wichtigen und einzigartigen Beitrag zur Verbreitung des Yang-Stils, vor allem im Westen, leistete Cheng Man-Ching (1900-1975). Er schuf eine leichter zugängliche und kürzere Form im Yang-Stil mit 37 Folgen, die im Westen am liebsten unterrichtet wurde. Es wird berichtet, dass er als junger Mann an Tuberkulose erkrankte und auf Rat seines Onkels hin, den Yang-Stil erlernte, um seine Gesundheit zu verbessern. Er wurde innerhalb der Yang-Familie zwar nicht als Meisterschüler aufgenommen, war aber ein sehr talentierter Schüler und wurde schließlich Meister der fünf chinesichen Künste: Medizin (TCM), Kalligraphie, Poesie, Malerei und Tai Chi. Er brachte Tai Chi nach Taiwan und trainierte dort die Armee in den Kampfstellungen des Tai Chi. In den 60er Jahren emigrierte er in die USA und seine „kurze“ Yang-Form wurde überaus populär und fand von Amerika ausgehend weltweite Verbreitung.

…Fortsetzung folgt…

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Aufklärungsserie: Das ist Tai Chi Gung – Teil 11/15

Übersicht der Tai Chi (Chuan) Familienstile

Aus den Archiven 2009 -
Erstveröffentlichung:
Von tai chi gung-User am 18. Jun 2009 um 11:09
Inhalt: Betrachtung der bekanntesten Tai Chi Stile. (Teil 1 von 3) – Der Chen-Stil
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http://mein.salzburg.com/interessen/sport_action/2009/06/aufklarungsserie-das-ist-tai-c-10.html 
(Hinweis: Forum & Eintrag dort nicht mehr existent)

Betrachtung der bekanntesten Tai Chi Stile. (Teil 1 von 3)

Der Chen-Stil

Vertreter des Chen-Stils berichten, der erste zuverlässige Bericht über Tai Chi (Chuan) gehe auf die Familie Chen zurück, welche im China des 17. Jahrhunderts lebte. Chen Wangtin (manchmal auch „Wantin“ geschrieben, 1600 – 1680) entwarf demnach das erste anerkannte Tai Chi – System, indem er verschiedene Formen der Shaolin-Kampfkunst, der Traditionellen Chinesischen Medizin (kurz: TCM) und der Qi Gong-(Atem-)Übungen zu einer Disziplin zusammenfasste. Er lebte in dem heute hierfür berühmten Dorf Chenjiagou (abgeleitet von der Familie „Chen“), welches in der Provinz Henan liegt.

Lange Zeit war der Chen-Tai-Chi-Familienstil ein streng und gut gehütetes Geheimnis, welches ausschließlich an männliche Familienmitglieder weitergegeben wurde, um zu vermeiden, dass durch Heirat einer Tochter diese Kenntnisse in eine andere Familie gelangen konnten. Erst als ein Mann mit Namen Yang Lu-Chan näher mit der Familie Chen in Kontakt kam, variierten die Tai Chi – Stile und verbreiteten sich in China, sowie schließlich auch weltweit (Hierbei wird trotz aller Vorbehalte dennoch darauf verwiesen, dass der Yang-Stil schließlich den Ausschlag für die große Verbreitung gab).

Der Chen-Stil gilt als einer mit den kriegerischsten Elementen, weil er schnelle, heftige Bewegungen, Sprünge, Aufstampfen und lautes Schreien beinhaltet.

Heute gelten zwei direkte Nachkommen von Chen Wangtin als „oberste Repräsentanten“ des Chen-Stils: Großmeister Chen Xiao Wang (Jahrgang 1946), welcher in Australien lebt und Großmeister Chen Zheng Lei (Jahrgang 1949), welcher nach wie vor in China lebt. Beide reisen regelmäßig – auch nach Europa und USA – um diese Kunst weiter bekannt zu machen.

Das Dorf Chengjiagou ist heute ein beliebtes Ziel für Tai-Chi-Praktizierende, wodurch auch das im Jahr 2001 gegründete Chengjiagou-Taiji-Zentrum viel beiträgt und seit Eröffnung mehreren Tausenden Interessierten das Training ermöglichte.

…Fortsetzung folgt…

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