TaiChianer

Forum der Tai Chi Gung – Mitglieder

Der Unterschied zu Yoga

Sonntag 18. März 2012 von websifu

Ask a Sifu:

Was unterscheidet Tai Chi von Yoga?
Worin liegt der Unterschied im Training zwischen Tai Chi und Yoga?

Antwort:

Abgesehen davon, dass die Übungsform des Tai Chi erstmals in China erwähnt wurde und ebenso Jahrhunderte lang den kulturellen Einflüssen chinesischen Ursprungs unterlag und Yoga hingegen eben in Indien entstanden und weiterentwickelt wurde, sind beide Formen der geistig-körperlich spirituellen Tätigkeit bzw. der Förderung der Entwicklung eines Menschen gewidmet.

Auch wenn beide genau die gleichen inneren Bereiche eines “Mensch-Seins” ansprechen, so sind sie grundverschieden darin, was die “Haupt-Zielsetzung” (der Entwicklung des Menschen) betrifft [...falls man dies überhaupt als "Zielsetzung" bezeichnen darf!].

Doch zuerst zur Klärung:

Was ist Yoga?
Viele haben schon einmal etwas von Yoga gehört, besitzen jedoch nur ganz oberflächliche Informationen darüber.

Zwei Ansichten sind am weitesten verbreitet: 1. Yoga wäre eine Art Gymnastik und 2. Yoga wäre ein indischer Mystizismus mit geheimnisvollen Einweihungszeremonien. Beide Anschauungen sind weit von der Wahrheit entfernt.

“Yoga” ist ein uralter indischer Begriff, welcher am ehesten mit “Verbindung” oder “Vereinigung” übersetzt werden könnte.
Yoga bezeichnet eine Methode, ein System, um eine Verbindung zwischen dem Menschen und Gott herzustellen. Es ist also ebenso “religio” (= “rückbindend”). Yoga zielt also auf die Verbindung des Menschen mit dem Schöpfer (bzw. der Schöpfung) des Universums ab. Im Laufe der Jahrhunderte, ja gar vergangener Jahrtausende, haben sich in Indien eine Vielzahl von Methoden entwickelt, um dem Menschen jenes Erlebnis der Verbindung (”Yoga”) mit der “All-Macht” zu vermitteln. Es haben sich eine Unzahl von Systemen entwickelt, welche somit viele verschiedene Wege aufzeigen, dies zu erreichen.

Jenen Menschen, welcher einen dieser Wege beschreitet nennt man “Yogi”.

Die unterschiedlichen Wege, die dabei beschritten werden, können auch so gesehen werden, dass hiermit den verschiedenartig veranlagten Menschen Möglichkeiten gegeben werden, denjenigen zu wählen, welcher der eigenen Mentalität am ehesten entspricht.

Zusammenfassend lassen sich hierbei folgende Systeme gliedern:

  • Hatha-Yoga: Besondere Körperübungen, welche durch bestimmte Körperstellungen (=Asanas), bestimmte Kraftströme im Körper auf das Bewusstsein richten;
    Hierzu zählen auch besondere Atemübungen, die ein Gleichgewicht der Körperenergien herstellen und den Geist beruhigen sollen, wobei insbesondere auf die Lenkung der “Lebensenergie aus dem Atem” – dem so bezeichneten “Prana” – Wert gelegt wird. Diese Übungsform bezeichnet sich als “Pranayama“;
  • Bhakti-Yoga: “Bhakti” heißt “Hingabe”. Es übt die “Selbstaufgabe” indem zum Beispiel der Bhakti-Yogi sich vollständig hingibt, indem er beispielsweise einen Rosenkranz durch seine Finger gleiten lässt und dabei Gottes Namen rezitiert. Andere singen oder beten sich durch fromme Verse in Ekstase, wiederum andere geraten durch religiöse Tänze in Trance (eine moderne Variante wird unter “Yoga-Flow” und ähnlichen Bezeichnungen angeboten).
    Neben jenen emotionalen Methoden, gibt es auch intellektuelle, die zur Kontrolle der Gedanken und Gefühle anleiten. Hierbei wendet sich der Yogi in der Meditation vollständig von weltlichen (körperlichen und veränderlichen) Dingen ab. Andere Methoden beruhen wiederum darauf, bestimmte Laute (Silben) oder Formeln, sogenannte “Mantras”, ständig wiederholend geistig zu rezitieren, um dies zu erreichen.
  • Karma-Yoga (”Karma” = Handlung) ist wiederum für den nach Einflussnahme auf das eigene Schicksal und nach Aktivität Dürstenden gedacht: Es verlangt, allen weltlichen Pflichten ungehindert nachtzugehen, sich dabei aber innerlich vollkommen losgelöst und begierdelos in den Dienst Gottes zu stellen und das Resultat “seinen Händen” zu überlassen – egal, ob die Früchte der Handlung “gut” oder “schlecht” sind. (Anm.: Manche “exzessive” Yogis scheinen hierbei sehr oft ersteres völlig zu “vergessen” und gehen daher keinerlei – weltlichen – Pflichten mehr nach);
  • Erwähnenswert wäre auch noch: Raja-Yoga (gesprochen: “Radscha”), welches auch das “Königs-Yoga” oder “der Königsweg” genannt wird. Hierbei übt der Adept zuerst die Konzentration der Gedanken auf einen Punkt. Nach erfolgreicher Meisterung dieses Prozesses versetzt jener sein Bewusstsein schließlich in sein eigenes “Gott-Selbst”, seinen eigenen “Seelen-Punkt” und tritt somit in Verbindung mit der “All-Macht”, welche es nun gilt, sein ganzes (restliches) Leben aufrecht zu erhalten und zu “pflegen” …ohne dabei seine weltlichen Verpflichtungen zu vergessen(!).

Der Pfad der Meisterschaft des Yoga

Im Yoga werden im allgemeinen acht Stufen der Entwicklung eines Menschen, bzw. eines Yogi, unterschieden.

