Was hat der Beckenboden mit Tai Chi zu tun?

Kurze Antwort: Auch sehr viel! – Aber betrachten wir diese Thema ruhig genauer.

Die westliche Gesundheitsbranche hat den Beckenboden nun jüngst auch (endlich) für den Mann entdeckt und bietet viele Anleitungen, Bücher und Übungen in unterschiedlichsten Trainingssystemen hierfür an.

Beckenboden körperlich

Rein körperlich gesehen, wird dabei unter „Beckenboden“ der sogenannte PC-Muskel (PC steht für „Pubococcygeus“), oder englisch: „Pelvic Floor“, verstanden. Eine Muskelgruppe, die wie eine „Bodenplatte“ unter dem Rumpf, die inneren Organe hält.
Manchmal auch mit „Dammbereich“ umschrieben.

Beckenboden: Intimzone und Tabu?

Der Beckenboden steht eng im Zusammenhang mit zwei intimen Zonen des Menschen: Den Sexualorganen und den Ausscheidungsorganen.

Jene sind zwar absolut überlebenswichtig, aber weder Männer noch Frauen sprechen gerne darüber.
Denn es geht hierbei einerseits um den Unterleib, eine Intimzone, und andererseits, selbst bei ausgezeichnet trainierten Beckenboden-Muskeln, kann leider niemand damit in der Öffentlichkeit angeben.
Es sind eben keine „sichtbaren“ oder auch für andere „fühlbare“ Muskeln, wie Bizeps, Po oder Waschbrettbauch, die man herzeigen kann.

Als Intimzone wird diese Körperregion nicht nur verdeckt, sondern oft gleich ganz „vergessen“.
Nur wenn sich die ersten Beschwerden melden – welche auch meist erst über Sekundärprobleme (beispielsweise: Rückenprobleme, Blasenschwäche, verminderte Libido und vermindertes Lustempfinden, …, Prostata- oder Erektionsprobleme, etc.) wahrgenommen werden – kommt Mann oder Frau daran nicht mehr vorbei.

Sinnvoller wäre es eben, sich um den Bereich „Beckenboden“ auch schon eher zu kümmern – Dies verhindert oft das (meist selbst auferlegte) Tabu.

Hierzu dienen

Beckenboden Übungen


Beckenboden Übungen beginnen als erstes mit der Schulung der Wahrnehmung. Viele „wissen“ – nicht nur aus oben bereits angeführten Gründen – gar nicht mehr, was sie alles an Muskeln in ihrerm Körper haben.
Somit kann sowohl eine Frau als auch ein Mann die Beckenboden-Muskeln spüren, wenn sie/er beispielsweise den Harnstrahl beim Wasserlassen bewusst – „mittendrin“ – unterbrechen.

Anmerkung: Dies dient vor allem der (ersten) bewussten Wahrnehmung und sollte daher nicht unbedingt gleich als das ultimative Beckenbodentraining betrachtet werden.

In weiterer Folge lernt der Übende sowohl Anspannung als auch Entspannung des Beckenbodens herbeizuführen, um damit diesen gleichzeitig „zu festigen“ als auch „zu lockern“ – Denn beides ist wichtig!

Großer Nachteil dieser Übungen

Leider müssen diese Übungen von jedem Menschen selbst gemacht werden, er oder sie müssen selber trainieren. Dies kann niemand delegieren.

Nur regelmäßiges Training bringt den dauerhaften Erfolg. Einen Erfolg, der auf den ganzen Körper ausstrahlt.

Damit gleichen jene speziellen Übungen“ auch dem Praktikum von Tai Chi (Taiji).
Aber gerade auch Beckenboden-Übungen haben den Vorteil, dass diese zu den meisten Zeiten im Alltag – unbemerkt und doch sehr wirkungsvoll – praktiziert werden können.

Beckenboden in Tai Chi

Wie in diesem Forum in unterschiedlichsten Artikeln immer wieder hingewiesen wird, ist die Bewegungs- und Kampfkunst Tai Chi (Chuan) weder als ein Training einzelner(!) Körperregionen oder Muskelgruppen, noch als eine Therapie(form) zu betrachten – und ist auch hierfür nicht gedacht!
Selbiges gilt für den Beckenboden in Tai Chi.

Das Training und das Praktizieren von Tai Chi beinhaltet und berücksichtigt den Menschen als Ganzes.

Und hierunter sind ebenso alle(!) Körperregionen und Muskelgruppen – materiell – zu verstehen, als auch immaterielle („unsichtbare“ oder auch „innere“) →Aspekte des „Menschseins“, wie beispielsweise Empfindungen, Gefühle, Gedanken, Vorstellungen, bzw. oft „un(be)greifbare“ Dinge wie das →Chi, der Chi-Fluss und dessen Kraftwirkungen, genannt: →chin.

Wie beispielsweise im Artikel „→Tai Chi – Physologie“ näher erläutert, trainiert man in Tai Chi dementsprechend auch hauptsächlich →Formen, welche als „Trainingssession“ den gesamten Körper (und natürlich: Geist und Seele) umfassen.

