Monatliches Archiv:September 2024

Aufklärungsserie: Das ist Tai Chi Gung – Teil 13/15

Übersicht Tai Chi (Chuan) Familienstile: Sun, Wu und Hao

Aus den Archiven 2009 -
Erstveröffentlichung:
Von tai chi gung-User am 23. Jun 2009 um 18:45
Inhalt: Betrachtung der bekanntesten Tai Chi Stile. (Teil 3 von 3) – Der Wu-Stil (auch „Hao-Stil“)
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http://mein.salzburg.com/interessen/sport_action/2009/06/aufklarungsserie-das-ist-tai-c-12.html (
(Hinweis: Forum & Eintrag dort nicht mehr existent)

Betrachtung der bekanntesten Tai Chi Stile.
(Teil 3 von 3)

Der Wu-Stil (auch „Hao-Stil“)

Der Wu-Stil gründet auf Wu Yu Xiang (1812-1880), welcher von seinem Vater Shaolin-Selbstverteidigung lernte und ein großer Waffenkünstler war. Eine Tai Chi-Vorführung von Yang Lu Chan (Yang-Chen-Verbindung, siehe vorangegangene Beiträge) begeisterte ihn derart, dass er zuerst dessen Schüler wurde und später dann von der Familie Chen lernte.

Wu Yu Xiang schuf somit einen eigenen Stil aus Elementen des Yang- und des Chen-Stils und lehrte seinen Neffen Li I Yu diese Kunst, welcher diese wiederum an die Hao-Familie vererbte (Hao-Stil). Der Familie Hao ist es zu verdanken, dass sich diese Tai Chi – Art verbreitete.
Dieser Stil zeichnet sich durch straffe, kompakte Bewegungen aus und ist auch heute noch weltweit anzutreffen.

Ein weiterer Wu-Stil wurde von Wu Jiangquan (1870-1942) entwickelt. Er erlernte von seinem Vater den Yang-Stil, welchen dieser wiederum durch einen Sohn Yang Lu Chan’s beigebracht bekam. Wu Jiangquan wandelte den erlernten Stil ab und dieser Wu-Stil wurde von seiner Tochter und seinem Schwiegersohn weiterverbreitet. Deren Sohn, Ma Jing Bao, soll heute noch in in den Niederlanden leben und dort diesen Familienstil unterrichten.

Der Sun-Stil

Sun Lutang (1860-1932) entwickelte Anfang des 20. Jahrhunderts einen weiteren, neuen Tai Chi Stil. Sun Lutang lernte ursprünglich Shaolin Gung-Fu und eine andere nicht benannte innere Kampfkunst (vermutlicherweise auch eine bereits zuvor erwähnte Stilform des Tai Chi), als er einen Meister des Hao-Stils traf. Daraufhin studierte er dessen Stil und schuf schließlich eine eigene Form, worin er Elemente der bereits von ihm zuvor erlernten Kampfkünste einfließen ließ.
Die Tochter und seine Enkelin verbreiteten diesen Stil, welcher auch heute noch auf der ganzen Welt praktiziert wird.

 

Anhand dieser kurzen dreiteiligen Stilübersicht, welche keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, lässt sich leicht erkennen, dass die Beschäftigung und das Studium von Tai Chi (Chuan) viele Richtungen und Erkenntnisse aus unterschiedlichsten Quellen zulässt, sowie dieser Prozess der Entwicklungen und Möglichkeiten keinesfalls als abgeschlossen betrachtet werden sollte.
In Folge werden wir uns noch den Übungsarten in Tai Chi und deren Bedeutung zuwenden.

…Fortsetzung folgt…

mehr zum Verein unter →www.tai-chi-gung.at

Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 079

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 79

[Lesezeit: 2-5min (ohne Querverweise) – Querverweise: 7 – Checker-Zeit: 2-3 Jahre Tai Chi-Training (Schätzwerte)]

Meisterspruch 079:

„Die Energie wurzelt in den Füßen, wird durch die Beine geleitet, durch das Dan Tien gelenkt und tritt durch die Hände und Finger aus.“

Eine →Transskription aus den →Tai-Chi-Klassikern.