Die erste wird “Yama” genannt und besteht vor allem aus moralischen Qualitäten und dient der Läuterung und der Wahrhaftigkeit.
So ist es verboten, Gewalt anzuwenden, zu lügen, zu stehlen, sexuell ausschweifend zu leben, sowie körperlich und geistig “unrein” zu sein, etc. (Vergleichbares findet sich im “Konzept des edlen Menschen”, welches auch in China beispielsweise auch durch Konfuzius seine Verbreitung fand).

Die zweite Stufe nennt sich “Niyama” und bestimmt Regeln und Gebote zur inneren und äußeren Reinigung eines Yogi.

Erst in der dritten Stufe werden “Asanas” gelehrt – das sind eben bestimmte Körperhaltungen, wodurch der Praktizierende zur vollkommenen Beherrschung seines Körpers gelangt.

Die vierte Stufe ist das “Pranayama” und lehrt die Beherrschung des Atems. Durch bestimmte Atemtechniken soll der Yogi Einfluss auf sein inneres Leben gewinnen, also Einfluss nehmen auf Gedanken und Gefühle, sowie Herr über seine Lebensströme (die Energieströme, welche in den sogenannten “Nadis” – wörtlich: “Kanäle”, “Gefäße” oder “Adern” – fließen) werden.

Anmerkung:
Also erst in der dritten und vierten Stufe der “Methode des Yogas” wendet man seine Aufmerksamkeit der Reinigung und Beeinflussung der “inneren Energie” zu – nachdem(!) man die ersten beiden Stufen bewältigt hat und persönlich “gereift” ist.

Exkurs:
Nach der Lehre, welche auch das Hatha-Yoga mit seinen Übungen beschreibt, verfügt der menschliche Körper über eine bestimmte Anzahl von “Nadi” (d.h.: “Energiekanäle”) – Diese können durchaus mit der aus China und der Akupunktur stammenden Bezeichnung “Meridiane” verglichen werden – sowie über eine bestimmte Anzahl von Chakren (manchmal auch: “Cakren” geschrieben; Gesprochen wird beides: “Schackren” = Mehrzahl von “ Chakra” [bzw. "Cakra"] – gesprochen: “Schackra”).
Wörtlich übersetzt steht “Chakra” für “Kreis”, “Scheibe” oder auch “Rad” – im übertragenen Sinne ist es ein “Zentrum”.
Nach indischer Lehre zirkuliert die Lebensenergie, genannt “Prana”, in Form des “Atems” durch die Nadi, während die kosmisch-göttliche Energie in den Chakren verborgen ist. Die Anzahl der Nadi schwankt in den aus Indien stammenden Angaben ebenso, wie dies die Akupunkturpunkte chinesischer Herkunft tun: Es werden zwischen mehreren Tausend bis sogar Hunderttausende genannt.

Wichtig:
Die Anzahl der benannten Chakren – und deren Lage(!) – stimmen EXAKT mit den Angaben der Chi-Energiezentren aus China überein! – Abweichungen finden sich nur(!) bei manchen(!) Bedeutungszuordnungen (sprich: Interpretation und zugesprochener “Wichtigkeit” – man könnte sagen: Die Unterschiede liegen im Reihungs- oder Ordnungssystem der unterschiedlichen Beschreibungen verschiedener Kulturkreise).

Die fünfte Stufe heißt “Pratyahara” und vermittelt die Beherrschung aller Sinne und Vorstellungen durch die Bewusstseinsverlagerung “in sich selbst”.

Mit der sechsten Stufe “Dharana” konzentriert sich der Yogi mit seinem Denken auf einen Punkt, während er in der siebten Stufe, “Dhyana”, über die von seinem Guru (=Lehrer, Meister) vermittelten Lehren meditiert.

In der achten Stufe, genannt “Samadhi” erfolgt schließlich die tiefste Versenkung und Vereinigung mit dem Göttlichen.
(Anm.: Wobei dies allzu oft, als “Ausscheiden von der Welt” oder “Selbstverlust” missinterpretiert wird und damit auch Ängste geschürt werden, anstelle dies als bewusst initierte und gesteuerte “Ego-Aufgabe” anzuerkennen.)

Fazit:
Yoga ist also in erster Linie dazu bestimmt, den eigenen Charakter zu veredeln und das Leben erfüllter zu machen, indem man das Bewusstsein erhebt und sich von allen weltlichen, weil ja veränderlichen und unbeständigen Dingen, löst, um sich dem Immateriellen (somit “dem Beständigen”) – vollständig(?) – zuzuwenden..

Es dürfte hiermit schon erkennbar sein, dass Yoga ebenfalls nichts mit Gymnastik oder Atemtherapie zu tun hat. Es entspricht zwar der Tatsache, dass Asanas und Pranayamas einen überaus großen Einfluss auf die Gesundheit haben, aber jene heilsamen und stärkenden Wirkungen sind eher als Begleiterscheinung, denn als Zielsetzung zu sehen. Ein echter Yogi, also ein Yoga-Praktizierender, ist also ein tiefreligiöser Mensch und weniger ein Gymnastiklehrer.

Wann immer also solche rein gymnastischen Kurse unter dem Etikett “Yoga”, OHNE Anleitung zur Schärfung des Bewusstseins und Veredelung des Charakters, angeboten werden, so sollte man wissen, dass es sich dabei nicht um Yoga handelt, sondern nur einzelne Übungen oder Übungskomplexe, welche aus dem körperlich-seelischen Gesamtzusammenhang des Yoga entlehnt wurden.

Anmerkung:
Natürlich scheuen viele sogenannte Yoga-Lehrer die Konsequenzen, die entstünden, wenn sie ihre Schüler zur Änderung ihres Bewusstseins und Charakters bewegen würden. Sie befürchten Anhänger und Kursteilnehmer zu verlieren, wenn sie ihnen solche höheren Wahrheiten vermitteln würden, die den Vorurteilen und beschränkten Einsichten entgegengerichtet sind.

