TaiChianer

Forum der Tai Chi Gung – Mitglieder

Synonyme Bezeichnungen für Tai Chi

Samstag 29. Oktober 2011 von websifu

Glossareintrag: Synonyme Tai Chi Bezeichnungen

In den Beschreibungen über Tai Chi Chuan (Taiji Quan) finden sich viele Begriffe, welche sinnverwandt oder bedeutungsgleich als Name für diese “innere Kampfkunst” verwendet werden.

Manches davon aus Unverständnis für die wahre Bedeutung, manches aufgrund von →Übertragungsschwierigkeiten von chinesischen Schriftzeichen und Lauten in westliche Sprachen und Darstellung in lateinischen Buchstaben.

Manches davon entstand aufgrund einer alten “Verschlüsselung”, um Wissen, welches vor allem im Kampf durchaus mit Macht gleichzusetzen ist, vor Konkurrenten, potentiellen Gegnern oder Unbedarften zu schützen.

Direkte Bezeichnungen

sind den chinesischen Lauten oder Schriftzeichen nachempfundene Übertragungen in lateinische Buchstaben.

So finden sich im Westen folgende Bezeichnungen – besser gesagt: Schreibweisen – für die chinesische Bewegungskunst:

  • T’ai Chi Ch’uan – eine leichte Abwandlung nach dem →Wade-Giles-System, nach welchem man eigentlich korrekt
  • T’ai ch’i ch’üan – schreiben müsste – im Gegensatz dazu steht
  • Taijiquan – nach heute gültiger Schreibweise nach dem →Pinyin-System, welches auch oft mit
  • Taiji Quan – als abgewandelte Pinyin-Schreibweise geläufig ist.

Darüber hinaus kann man auch alle Arten von Mischformen und Eigenkreationen finden:

  • Tai Chi Quan
  • Taiji Chuan
    oder:
  • T’ai c’hi ch’uan
  • Thai Ji Chuan
  • Thai Qi Quan
  • Tai Gi Quan, Tai Gi Chuan oder Tai Ji Kuan

Kurzbezeichnungen

Kurzbezeichnungen sind heute ebenso geläufig und werden genauso auch in China verwendet. Anstelle mit →Chuan (Quan) die Methode oder “den Weg des…” zu beschreiben, verzichtet man oft darauf und sagt oder schreibt nur mehr:

  • Tai Chi
  • Taichi oder
  • Taiji

… und meint damit die Bewegungskunst bzw. “innere Kampfkunst” und nicht den gleichlautenden kosmologischen Begriff →“TAI CHI” selbst.

Synonym verwendete Bezeichnungen und Übertragungen

Häufig findet man aber auch Begriffe, mit welchen zwar ebenfalls “Tai Chi Chuan” gemeint ist, aber in den Texten selbst oft diesbezüglich kein direkter Bezug oder weitere Erklärung hergestellt wird (oder hergestellt werden kann).

Bekannte Synonyme lauten:

  • Schattenboxen (siehe dort)
    ursprünglich eine Wortschöpfung der westlichen Kolonisten in China
  • “innere Kampfkunst”
    ursprünglich eine bewusst gewählte Übersetzung von (traditionellen) Tai Chi – Vertretern, welche sich damit von den “äußeren Kampfkünsten” – manche auch bissig von der “Kunst der Shaolin” (ebenfalls dann als “äußere Kampfkunst” tituliert) – abgrenzen wollen und somit die tatsächlich vorhandenen Unterschiede und Herangehensweisen betonen soll
  • “Einbeiniges Boxen” (siehe dort) oder “Boxen mit einem Bein”
    als Beschreibung eines Merkmales der Kampfkunst des Tai Chi Chuan (Taijiquan)
  • “Langes Boxen”
    eine im Westen oft mißinterpretierte – wahrscheinlich von Chinesen selbst stammende – unglücklich gewählte Übersetzung der Bezeichnung “→Chang Chuan (siehe dort)
  • “Die 13 Bewegungsarten” (siehe dort)
    als Sammelbegriff für Tai Chi Chuan, um den “wahren Namen” der (Kampf-)kunst nicht zu nennen. Oft zu finden in alten Aufzeichnungen aus dem Umfeld der Yang-Familie und dem →Yang-Stil, welcher auch bei Übersetzungen aus dem Chinesischen beibehalten wurde
  • “Die 13 Bewegungen” (siehe dort)
    eine andere Übersetzung des gleichlautenden zuvor genannten chinesischen Begriffes. Zusätzlich auch nicht ganz bedeutungsgleich verwendet als eine Übersetzung aus dem Amerikanischen für ein von →Cheng Man-Ching “gefundenes” und in den USA veröffentlichtes “Geheimnis”;