Hintergrundinfo:

Allgemein herrscht die Auffassung, dass ein „Faustkämpfer“ seine Kraft aus dem Oberkörper und den Armen ziehen müsse.

Im Tai Chi Chuan stammt die Kraft jedoch aus dem „unteren/inneren Bereich unserer Struktur“.

Manche alte Meister vergleichen dies auch mit der „Peitschenkraft“, als ein theoretischer Ansatz, um die Wirkungsweise besser zu verdeutlichen. Der Peitschengriff entspricht dabei den Füßen aus obigem Lehrsatz, die Beine und Hüften gleichen dem Peitschenstiel und die Hände und Finger wirken wie das Ende der Peitschenschnur.
Obwohl die Peitschenschnur elastisch ist und den Impuls fliessend weiterleitet, wird am Peitschenende ein konzentrierter Impuls mit enormer Kraft abgegeben.

Die erste Voraussetzung
damit „dieser Systemablauf“ funktioniert, ist daher zweifellos der sichere und feste Stand.
Der „sichere und feste“ Stand kann wiederum nur dann erreicht und eingesetzt werden, wenn
a.) eine entsprechend trainierte Muskulatur der Beine und Füße vorhanden ist und
b.) die Grundlagen der Haltungen, „→Grundstellungen„, sowie →Schrittformen bekannt sind und
c.) alle so geübt sind, dass diese „im Schlaf“ ausgeführt werden können;

Die zweite Voraussetzung
ist die Kenntnis und Anwendung der „Tai Chi – Bewegung“ sowie „Tiefer natürlicher Bauchatmung“: Jede Bewegung und Schwerpunktverlagerung geht vom →Dan Tien aus! (Weder die Arme noch die Beine bestimmen einen Richtigungswechsel oder eine Bewegung im Raum.)
Daher muss auch das „Atemzentrum“ und „der Schwerpunkt“ dort seinen Platz finden!

Die dritte Voraussetzung
ist „Entspannung“ und „Flexibilität“: Nur wenn der Oberkörper, die Schultern, der Nacken, die Arme, Handgelenke und Finger entspannt sind, dann können jene Körperregionen und Extremitäten „wie eine Peitschenschnur“ zum Einsatz gelangen.
Die „Zwerchfellatmung“, bzw. „natürlich tiefe Bauchatmung“, unterstützt dies ebenso. Wenn von „Brustatmung“ auf „Bauchatmung“ „umgeschalten“ wurde, dann ist der obere Rumpfbereich ebenfalls entspannt, die Schulten und der Nacken können „lockergelassen“ werden. Darüber hinaus wird der Sauerstofftransport erhöht, es wird weniger Energie beim Atmen verbraucht und führt allgemein zu einer entspannteren „Körpersituation“.
Wenn ich insgesamt entspannter bin, dann sind auch in allen Körperteilen die Muskeln, Sehnen, Gelenke etc. „entspannt“ und damit in Folge auch „flexibler“.

Wichtige Ergänzung:

Nicht die bewusste (mentale) Steuerung der Energie führt zum Ziel, sondern die Perfektion in der Ausführung in der Methode des Tai Chi einschließlich aller →Aspekte!
(siehe dazu auch den vorangegangenen →Meisterspruch 78)

Aufklärungsserie: Das ist Tai Chi Gung – Teil 12/15

Übersicht Tai Chi (Chuan) - Familienstil Yang und Derivate

Aus den Archiven 2009 -
Erstveröffentlichung:
Von tai chi gung-User am 20. Jun 2009 um 17:39
Inhalt: Betrachtung der bekanntesten Tai Chi Stile. (Teil 2 von 3) – Der Yang-Stil
auf:
http://mein.salzburg.com/interessen/sport_action/2009/06/aufklarungsserie-das-ist-tai-c-11.html
(Hinweis: Forum & Eintrag dort nicht mehr existent)

Betrachtung der bekanntesten Tai Chi Stile. (Teil 2 von 3)

Der Yang-Stil

Vertreter des Yang-Stiles berufen sich auf Yang Lu Chan (1799-1872). Jener Yang Lu Chan, welcher anscheinend die Möglichkeit besaß, die Familie Chen (den Chen-Stil) näher kennen zu lernen – ob er als Diener angestellt war, und die Familie heimlich bei deren Übungen beobachtete, oder ob er in die Familie aufgenommen wurde, weil er sich im Kampf bei der Verteidigung des Dorfes hervorgetan hatte, geht leider in den Mythen der Geschichte unter.