Worin liegt nun also der Unterschied zu Tai Chi?

Als erstes erkennbar ist der Unterschied beider Systeme in der körperlichen Ausführung.

Vergleicht man den (körperlichen) Übungsablauf zwischen Hatha-Yoga und Tai Chi (Chuan), so erkennt man, dass es “im Yoga” um die Erreichung und “das Halten” eines gewissen Zustandes (Körperstellung) über einen gewissen Zeitraum geht.
Grob: Stellung einnehmen – “Halten” (Meditieren) – Ausklang.
Anders formuliert: Die Übungen bieten einen “Ausstieg” aus “normalem” Alltag (Schlagworte: “Abschalten”, “Aussteigen”, “Abwenden” – in etwa: “Überwindung des ‘profanen’ Lebens, sich davon differenzieren und Abstand gewinnen”);

Nach dem Motto: “Erkenne: Die materielle Welt ist im Grunde eine Illussion, mach’ Dich frei!”).

Im Tai Chi (→Chuan) hingegen geht es prinzipiell “um Fluss”, um Bewegung und um das “im Fließen bleiben” – es soll während der Ausübung idealerweise niemals ein Stillstand (ein “Halten”) stattfinden – bzw. ein ständiger “Wechsel” zwischen “Ruhe” und “Bewegung” erfolgen. Es geht darum, den Wechsel der Extreme, dass ineinander Übergehen und die ständige Wandlung der Zustände, sowie deren tieferen Sinn und eigentlichen Zusammenhang (= →TAI CHI) zu erkennen und diesem schließlich selbst (und zwar “bewusst”, im [Alltags-]Leben!) zu folgen.

Anders formuliert: Die Bewegungen und Übungen des Tai Chi (Chuan) sollen nicht nur zum “täglichen Begleiter” neben dem “normalen” Leben werden, sondern tatsächlich “gelebt” werden (Schlagworte: “Integrieren”, “Einbinden”, “teilhaben”,… , “Vertiefen” – in etwa: “Meisterung des ‘profanen’ Lebens und dadurch Qualität und Intensität des Lebens steigern”);
Es gilt das Motto: “Bedenke: Die Beständigkeit aller Dinge und Zustände der erkennbaren stofflichen Welt sind im Grunde eine Illussion, weil einzig der Wandel →yin und →yang beständig ist – Beachte dies und LEBE DEMENTSPRECHEND darin/damit, solange Du Dich in ihr befindest!”.

Selbst ein Übungsablauf bei Tai Chi (”die Form”) mag zwar “außerhalb” normaler Betätigung des Menschen gelten, aber die dabei erlernten Bewegungen “bleiben” im Alltag aufrecht (z.B.: der Gang, der Stand, die Körperhaltung, oder der Einsatz der Hände und Arme – z.B. bei der Bewegung von Gegenständen: Schieben, aufheben, öffnen und tragen; usw.).

Yoga-Stellungen können hingegen nicht unbedingt im Alltag angewandt werden, sondern “existieren” separat davon.

Der wesentliche Unterschied zwischen Tai Chi und Yoga ist dabei also -

Das Bewegungsmuster!

Im Tai Chi (Chuan) geht es auch körperlich darum, sein “Verhalten im Alltag” zu ändern. Das Tai Chi Praktikum schult Bewegungsabläufe, welche durch ständige Wiederholung so oft wiederholt werden, dass diese zu einem sogenannten “Muster” des Menschen werden (Anhänger des NLP – des Neuro Linguistischen Programmierens – würden hierzu “Engramm” sagen). Diese “Muster” prägen damit fortan die Bewegungen, sowie das Verhalten des Tai Chi – Adepten im Alltag.

Exkurs:
Sehr häufig wurde dies in “Kung Fu – Filmen”,den sogenannten “Eastern” (als Gegenpart-Bezeichnung zu: Western), in umgekehrter Reihenfolge der Ereignisse parodiert: Ein Schüler wird vom Meister dazu genötigt, profane Handlungen des Alltags auf ungewöhnliche Art und Weise so lange und “nahezu endlos” zu wiederholen, bis er jene Bewegungen so perfekt beherrscht, dass er diese Abläufe schließlich meisterhaft als Kampftechnik einsetzen kann.

Die bekanntesten Beispiele finden sich in der Filmreihe “Karate Kid“, worin im ersten Teil ein Schuljunge als Adept von Karatemeister Miagi, viele Tage lang seine Nachmittage damit verbringt, eine Gebrauchtwagenflotte auf Hochglanz zu polieren und der Meister ihn fortlaufend anhält: “Immer in kreisender Bewegung der Hände, Linke Hand auftragen, Rechte Hand polieren, usw. – Auftragen, Polieren – Auftragen, Polieren” – Bis sich schließlich herausstellt, dass dies genau das Training und die Bewegungsausführung einer Abwehr (i.e. “Wolkenhände”) darstellt. Die “Schlagtechnik” erlernt der Schulbub schließlich durch Streichen des gesamten Anwesens des Meisters mit neuer Farbe, bei gestreckten Armen, aus dem Handgelenk (Anm.: der “→Hakenschlag“) usw.

Im jüngsten Jackie Chan – Film mit gleichnamigen Titel “Karate Kid”, lässt er als chinesischer Hausmeister ebenfalls seinen Schüler, dargestellt von Jaden Smith (Sprössling von Will Smith), wochenlang dessen Jacke auf- und abhängen, auf den Boden schmeißen, aufheben, anziehen und wieder aufhängen usw. – welches wiederum zur perfekten Ausführung von Kampftechnik(en) dienen sollte (…nur ist hierbei nicht ganz ersichtlich zu welcher – aber das war vielleicht Absicht ;- ) – dem Film tut es keinen Abbruch, dem tieferen Sinn dahinter schon – Nun gut, denn selbst der Film hat eigentlich mit “Karate” rein gar nichts zu tun – aber: was soll’s!).

