Was sind die Seidenübungen?

Glossareintrag: Seidenübungen
Glossareintrag: Seidenfadenübungen

Der Seidenfaden

Der ganze „Mythos um Seidenfaden“ entspringt einem Vergleich, welcher sehr gerne beim Training von →Tai Chi (Chuan) herangezogen wird, um „die durchgängige fließende Bewegung“ bei der Ausführung der Form zu beschreiben: „Man steht aufrecht und ausgeglichen, Energie wird bewegt wie das Ziehen eines Seidenfadens.“
(→Transskription eines klassischen Tai Chi Textes).

Von Seiten des →Chen-Stiles, liest man hierzu oft:
„Zieht man zu schnell, reißt der Seidenfaden – zieht man zu langsam löst er sich nicht.

Die Seidenfadenübungen stammen vom Chen-Stil

Die aktuellen Vertreter des Chen-Stiles – besser gesagt: Die WCTA (die World Chen Xiaowang Taijiquan Association) – haben unter Großmeister Chen Xiaowang, dem heutigen Hauptvertreter des Chen-Stils (19. Generation lt. eigenem Stammbaum, aktuell wird 20. Generation genannt), ein separates[!] Übungssystem „für Einsteiger“ unter dem Namen „Cansigong“ – die sogenannten „Seidenübungen“ eingeführt, deren Beherrschung als eine der Grundvoraussetzung angesehen wird, bevor überhaupt die [besser: deren(!)] Taiji-→Form trainiert werden könne.

Das „Cansigong“ (die „Seidenübungen“ oder „Seidenfadenübungen“) – wurde dabei, laut Aussage von Chen Xiaowang – bzw. der WCTA – aus dem QiGong[!] entlehnt.

Es wird dabei ein(!) →Aspekt der Taichi-Form(en) separat und intensiv behandelt, um den Energieaspekt kennen, trainieren und schließlich beherrschen zu können.

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Exkurs:
Im Chen-Stil wird davor ebenfalls noch eine Stufe (fuer Einsteiger) gesetzt: Die Beherrschung der „Säulenübung“.

Welche im Prinzip nichts anderes bedeutet, als „Den Baum umarmen“ möglichst lange (Zielsetzung: mind. 1 Stunde!) ausüben zu können. Danach startet man mit „Cansigong“ (in Stufe 2). …und danach „erst mit Tai Chi“.
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Das „Hörensagen“, die „mündliche Überlieferung“, sowie (ungenaue) Zeitungsartikel und Medienberichte führen dazu, dass gemeinhin, viele Dinge zu den „Seidenübungen“, „Seidenfadenübungen“, „Ziehen des Seidenfadens“ usw. usf. im Umlauf sind – genauso wie: „die Geheimnisse des Seidenfadenziehens“ – welches im Grunde gar keine „Geheimnisse“ sind, sondern eher dem „Unverständnis der Bewegungen und der Methode des Tai Chi“ im Allgemeinen entsprechen. …und ja: Es ist eine Sonderform(!) des Trainings der Chen-Schule (siehe oben).

UND: Die „Seidenuebungen“ muss man nicht haben/kennen, um Tai Chi – woanders, außerhalb des Chen-Clans(sorry!) – trainieren zu können!

Die Problematiken dabei sind:

  • QiGong – Die moderne Fassung entspringt einer „Erfindung“ (Wortschöpfung) eines chinesischen Arztes Mitte des 20. Jahrhunderts (50iger-Jahre) und fußt auf dem Arbeitsmodell der „wu hsing“ (bzw. anders geschrieben: „wuxing“), der „fünf Wandlungsphasen“;
  • Die „Mischung“ der (Arbeits-)Modelle – QiGong und TaiChi(Chuan) haben unterschiedliche Ursprünge und damit unterschiedliche „Axiome“: „Wandlungsphase“ gegenüber „Kraftwirkung/Manifestation“;
  • Damit in Folge: Die „Vermengung“ der Begriffe, „Verwirrung“ der Anwender/Studierenden, Verlust der „klaren Zuordnung“ von Allegorien in der Beschreibung und schließlich „Verlust alten Wissens“ (…vielleicht gewollt? – „heftig“, ich weiß…)

Nur ein Beispiel: In QiGong wird „yang“ mit Wandlungsphase „Feuer“ gleichgesetzt – in Tai Chi entspricht „reines yang“ der Manifestation „Himmel“ (= 3-fach yang).

In der Praxis bedeutet dies, dass zwei separate Modelle (die verschiedenen „→Arbeitsgrundlagen“ von QiGong und Tai Chi[Chuan]) mit unterschiedlichen(!) Betrachtungsweisen, verschiedenen Übungszielen und somit verschiedenen (körperlichen) Ausführungen erlernt und beachtet werden müss(t)en.

Obwohl – eigentlich(!) – →Chang San-Feng(1279-1368), der „Begründer von Tai Chi Chuan“ sich ja als „Ziel“ gesetzt hatte, die fünf Künste – Die Pflege der Gesundheit [der Medizin], des Wissens, der Kunst, des Ausdrucks (Schrift und Sprache) und die Kampfkunst – in EIN ÜBUNGSSYSTEM zu vereinen.

Warum sollte „man“ etwas Wundervolles, Einmaliges und wie der Name schon sagt „→Das Allerhöchste“ wieder „aufteilen“, „zergliedern“, „zerschlagen“, um Teile davon separat und gesondert zu erlernen und „zu pflegen“?

Anmerkung: Andererseits – Vielleicht wollte Großmeister Chen Xiaowang (Chen-Stil) wieder eine „Zusammenführung“ dieser Systeme erreichen? (die Zukunft wird zeigen, ob dies gelingen kann).

Wichtig:

Der Tai Chi Gung – Landessportverein beschreitet seit Jahren einen anderen Weg, um Einsteigern und aktiven Mitgliedern, den Energieaspekt nahezubringen, sowie gleichzeitig die körperlichen, geistigen und seelischen Fertigkeiten zur Ausübung von Tai Chi „aufzubauen“, „zu stärken“ und „zu verbessern“.

Wir „nutzen“ hierzu eine Kombination von verschiedenen, „dynamischen“ Vorbereitungsübungen, welche bei jeder(!) Trainingseinheit („zum Aufwärmen“) durchlaufen werden und alle(!) Aspekte harmonisch und „vollständig“(!) nahebringen: „Tiefenatmung“, „Stehen im Wasser“, „Wolkenhände“ und „Armekreisen“.

Hierin liegt ebenso „die Essenz des Tai Chi“, wie diese in der „Cansigong“, kombiniert mit den „Säulenübungen“ des Chen-Stils „verabreicht“ wird.

Tipps:

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