Sowie nicht übersetzte, aber übertragene chinesische Bezeichnungen, mit welchen ebenfalls Tai Chi Chuan (Taijiquan) gemeint sein kann, wie:

  • Ba Gua Chang oder Bagua Zhang (bei Betonung des Kampfkunstaspektes von Tai Chi Chuan)
  • I Chuan, Yi-Chuan oder Yi Quan (bei Betonung des →Energieaspektes im Kampfeinsatz)
  • Wushu (als allgemeine Bezeichnung einer chinesischen Kampfkunst ohne näher auf einen bestimmten Stil einzugehen)
    oder
  • Chang Chuan ([siehe dort] – für “traditionelle Kampfkunst”, welcher in China stellvertretend für “Tai Chi Chuan” verwendet wurde, als man – nicht mehr[?] – jenen eigentlichen Namen und damit den Bezug zu “TAI CHI” verwenden durfte, konnte oder wollte);
    sowie natürlich
  • Kung Fu (als in/für die westliche Kultur geschaffener – man möchte fast sagen: Neologismus – stellvertretend für jegliche Art von Kampfkünsten, welche von/mit Chinesen zu tun haben, aber ursprünglich als “Art und Weise” des Ausübens und Praktizierens einer bestimmten und gleichzeitig mit den Wörtern “Kung Fu” genannten Kunstform, Schule oder Stilrichtung. Siehe dazu auch im Glossar: →Kung Fu).

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Die 13 Bewegungsarten

Sonntag 23. Oktober 2011 von websifu

Ask a Sifu: Was sind die 13 Bewegungsarten?

Glossareintrag: Die 13 Bewegungsarten

Die “13 Bewegungsarten” – manchmal auch: Die “13 Bewegungen”, die “13 Stellungen” oder die “13 Techniken” – sind gleichbedeutende deutsche Übersetzungen aus dem Chinesischen, welche dort früher synonym als andere Bezeichnungen für die “innere Kampfkunst” des Tai Chi Chuan (Taiji Quan) verwendet wurden, als sich jener Begriff eben noch nicht als Name jener Kampfkunst öffentlich durchgesetzt hatte (bzw. “verschwiegen” wurde).

Die “13 Bewegungsarten” ist also ein anderer Name für Tai Chi (Chuan), welcher in vielfältiger überlieferter Literatur Einzug gehalten hat.

Leider verleitet jene Bezeichnung als “Sammelbegriff für Tai Chi (Chuan)” viele Interessierte zum fehlgeleiteten Schluss, dass hiermit bestimmte, tabellarisch aufgezählte Bewegungen (eben: genau 13 verschiedene, genau benannte und beschriebene – körperliche(!) – Bewegungsarten, Schritte, Stellungen, etc.) gemeint wären. Dem ist aber nicht so.

Mit “13 Bewegungsarten” ist als synonyme Bezeichnung nichts anderes gemeint als “Tai Chi (Chuan)”.

Klärung des Irrtums:
Wird in übertragenen Texten aus alter chinesischer Überlieferung beispielsweise davon gesprochen, dass man “Bei den 13 Bewegungen” oder “in den 13 Bewegungen” dies, das oder jenes macht, zu berücksichtigen oder zu tun hat, dann ist damit eben gemeint, dass man “Bei Tai Chi” oder “in Tai Chi” dies oder jenes zu berücksichtigen hat.