Eine sehr witzige Parodie jener Thematik ist auch der Film “Die Rückkehr in die 36 Kammern der Shaolin”: Der Schüler wird nicht als Mönch in das Kloster aufgenommen, darf aber dort bleiben und monatelang die Mauern mit Bambusstangen und Bast eingerüsten. Erst als er vom Meister nach zwei Jahren fortgeschickt wird und es zum (unweigerlichen) Kampf kommt, erkennt er, dass er meisterhaft “Gerüstungs-Kung Fu” beherrscht und besiegt die Gegner mit Bambusstangen, seiner neu gewonnenen Stärke und Standfestigkeit, sowie natürlich seiner Fähigkeit, alle möglichen Gegenstände und Extremitäten der Angreifer überall hin festbinden zu können.

Darüber hinaus bedeutet die Verinnerlichung von Bewegungsmustern also schlussendlich auch, dass sich die geübten und verinnerlichten →Tai Chi Prinzipien sich dabei eben nicht nur im körperlichen Bereich oder nur während der “Übungseinheiten” wiederfinden lassen, sondern damit auch das gesamte Verhalten als Mensch prägen (d.h. auch die “innere Haltung” – eben: mental, geistig, seelisch und spirituell).

Man kann dabei durchaus sagen:
“Über die (körperliche) Haltung und Bewegung, gelangt man zur jeweiligen (inneren) Haltung, Beweglichkeit und dementsprechenden Verhalten” (…sowie umgekehrt!).

Ein einfaches Beispiel dazu:
Höflichkeit ist keine Frage der verwendeten Worte oder Aussagen, sondern zeigt sich im Verhalten eines Menschen, welches seiner (inneren) “Haltung” von Respekt, Anerkennung, Achtung, Rücksichtnahme, Verständnis, Mitgefühl usw. gegenüber anderen Menschen Ausdruck verleiht.
Das ist auch der Grund dafür, warum wir höfliche Worte oder Gesten mancher Menschen als “falsch” empfinden – das Gegenüber sagt etwas, was nicht seiner Haltung (im doppelten Wortsinne!) entspricht.
In Österreich ist hierfür der Ausdruck “scheiss-freindlich” bekannt und meint eine meist übertriebene, akzenturierte, “falsche” Freundlichkeit.

Der Pfad der Meisterschaft als zweiter Unterschied

Beide (Übungs-)Systeme können selbstverständlich auch “nur zur Gesundheit” praktiziert werden, …aber umfassen eigentlich mehr. Beide Methoden – sowohl Yoga, als auch Tai Chi – dienen hauptsächlich der “inneren” Entwicklung eines Menschen und werden sehr oft nur “profan” geübt. Obwohl sich die Meisterschaft beider Systeme weder in der Beherrschung rein äußerlicher Vorgänge, noch in der Kenntnis möglichst vieler körperlicher Übungen zeigt. Darin gleichen sich beide Methoden.

Der zweite Unterschied zeigt sich also in

Unterschiedlicher Philosophie

Um auf den einleitenden Absatz dieses Artikel zurückzukommen, existieren zwischen Yoga und Tai Chi unterschiedliche Ansätze, im Weg zur Vervollkommnung des Menschen.

Yoga lehrt im Grunde die ABKEHR VON JEGLICHEM VERÄNDERLICHEN (dem Materiellen, dem Weltlichen) und die vollständige Hinwendung zum Unveränderlichen (dem Jenseitigen, dem Göttlichen). Es strebt die Überwindung aller Extreme an, die Überwindung und Aufhebung der Gegensätze und Polaritäten, durch Abkehr von Profanem sowie die Aufgabe weltlicher Bindungen – und sei es auch nur für den Moment (d.h. für die Dauer der Übungseinheit, der Meditationseinheit, sowie durchaus auch: Für den Zeitraum des Gebets). Je öfter und je länger dies gemacht werden kann, umso besser — Man könnte sagen: Bis kein Unterschied mehr feststellbar ist (bzw. keiner mehr existiert).

Tai Chi lehrt hingegen die INTEGRATION DES VERÄNDERLICHEN als Bestandteil des Lebens. Die Erkenntnis und Erfahrung, dass überall im materiellen und menschlichen Kosmos Gegensätze, Veränderlichkeiten und Polaritäten (→yin und yang) erkannt werden können und durch diese Erkenntnis, sowohl der Ausgleich, als auch die Vereinigung dieser Polaritäten möglich ist.

***
Dies sind also zwei völlig unterschiedliche philosophische Ansätze!
(Welche ich zu Beginn dieses Artikels mit “Zielsetzung” zu vereinfachen suchte)
***

Darüber hinaus erhebt Tai Chi (Chuan) im Unterschied zum Yoga gar nicht den Anspruch, “Jenseitiges” dem Menschen begreifbar oder verständlich zu machen, sondern beschränkt sich auf das “Diesseits”.

Dies drückt sich allein eben schon durch den Begriff “→TAI CHI aus: “Das letztmöglich dem Menschen Erkennbare“, im übertragenen Sinne: “Der Firstbalken” sowie auch durch die Übersetzung: “Das – für den Menschen(!!!) – Allerhöchste”. Symbolisiert durch das Zeichen, dem →TAI CHI TU.

Einerseits impliziert dies auch, dass “Darüberhinausgehendes” – derzeit(!) oder auch: “zu Lebzeiten” – einen Menschen weder zugänglich, noch für ihn somit weder von Nutzen, noch Interesse sein kann. Andererseits aber auch, dass sehr wohl dem “profanen” Menschen viele Dinge verborgen sind, weil diese “inneren” Welten (Werten) zuzuordnen sind und somit zwar unsichtbar, aber dennoch äußerst real existieren und “im” und “auf das Leben” wirken. (Beispielsweise: →Chi, sowie der →Rhythmus von yin und yang).