Dies ist auch das Einzigartige in jener Bewegungskunst:

Die Zusammenfassung der für einen Menschen notwendigen Übungen in einen einzigen, (relativ) einfach auszuführenden, Trainingsablauf, welcher gleichzeitig(!) der Gesundheit, der Lebensverlängerung, der Vitalität, der Kräftigung des ganzen Körpers, der Erlangung und Aufrechterhaltung der Beweglichkeit, der „Stabilität“, – kurz: aller(!) körperbezogenen Komponenten (Atmung, Herz-Kreislauf, Verdauung, Ausscheidung, …, Sehnen, Knochen, Muskeln) – als auch der Verbesserung, Erhaltung und Entwicklung geistig-seelischer Komponenten (Konzentrationsfähigkeit, Koordinationsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit, Wahrnehmungsfähigkeit, Imaginationsfähigkeit , Meditationsfähigkeit, …, Genuss- und Orgasmusfähigkeit, …, Stress-Resistenz, usw.usf.) dient.

Der Beckenboden wird dabei in unterschiedlichsten Bereichen – man könnte sagen: „mitberücksichtigt“!

Kurz:
Wer Tai Chi (Chuan) regelmäßig in einer (klassischen) Form trainiert – trainiert natürlich auch den Beckenboden „mit“.

Energetischer Aspekt des Beckenbodens

Der energetische Aspekt des Beckenbodens wird in Tai Chi (Taiji) durch das Energiezentrum →Hui Yin (den Dammpunkt oder „→Der Meeresgrund„) repräsentiert.

Wie zum →Dan Tien oder den anderer Punkten (→Yongquan, →Laogong und →Bai Hui) geht man bei manchen Bewegungsfolgen mit der Vorstellung dorthin (→Imaginationsaspekt).

Exkurs:
Wer es aus Forscherdrang oder Neugierde genau wissen möchte, welche Körperregionen (Muskelgruppen) innerhalb eines Abschnittes einer Form „gerade beteiligt“ sind, kann dies auch oftmals daran erkennen, wenn er die damit einhergehende Bewegungsabfolge (das →Bild) dahingehend analysiert, worin jene →Energiezentren laut Anleitung zeitgleich „mental angesprochen“ werden sollten.

Aber in der Regel ist dies ein Thema für Physiologen, Wissenschafter oder Studien.

Für einen Tai Chi – Praktizierenden ist dies meist bedeutungslos. Einfache, leicht verständliche Anleitungen genügen vollauf, selbst wenn diese nur in Aphorismen gepackt sind.
So lautet eine vereinfachende klassische chinesische Vorstellung – eine Allegorie – , dass die (Chi-)Energie aus dem Körper „tropft“, wenn der Beckenboden schwach ist.
[Anm.: Dies trifft meist auf den Anfänger zu – Insbesonders jedoch auf Menschen, wenn bereits körperliche Probleme (siehe oben) akut zu werden drohen].

Ist der Beckenboden „trainiert“ und damit „stark“, dann bildet der Beckenboden körperlich gesehen, den idealen Gegenspieler (Gegenpol) für das Zwerchfell (Atem und Atemaspekt).

Spirituell gesehen,
stellt „Hui yin“ („der Beckenboden“), mit →yin-Aspekt (daher auch im Namen des Energiezentrums!), den Gegenpol zum höchst gelegenen Energiezentrum „Bai hui“ („dem Scheitelpunkt“), mit →yang-Aspekt, dar.

Nicht nur in Tai Chi stellt dieses Energiezentrum den Ausgangspunkt der „reinen Sexualenergie“ oder („Über“-Lebensenergie!) des Menschen dar, sondern auch in vielen anderen Systemen, welche sich mit den „Energien des Menschen“ befassen, wie beispielsweise auch Tantra oder Yoga (dort als „Kundalini“ oder „Schlangenkraft“ bezeichnet).

Mit den Übungen aller dieser Systeme (natürlich ebenfalls auch Tai Chi) soll – als wesentlicher (betone: spiritueller!!!man lese und staune!) Entwicklungsschritt des Menschen – erreicht werden.

Gleichbedeutend damit, dass die „Sexualenergie“ über das Rückgrad bis in den Kopf („Bai hui“) gelangen kann und sich somit mit den „von oben“ kommenden „Geistigen Energien“ (vulgo: „göttlichen“ oder „himmlischen“ Energien), welche „hinunter“ bis zum „Hui yin“ geleitet werden und sich vereinen, damit der Mensch sich „voll bewusst“ wird und vollständig „erwacht“.

Anmerkung:
Womit selbstverständlich auch „vollkommene Gesundheit“ einhergeht –
Hinweis: Jener „Vorgang“ findet sich auch versinnbildlicht in dem (westlichen!) Symbol des Askulapstabes (bekannt von Ärzten und Apothekern)
.

Aber mal ehrlich: Wer will schon „voll erwachte“ und „voll bewusste“ Menschen auf unserer Erde? –
Das ist alles esoterisches Gelaber, Spinnerei von Sonderlingen und hat mit dem realen Leben nichts zu tun, weil wir alle ganz andere Probleme haben und uns besser um unseren Job, unser Einkommen, unser Haus, Wohnung, Auto, Mode, Kochen, Unter-haltung, …, Politik, Umweltprobleme, Klimawandel, Euro-Krise, „unsere“ Religion, etc. pp. – oder: Wir uns auch um viele, viele Probleme, meist „anderer Menschen“, kümmern müssen, bevor…

Fazit:
Es „muss“ ja niemand „Energiearbeit“ machen – Aber: Er oder Sie „kann“ dies auch mit Tai Chi (Chuan)! …und der Beckenboden ist mit dabei! [Einfach „cool“, oder?]

Tipps:

Ein Kommentar

  1. Super Beitrag.Ich habe einige tolle Denkanstoesse gekriegt. Freue mich schon auf weitere Posts zum Thema.

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SVGCaptcha