Mehr dazu auch unter:

Was sind die dreizehn Grundbewegungen des Taijiquan?
Was ist das Geheimnis der 13 Bewegungen?

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Was sind die dreizehn Grundbewegungen des Taijiquan?

Sonntag 16. Oktober 2011 von websifu

Eine anders geschriebene Frage wäre:

Was sind die 13 Grundbewegungen des Tai Chi Chuan?

Antwort:

Die dreizehn Grundbewegungen bzw. 13 Bewegungen des Tai Chi Chuan (nach →Pinyin-Umschrift: Taiji Quan) sind eine deutsche Übersetzung der “Erfindung” beziehungsweise Definition von Cheng Man-Ching (1900-1975), welcher zuletzt in den USA lebte und von dort aus für eine wesentliche Verbreitung der Kunst des Tai Chi Chuan im Westen sorgte.

Cheng Man-Ching bezeichnete damit (s)eine Sammlung von “5 Steps” (englisch für: “5 Schritte” – besser gesagt: “5 Schrittformen” – welche leider auch von ihm selbst synonym auch mit “Five Directions” oder “Five Movements” bezeichnet wurden) und den 8 überlieferten Grundtechniken (→den “Ba Gua”), welche er auf seine unnachahmliche Art interpretierte und als wesentliche “Erkenntnis” aus der Überlieferung des “Liedes der 13 Stellungen” als “ein Geheimnis des Tai Chi” verbreitete.

Seine “5 Directions” plus “8 Grundtechniken” ergeben somit rein rechnerisch die “13 Bewegungen”, welche wiederum – seiner Meinung nach – durch das von →Yang Cheng-Fu geschaffene – “→Lied der 13 Stellungen” sozusagen als “Geheimnis des Tai Chi” “bewiesen” sein sollten.

Anmerkung:
Wobei selbiges Lied keinerlei Hinweis und/oder Erklärungen bestimmter Techniken oder Bewegungsformen diesbezüglich beinhaltet, sondern ausschließlich der Titel einer ersten Veröffentlichung des Yang Cheng-Fu in Liedform (zwecks leichterer Einprägsamkeit für seine Schüler) so lautet. Das Lied selbst kann als eine erste – offizielle – “Sammlung von →Tai Chi – Prinzipien” betrachtet werden, welche für Anfänger gedacht ist, um den Einstieg in jene Körperkunst zu erleichtern.

Fazit:

Die 13 Grundbewegungen sind letztlich also von Cheng Man-Ching geschaffen worden und stellen einen Definitions-, Einteilungs- und Erklärungsversuch überlieferter Tai Chi – Formen und Bewegungsarten von ihm dar, welcher von unzähligen Nachahmern und “Nachfolgern” übernommen, wiederum abgewandelt und weiterverbreitet wurde.

Anders formuliert:
Es gibt keine (bestimmten) “Dreizehn Bewegungen / Schritte / Stellungen” aus der (klassischen) Überlieferung des Tai Chi Chuan. Diese sind eine ausschließlich eine “Definition” oder “Interpretation” von/nach Cheng Man-Ching.

Im “Lied der 13 Stellungen” (von Yang Cheng-Fu) werden weder Tai Chi-Stellungen noch irgendwelche Tai Chi-Grundtechniken angeführt, geschweige denn erläutert, sondern ausschließlich “allgemeine Prinzipien des Tai Chi” in Liedform ausgeführt, damit dessen Schüler diese einfacher verinnerlichen können.

Offen bleibt: Warum hatte Yang Cheng-Fu dann diesen Titel hierfür gewählt?
Höchstwahrscheinlich, damit zur damaligen Zeit in China eben NICHT publik wurde, dass es sich dabei um “Tai Chi” handelt – nur “Auserwählte” und “Eingeweihte” (eben dessen anerkannte Schüler) wussten, was darin beschrieben war.

Siehe dazu auch den Eintrag: →Was ist das Geheimnis der 13 Bewegungen?