TAI CHI ist also durchaus auch eine sehr spirituelle Philosophie – ob diese nun auch als “religiös” zu bezeichnen wäre, wage ich zu bezweifeln, da alle jenseitige Aspekte, sowohl “für die Lehre” als auch “für das Praktikum” nicht von Bedeutung sind und somit jedem Menschen sein Glaube und seine Ansichten hierzu unbenommen bleiben.

In Tai Chi (Chuan) wird darüber hinaus generell bei jeder Ausführung – im Praktikum und Training – gleichzeitig(!) mehreren →Aspekten (des Lebens) genüge getan: Gesundheit, Gefühle (Seele), Körper, Geist (mental und spirituell), dem Alltag, …, der Meditation, der Konzentration, der Kontemplation, …, der Entspannung UND nicht zu vergessen: dem Kampf.

Schlussbemerkungen

Selbstverständlich gibt es bei beiden Methoden, sowohl bei Tai Chi als auch bei Yoga, “wahre” Meister, genauso wie viele “Dampfplauderer”.

Und: Selbstverständlich können körperliche Praktiken, sowohl des aus Indien stammenden Yoga, als auch des aus China stammenden Tai Chi (Chuan), rein nur aus körperlich-gesundheitlichen Überlegungen gemacht werden – Warum denn nicht?

Es sollte nur eindeutig klar sein: Eine reine körperliche Übungsanleitung, selbst wenn diese Meditationsanteile, Konzentrationsübungen oder ähnliches beinhalten mag, ist eine reine Übungsanleitung zur körperlichen Gymnastik, welche der einen oder anderen Methode “entlehnt” ist – Nicht mehr und nicht weniger! Alles das hat aber sehr, sehr wenig mit “wahrem” Yoga, noch mit der “wahren Kunst” des Tai Chi (Chuan) zu tun. Und das sollte man(n)/frau einfach wissen!

Bitte nicht falsch verstehen: Ich bewundere alle die Yoga (ernsthaft) betreiben, ebenso wie “ernsthaft Praktizierende” jeder anderen “Körperkunst” - “Resp for all of them”.
Zuletzt sollte jeder Leser dabei bitte auch nicht vergessen: Über Geschmack lässt sich bekanntermaßen trefflich streiten.

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Synonyme Bezeichnungen für Tai Chi

Samstag 29. Oktober 2011 von websifu

Glossareintrag: Synonyme Tai Chi Bezeichnungen

In den Beschreibungen über Tai Chi Chuan (Taiji Quan) finden sich viele Begriffe, welche sinnverwandt oder bedeutungsgleich als Name für diese “innere Kampfkunst” verwendet werden.

Manches davon aus Unverständnis für die wahre Bedeutung, manches aufgrund von →Übertragungsschwierigkeiten von chinesischen Schriftzeichen und Lauten in westliche Sprachen und Darstellung in lateinischen Buchstaben.

Manches davon entstand aufgrund einer alten “Verschlüsselung”, um Wissen, welches vor allem im Kampf durchaus mit Macht gleichzusetzen ist, vor Konkurrenten, potentiellen Gegnern oder Unbedarften zu schützen.

Direkte Bezeichnungen

sind den chinesischen Lauten oder Schriftzeichen nachempfundene Übertragungen in lateinische Buchstaben.

So finden sich im Westen folgende Bezeichnungen – besser gesagt: Schreibweisen – für die chinesische Bewegungskunst:

  • T’ai Chi Ch’uan – eine leichte Abwandlung nach dem →Wade-Giles-System, nach welchem man eigentlich korrekt
  • T’ai ch’i ch’üan – schreiben müsste – im Gegensatz dazu steht
  • Taijiquan – nach heute gültiger Schreibweise nach dem →Pinyin-System, welches auch oft mit
  • Taiji Quan – als abgewandelte Pinyin-Schreibweise geläufig ist.

Darüber hinaus kann man auch alle Arten von Mischformen und Eigenkreationen finden:

  • Tai Chi Quan
  • Taiji Chuan
    oder:
  • T’ai c’hi ch’uan
  • Thai Ji Chuan
  • Thai Qi Quan
  • Tai Gi Quan, Tai Gi Chuan oder Tai Ji Kuan

Kurzbezeichnungen

Kurzbezeichnungen sind heute ebenso geläufig und werden genauso auch in China verwendet. Anstelle mit →Chuan (Quan) die Methode oder “den Weg des…” zu beschreiben, verzichtet man oft darauf und sagt oder schreibt nur mehr:

  • Tai Chi
  • Taichi oder
  • Taiji

… und meint damit die Bewegungskunst bzw. “innere Kampfkunst” und nicht den gleichlautenden kosmologischen Begriff →“TAI CHI” selbst.

Synonym verwendete Bezeichnungen und Übertragungen

Häufig findet man aber auch Begriffe, mit welchen zwar ebenfalls “Tai Chi Chuan” gemeint ist, aber in den Texten selbst oft diesbezüglich kein direkter Bezug oder weitere Erklärung hergestellt wird (oder hergestellt werden kann).

