Serie: 100 Meistersprüche zu Tai Chi – Teil 019

100 Meistersprüche zu Tai Chi – Aussage 19


Meisterspruch 019:

Klassische Schrift über Grundtechniken/Kräfte in Tai Chi:

„Die Aufmerksamkeit soll auf den Geist gerichtet sein und nicht auf das Chi.
Wenn man sich auf das Chi konzentriert, gibt es keine Stärke. [Aber:]Ohne Chi gibt es [nur] stählerne Härte“.

(Übertragung/Transkription aus den →“Taichi-Klassikern„, Ursprungsautor unbekannt).


Hintergrundinfo:

Damit ist auch der Begriff: „Kraft ohne Kraft“ gemeint, →Chi wurde umgewandelt zur Kraft des Geistes, somit muss keinerlei Aufmerksamkeit mehr darauf verschwendet werden, irgendeine „Kraft“ oder „Chi“ einzusetzen.

Ganz, ganz wichtig(!!!): Damit dies überhaupt in der Anwendung, erst recht im Kampfkunstaspekt, erreicht werden kann – also das „→WuWei“ in der Geisteshaltung – muss(!) zuvor jene in der Aussage angesprochene Stufe erst einmal gemeistert sein.

Anmerkung:
Dem aufmerksamen Leser erschließt sich erneut das „→TAI CHI“ in dem Meisterspruch – die Dualität der „scheinbaren“ Widersprüche und damit das „sowohl – als auch“: Die „Anwendung des Chi, ohne sich explizit darauf zu konzentrieren“ bzw. „eine Bewegung, einen Ablauf zu meistern, ohne den ‚Einsatz von Chi‘ auszulassen, obwohl ich mich nicht darauf konzentriere“.

Wie soll das gehen?
Ganz einfach – ernsthaft(!):
Durch ständige, nicht obsessive, kontiniuierlich fortgesetzte Übung der Perfektion!
Also: →Tai Chi KUNG FU!

Sobald ich eine (Tai Chi) Übung „10.000 mal“ (lt. Chinesischer Aussage) gemacht habe, „beherrsche“ ich jene „meisterhaft“ – ich brauche dann nicht mehr „nachzudenken“ oder mich „darauf konzentrieren“ (wie, wo, was, wohin… usw. gemacht, gedacht, imaginiert, usw. usf. werden muss), sondern „führe“ dies dann „automatisch“ aus – weil ich eine bestimmte Absicht (→Yi) verfolge.

Kommentar:
Es wurde von mir auch in diesem Forum immer wieder mal darauf verwiesen, dass „die Fähigkeiten“ sich genau so ergeben, wie wir als Kinder „gehen“ oder „greifen“ gelernt haben – bzw. als (junge) Erwachsene das Autofahren.

Voraussetzung ist allerdings:
Ich kann ausschließlich(!) jene Dinge, Fertigkeiten und damit →Aspekte(!) nutzen, welche ich auch in der Übung (ständig!) „mit berücksichtigt“ habe.
Anders formuliert: Wenn ich nur eine „leere Form“ übe, dann steht mir nur eine „leere Form“ zur Verfügung.

Das ist mit dem Meisterspruch ebenfalls gemeint: Selbstvertändlich wird mit fortgesetzter (rein körperlicher) Übung, ebenfalls meine Körperkraft – und „die reine Technik“ (→li) besser.
„Wahre Kraft“ kommt aber erst ‚mit‘ dem Einsatz von Chi zustande. Habe ich aber beispielsweise „den Chi-Fluß“ (→Imaginations-Aspekt) in der beständigen Übung vernachlässigt und konzentriere ich mich nun (plötzlich einmal) bei der Anwendung dann aber bewusst darauf „Chi einzusetzen“, lenkt dies meinen Geist ab und dann „fehlt die Stärke“.
Denn es gilt: „→Yi – Chi – chin„.

Ergänzung:
Umgekehrt gilt natürlich auch: Übt jemand ausschließlich(!) Meditieren (Imagination- bzw. Chi-Aspekt), dann fehlen die „körperliche Grundlagen“ (der körperliche Aspekt, selbstverständlich auch der →Kampfkunst-Aspekt) – es wäre nicht ganzheitlich – wie soll damit dann in „der materiellen Welt“ agiert werden?

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