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Fazit Arbeitsmodelle chinesischer Energiearbeit

Dienstag 30. August 2011 von websifu

Im Artikel →Chinesische Arbeitsmodelle im Tai Chi wurden drei Modelle unterschiedlicher Energiearbeit in der Welt des Tai Chi (Taiji) identifiziert.

Diese sind:

  1. Das Modell der Wandlungsphasen
    (aktuell verwendet im →Qi Gong und der →TCM)
  2. Die “Energien des Taiji” (vermutlich: nach Chen Gong),
    sowie
  3. Die “Ba Gua”
    (mit nachweislich ältestem Ursprung im →I Ging, dem “Buch der Wandlungen”)

Neben diesen drei Grundmodellen, welche das Verständnis und die Anwendung der →Chi-Energie erleichtern sollen, existieren eine unüberschaubare Zahl von Interpretationen und Lehrmeinungen.

Je nach chinesischer Kunstform und Einsatzgebiet, mag das eine oder eher das andere hilfreich sein.

Problematisch wird es dabei, wenn die Grundmodelle (Lehrmeinungen, Symbole und Interpretationen) wahllos vermischt und somit auch “zweckentfremdet” werden. Am schlimmsten ist es, wenn jene völlig aus dem Zusammenhang eines bestimmten Systems gerissen werden, um damit Lücken im Wissen oder bei den Hintergründen der eigenen Lehre zu füllen.

Problematik bei den “Energien des Taiji”

Die Zweckentfremdung, das “aus dem Zusammenhang reissen” und das “Lücken stopfen”, scheint beispielsweise bei Anhängern der “Energien des Taiji” (dem zweiten vorgestellten Modell) der Fall zu sein.

Es fehlt irgendwie der Ursprung, der Hintergrund – besser gesagt: Das Fundament. Darüber hinaus gibt es keine wirklich schlüssigen Zusammenhänge und Verbindungen der einzelnen 41 (oder sind es zwischenzeitlich schon 50 ?) “Energien”.

Anmerkung:
Wobei das Wort “Energie” ja hierbei auch fast falsch scheint, denn vordergründig ist zuerst einmal eine körperliche “Technik” damit gemeint.
Andererseits lassen sich hiermit trefflich hunderte von Seiten nichtssagender Beschreibungen füllen und wunderbar viele Bücher veröffentlichen, worin jeweils eine Technik an die andere gereiht wird.

Die Beschäftigung mit jener Unzahl an “Detailklaubereien” (d.h.: Eine “Einzelanwendungen” einer bestimmten “Energie” zuzuordnen) erscheint uns aus Erfahrung völlig unnötig, um →chin-Kräfte zu realisieren.

Der Schüler verzettelt sich auf “Nebenschauplätzen” -
Besser ist, er konzentriert sich auf die “klassischen Acht Kräfte” (die “Ba Gua”, die →Grundtechniken des Tai Chi) und beherrschte jene, in jeder(!) Situation.

Problematik der Mischung von (modernem!) Qi Gong und Tai Chi.

Viele Lehrer sind der Ansicht, rascher Fortschritte in Tai Chi (Chuan) herbeiführen zu können, indem sie Einzelübungen des Qi Gong als Vorbereitung für das – eigentliche – Tai Chi-Training nutzen. Oder es werden aus dem Qi Gong entlehnte Praktiken in das Training von Tai Chi “eingebaut”, um noch besser dem →Gesundheitsaspekt dienlich zu sein oder die Energieerfahrung in Tai Chi schneller erreichen zu können.

Nicht nur dass dabei (klassische) Ch’i Kung-Übungen mit (moderenen) Qi Gong-Übungen verwechselt werden, sondern eben auch die Betrachtungs- und somit Arbeitsmodelle (der Energiearbeit) vermischt werden.

Dabei wird für viel Verwirrung und Erklärungsnotstände gesorgt und im Gegenteil zur “gut gemeinten” Absicht des rascheren Voranschreitens, in Wahrheit geradezu eine Be-Hinderung des Fortschrittes in Tai Chi (Chuan) erzielt.