Bekannte Synonyme lauten:

  • Schattenboxen (siehe dort)
    ursprünglich eine Wortschöpfung der westlichen Kolonisten in China
  • “innere Kampfkunst”
    ursprünglich eine bewusst gewählte Übersetzung von (traditionellen) Tai Chi – Vertretern, welche sich damit von den “äußeren Kampfkünsten” – manche auch bissig von der “Kunst der Shaolin” (ebenfalls dann als “äußere Kampfkunst” tituliert) – abgrenzen wollen und somit die tatsächlich vorhandenen Unterschiede und Herangehensweisen betonen soll
  • “Einbeiniges Boxen” (siehe dort) oder “Boxen mit einem Bein”
    als Beschreibung eines Merkmales der Kampfkunst des Tai Chi Chuan (Taijiquan)
  • “Langes Boxen”
    eine im Westen oft mißinterpretierte – wahrscheinlich von Chinesen selbst stammende – unglücklich gewählte Übersetzung der Bezeichnung “→Chang Chuan (siehe dort)
  • “Die 13 Bewegungsarten” (siehe dort)
    als Sammelbegriff für Tai Chi Chuan, um den “wahren Namen” der (Kampf-)kunst nicht zu nennen. Oft zu finden in alten Aufzeichnungen aus dem Umfeld der Yang-Familie und dem →Yang-Stil, welcher auch bei Übersetzungen aus dem Chinesischen beibehalten wurde
  • “Die 13 Bewegungen” (siehe dort)
    eine andere Übersetzung des gleichlautenden zuvor genannten chinesischen Begriffes. Zusätzlich auch nicht ganz bedeutungsgleich verwendet als eine Übersetzung aus dem Amerikanischen für ein von →Cheng Man-Ching “gefundenes” und in den USA veröffentlichtes “Geheimnis”;

Sowie nicht übersetzte, aber übertragene chinesische Bezeichnungen, mit welchen ebenfalls Tai Chi Chuan (Taijiquan) gemeint sein kann, wie:

  • Ba Gua Chang oder Bagua Zhang (bei Betonung des Kampfkunstaspektes von Tai Chi Chuan)
  • I Chuan, Yi-Chuan oder Yi Quan (bei Betonung des →Energieaspektes im Kampfeinsatz)
  • Wushu (als allgemeine Bezeichnung einer chinesischen Kampfkunst ohne näher auf einen bestimmten Stil einzugehen)
    oder
  • Chang Chuan ([siehe dort] – für “traditionelle Kampfkunst”, welcher in China stellvertretend für “Tai Chi Chuan” verwendet wurde, als man – nicht mehr[?] – jenen eigentlichen Namen und damit den Bezug zu “TAI CHI” verwenden durfte, konnte oder wollte);
    sowie natürlich
  • Kung Fu (als in/für die westliche Kultur geschaffener – man möchte fast sagen: Neologismus – stellvertretend für jegliche Art von Kampfkünsten, welche von/mit Chinesen zu tun haben, aber ursprünglich als “Art und Weise” des Ausübens und Praktizierens einer bestimmten und gleichzeitig mit den Wörtern “Kung Fu” genannten Kunstform, Schule oder Stilrichtung. Siehe dazu auch im Glossar: →Kung Fu).

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Die 13 Bewegungsarten

Sonntag 23. Oktober 2011 von websifu

Ask a Sifu: Was sind die 13 Bewegungsarten?

Glossareintrag: Die 13 Bewegungsarten

Die “13 Bewegungsarten” – manchmal auch: Die “13 Bewegungen”, die “13 Stellungen” oder die “13 Techniken” – sind gleichbedeutende deutsche Übersetzungen aus dem Chinesischen, welche dort früher synonym als andere Bezeichnungen für die “innere Kampfkunst” des Tai Chi Chuan (Taiji Quan) verwendet wurden, als sich jener Begriff eben noch nicht als Name jener Kampfkunst öffentlich durchgesetzt hatte (bzw. “verschwiegen” wurde).

Die “13 Bewegungsarten” ist also ein anderer Name für Tai Chi (Chuan), welcher in vielfältiger überlieferter Literatur Einzug gehalten hat.

Leider verleitet jene Bezeichnung als “Sammelbegriff für Tai Chi (Chuan)” viele Interessierte zum fehlgeleiteten Schluss, dass hiermit bestimmte, tabellarisch aufgezählte Bewegungen (eben: genau 13 verschiedene, genau benannte und beschriebene – körperliche(!) – Bewegungsarten, Schritte, Stellungen, etc.) gemeint wären. Dem ist aber nicht so.

Mit “13 Bewegungsarten” ist als synonyme Bezeichnung nichts anderes gemeint als “Tai Chi (Chuan)”.

Klärung des Irrtums:
Wird in übertragenen Texten aus alter chinesischer Überlieferung beispielsweise davon gesprochen, dass man “Bei den 13 Bewegungen” oder “in den 13 Bewegungen” dies, das oder jenes macht, zu berücksichtigen oder zu tun hat, dann ist damit eben gemeint, dass man “Bei Tai Chi” oder “in Tai Chi” dies oder jenes zu berücksichtigen hat.

Mehr dazu auch unter:

Was sind die dreizehn Grundbewegungen des Taijiquan?
Was ist das Geheimnis der 13 Bewegungen?

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Was sind die dreizehn Grundbewegungen des Taijiquan?

Sonntag 16. Oktober 2011 von websifu

Eine anders geschriebene Frage wäre:

Was sind die 13 Grundbewegungen des Tai Chi Chuan?

Antwort:

Die dreizehn Grundbewegungen bzw. 13 Bewegungen des Tai Chi Chuan (nach →Pinyin-Umschrift: Taiji Quan) sind eine deutsche Übersetzung der “Erfindung” beziehungsweise Definition von Cheng Man-Ching (1900-1975), welcher zuletzt in den USA lebte und von dort aus für eine wesentliche Verbreitung der Kunst des Tai Chi Chuan im Westen sorgte.

Cheng Man-Ching bezeichnete damit (s)eine Sammlung von “5 Steps” (englisch für: “5 Schritte” – besser gesagt: “5 Schrittformen” – welche leider auch von ihm selbst synonym auch mit “Five Directions” oder “Five Movements” bezeichnet wurden) und den 8 überlieferten Grundtechniken (→den “Ba Gua”), welche er auf seine unnachahmliche Art interpretierte und als wesentliche “Erkenntnis” aus der Überlieferung des “Liedes der 13 Stellungen” als “ein Geheimnis des Tai Chi” verbreitete.