Er bereiste schließlich China und sollte auf dieser Reise insgesamt 18 berühmte Meister mit jeweils nicht mehr als zwei Bewegungen besiegt haben, wodurch der den Beinamen „Yang, der nicht kämpft“ erhalten haben soll. Die Söhne Yang Chien Hou (1837-1917) und Yang Pan Hou (1837-1892) führten seinen Stil fort.

Der weithin bekannt gewordene Enkel Yang Cheng Fu, welcher von 1883 bis 1936 lebte, Sohn von Yang Chien Hou, verbreitete den Yang-Stil schließlich in ganz China. Er gilt als berühmtester Meister der 20. Jahrhunderts und lehrte Tausende Schüler die „öffentliche“ Variante des Yang-Stils. Nur wenige wurden auch als Meisterschüler in die Geheimnisse des Familienstils eingeweiht. Doch auch andere Schüler betätigten sich als Lehrer und gaben ihre Kenntnisse weiter. Dies erklärt auch, warum der Yang-Stil heute in so vielen Varianten auftritt.

 

Die Regierung der Volksrepublik China veröffentlichte 1955 eine kurze („öffentliche“) Fassung dieses Stils, die sogenannte Peking-Form. Die Peking-Form sollte möglichst vielen, möglichst rasch das Erlernen von Tai Chi ermöglichen, um von den gesundheitlichen Aspekten dieser körperlichen Betätigung zu profitieren. [Anmerkung: …und meiner Meinung nach: anstelle eine unvermeidbare Beschäftigung mit einer uralten Tradition zu verbieten, diese stattdessen zu fördern, aber hiermit gleichzeitig die (ausschließliche) Richtung der Beschäftigung vorzugeben.].

 

Der Yang-Stil, besser gesagt: die Yang-Stile, fanden ihre Verbreitung auch im Westen und gelten als die am meisten verbreiteten Form von Tai Chi.

 

Yang Shou Chung (1910-1985), ein Sohn von Yang Cheng Fu, gründete die „International Tai Chi Chuan Association (ITCCA)“ mit dem Ziel, den „echten“ Yang-Stil zu verbreiten.
Als aktuelle Vertreter des sogenannten „authentischen“ Yang-Stiles gelten die Meisterschüler von Yang Shou Chung, Meister Ip Tai-Tak, Meister Chu King-Hung und Meister Chu Gin-Soon, welche von ihm in Hongkong ausgebildet wurden.

 

Einen wichtigen und einzigartigen Beitrag zur Verbreitung des Yang-Stils, vor allem im Westen, leistete Cheng Man-Ching (1900-1975). Er schuf eine leichter zugängliche und kürzere Form im Yang-Stil mit 37 Folgen, die im Westen am liebsten unterrichtet wurde. Es wird berichtet, dass er als junger Mann an Tuberkulose erkrankte und auf Rat seines Onkels hin, den Yang-Stil erlernte, um seine Gesundheit zu verbessern. Er wurde innerhalb der Yang-Familie zwar nicht als Meisterschüler aufgenommen, war aber ein sehr talentierter Schüler und wurde schließlich Meister der fünf chinesichen Künste: Medizin (TCM), Kalligraphie, Poesie, Malerei und Tai Chi. Er brachte Tai Chi nach Taiwan und trainierte dort die Armee in den Kampfstellungen des Tai Chi. In den 60er Jahren emigrierte er in die USA und seine „kurze“ Yang-Form wurde überaus populär und fand von Amerika ausgehend weltweite Verbreitung.

…Fortsetzung folgt…

mehr zum Verein unter →www.tai-chi-gung.at