Selbst Anfänger erkennen sehr leicht, dass “plötzlich” das in den Qi Gong-Vorübungen praktizierte, einfach “irgendwie” nicht mehr zum Tai Chi-→Formentraining, dem →Danlian oder dem →Tui Shou passt – Können sich aber nicht erklären warum.

Die Antwort ist ganz einfach:
Ein absolut gleichzeitiges(!) Lehren von – Betonung: modernem! – Qi Gong und Tai Chi (Chuan) ist nicht möglich, da beide Systeme völlig verschiedenen Grundlagen und Ansätzen folgen. Es sind unterschiedliche (Arbeits-)Modelle. Zuerst müsste jemand das eine oder das andere meisterhaft beherrschen, um zwischen den Systemen “umschalten” zu können.

Anmerkung:
Ausserdem ist dies eigentlich gar nicht notwendig, denn Tai Chi Chuan (Taiji Quan) stellt ja ohnehin schon eine nahezu perfekte “Vereinigung”, eine jahrhundertelang perfektionierte Symbiose, aus der Kunst der Lebensverlängerung (→Yangsheng), der →Meditation und der chinesischen Kriegskunst (der chinesische Kampfkunst, des →Wushu) dar.
Wie sagt der moderne Mensch gerne: “Never change a winning horse!”

Aus guten Gründen wurde deshalb auch →Cheng Man-ching niemals von →Yang Cheng-Fu als Meisterschüler aufgenommen:

  • Erstens, er konnte sich aufgrund seiner festen Orientierung zur traditionellen chinesischen Medizin, einfach nicht von deren Lehren (”Einzelenergien”, den fünf Wandlungsphasen, etc.) lösen
    und
  • Zweitens, versuchte er “verbissen”, nicht nur Meisterschüler zu werden, sondern ebenfalls jenes erstere Dilemma (sprich: “Wie passen die acht Grundtechniken des Tai Chi Chuan, zu den fünf Wandlungsphasen [des Qi Gong]?”) zu umgehen.

Dabei wichtig zu erwähnen:
Chen Man-Ching leistete einen wichtigen und wesentlichen Beitrag Tai Chi (Chuan) in der westlichen Welt zu verbreiten.
Dies ist zweifellos anzuerkennen und ein Schüler kann sehr viel von ihm (sprich: Büchern und Nachfolgern) lernen.
Aber… (beachte vorherige Absätze).

Wir wissen, dass “→Kung Fu” eben die “NICHT OBSESSIVE…” – also: die nicht verbissene, nicht krampfhaft verfolgte – “…regelmäßige ausgeübte Perfektionierung IN einer BESTIMMTEN Kunstform” darstellt.
(Cheng Man-Ching’s Fehler Nr. 1).

Und ebenso, dass dessen Dilemma (ausformuliert: “Wie passen die Ba Gua [Grundtechniken] zu Qi Gong, bzw. zu den Lehren des TCM, bzw. den Wandlungsphasen?”), nur eine Antwort und Lösung erlaubt: “GAR NICHT!”

Denn es sind zwei völlig unterschiedliche Betrachtungssysteme und (Arbeits-)Modelle (Cheng Man-Ching’s Fehler Nr. 2 …und leider vieler, vieler anderer Taiji-Lehrer auch).

Selbstverständlich kann(!) man beide Systeme und damit einhergehende unterschiedliche Lehrmeinungen – separat - verinnerlichen und auch separat(!) lehren!

Aber: Eine Mischung der Arbeitsmodelle kann zwangsläufig nur zu mehr Verwirrung und auch unklaren Standpunkten und unklarer Lehre führen.

Der Volksmund spricht:
Man kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen.

Natürlich kann ein Praktizierender von jedem dieser Modelle und Systeme etwas für sich lernen und Erkenntnisse daraus ziehen -

Doch:
Ein Schüler kann eben nur auf einem(!) Weg voranschreiten. Ein Meister kann nach Abschluss eines Weges, jederzeit einen neuen wählen!
Das heisst auch: Beide müssen sich entscheiden!

Tai Chi Chuan – heisst übersetzt eben auch:
“Der Weg des TAI CHI” !