Seine “5 Directions” plus “8 Grundtechniken” ergeben somit rein rechnerisch die “13 Bewegungen”, welche wiederum – seiner Meinung nach – durch das von →Yang Cheng-Fu geschaffene – “→Lied der 13 Stellungen” sozusagen als “Geheimnis des Tai Chi” “bewiesen” sein sollten.

Anmerkung:
Wobei selbiges Lied keinerlei Hinweis und/oder Erklärungen bestimmter Techniken oder Bewegungsformen diesbezüglich beinhaltet, sondern ausschließlich der Titel einer ersten Veröffentlichung des Yang Cheng-Fu in Liedform (zwecks leichterer Einprägsamkeit für seine Schüler) so lautet. Das Lied selbst kann als eine erste – offizielle – “Sammlung von →Tai Chi – Prinzipien” betrachtet werden, welche für Anfänger gedacht ist, um den Einstieg in jene Körperkunst zu erleichtern.

Fazit:

Die 13 Grundbewegungen sind letztlich also von Cheng Man-Ching geschaffen worden und stellen einen Definitions-, Einteilungs- und Erklärungsversuch überlieferter Tai Chi – Formen und Bewegungsarten von ihm dar, welcher von unzähligen Nachahmern und “Nachfolgern” übernommen, wiederum abgewandelt und weiterverbreitet wurde.

Anders formuliert:
Es gibt keine (bestimmten) “Dreizehn Bewegungen / Schritte / Stellungen” aus der (klassischen) Überlieferung des Tai Chi Chuan. Diese sind eine ausschließlich eine “Definition” oder “Interpretation” von/nach Cheng Man-Ching.

Im “Lied der 13 Stellungen” (von Yang Cheng-Fu) werden weder Tai Chi-Stellungen noch irgendwelche Tai Chi-Grundtechniken angeführt, geschweige denn erläutert, sondern ausschließlich “allgemeine Prinzipien des Tai Chi” in Liedform ausgeführt, damit dessen Schüler diese einfacher verinnerlichen können.

Offen bleibt: Warum hatte Yang Cheng-Fu dann diesen Titel hierfür gewählt?
Höchstwahrscheinlich, damit zur damaligen Zeit in China eben NICHT publik wurde, dass es sich dabei um “Tai Chi” handelt – nur “Auserwählte” und “Eingeweihte” (eben dessen anerkannte Schüler) wussten, was darin beschrieben war.

Siehe dazu auch den Eintrag: →Was ist das Geheimnis der 13 Bewegungen?

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Fazit Arbeitsmodelle chinesischer Energiearbeit

Dienstag 30. August 2011 von websifu

Im Artikel →Chinesische Arbeitsmodelle im Tai Chi wurden drei Modelle unterschiedlicher Energiearbeit in der Welt des Tai Chi (Taiji) identifiziert.

Diese sind:

  1. Das Modell der Wandlungsphasen
    (aktuell verwendet im →Qi Gong und der →TCM)
  2. Die “Energien des Taiji” (vermutlich: nach Chen Gong),
    sowie
  3. Die “Ba Gua”
    (mit nachweislich ältestem Ursprung im →I Ging, dem “Buch der Wandlungen”)

Neben diesen drei Grundmodellen, welche das Verständnis und die Anwendung der →Chi-Energie erleichtern sollen, existieren eine unüberschaubare Zahl von Interpretationen und Lehrmeinungen.

Je nach chinesischer Kunstform und Einsatzgebiet, mag das eine oder eher das andere hilfreich sein.

Problematisch wird es dabei, wenn die Grundmodelle (Lehrmeinungen, Symbole und Interpretationen) wahllos vermischt und somit auch “zweckentfremdet” werden. Am schlimmsten ist es, wenn jene völlig aus dem Zusammenhang eines bestimmten Systems gerissen werden, um damit Lücken im Wissen oder bei den Hintergründen der eigenen Lehre zu füllen.

Problematik bei den “Energien des Taiji”

Die Zweckentfremdung, das “aus dem Zusammenhang reissen” und das “Lücken stopfen”, scheint beispielsweise bei Anhängern der “Energien des Taiji” (dem zweiten vorgestellten Modell) der Fall zu sein.

Es fehlt irgendwie der Ursprung, der Hintergrund – besser gesagt: Das Fundament. Darüber hinaus gibt es keine wirklich schlüssigen Zusammenhänge und Verbindungen der einzelnen 41 (oder sind es zwischenzeitlich schon 50 ?) “Energien”.

Anmerkung:
Wobei das Wort “Energie” ja hierbei auch fast falsch scheint, denn vordergründig ist zuerst einmal eine körperliche “Technik” damit gemeint.
Andererseits lassen sich hiermit trefflich hunderte von Seiten nichtssagender Beschreibungen füllen und wunderbar viele Bücher veröffentlichen, worin jeweils eine Technik an die andere gereiht wird.

Die Beschäftigung mit jener Unzahl an “Detailklaubereien” (d.h.: Eine “Einzelanwendungen” einer bestimmten “Energie” zuzuordnen) erscheint uns aus Erfahrung völlig unnötig, um →chin-Kräfte zu realisieren.

Der Schüler verzettelt sich auf “Nebenschauplätzen” -
Besser ist, er konzentriert sich auf die “klassischen Acht Kräfte” (die “Ba Gua”, die →Grundtechniken des Tai Chi) und beherrschte jene, in jeder(!) Situation.

Problematik der Mischung von (modernem!) Qi Gong und Tai Chi.

Viele Lehrer sind der Ansicht, rascher Fortschritte in Tai Chi (Chuan) herbeiführen zu können, indem sie Einzelübungen des Qi Gong als Vorbereitung für das – eigentliche – Tai Chi-Training nutzen. Oder es werden aus dem Qi Gong entlehnte Praktiken in das Training von Tai Chi “eingebaut”, um noch besser dem →Gesundheitsaspekt dienlich zu sein oder die Energieerfahrung in Tai Chi schneller erreichen zu können.

