Was ist der Sinn und Zweck von “Baum umarmen”?
Sonntag 5. Dezember 2010 von websifu
Antwort:
Die (Einzel-)Übung mit dem Namen “ Baum umarmen“ (oder “Den Baum umarmen”) ist eine Kräftigungs- und Meditationsübung.
(Alternative Suchbegriffe: bäume umarmen, baum umarmen bedeutung, übung baum umarmen, baumumarmen, baumstamm umarmen)
Für den Anfänger
dient diese in der →Grundstellung “→Wu Chi” ausgeführte Position mit spezieller Haltung der Arme (…”als ob man einen Baum umarmt”) vor allem zur Stärkung und Verbesserung der Muskulatur (Beine, Füße, …, Oberarm- und Schultermuskeln).
Es soll damit einerseits die “korrekte Körperhaltung” in Tai Chi in einer Position abseits von aufrechtem Stehen eingeübt werden, andererseits die “natürlich tiefe Bauchatmung” unter körperlicher “Belastung”.
Natürlich gilt – wie bei vielen anderen Tai Chi – Übungen oder -Bewegungen auch:
Bloßes “Zusehen” oder “Anschauen” gibt rein gar nichts her!
Der unbedarfte Zuseher mag sich wundern, was dies eigentlich soll – “Verstehen” wird er diese Übung erst, wenn er sie selbst einmal durchführt, denn schon nach zwei oder drei Minuten im Verharren in jener Position, geht den meisten “ein Licht auf”, wieso diese Haltung als “Kräftigung” angesehen wird.
Die “korrekte Körperhaltung” wird beispielsweise im “→Handbuch Grundkurs Tai Chi Gung” auf über sieben DIN-A4-Seiten, beginnend mit den Füßen bis zum Scheitel – also von “Kopf bis Fuß” – genau erläutert.
Mit “Baum umarmen” soll der Anfänger dieses Wissen auch in jener Position anwenden und verinnerlichen: Beispielsweise, dass die Fußsohlen, von Zehe bis zur Ferse gleichmäßig belastet, sich flach auf den Boden schmiegen; dass der Rücken und Kopf vollständig im Lot gehalten werden ungeachtet dessen sich seine Knie beispielsweise stark beugen und die Hüfte in der “Reiterhaltung” (doppeltbreites “Wu Chi”) sehr tief gehalten wird, usw.
(Hinweis für Anfänger: Wie in den Fotos dargestellt – besser mit nach außen gedrehten Fußspitzen beginnen, um Kniebeeinträchtigungen zu vermeiden – Erst später mit “korrektem Parallelstand”)
Ein Trainingsziel – für den Anfänger – wäre erreicht, falls er “Baum umarmen” einschließlich “exzellenter Körperhaltung” (siehe oben) mehrere Minuten lang ausführen kann (z.b. 10 – 15 Minuten), ohne mit Schweißperlen auf der Stirn in “Keuchatmung” zu verfallen.
Ein Zweck der Übung ist somit, dass die körperliche Verfassung insgesamt so herangebildet wird, dass dabei der Unterkörper (die Beine) “kräftig” und der Oberkörper “locker” wird und bleibt, sowie eine “tiefe Körperhaltung” (gebeugte Knie) keinerlei Anstrengung mehr verursacht.
Ein weiterer körperlicher Aspekt ist auch, dass diese Übung dem Anfänger ungemein dabei hilft, einen “sicheren Stand” zu erreichen: Gewichtsverteilung in den Füßen, “Spüren” des Untergrundes, Stärkung der Koordinationsfähigkeit und damit noch besseres “Verwurzeln” (siehe dazu auch Handbuch).
Tipp:
Einfach einmal “noch tiefer” ausprobieren gepaart mit “noch länger verweilen” – dann “checkst” Du schon worum es geht!
Ein zweites Trainingsziel
wäre dann die “natürlich tiefe Bauchatmung” GLEICHZEITIG auszuüben und zu beherrschen.
Detailinformationen hierzu finden sich in
(nur für Mitglieder und Förderer zugänglich):
- Atemtechnik – Beschrieben im →Handbuch Grundkurs (Seite 30 – 34),
sowie in - Trainingsinfo Nr. 4 – →TI_004_Grundsschule_Atmung.pdf
und - Trainingsinfo Nr. 14 – →TI_014_ErwInfo_Atmung.pdf
Der Fortgeschrittene
nutzt diese Übung/Haltung dazu, sich zu “Zentrieren”.
Dies ist eine weitere äußerst wichtige “Fähigkeit” bei der Ausübung von Tai Chi (Chuan) und wurde daher sogar von →Cheng Man-Ching als eine der “five directions” (”five movements” – fünf Richtungen, fünf Bewegungen)
in das “→Geheimnis der 13 Techniken” (siehe dort) aufgenommen.
Das “Zentrieren *)” muss immer wieder und ständig geübt werden – Idealerweise mit “Baum umarmen”.
*) Anmerkung:
Eine genaue Erklärung des “Zentrieren” würde seitenlange Erläuterungen mit sich ziehen und würde hier den Rahmen sprengen -
Kurz: Gemeint sind hierbei sowohl geistige und seelische sowie auch körperliche Vorgänge, welche simpel mit “Meditation” umschrieben werden.
Tipps:
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Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 5. Dezember 2010 um 19:44 und abgelegt unter Ask a Sifu, Glossareinträge, Training. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.





Freitag 14. Januar 2011 um 10:37
Es kam die Frage: “Welchen Baum soll man denn umarmen?”
Antwort: “Buchen sollst Du suchen, Eichen sollst Du weichen” *grins*
Nein, ernsthaft: Die Haltung sieht so aus(!), als ob Du einen Baum umarmen würdest, einverstanden?
Natürlich spricht auch nichts dagegen, tatsächlich einmal einen echten Baum zu umarmen – Indianische Kulturen halten dies für eine sehr gute Idee, um sich selbst mit der Natur zu “verbinden” und “in Einklang” zu bringen.