Nur für Mitglieder und Förderer:

Fortgeschrittene in Tai Chi Gung finden im Download unter der Rubrik →“Fortgeschrittene”,
das Handbuch: “Die Acht Grundtechniken – Ba Gua Zhang”.

Auf 56-Seiten-DIN-A4 erfolgt die detaillierte Beschreibung der 8 Grundtechniken, die “Ba Gua Zhang”.

Ein brandaktuelles Handbuch vom Gottfried Rinner, Gründungsmitglied und Trainer des →Tai Chi Gung – Landessportverein in Salzburg.

Die Aufklärung über der Geheimnisse des “Ba Gua Zhang”:

  • Ursprünge und Hintergrund;
  • Detaillierte Beschreibung der Acht “Grundtechniken” und deren Anwendung;
  • inklusive 17 grafische Darstellungen und 12 umfangreiche Übersichtstabellen zum Nachschlagen, Vergleichen und für die →Bild-identifizierung.

Download des eBooks im PDF-Format
– nur für registrierte Mitglieder (Vereinsmitglieder und Förderer).

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Die Lange Yang-Form

Sonntag 3. Juli 2011 von websifu

Glossareintrag: Lange Yang-Form

Der (”authentische”) →Yang-Stil kennt →37 Stellungen/Figuren (nach →Yang Cheng-Fu). Jene Stellungen/Figuren bezeichen aber keineswegs Stellungen im Sinne von: festgelegten starren Positionen, sondern vielmehr “Bewegungsabschnitte”, welche fließend ineinander übergehend innerhalb einer →Form nacheinander abfolgen.

Anmerkung:
Wir bezeichnen diese “Abschnitte” und “Formenteile” als →Bild (siehe dort).

In den öffentlichen Formen jenes Tai Chi – Stils finden sich also jene 37 Stellungen , wobei einige öfters wiederholt werden und somit der gesamte Ablauf häufig etwa drei- bis viermal so lang ist, gegenüber der Dauer oder “Länge der Form”, würden jene Bewegungsabschnitte ausschließlich einzeln und einmalig nacheinander geübt werden.

Manche Schulen zählen daher 80, manche 106 – es gibt die 108er-Form im Yang-Stil – manche zählen sogar 128 Stellungen der eigentlich immer gleichverwendeten Abfolge jener benannten 37 Stellungen/Figuren.

Die dabei vorhandenen Problematiken wurden bereits in dem Beitrag: →Die 37 Stellungen des Yang Cheng Fu erläutert.

Leider setzen sich jene Definitionsprobleme und der Begriffswirrwarr auch in der Formenbezeichnung fort, weil heutige
Vertreter des Yang-Stiles also jede(!) der oben angeführten Yang-Stil-Formen als “Lange Yang-Form” bezeichnen, wenn jene Form mehr als jene 37 Figuren enthält (bzw. beschreibt), ungeachtet dessen, ob darin tatsächlich mehr und andere Bewegungsabschnitte vorkommen oder jene einfach mehrfach wiederholt werden, oder auch die Bewegungsabschnitte einfach “anders unterteilt” worden sind.

Hinweis:
Heute öffentlich zugängliche Beschreibungen einer 108er-Form, welche meist als “Lange Yang-Form” bezeichnet werden, beinhalten laut Definition des Tai Chi Gung insgesamt 40 unterscheidbare Bilder (”Figuren”, dem dortigen Namen nach).

Es stellt sich also immer die Frage, ob tatsächlich weitere Stellungen/Figuren aus dem Yang-Stil beinhaltet sind, oder ob es sich dabei ebenfalls wieder (nur) um die Frage der “Art des Zählens” handelt, nämlich: was, wo hinzugerechnet wird.

Beispielsweise:
Ist “Knie streifen rechts” tatsächlich eine andere Figur als “Knie streifen links”? -
D.h.: Ist eine Figur/Stellung auch dann separat zu betrachten, wenn diese sich nur durch Ausführung auf der anderen Körperseite (also exakt “köperseitengespiegelt”) unterscheidet – aber ansonsten keine “neue Technik” beinhaltet?