Nicht nur dass dabei (klassische) Ch’i Kung-Übungen mit (moderenen) Qi Gong-Übungen verwechselt werden, sondern eben auch die Betrachtungs- und somit Arbeitsmodelle (der Energiearbeit) vermischt werden.

Dabei wird für viel Verwirrung und Erklärungsnotstände gesorgt und im Gegenteil zur “gut gemeinten” Absicht des rascheren Voranschreitens, in Wahrheit geradezu eine Be-Hinderung des Fortschrittes in Tai Chi (Chuan) erzielt.

Selbst Anfänger erkennen sehr leicht, dass “plötzlich” das in den Qi Gong-Vorübungen praktizierte, einfach “irgendwie” nicht mehr zum Tai Chi-→Formentraining, dem →Danlian oder dem →Tui Shou passt – Können sich aber nicht erklären warum.

Die Antwort ist ganz einfach:
Ein absolut gleichzeitiges(!) Lehren von – Betonung: modernem! – Qi Gong und Tai Chi (Chuan) ist nicht möglich, da beide Systeme völlig verschiedenen Grundlagen und Ansätzen folgen. Es sind unterschiedliche (Arbeits-)Modelle. Zuerst müsste jemand das eine oder das andere meisterhaft beherrschen, um zwischen den Systemen “umschalten” zu können.

Anmerkung:
Ausserdem ist dies eigentlich gar nicht notwendig, denn Tai Chi Chuan (Taiji Quan) stellt ja ohnehin schon eine nahezu perfekte “Vereinigung”, eine jahrhundertelang perfektionierte Symbiose, aus der Kunst der Lebensverlängerung (→Yangsheng), der →Meditation und der chinesischen Kriegskunst (der chinesische Kampfkunst, des →Wushu) dar.
Wie sagt der moderne Mensch gerne: “Never change a winning horse!”

Aus guten Gründen wurde deshalb auch →Cheng Man-ching niemals von →Yang Cheng-Fu als Meisterschüler aufgenommen:

  • Erstens, er konnte sich aufgrund seiner festen Orientierung zur traditionellen chinesischen Medizin, einfach nicht von deren Lehren (”Einzelenergien”, den fünf Wandlungsphasen, etc.) lösen
    und
  • Zweitens, versuchte er “verbissen”, nicht nur Meisterschüler zu werden, sondern ebenfalls jenes erstere Dilemma (sprich: “Wie passen die acht Grundtechniken des Tai Chi Chuan, zu den fünf Wandlungsphasen [des Qi Gong]?”) zu umgehen.

Dabei wichtig zu erwähnen:
Chen Man-Ching leistete einen wichtigen und wesentlichen Beitrag Tai Chi (Chuan) in der westlichen Welt zu verbreiten.
Dies ist zweifellos anzuerkennen und ein Schüler kann sehr viel von ihm (sprich: Büchern und Nachfolgern) lernen.
Aber… (beachte vorherige Absätze).

Wir wissen, dass “→Kung Fu” eben die “NICHT OBSESSIVE…” – also: die nicht verbissene, nicht krampfhaft verfolgte – “…regelmäßige ausgeübte Perfektionierung IN einer BESTIMMTEN Kunstform” darstellt.
(Cheng Man-Ching’s Fehler Nr. 1).

Und ebenso, dass dessen Dilemma (ausformuliert: “Wie passen die Ba Gua [Grundtechniken] zu Qi Gong, bzw. zu den Lehren des TCM, bzw. den Wandlungsphasen?”), nur eine Antwort und Lösung erlaubt: “GAR NICHT!”

Denn es sind zwei völlig unterschiedliche Betrachtungssysteme und (Arbeits-)Modelle (Cheng Man-Ching’s Fehler Nr. 2 …und leider vieler, vieler anderer Taiji-Lehrer auch).

Selbstverständlich kann(!) man beide Systeme und damit einhergehende unterschiedliche Lehrmeinungen – separat - verinnerlichen und auch separat(!) lehren!

Aber: Eine Mischung der Arbeitsmodelle kann zwangsläufig nur zu mehr Verwirrung und auch unklaren Standpunkten und unklarer Lehre führen.

Der Volksmund spricht:
Man kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen.

Natürlich kann ein Praktizierender von jedem dieser Modelle und Systeme etwas für sich lernen und Erkenntnisse daraus ziehen -

Doch:
Ein Schüler kann eben nur auf einem(!) Weg voranschreiten. Ein Meister kann nach Abschluss eines Weges, jederzeit einen neuen wählen!
Das heisst auch: Beide müssen sich entscheiden!

Tai Chi Chuan – heisst übersetzt eben auch:
“Der Weg des TAI CHI” !

Nur für Mitglieder und Förderer:

Fortgeschrittene in Tai Chi Gung finden im Download unter der Rubrik →“Fortgeschrittene”,
das Handbuch: “Die Acht Grundtechniken – Ba Gua Zhang”.

Auf 56-Seiten-DIN-A4 erfolgt die detaillierte Beschreibung der 8 Grundtechniken, die “Ba Gua Zhang”.

Ein brandaktuelles Handbuch vom Gottfried Rinner, Gründungsmitglied und Trainer des →Tai Chi Gung – Landessportverein in Salzburg.

Die Aufklärung über der Geheimnisse des “Ba Gua Zhang”:

  • Ursprünge und Hintergrund;
  • Detaillierte Beschreibung der Acht “Grundtechniken” und deren Anwendung;
  • inklusive 17 grafische Darstellungen und 12 umfangreiche Übersichtstabellen zum Nachschlagen, Vergleichen und für die →Bild-identifizierung.

Download des eBooks im PDF-Format
– nur für registrierte Mitglieder (Vereinsmitglieder und Förderer).

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