Oder ist hierbei oft einfach der Wunsch “nach mehr” (Geheimnissen, Kenntnissen, Fertigkeiten) der Vater des Gedankens?

Zum selber nachvollziehen:
Eliminiert man z.B. in einer (irgendwo publizierten) Beschreibung einer 108er-Form alle Wiederholungen von Figuren und zählt eine gleichartige Stellung (eine “gleiche Technik”), die darin sowohl “rechts” als auch “links” ausgeführt vorkommt, ebenfalls nur einmal, dann besteht jene Form eigentlich “nur” aus 35 unterscheidbaren Stellungen/Figuren.

[Anm.: Was dann wiederum heissen würde, dass sogar zwei Stellungen der ursprünglichen Überlieferung "verloren" gegangen sind. ;-) ]

Betrachten wir deshalb auch die “Kurze Yang-Form”.

Glossareintrag: Kurze Yang-Form

Ursprünglich – so heisst es jedenfalls – habe Yang Cheng-Fu die 37 Stellungen/Figuren als “Kurze Yang-Form” zusammengefasst und somit “öffentlich” gemacht.

Womit gleichzeitig aber ausgesagt ist, dass alles, was an Kenntnissen der →Familie Yang geheimgehalten und nur der Familie, sowie deren anerkannten Nachfolgern vorbehalten ist/blieb, in jener Form eben NICHT enthalten ist.

Die Bezeichnung “Kurze Yang-Form” implizierte jedoch automatisch, dass es eine “Lange Yang-Form” geben müsse.
Worin jene bestand und welche (weiteren) Stellungen/Figuren darin vorkommen blieb also ungenannt (unveröffentlicht).

Als Schüler von Yang Cheng-Fu, ist es eigentlich der Verdienst von →Cheng Man-Ching, dass die 108er-Yang-Form als Zusammenfassung durch einige Kombinationen von Bewegungsfolgen und weniger Wiederholungen (Anm.: Obwohl jene auch vorkommen!), als sogenannte 37er-Form in der westlichen Welt von den USA aus große Verbreitung fand.

Daher wird heutzutage auch öfters die 37er-Form von Cheng Man Ching ebenfalls als “Kurze Yang-Form” bezeichnet, obwohl ursprünglich damit eigentlich die “öffentliche Form” von Yang Chen-Fu, also die 108er-Form und deren Derivate bezeichnet wurden.

Fazit:

Wieder einmal zeigt sich, dass auch eine Bezeichnung “Lange” oder “Kurze Yang-Form” weder etwas über den tatsächlichen Inhalt, als auch deren “Gesamtausführungslänge” aussagt, sondern nur einen Begriff darstellt, welchem heutzutage keine gemeinsam gültige klare Definition zugrunde liegt und in unterschiedlichster Art und Weise verwendet wird.

Daher sollte immer nachgefragt werden, was der jeweilige Lehrer oder die jeweilige Schule hierunter versteht.

Abgesehen davon, dass sich Tai Chi (Chuan) als “innere Kampfkunst”, völlig anderen Prämissen – ich möchte sogar sagen: Paradigmen – gegenüber “äußeren Kampfkünsten” zuordnet bzw. “unterwirft” (s.d.a. →Prinzipien).

Der Tai Chi Gung – Landessportverein hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, eben jene Aufklärungsarbeit und bewusstseinsbildende Maßnahmen durchzuführen, um über Möglichkeiten und Hintergründe, die chinesische Bewegungskunst Tai Chi Chuan (Taiji Quan), die “inneren Kampfkünste”, sowie alles, was damit zusammenhängt, zu informieren.
Siehe dazu auch: →Absichten & Aufgaben des Vereins.

Dies geschieht unter anderem über dieses →Forum durch Beiträge, dem →Glossar, →Downloads, sowie entsprechende Beschreibungen und Dokumentationen für Mitglieder und Förderer (z.B. →Bilddokumentationen und Themenspezifische Handbücher als →e-Books – derzeit umgesetzt im praktischen PDF-Format).

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